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Set It Out

von Sera22
GeschichteAbenteuer / P16 / Gen
Kirill
14.07.2009
25.10.2009
2
3.310
 
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Woran lag es bloß, dass sie immer nur diese schmierigen, ekeligen und natürlich unglaublich unfreundlichen Kunden des Clubs abbekam? Irgendwie ließ sie das Gefühl nicht los, dass ihre Kolleginnen nicht so schlecht wegkamen, wenn es darum ging, wer das meiste Trinkgeld und die nettesten Gespräche des Abends hatte. Ihre Tische waren, so schien es, ständig von der Proletenunterwelt von Moskau besetzt.

Katerina arbeitete nun schon seit über einem halben Jahr im Club Blackout und sie hatte das Gefühl, als ob es von Tag zu Tag, oder besser von Nacht zu Nacht, schlimmer wurde.

An der Lage des Clubs schien es nicht zu liegen, die war für Moskau sogar richtig gut. Aber die zum überwiegenden Teil „neureichen“ moskauer Russen tummelten sich zu Hunderten Abend für Abend in dem angesagten Club. Dabei verhielten sie sich, wie die Axt im Walde.

Täglich hatte Katerina mit Übergriffen zu kämpfen. Sobald die Männer genug Vodka intus hatten, wurden sie lockerer, gesprächiger, aber auch fordernder und aggressiver. Mit der Zeit fühlte sie sich wie in einem schlechten Film, die Männer erfüllten jedes Klischee mit Inbrunst.

Gerade wollte sie wieder einen von diesen miesen Typen loswerden. Er trug ein edles, schwarzes Jackett, wie fast alle Männer hier, um zu zeigen, dass man Geld hatte und bereit war, es zu spendieren. Er war groß und muskulös, mit dunkler Kurzhaarfrisur und einer Narbe an der Schläfe.
In Gedanken zählte sie seine mutmaßlichen Taten des heutigen Tages auf: Frau und Kind geschlagen, illegale Geschäfte abgeschlossen, in Bar versackt. Die waren doch eh alle gleich.

„Hey! Nicht angrabschen! Finger weg!“, verwarnte sie ihn mit einem strafend erhobenen Zeigefinger, während sie versuchte, aus seiner Umklammerung zu entkommen. Er hatte ihren Unterarm in einem ziemlich festen und schmerzhaften Griff. Dabei versuchte er sie zu drehen, um sie auf seinem Schoß platznehmen zu lassen.

„Nun lass dich nicht so bitten“, beharrte er, „los komm, lass sehen, was du zu bieten hast!“, grölte er weiter und seine Kompanions am Tisch jubelten ihm besoffen zu.

Katerina krallte mit der rechten Hand ihr Tablett fest und entleerte mit der linken mit leichter, doch bestimmter Wucht das letzte gefüllte Glas Vodka im Gesicht des lästigen Kunden.

„Hier! Deine Bestellung! Und jetzt lass mich los!“

Total ungläubig und verschreckt, dass sich seine Bedienung so was erdreistete, prustete ihr penetranter Gast die Flüssigkeit aus seinem Gesicht und ließ sie zu ihrem Glück gleichzeitig los.
Katerina drehte sich agil um und stiefelte mit einem leichten Grinsen auf dem Gesicht wieder in Richtung Theke. Das reichte ihr für heute, sie musste es dem Typen einfach zeigen.

An der Theke angekommen lehnte sie sich lässig dagegen und drehte sich halb zu dem von ihr zuletzt bedienten Tisch um. Die Begleitung des wütenden Mannes versuchte ihn gerade davon abzuhalten, auf sie zuzustürmen. Dabei gerieten alle in Streit untereinander und fingen an, zu rangeln.

Die Ordner waren schnell bei der Sache und warfen die Menge aus dem Club.

„Kein Trinkgeld aber dafür meine Ruhe. Klasse“, dachte sich Katerina sarkastisch.

„Na, wieder Ärger am Hals?“

Die leicht säuselnde Stimme von Darja drang an ihr Ohr. Katerina stöhnte nur kaum hörbar über die laute Musik und verdrehte die Augen.

