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CrAzY CaNdY

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
OC (Own Character) Willy Wonka
08.07.2009
20.08.2016
66
129.872
14
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08.07.2009 1.572
 
8. Greystone Café

Als wir im Greystone Café ankamen, setzten wir uns an einen Tisch neben das große Fenster, von wo aus man genau auf die Straße hinaussehen konnte.

„Was möchtest du?“, fragte Wonka sofort, nachdem wir Platz genommen hatten.
„Ach, eigentlich gar nichts…“, murmelte ich.
Wonkas Miene wurde empört.
„‘Nichts‘ gibt es nicht.“, sagte er. „Du musst etwas nehmen!“
„Hmm, mal sehen.“, meinte ich nur und hielt die Eiskarte vor meine Nase, sodass Wonka mein Gesicht nicht sehen konnte.
„Wenn du es nicht tust, such ich dir etwas aus.“, grinste er.

Ich lugte unauffällig hinter der Karte hervor.

„Erpressen Sie Ihre Mitarbeiter immer auf diese Art und Weise?“, gab ich trocken zurück.
Wonka kicherte.
„Wenn das die einzige Möglichkeit ist, dass sie sich etwas Gutes tun, dann ja.“ Seine unnatürlich weißen Zähne blitzten dabei wieder hervor.
„Ach, Ihre Mitarbeiter sollen sich etwas Gutes tun, aber Sie dürfen Tag für Tag durcharbeiten, ohne, dass Sie sich um Ihre Gesundheit kümmern?“
Wonka verzog den Mund.
„Dabei geb ich mir die größte Mühe deinen Ansprüchen zu genügen, Miss Tyne.“
Ich musste gegen meinen Willen lachen. Dann wurde ich wieder ernster.
„Es geht hier nicht darum, was ich will, sondern was für Sie am Besten ist.“, erwiderte ich altklug.
„Und du weißt, was für mich am Besten ist?“, fragte er und bedachte mich mit einer erwartungsvollen Miene. Ich konnte nicht verhindern, dass ich rot wurde. Ich versteckte mein Gesicht erneut hinter der Karte, damit mich seine Blicke nicht durchbohren konnten.

„Sicherlich würden Ihnen andere genau das Gleiche raten.“, nuschelte ich. Im gleichen Augenblick vernahm ich eine helle Stimme. Ich drehte mich zur Seite zur Quelle dieser Stimme und merkte dann, dass es die Kellnerin war, um unsere Bestellungen aufzunehmen.

Wonka bestellte für sich eine heiße Schokolade, während ich noch immer nicht darüber nachgedacht hatte, was ich eigentlich wollte. Ich überflog hastig die Karte, die ich bisher eigentlich noch keines Blickes gewürdigt hatte.
„Ich nehm ein Erdbeer- Milchshake.“, entschied ich mich schließlich und klappte die Karte wieder zu. Das war meine Standardbestellung in Cafés, wenn ich mich nicht entscheiden konnte. Die Kellnerin kritzelte etwas auf ihr Klemmbrett und wuselte dann zurück zur Theke.

„Du hast mit Absicht das Billigste genommen, oder?“
„Was?“ Ich wusste im ersten Moment nicht, was er meinte.
„Du bist wirklich unglaublich bescheiden.“, staunte er.
„Ich.“, begann ich unschlüssig. „Ich bestell das fast immer.“
Wonka machte ein Gesicht, was mir bedeutete, dass er mir nicht glaubte.
„Wirklich.“, sagte ich mit Nachdruck.
„Wenn sie das nächste Mal kommt, bestell ich dir ein Eis.“, sagte Wonka voller Überzeugung.
„Nein!“, widersprach ich und schüttelte den Kopf.
„Was für Eis magst du am liebsten?“, fragte er, ohne auf meine letzte Antwort einzugehen.
„Gar keins.“, erwiderte ich stur.
„Das glaube ich dir nicht.“, sagte er mit einem amüsierten Grinsen.
„Das ist nicht mein Problem.“
Sein Grinsen ging in ein Schmollen über.
„Komm! Sag schon!“, bettelte er.
„Dann raten Sie doch einfach mal!“, schlug ich vor.
„Erdbeer?“

Ich lächelte zaghaft und schüttelte sanft den Kopf.

