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Set It Out

von Sera22
GeschichteAbenteuer / P16 / Gen
Kirill
14.07.2009
25.10.2009
2
3.310
 
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Dieses Kapitel
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14.07.2009 1.602
 
Disclaimer: Nix gehört mir! Außer meine OCs.

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Mit quietschenden Reifen fuhr er los. Katerina blieb bloß übrig, sich krampfhaft am Haltegriff der Autotür festzuhalten, während das Auto in den Kurven auf nur zwei Rädern zu fahren schien.
Was immer er mit ihr vorhatte, würde womöglich gar nicht wahr werden, weil er sie vorher schlicht und ergreifend in einem Autounfall umbringen würde!

So langsam lichtete sich der Schleier vor ihren Augen und die Vernunft setzte ein. Der erste klare Gedanke, den sie wieder fassen konnte, war, dass das Auto ein schwarzer 7er BMW war, aufgeräumt und sauber, jedoch gab es Anzeichen, dass es nicht lediglich ein Mietwagen war.
Auf dem Armaturenbrett lag ein Briefumschlag und in einer Halterung steckte ein benutzter Kaffeebecher.
Ein Kreuz an einer silbernen Kette hing vom Rückspiegel und schwang wie wild von der einen zur anderen Seite, seinem wilden Fahrstil ebenso hilflos ausgeliefert wie Katerina.

Sie wagte einen Blick rüber zu ihm auf den Fahrersitz. Mit starrem Blick und die Augenbrauen zusammengekrampft blickte er zur Frontscheibe hinaus in die dunkle Nacht. Seine Waffe war verschwunden, doch verströmte er auch ohne sie eine unsichtbare Gefahr.

Wo war sie hier bloß wieder hineingeraten? Sollte sie ihre Vergangenheit erneut einholen?

Katerina dachte mit Unbehagen an ihre letzten Monate hier in Moskau zurück. Neben einer aussichtsreichen, doch eher fragwürdigen Karriere in einem der dunkelsten und gefährlichsten Nachtclubs, brachte sie es weit im… nun, nennen wir es mal Verstimmen eines der mächtigsten Unterweltbosse der Hauptstadt. Nur mit viel Glück war sie damals seinen weit reichenden, tödlichen Händen entkommen und baute sich gerade erst eine neue Identität und Zukunft auf.

Sollte diese schon so frühzeitig wieder in Schutt und Asche gelegt werden?

Wenn sie sich diesen zweifellosen Attentäter hier neben ihr im Auto genauer ansah, war sie sich sicher, dass er irgendetwas mit Alexej Wolkow zu tun hatte. Sie wusste nicht warum, aber ihr Instinkt verriet es ihr. Und das war kein gutes Zeichen.

Langsam wich die eingetretene Vernunft und die Panik regierte wieder. Sie strömte in ihr gesamtes System und legte ihre Bewegung lahm. Er würde sie sicher zu Wolkow bringen und ihre letzte Stunde hätte dann geschlagen!

Auf der anderen Seite musste sie sich wundern, warum sie überhaupt noch am Leben war. Wenn Wolkow sie tot sehen wollte, was für Katerina außer Frage stand, warum hatte dieser Killer sie nicht schon längst erledigt? Oh Gott, sie wollten sie doch nicht etwa noch vorher foltern und dann erbärmlich abkratzen lassen?

Sie wollte schreien, wegrennen, sich mit Händen und Füßen wehren, doch immer noch war sie wie paralysiert vor Angst.

Dann fiel ihr die einzig logische Handlung ein in ihrer für sie scheinbar ausweglosen Situation und führte zu ihrer Kurzschlussreaktion: Sie zog am Türöffner.

Es ging alles plötzlich so schnell. Er war gerade dabei, scharf in eine Linkskurve einzubiegen, als sich ihre Tür öffnete und sie seine Unachtsamkeit schamlos ausnutze und aus dem Wagen sprang.

Katerina konnte ihr Glück nicht fassen. Ehrlich gesagt hatte sie nicht damit gerechnet, dass die Tür überhaupt aufgehen würde!
Immer noch unfassbar über die halb geglückte Flucht rollte sie sich gekonnt auf dem Bürgersteig ab und kam abrupt, aber auch schmerzhaft an einer Straßenlaterne zum Stillstand. Wie durch ein Wunder hatte sie keines der anderen fahrenden Autos erfasst. Sogleich rappelte sie sich stöhnend auf und checkte mögliche Verletzungen oder gar Brüche.

