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BraveStarr: Amantes amentes

von MariLuna
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Brave Starr Stampede Tex Hex
27.07.2009
14.08.2009
28
56.753
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27.07.2009 2.113
 
~ Tex Hex ~

Ich gebe zu: ich habe keine Ahnung, wo ich die Energie hernehme und kann die Schuld daran eigentlich nur bei den Nanobots suchen und in der Tatsache, daß sie während ihres kurzen Aufenthalts in meinem Körper netterweise ein paar Gene reaktiviert haben. Mein Körper fühlt sich irgendwie mit jeder Stunde kräftiger und ernergiegeladener an und jetzt sogar regelrecht aufgeputscht.
Brave Starrs Geruch macht mich ganz verrückt.

Und jetzt will ich immer mehr. Dieses sanfte, Zärtliche war ein netter Auftakt um mich in Stimmung zu bringen, aber jetzt ist wieder Wildheit gefragt. Und so stört es mich auch nicht, als er mitten im Kuß seine Hand besitzergreifend auf meiner Kehrseite positioniert und mir ein leises:
„Mein! Alles mein!“
in die Ohren keucht. Es ist ein seltsamer Befehlston, den er da anschlägt, wie ich ihn nicht einmal von ihm kenne, wenn er seinen Stern trägt, aber es scheint für meinen verrückten Körper, mein endorphinenverseuchtes Gehirn genau das richtige zu sein, denn alles in mir drängt sich ihm entgegen, kann es kaum erwarten, daß er seinen Besitzansprüchen Taten folgen läßt.

Diesmal versinke ich nicht in diesem Rausch, ein Teil von mir ist hellwach und klar, ein sicheres Anzeichen dafür, daß ich es langsam beherrsche, daß ich mich von meinen Instinkten nicht mehr mitreißen lasse. Es ist etwas ganz anderes, ob ich seine Geisterkräfte unbewußt oder mit voller Absicht animiere, es ist viel intensiver, weil zielgerichteter.

Und weil ich jetzt im Dunkeln jede gottverdammte Kleinigkeit sehen kann, ist es ein doppelter Genuß.

Oh, ich liebe es, wenn er den Kopf in den Nacken wirft, daß sein rabenschwarzer Haar nur so fliegt, ich liebe diese kleinen, widerspenstigen Haarsträhnen, die ihm schweißnaß in die Augen fallen, ich liebe das helle Leuchten in seinen Irisflecken, seine leicht geröteten Wangen, die halbgeöffneten Lippen, das elegante Spiel dieser imponierenden Muskeln unter dieser dunklen Haut, aber vor allem liebe ich diese wilde Entschlossenheit in seiner Miene, dieses „Mein!“, das er immer und immer wieder ausstößt und vor allem natürlich die Art und Weise, wie er dieses eine Wort bestätigt.
Diesmal geht es ohne Brüche ab. Ich glaube, er bekommt es auch langsam in den Griff.

Irgendwann wird sein „mein“ immer lauter, immer langgezogener, endet schließlich in einem unterdrückten Schrei, und wenig später kommt ein ziemlich animalisches Grollen aus meiner eigenen Kehle hinzu. Wir versuchen leise zu sein.

Trotzdem drehen meine Leute im Wohnzimmer die Musik keine zwei Sekunden später bis zum Anschlag auf.

Oh Gott, das ist nicht gut, wirklich nicht gut, denn ich spüre, wie diese heiße, aufreizende Rockmusik mein Blut nur noch mehr zum Kochen bringt. Und wenn ich mir das Gesicht meines Marshalls so betrachte, geht es ihm genauso.

***

Durch das Fenster bricht der erste fahlrosa Schein der beginnenden Morgendämmerung. Wenn es hochkommt, haben wir vielleicht eine Stunde geschlafen, aber ganz bestimmt nicht am Stück. Wir waren mit ganz anderen Dingen beschäftigt.
Das ist Wahnsinn!
So etwas ist mir noch nie passiert, nicht einmal während meiner wilden Teenagerzeit.

Brave Starr hat mit Schlafmangel und soviel Matratzenakrobatik gewiß keine großen Probleme, er ist ja gerade erst Mitte zwanzig, aber ich bin knapp zehn Jahre älter, es sollte mir zu schaffen machen.

