Es ist nur Liebe

GeschichteDrama / P12
19.07.2009
23.07.2009
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Kurz vorweg: Ich orietiere mich bei meiner Geschichte am Musical Rudolf, das ja historisch nicht unbedingt einwandfrei ist ;-)
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„Auf zu einem weiteren Ball.“, dachte Amélie.
Sie hatte schon viele Bälle dieser Art erlebt und auch wenn dies ihr erster in Wien war, so machte es für sie doch keinen Unterschied. Mit ihren 23 Jahren war sie noch recht jung, doch schon früh in die Gesellschaft eingeführt worden.
Sie war in Wien um ihre gute Freundin und Cousine Marie Valerie zu besuchen, die Schwester des Kronprinzen. Da diese jedoch bevorzugt mit der Liebe ihres Lebens ihre Zeit verbrachte, war sie häufig allein.
Behutsam schritt sie durch den Ballsall der Hofburg in dem sich scheinbar der gesamte Adel Europas versammelt hatte um den jungen deutschen Kaiser zu Ehren.
Neugierig betrachtete sie die Ballroben der anwesenden Damen, ihre selbst war aus zarter Seide und erstrahlte in einem prächtigem Blau, ihrer Lieblingsfarbe.
Sie betrachtet behutsam alle Stoffe, Farben und Schnitte und war leicht abgelenkt, da sie eine Leidenschaft für Mode besaß.
Eine ihr gut bekannte Stimme brachte sie jedoch wieder zur Besinnung.
„Meine liebe Amélie, darf ich dir jemanden vorstellen?“ Es war ihre Cousine, Gräfin Larisch.
„Selbstverständlich liebe Marie!“
Marie trug ein dunkelblaues Kleid mit einer Schleppe und Ärmeln aus feinster Spitze.
„Darf ich also vorstellen: Mary Baroness Vetsera.“
Amélie und Mary verfielen zeitgleich in Gelächter.
„Ich fürchte Tante Marie, du bist ein wenig spät, wir beide sind uns bereits bekannt.“, scherzte Mary.
„Ich fürchte dir ist entgangen, dass ich ebenfalls bei der Eröffnung des Burgtheaters anwesend war und wir uns dort bereits kennen gelernt haben.“
„Na ihr seid mir zwei.“, seufzte Marie, „Aber lasst uns nun tanzen. Was ist ein Ball ohne Tanz!“ Sie nahm die beiden an die Hand und zog sie zur Tanzfläche.
„Danke, Marie, aber ich bevorzuge doch den Posten der Beobachterin.“, entschuldigte sich Amélie.
„Dann beobachte du. Und halte nach ein paar Exemplaren der Gattung zukünftiger Gatte ausschau.“, zwinkerte Marie ihrer Cousin zu, die nur mit einem leicht genervten Lächeln entgegnete.
„So Mary, du wirst mir jetzt aber brav Gesellschaft leisten.“
Während Marie und Mary scherzend in der Menge der Tanzenden auf der Tanzfläche verschwanden, stieg Amélie die einige Stufen der riesigen Treppe empor um einen Überblick über das Geschehen zu bekommen.
Die Musik ertönte und die Menschen begannen sich kunstvoll zu bewegen. Leider lag ihr Tanz relativ fern. Sie wurde Tänze aller Art gelehrt, doch leider konnte sie nie recht Freude daran finden.
In der Menge bewegten sich ihre Cousinen, ihr Cousin der Kronprinz und noch so manches gekröntes Haupt.
Niemand stand still. Außer einem Mann. Er stand ihr gegenüber und beobachte sorgfältig die Menge.
Er kam Amélie bekannt vor, aber vorgestellt wurde er ihr noch nicht.
Der Tanz endete und der Kronprinz, Mary, Marie und der Prince of Wales, der ebenfalls anwesend war, fanden sich zusammen.
Mary und der Kronprinz wurden einander vorgestellt.