Darja lachte herzlich während sie sich neben Katerina an die Theke lehnte. „Wenn du willst, mach ’ne Pause. Bis später!“, mit einer letzten freundlichen Berührung an Katerinas Unterarm verabschiedete sich die Blondine von ihr und spazierte verführerisch in Richtung des gerade neu besetzten Tischs von Katerina. Diesmal saßen zwei Pärchen am Tisch, nett lächelnd und geduldig wartend auf ihre Bedienung.

Resigniert über die sich gerade wieder mal bestätigende These über ihr allnächtliches Klientel ging Katerina um die Theke herum und krallte sich ihre Zigaretten sowie ihre Lederjacke und verließ die Bar durch den Hinterausgang.


Langsam und gemütlich steckte sie sich eine Zigarette an und suchte ihr angestammtes Plätzchen für ihre Raucherpausen auf. Es war der dreckige Hinterhof vom Club. Die zwei Mülltonnen an der Hauswand quollen über vor Abfällen aus dem Laden. Die Straßenlaterne ließ ein zwielichtiges Licht auf die Einmündung von der Straße zu, sie flackerte unaufhörlich und brachte Katerina zum Stirnrunzeln.

„Wenigstens kein Regen“, ermunterte sie sich selbst und lehnte gegen die Häuserwand. Sie inhalierte einmal kräftig mit einem einzigen, tiefen Zug an der Zigarette, schloss die Augen und warf langsam den Kopf nach hinten, um ihn an der Wand anzulehnen und das Nikotin im Körper zu genießen.

Wie war sie nur zu diesem gottverdammten Job in dieser Bar gekommen? Warum konnte sie keine normale Arbeit, keine andere gut bezahlte, legale Arbeit, bekommen? Sollte es so sein, dass man im heutigen Moskau nur an gutes Geld kam, wenn man Illegales tat? Was für sie, da ihr die Mittel und die Verbindungen fehlten, letztendlich auf Anschaffen gehen hinauslief?

Sie atmete langsam und bewusst aus und beobachtete den aufsteigenden Rauch ihrer Zigarette. Die lustigen Formen veränderten sich ständig bevor sie verschwanden und nur noch der pechschwarze Himmel von Moskau zu sehen war.

Es war schon ziemlich kalt geworden. Die lauen Sommernächte waren schon längst vorbei und ein kühler Wind zog um sie herum durch die Straßennische. Sie umarmte sich selbst mit einer Hand, um ihre kurze, schwarze Lederjacke vom Aufgehen abzuhalten, und ließ die andere mit ihrer Zigarette lässig nach unten hängen, nachdem sie einen neuen Zug getätigt hatte. Jetzt ging es ihr wieder besser.

Als ein schwarzes Auto am Ende der Seitengasse hielt, ließ sie ihren Blick langsam zum ihm hinüberschweifen. Sie konnte gerade noch so erkennen, dass eine Person ausstieg, doch näheres war nicht möglich, weil die Straßenlampe endgültig ihren Dienst verweigerte.
Katerina kniff ihre Augen zusammen, um etwas zu erkennen. Sie schnipste die Asche von ihrer Zigarette und stieß sich leicht von der Wand ab.

Langsam drehte sie ihren Kopf von der Person weg in die andere Richtung, auf der Suche nach ihrem Ziel, doch es war niemand außer ihr hier draußen. Was sollte das schon wieder bedeuten?

Der Mann blieb vor seinem Auto stehen und Katerina erschien es, als ob er sie von weitem musterte. Genaues konnte sie jedoch dank der kaputten Lampe nicht erkennen.
Sie überlegte kurz, ob sie ihn ansprechen sollte, und wenn ja, ob sie gleich die Fronten klären sollte, dass er sich ja nicht überlegen sollte, ihr was anzutun. Sie entschloss sich, es vorerst halbwegs nett zu versuchen. Immerhin machte er einen unentschlossenen Eindruck auf sie. Besser ist, ihn gleich einzuschüchtern, damit er sich davonmachte.

„Hey, verpiss dich, ja? Ich kann Typen wie dich gerade nicht gebrauchen. Zisch ab, Kleiner, und such dir vorn an der Hauptstraße ’ne Begleitung.“

Ganz insgeheim lobte Katerina sich für diesen selbstbewussten Spruch. So kraftvoll wie er auf sie wirkte, musste der Warnschuss gesessen haben und bei ihm ganz einfach die gewünschte Reaktion auslösen. Doch es kam anders, als von ihr geplant.