Keine vorhanden, jetzt bloß weg hier!

Der schwarze BMW kam hundert Meter entfernt mit quietschenden Reifen zum Stehen. Katerina drehte sich zu ihm um, panisch Luft holend und abschätzend, was der Killer jetzt vorhatte.

Doch nichts passierte. Der Wagen bewegte sich nicht, die offene Beifahrertür wippte jedoch durch das schroffe Bremsmanöver vor und zurück.

Nicht weiter ihr Glück herausfordernd drehte sich Katerina um und rannte los. Irgendwie würde sie ihn schon abschütteln, was blieb ihr anderes übrig? Erschossen zu werden auf offener Straße war keins ihrer erstrebenswerten Ziele!

Sie wagte es nicht, zurückzublicken, als sie in eine Gasse einbog, in der Hoffnung genug Haken zu schlagen, dass er ihr nicht folgen konnte.
Ihre Schritte hallten durch die Straße und bald waren sie das einzige, was Katerina hören konnte. Sämtlicher Straßenlärm der Hauptstraße ging unter und diese Stille kam ihr plötzlich so bedrohlich vor.

Sie konzentrierte sich auf das einzige, was sie gut konnte und scheinbar schon ihr ganzes Leben machen musste. Weglaufen. Ihre Stiefel mit Absätzen waren ebenso wenig problematisch wie ihre Kondition. Jeden Tag trainierte sie, wenn nicht extra für derlei Situationen, dann doch aus reiner Vorsicht. Sie war so gut in Form, da machten Absätze an Schuhen wahrlich nichts aus.

Katerina kontrollierte ihren Atem, um Seitenstechen zu vermeiden. Alles problemlose Routine und mit neu geschöpfter Hoffnung und Sicherheit bog sie erneut um eine Ecke weg von der dunklen Gasse hinein in eine belebtere Straße.

Sie verlangsamte ihre Bewegung, um nicht weiter aufzufallen. Erst jetzt wagte sie einen flüchtigen Blick hinter sich. Sie konnte niemanden erkennen. Keinen großgewachsenen, dunkelhaarigen Mann mit gezogener Waffe und langem Ledermantel, der aufgebracht hinter ihr her war.

Katerina erlaubte sich ein erleichtertes, tiefes Ein- und Ausatmen bevor sie in der Menschenmenge weiter untertauchte.

Sie überlegte, wie sie vorgehen sollte. Möglicherweise war ihr Appartement nicht mehr sicher und das Blackout, wo er sie aufgegabelt hatte, erst recht nicht.

Was tun? Entscheidungen! Entscheidungen!

Ein Taxi, was gerade ein paar Meter von ihr entfernt in die Hauptstraße einbog und am Straßenrand anhielt, fiel ihr ins Auge. Mit entschlossenem Schritt und einem leichten Lächeln ging sie auf es zu.

Sie erreichte die rechte Hintertür, riss sie auf und gab sogleich dem Fahrer ihre Anweisung.

„Zum Bahnhof bitte!“

Der Taxifahrer wandte sich zu ihr um und nickte freundlich. Als sie einsteigen wollte, spürte sie eine Hand auf ihrer rechten Schulter.

„Warum fährst du nicht bei mir mit?“

Diese Stimme! Sie war wie kaltes Stahl, was sich skrupellos in ihren Körper bohrte. Sie hätte nicht grausamer, nicht erbarmungsloser erscheinen können. Das konnte nicht sein! Das durfte nicht sein! Katerina hatte ihn doch so erfolgreich abgeschüttelt und doch war er hier, bohrte seine Finger schmerzhaft in ihre Schulter und zwang sie, sich zu ihm umzudrehen.

Mit erhobener Augenbraue sah er sie mit kalten Augen an. Er verlangte eine Antwort auf seine Frage und bekräftigte dies mit einem einfachen Brummen: „Hmm?“

Seinen Griff von ihrer Schulter zu ihrem Oberarm wechselnd, schmerzhaft, beanspruchte er ihre volle Aufmerksamkeit, während er mit dem Fuß die Tür des Taxis zutrat und so unmissverständlich ausdrückte, welche Antwort er von ihr erwartet hatte.