Es sollte mir definitiv zu schaffen machen.

Aber ich fühle mich weder müde noch erschöpft. Im Gegenteil – mein Körper signalisiert mir eindeutig, daß ich entweder damit weitermachen oder mir anderweitig Bewegung verschaffen sollte, wenn ich nicht vor Energie platzen möchte.

Brave Starr liegt neben mir auf dem Bauch, den Kopf ins Kissen vergraben und schnarcht leise vor sich hin.
Okay, also diese Option fällt damit wohl flach.

Dann werde ich wohl unseren Trainingsraum unten im Keller und das angrenzende Schwimmbecken aufsuchen müssen. Und die Treppen dorthin in einem flotten Dauerlauf hinter mich bringen. Aber zuerst schreibe ich meinem Marshall eine kleine Nachricht, nicht, daß er einen Schreck bekommt, wenn er aufwacht und ich bin nicht mehr da.

So leise wie möglich rolle ich mich aus dem Bett, kritzele ein paar Worte auf einen Zettel, lege diesen auf das Kopfkissen neben ihm, hauche ihm einen zärtlichen Kuß in den Nacken – er schnarcht selig weiter – greife mir ein paar Klamotten aus meinem Schrank und schleiche mich dann aus meinem Zimmer.

***

Sit-ups, Liegestütze, Gewichtheben, Sandsack verdreschen – ich habe sogar wieder ein paar Flic-Flacs und Saltos geübt, aber obwohl mir der Schweiß in Strömen vom Körper rinnt, fühle ich mich noch immer völlig aufgeputscht. Ich kann mir das nicht erklären. Vielleicht helfen ein paar Runden im Wasser.

Seltsam frustriert über meinen Körper, den ich nicht mehr wiedererkenne, raffe ich meine Sachen zusammen, allem voran mein Handtuch und gehe hinüber in den Schwimmbereich.

Es ist nur ein kleiner Pool, dreißig mal fünfzehn Meter und weil Vipra damals darauf bestanden hat ähnelt er eher einer Wohlfühloase als einer Trainingseinheit. Mit künstlichen Felsen, Grünzeug und einem zusätzlichen Whirlpool.

Ich schlüpfe in meine Badehose und springe, erhitzt wie ich bin, ins Wasser. Die Wassertemperatur liegt immer bei fünfundzwanzig Grad, aber im ersten Moment wirkt es stets wie eine eiskalte Dusche, doch sobald ich mit den ersten kräftigen Zügen das Wasser durchpflüge, ist es nur noch angenehm.
Ich schwimme gerne, es gibt nicht viel, wobei ich den Kopf so klar bekomme wie bei ein paar Runden im Wasser. Eine Zeitlang, bevor Stampede meinen Körper restlos ruinierte, gehörte das sogar zu meinem täglichen Pflichtprogramm. Jetzt, wo es meinem Körper besser geht als je zuvor, wäre es vielleicht an der Zeit, diese alte Tradition wieder aufleben zu lassen.

Schneller als gedacht bin ich am anderen Beckenrand angekommen, ich stoße mich ab und tauche diesmal zurück. Irgendwie bin ich verblüfft, daß ich, als ich auf der anderen Seite wieder ankomme, immer noch genügend Luft in meinen Lungen habe, also tauche ich nicht auf und kehre wieder um. Und als ich dann dort wieder ankomme und noch immer keine Luftnot verspüre, weiß ich, daß irgend etwas ganz und gar nicht mehr stimmt.
Verwirrt und beunruhigt zugleich klettere ich aus dem Pool, hole meine Armbanduhr, drücke die integrierte Stoppuhr – zum ersten Mal seit ich dieses Ding habe, erweist sich diese Funktion mal als nützlich – und beginne erneut zu tauchen, diesmal lasse ich mich jedoch nur bis zum Grund sinken, setze mich dort hin und warte. Ich starre wie gebannt auf die Uhr in meiner Hand, verfolge, wie die Sekunden auf dem Display zäh dahintropfen, versuche nicht zu denken und mir keine Sorgen zu machen.Trotzdem kann ich nicht verhindern, daß meine andere Hand prüfend über meinen Hals tastet. Ehrlich gesagt, Kiemen wären mir jetzt überhaupt nicht recht.
Zum Glück scheint alles normal zu sein.