Mit einem scharfen, bestimmten Gang und dabei leicht ausholenden Armen kam der Typ zügig immer näher auf sie zu. Sein langer Ledermantel wirbelt hinter ihm stürmisch auf. Panik ergriff sie jetzt und sie ließ ihre Zigarette fallen und hechtete zur Hintertür des Clubs, bekam den Knauf zu fassen und zog die Tür schon auf, doch er war schneller und drückte sie mit einem lauten Knall wieder zu.
Mit der Leichtigkeit einer Raubkatze umgriff er Katerinas Hüfte bei ihrem Versuch in die andere Richtung zu flüchten und erstickte ihren angsterfüllten Schrei mit der anderen freien Hand.

Katerina kämpfte gegen seinen Griff an, doch sie hatte kaum etwas dagegenzusetzen, da er einfach zu kräftig war und ihre Versuche, ihn mit ihren Ellenbogen und Füßen zu verletzen, einfach abwehrte.

Sie zappelte und wehrte sich weiter doch schon bald ließen ihre Kräfte nach, bis sie sich nur noch schwer gegen ihn lehnen konnte und atemlos in seine Hand auf ihrem Mund schnaubte. Langsam kam in ihr das Gefühl auf, zu ersticken. Es fühlte sich wie eine halbe Ewigkeit an, bis er bedrohlich in ihr Ohr hauchte: „Sei still“, seine Stimme nahm einen gefährlichen Tonfall an, „oder ich bring dich dazu.“

Katerina schloss die Augen, als die Angst sie zu überwältigen drohte. Was zur Hölle wollte der Kerl von ihr?

Ruckartig drehte er sie herum, umfasste ihren Hals mit der Hand, die vorher noch ihren Mund zugehalten hatte, und presste sie mit nur diesem Arm an die Wand.
Katerina umklammerte hektisch mit beiden Händen sein Handgelenk und gab gurgelnde Geräusche von sich. Als er bemerkte, dass sein Griff zu fest war, ließ er etwas ab von ihrem Hals. Das war ihre Chance. Wie gut es doch tat, wieder luftzuholen! Sogleich nutzte sie die neu gewonnene Freiheit.

„Was willst du? Geld? Ich-- ich hab nur ganz wenig… hier, ich geb dir einfach alles--“, während Katerina sich in ihrer kleinen Rede zu verhaspelnd drohte, quetschte ihr Angreifer einfach wieder ihren Hals zu und zog sie zu sich heran, so nah, dass sich fast ihre Nasenspitzen trafen. Sie konnte seine hellbraunen Augen funkeln sehen. Sie sprühten nur so vor Wut und Aggression.

„Ich hab gesagt sei still. Ich will dein Geld nicht“, zischte er und schaute dann nach rechts zur immer noch geschlossenen Tür und wieder zurück zu Katerina, „wo sind die Anderen?“

„W-- welche Anderen?“

Mittlerweile war ihre Angst ins Unermessliche gestiegen und der Sauerstoffmangel erlaubte es ihr ebenfalls nicht, klar zu denken. In ihrem Kopf schwirrten immer die gleichen Gedanken umher. Wie konnte sie dieses Ekel wieder loswerden und möglichst unverletzt davonkommen? Ihm ging es also nicht um Geld. Um was dann?

Auf ihre Gegenfrage runzelte er nur die Stirn und sagte nichts weiter. Ihr Blick wanderte an ihm herunter zu seiner freien Hand. Der Ärmel seines Ledermantels war zu lang und überragte die Hälfte seiner Hand. Katerina konnte dennoch erkennen, dass er eine Waffe gezogen hatte.

Wieder drehte er seinen Arm so, dass Katerina mit dem Rücken an seine Brust kam, den Griff um ihren Hals die ganze Zeit nicht lockernd. Dann fing er an, sie mit sich in Richtung seines Autos zu ziehen.

Katerina wehrte sich anfangs, doch seine freie Hand wanderte mit der Kanone an ihren Rücken und sie wusste sofort, dass er keine weiteren Dummheiten zulassen würde.

Irgendwo in der Nähe fing an, ein Hund zu bellen, doch Katerina bemerkte das nicht. Der Schrecken und die Angst lähmten sie geradezu und so ließ sie es zu, dass er sie mit zu seinem Auto nahm und auf den Beifahrersitz zwang.

Ende Teil 1.
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