Die Wege des Herrn...

von Aku
GeschichteAllgemein / P6
26.07.2009
26.07.2009
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Die Wege des Herrn...
für Caroline
Frohe Weihnachten!



Es waren natürlich noch immer arrangierte, von ihren Vätern geplante Treffen und sie beide wussten das. Aber dieses Detail stört sie nicht mehr wirklich, seit sie gelernt hatten, das Thema, über das sie eigentlich sprechen sollten, zu umgehen. Henry beschwerte sich in Edwards Gegenwart nicht darüber, dass er eine Priesterlaufbahn einschlagen musste, und Edward dachte einfach nicht mehr daran, dass sein Vater ihn gebeten hatte, dem jungen Beaufort doch seine Zukunft schmackhaft zu machen.
Damit kamen sie beide erstaunlich gut zu recht.

Henry war ganz anders als sein Halbbruder und überhaupt das krasse Gegenteil von Edward, aber dennoch verstanden sie beide sich erstaunlich gut. Ihre Gespräche mussten zwar auf jeden zufälligen Beobachter ein wenig merkwürdig wirken, mit Henry, der fluchte wie ein Gerber, und Edward, der bei alledem nie die Ruhe, das sanfte Lächeln und die höflichen Floskeln vergaß, aber ihnen beiden taten sie wirklich gut.

Henry schätze die Besonnenheit des anderen Mannes und musste sich selbst doch eingestehen, dass Edward Aspekte bedachte, auf die er im Traum nie gekommen wäre und Edward genoss Henrys offene Art und die verschlungenen Wege, auf denen er es schaffte, gleichzeitig genau das zu sagen, was er meinte und was der andere hören wollte.

Selbst John Beaufort, der ein mindestens ebenso großes Vergnügen an Worten und Wissen hatte, wie sein kleiner Bruder, hatte ihnen versichert, dass sie verrückt waren und dass junge Männer in ihrem Alter ausreiten und jagen sollten und nicht nur gemütlich durch den Park trabend über die Landespolitik diskutieren sollten.


Aber heute war alles anders. Henry trennten nur wenige, viel zu kurze Tage von seinem Gelübde und seine Zweifel und seine Wut hingen wie dunkle Wolken über allem was er sagte.
Edward seufzte. „Es wird nur halb so schlimm werden, wie du erwartest.“

„Auch das ist noch schlimmer, als ich ertragen kann.“

„Du kannst eine Menge ertragen, wenn du möchtest, vertrau mir.“

„Ja, ja, natürlich und… Ich weiß ja auch nicht. Es ist wahrscheinlich wirklich nicht so schlimm. Man hat als Priester schon ganz andere Möglichkeiten als als einfacher Bastard. – Ich könnte Bischof werden.“

„Du wirst Bischof werden“, entgegnete Edward ruhig, aber bestimmt.

„Das ist wirklich keine schlechte Position. Aber weißt du… es widerstrebt mir.“

Edward goss Gewürzwein in ihre Becher.

„Was genau widerstrebt dir?“

„Der Gedanke, mein Leben jemandem zu verschreiben, der will, dass ich mich gänzlich entgegen meiner Natur verhalte.“

Edward verschluckte sich an seinem Wein.

„Weißt du, ich will in den Krieg ziehen, Ritter werden, heiraten, Kinder haben, das Leben genießen, weit ab von den Kirchenregeln. – Wenn Gott mich mit diesen Bedürfnissen ausgestattet hat, warum darf ich dann nichts davon bekommen?“

„Das kann… Ich nehme an, Gott prüft dich. Seine treuesten Diener erkennt er daran, dass sie nicht das tun, was sie möchten, sondern sich ihm und seinen Wünschen unterordnen.“

Henry zog eine Augenbraue hoch und nippte an seinem Becher. „Aber Gott sollte doch wissen, dass ich gerne bereit bin, ihm zu dienen. So gut ich kann, mit allem was ich habe, aber auf meine Art. – Wenn ich mich jetzt weihen lasse, werde ich doch trotzdem einen Weg suchen und finden… das kann doch nicht sein, was er will.“

„Ich nehme an, er hofft, dass du der Versuchung widerstehst.“

„Aber warum gerade ich? Warum nicht du? – Niemand erwartet von einem Ritter, der ein begnadeter Lanzenkämpfer ist, ein Bogenschütze zu sein. Warum erwartet Gott, dass wir ihm anders dienen als wir könnten? Ohne uns zu verbiegen?“

Edward lächelte. „Er will nicht, dass wir es uns einfach machen.“

„Edward, er verschwendet Ressourcen.“

„Vielleicht verfolgt er einen größeren Plan, einen, den wir nicht begreifen können.“

„Genau das meine ich. Das ist doch keine Erklärung. Ich will nicht ein gutes irdisches Leben aufgeben, weil ich die Hoffnung habe, dass das dem Allmächtigen irgendwie nützlich ist.“

Seufzend nahm Edward noch einen großen Schluck seines Gewürzweins. Er verstand den anderen nur zu gut. Viel zu gut. Und er wollte das nicht verstehen, er wollte, er musste auf Gott vertrauen.

„Dir bleibt nichts anderes übrig. Wenn du nicht auf Gott vertrauen kannst, dann auf niemanden.“

Henry musterte ihn lange, fragend. Und Edward wusste genau, was er fragen wollte. Vielleicht hatte er seine Erschöpfung bemerkt. Vielleicht… Er würde fragen, und Edward wusste nicht, was er ihm antworten sollte.

„Edward…“

Er musste einfach fragen.

Aber er tat es nicht. Lächelte bloß ein kleines bisschen traurig.

„Dann soll es so sein. Werden wir beide also tun, was Gott von uns verlangt. Aber wehe ihm, sein Plan ist nicht wirklich, wirklich gut.“
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