Doch dieses Geschehen beschäftigte die schöne Blonde weniger, der ihr unbekannte Mann hatte sie gefangen.
Als die kleine Versammlung sich aufzulösen schien und nu noch der Kronprinz und Mary sich einander widmeten, schritt Amélie eilig zu ihrer Cousine Marie, die am Arm des Prince of Wales weilte, um sie auf ihre Entdeckung aufmerksam zu machen.
„Königliche Hoheit, würden Sie meine geschätzte Cousine einen Moment lang entschuldigen?“ Wie verlangt begleitet ein galanter Knicks ihre Worte.
„Of course my dear!“
Mit einem Handkuss ließ er die beiden Damen ziehen und diese widmeten sich den wichtigen Dingen im Leben.
„Marie, wer ist dieser Mann dort drüben?“, flüsterte Amélie Marie.
„Welchen meinst du?“
„Den Herrn, der es ebenfalls bevorzugt hat dem Parkett fern zu bleiben.“
„Er ist dir unbekannt? Dann werde ich euch mal bekannt machen!“
Eiligen Schrittes und sichtlich amüsiert ging Marie zu dem Herrn hinüber, Amélie eilte ihr nach.
„Mein hochverehrter Herr Graf, darf ich Ihnen jemanden vorstellen?“
„Bitte meine liebe Gräfin Larisch!“ Er neigte sich um ihre Hand zu küssen.
„Graf Taaffe, Prinzessin Amalia in Bayern.“
„Königliche Hoheit.“
Graf Taaffe ergriff ihre Hand und hauchte einen zarten Kuss über diese.
Ihre Wangen überfuhr ein leichtes rot als ein unbekannte kalter Schauer durchfuhr sie und sie wurde schlagartig unsicher, als er sich wieder erhob und ihr in die reinen blauen Augen blickte.
Seine Augen waren von einem leuchtendem Grün geprägt, doch auch einige Funken Blau durchzogen seine Iris. Sein Haar war braun und ihn umströmte einen für sie unwiderstehlichen Geruch.
„Amélie, Ministerpräsident Eduard Graf Taaffe.“
„Herr Ministerpräsident.“
Sie machte einen leichten Knicks vor ihm, doch wollte der Schauer der sie durchfahren hatte sie nicht verlassen.
„Ich werde mich nun zurückziehen!“, verkündete Marie und ließ die beiden nach einer kurzen Verabschiedung allein. Die Musik begann erneut leise zu Erklingen und deutete den nächsten Tanz an.
„Wie ich bemerkt habe liegt Ihnen der Tanz genauso fern wie mir?“, bemerkte Amélie um die sich verbreitende Stille zu unterbrechen.
„Nun königliche Hoheit, mein Amt lässt mich auch zu solchen Feststunden nicht Ruhen.“ Er nahm ihre Hand und führte sie die Stufen der riesigen Treppe hinauf um der tanzenden Menge erneut zu entfliehen.
„Also liegt Ihnen der Tanz?“
„Nein, mein Glück ist es eine mehr als gute Entschuldigung für solche Festlichkeiten zu besitzen.“
Sein Charme nahm Amélie ein Stück ihrer aufkeimenden Unsicherheit.
„Ich wünschte mir auch manchmal solch eine Entschuldigung zu besitzen, denn leider wurde ich mit vielen Dingen gesegnet, der dem Tanz leider nicht.“
Sie erreichten die Galerie die an die Treppe grenzte.
Amélie genoss den Ausblick und erblickte dabei den Kronprinzen wie er mit Mary tanzte.
„Schauen Sie Graf Taaffe, mein Cousin kann tanzen! Wie unfair, ich wünschte manchmal ich könnte es auch.“
Graf Taaffe trat an ihre Seite. Seine Miene versteinerte sich schlagartig. Was er dort sah gefiel ihm ganz und gar nicht.
Die Musik spielte erneut laut an und zu den beiden bereits Tanzenden gesellte sich der Rest der Menge.