Um mich abzulenken, denke ich an meinen Marshall, rufe mir sein attraktives Gesicht in Erinnerung, die Wärme seiner dunklen Haut, das Funkeln seiner Augen, seine volltönende Stimme. Und muß damit aufhören, weil ein ganz gewisser Köperteil beinahe schmerzhaft erwacht.
Inzwischen sind zwei Minuten vergangen, das klingt nicht nach viel, aber spätestens jetzt sollte sich ein gewisses Engegefühl in meiner Brust bemerkbar machen – aber davon keine Spur.

Als sich die Zahl der Drei-Minuten-Marke nähert, werde ich von ständig wachsender Unruhe ergriffen. Ich beschließe, solche Gedanken jetzt einfach mal beiseite zu schieben und versuche, das alles ganz gelassen zu betrachten.
Und einfach mal abzuwarten.

Vier Minuten.
Viereinhalb.
Ich zähle die Sekunden einfach mit, das lenkt ab.
Und bei Fünf Minuten und dreiundvierzig Sekunden verspüre ich eine leicht beklemmendes Gefühl in meiner Brust, das erstaunlich schnell anwächst. Trotzdem dauert es noch ganze weitere achtzig Sekunden, bis der Druck zu groß wird.
Als ich auftauche, drücke ich die Stoppuhr erneut und noch während ich keuchend die Luft in meine gequälten Lungen ziehe, lese ich das Ergebnis ab.
Wahnsinn!
Ich war genau sieben Minuten und drei Sekunden unter Wasser!

Ich habe keine Ahnung, wo der diesjährige Weltrekord beim Apnoetauchen liegt, aber für mich ist das eine absolute Höchstleistung.
Ich bekomme fast ein wenig Angst vor mir selbst.

Irgendwann bemerke ich, daß diese Übung ein wenig von meinem ungewohnten Elan abgezapft hat. Ich fühle mich immer noch etwas aufgeputscht, aber nicht mehr so stark wie vorher.
Einigermaßen erleichtert drehe ich noch einige Runden.

Plötzlich durchzuckt mich wieder diese eisige Kälte, ich erschauere unwillkürlich und klammere mich haltsuchend am Beckenrand fest. Ich hebe den Kopf und mein Blick fällt auf ein Paar schlanker Füße in Leinenschuhen, gleitet hinauf über zwei goldbraune Waden, einen dunklen Rock, ein einfaches grünes Top und landet dann direkt in Stellas ernstem Gesicht. Der Poolrand wird plötzlich sehr, sehr rutschig und ich verliere fast den Halt. Häßlich aufkratzend verkrallen sich meine Fingernägel in den Fliesen.

„Stampede. Stella“, berichtige ich mich hastig und weiß dann nicht mehr weiter.

Der Ausdruck in diesen smaragdgrünen Augen ist schwer zu deuten und auch sonst rührt sich kein Muskel in diesem schönen Gesicht.

„Tanzunterricht?“ bringe ich schließlich schleppend hervor.

Irgendwie ist all mein Elan, all meine Energie förmlich verpufft, wie aus einem aufgeschlitzten Reifen.

Wortlos streckt sie mir die Hand entgegen und zieht mich aus dem Wasser. Tropfnaß stehe ich vor ihr und sie mustert mich von Kopf bis Fuß und dann gleitet ihr Blick fast anerkennend wieder hinauf in mein Gesicht, um sich tief in meine Augen zu bohren. Ich versuche in ihrer Miene einen Hinweis auf ihre Gedanken zu finden, doch ihr Pokerface ist einmalig. Ich glaube nicht, daß sie mir etwas antun wird, aber trotzdem durchläuft mich ein leichtes Zittern.

Ein Augenblinzeln später trage ich wieder meine gewohnte grüne Kluft samt Hut, Handschuhe und Chaps und stehe in Stampedes Höhle, Stella nur einen halben Meter von mir entfernt.