Der laute Knall der Autotür ließ Katerina zusammenzucken und ihr fiel seine wieder gezogene Waffe auf. Der silberfarbene Schlitten blitzte gefährlich im zwielichtigen Licht der Straßenlaternen auf.
Wie im Trance ließ sie sich von ihm mitziehen, weg von der belebten Straße. Niemand der ihnen entgegenkommenden Leute bemerkte ihren panischen, gehetzten Blick. Stur blickte sie geradeaus, bis die Straße wie leergefegt wirkte und nur noch die Schritte von ihr und dem Mann, der den schmerzhaften Griff an ihrem Oberarm nicht lockern wollte, zu hören waren.
Die bloße Angst ließ sie keinen Blick auf den Mann an ihrer Seite werfen bis sie wieder an seinem Auto angekommen waren.

Dieses stand unbewegt mitten auf der Straße, genau dort, wo er vorhin zum Stehen gekommen war. Der vorbeiziehende Straßenverkehr bahnte sich seinen Weg um den 7er herum und die Beifahrertür stand noch immer offen.
Sie wunderte sich kurze Zeit, warum er überhaupt noch dastand. Ein verlassener, offen stehender Wagen mitten auf der Straße musste doch unglaublich verlockend für Diebe sein!

Dieses Mal zwang er sie nicht auf den Beifahrersitz. Er blieb am Kofferraum des Wagens stehen und öffnete ihn. Als Katerina das bemerkte, hatte sie nur einen einzigen verzweifelten Versuch sich gegen sein Vorhaben zu wehren, doch er überzeugte sie alsbald mit seiner Waffe und der beigefügten Bedrohung: „Na los, keine falsche Scheu.“

Seine Worte tropften nur so vor Verspottung. Sie wurden noch von einem süffisanten Lächeln und einem groben Stoß in Richtung Kofferraumöffnung begleitet.

„Au, hey, warte, nein!“, stöhnte Katerina auf, als sie sich ihre Knie und Oberschenkel am Heck des Fahrzeuges stieß.
Sie verlor das Gleichgewicht und fuchtelte Halt suchend mit ihrem freien Arm. Innerhalb von Sekundenbruchteilen nutzte er das aus und hatte sie in den Kofferraum gedrückt und ihn mit einem lauten, frustrierten Knall zugeschlagen.

„Nein! Nicht! Aah du Scheißkerl!“, schrie Katerina wütend auf, „Lass mich hier raus, verdammt!“, und schlug heftig gegen den Kofferraumdeckel.
Doch das tat er nicht und ihr stießen ernüchternde Tränen in die Augen als sie bemerkte, dass der Wagen sich wieder in Bewegung setzte.
Durch seine rücksichtslose Fahrt wurde sie wie bisher hin- und hergeschüttelt, doch jetzt hatte sie noch weniger Halt als zuvor und stieß sich ständig an Ecken und Kanten und Gegenständen, die sie im Dunkel des Kofferraums erst recht nicht ausmachen konnte.
Sie schrie immer noch und fluchte wie wild, ihre Kehle wurde ganz rau, ihre Lippen waren spröde und rissig, ihre Hände und Ellenbogen taten ihr unheimlich weh, doch sie hörte nicht auf, immer wieder derb gegen das Auto zu schlagen, in der Hoffnung irgendjemand da draußen würde ihre Hilfeschreie hören.

Als das Auto plötzlich zu einem erneuten Stopp kam und Katerina hörte, wie sich eine Tür öffnete, wurde sie ruhig und hellhörig. Tatsächlich öffnete sich auch die Kofferraumklappe und der Kontrast zwischen dem Dunkel der Nacht und den hellen Scheinwerfern und Straßenlampen ließ sie ihre Augen zusammenkneifen. Nur schemenhaft konnte sie die Gestalt vor ihr ausmachen, sie zweifelte nicht daran, dass er es war. Noch bevor eine erneute Welle an Beschimpfungen und Verfluchungen ihre Lippen verlassen konnte, bemerkte sie nur noch eine ausholende Bewegung seines rechten Armes und den unausweichlichen Schlag in ihr Gesicht, der sie augenblicklich bewusstlos werden ließ.

Ende Kapitel 2.
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