Sie hebt ihre schmale, rechte Hand und dann spüre ich ihre Fingerspitzen auf meiner Wange, warm, fest und sehr entschieden. Ich spüre, wie ihre scharfen Fingernägel mir die Haut aufritzen. Alles in mir schreit danach, zurückzuweichen, doch die Erinnerung an ihre Hand um mein Herz ist noch zu präsent, ganz egal, wie sehr ich das auch versucht habe in die hintersten Ecken meines Gedächtnisses zu stopfen – jetzt erstarre ich zur Salzsäule. Mein Herz pocht wie verrückt, doch ich versuche, mir meine aufsteigende Panik nicht anmerken zu lassen.

Sie sagt noch immer kein Wort und der Blick ihrer grünen Augen nagelt mich regelrecht fest.
Die Kratzwunde an meiner Wange schließt sich schnell wieder und sie kratzt noch einmal darüber, diesmal jedoch ohne mich zu verletzen. Dann wandert ihre Hand langsam von meiner Wange zu meinem Mund, wo ihre Fingerspitzen sanft die Konturen meiner Lippen nachzeichnen. Es ist dieselbe Art von Berührung, mit der ich damals in Dr. Slims Praxis im Drogenrausch die Lippen meines Marshalls liebkoste, aber ich bezweifle, daß er dabei vor Angst fast den Verstand verlor wie ich gerade.

Ich versuche krampfhaft nicht zusammenzuzucken, als ihre Hand tiefer gleitet, über meine Kehle, meine Brust und den Bauch – bei Gott, ich kann ihre Fingernägel durch den Stoff überdeutlich spüren! Kurz über meinem Gürtel verharrt diese Hand.

Inzwischen hat mich die Panik fest im Griff, denn das dort ist imemr noch Stampede – im Prinzip kann er sich nehmen was immer er will, ganz egal, in welcher Gestalt er gerade herumläuft und ich könnte gar nichts dagegen unternehmen.

„Wer ist dein Herr und Meister?“

Nur wie aus weiter Ferne höre ich Stellas erstaunlich sanfte Stimme mit diesem unterschwelligen Semidrachen-Grollen.

„Du“, stoße ich heiser hervor.

Ihre Finger liegen inzwischen auf meiner Gürtelschnalle, hauchzart nur, doch dann kratzen ihre Nägel über das Leder, ein schabendes Geräusch, bei dessen Klang sich mein Innerstes verkrampft.
Eine Warnung, eine Erinnerung, eine Demonstration der Macht.

Ganz langsam beugt sie sich zu mir vor – sie ist tatsächlich genauso groß wie ich – ihr warmer Atem streift mein Gesicht, dann raunt sie ganz leise, direkt an meinem Ohr:

„Vergiß das nie, Tex Hex.“

Sie riecht nach Himbeeren und Joghurt, herrje, Stampede hat aber wirklich kein Detail an seiner neuen Gestalt vergessen, nicht einmal den Duft von Sternanis-Shampoo in ihren Haaren.

Ich kratze all meinen Mut zusammen.

„Das vergesse ich bestimmt nicht, Stella. Und vergiß du nicht, was ich dir gestern gesagt habe.“

All die Jahre habe ich immer nur still und verzweifelt um ein kleines bißchen Freiheit gekämpft, habe diejenigen beschützt, die mir am Herzen liegen, indem ich mich diesem Semidrachen zum Fraß vorwarf, aber es ist das zweite Mal innerhalb von zwölf Stunden, daß ich auch mal so etwas wie eine Drohung ausspreche.
Ich verspüre keinen Triumph dabei, eher die wilde Entschlossenheit, weiterhin mein Bestes zu geben. Mit dem Wissen darum, daß mein Körper etwas verbessert wurde und Verletzungen in Rekordgeschwindigkeit heilen, fällt es mir etwas einfacher.

Aber die Angst nimmt es mir nicht, denn diese hat sie gestern wieder nachdrücklich in mein Herz gegraben, als sie es so eindrucksvoll zwischen ihren Krallen hielt.

Sie lehnt sich wieder zurück, mustert mich nachdenklich und reicht mir dann ihre Hände:

„Bring mir jetzt bei, wie man tanzt.“

***
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