„Schoko? Vanille?“
Es war offensichtlich, dass er mit den Standardsorten begann, doch ich verneinte erneut.
„Oh, ich weiß…Apfel!“, sagte er überzeugt.
„Leider falsch!“, schmunzelte ich.
„Dann Zitrone. Das würde gut passen.“
„Na danke!“, murrte ich gespielt. „Leider nicht…“, ergänzte ich in überheblichem Ton.
„Sag‘s mir doch einfach!“, bat er.
„Hmm, na gut.“, entschied ich. „Meine Lieblingseissorte ist…“ Wonka stierte mich gespannt an. „…Joghurt.“
„Joghurt?“ Er blinzelte.
„Ja.“, grinste ich. „Am liebsten mit Sahne.“

Die Kellnerin kam wieder an unseren Tisch und stellte die bestellten Getränke darauf ab.

„Die Dame hier hätte gern ein Joghurt- Eis mit Sahne.“, sagte Wonka nüchtern, wobei ich ihn finster anfunkelte. Ich wollte nicht, dass er mir etwas bestellte.
„So, jetzt bin ich wenigstens sicher, dass dir das Eis schmeckt, welches du bekommst.“
Ich grummelte.
„Du bist wirklich nicht einfach glücklich zu machen.“, seufzte er, aufgrund meiner ablehnenden Reaktion.
„Das hatte ich auch nie von Ihnen verlangt.“, motzte ich.
„Du bist in einem schwierigen Alter.“
„Na klar.“, meinte ich sarkastisch.
Anschließend tranken wir stillschweigend unsere Getränke.
„Du hast mir immer noch nicht gesagt, was du am Mittwochabend im Laden gesucht hast.“
„Ist das so wichtig?“
„Hast du es gefunden?“, fragte er stattdessen. Ich schüttelte den Kopf.
„Vielleicht kann ich dir helfen es zu finden.“, schlug er vor. „Aber dafür musst du mir erst sagen, was du suchst.“
Ich dachte eine Weile nach und entschied dann, dass es ja nicht schlimm wäre, wenn er davon wusste.
„Ich habe eine Kette gesucht mit einem Kreuzanhänger. Der Anhänger hat meiner Oma gehört, deswegen ist er für mich sehr wertvoll.“, erklärte ich traurig.
Wonka hob überrascht die Brauen.
„Ach so, verstehe.“
„Ja, das ist nicht besonders spannend, ich weiß.“
„Nein, ich verstehe das. Wenn ich eine derartige Kette finden sollte, sag ich dir Bescheid. Aber wenn ich sie finde, musst du mir etwas versprechen.“ Ich runzelte die Stirn und fragte mich, was ich ihm schon Sinnvolles versprechen konnte.
„Was denn?“, fragte ich tonlos.
„Du musst mir versprechen, dass du endlich mit dieser vornehmen Anrede aufhörst.“
Ich schluckte.
„Schonwieder ein Erpressungsversuch! Da such ich meine Kette lieber selber.“, patzte ich mürrisch.
„Ich verstehe nicht, was dir daran so schwerfällt.“
„Ich will einfach nicht unhöflich klingen Ihnen gegenüber.“, verteidigte ich mich. „Schließlich sind Sie -nun ja- mein Boss.“
„Und als dein Boss erlaube ich dir, dass du mich so ansprechen darfst. Immerhin tun es die anderen Angestellten auch.“

Ich knirschte hörbar mit den Zähnen und stierte schweigend aus dem Fenster.

„Versprichst du es mir?“
Ich zuckte abwesend mit den Schultern.
„Bitte!“, flehte er. Ich durchdachte schnell, wie groß die Chance war, dass er die Kette tatsächlich wiederfand.
„Hmm..okay.“, entgegnete ich gequält.
Ich sah, dass Wonka lächelte.
„Ich werde mir jetzt umso mehr Mühe geben die Kette zu suchen.“, schwor er mit optimistischer Stimme.
„Viel Erfolg.“, gab ich nur schwach lächelnd zurück.

Wenige Minuten später bekam ich meinen Eisbecher mit dem Joghurt und der Sahne. Ich versuchte so schnell wie möglich zu essen. Ich wusste nicht wieso, aber ich wollte plötzlich so schnell wie möglich wieder nach Hause. Ich war zwar gerne in Wonkas Nähe, das musste ich zugeben, doch ich hatte ein bisschen Kopfweh und solange es nicht regnete kam ich wenigstens trocken nach Hause. Wonka rief die Kellnerin zu sich, als mein Eisbecher leer war. Ich war schon dabei meinen Geldbeutel zu suchen, doch Wonka hielt beschwichtigend seine Hand in meine Richtung und legte einen 10 Dollar Schein auf den Tisch, wozu er ein „Stimmt so!“ an die Kellnerin gewandt hinzufügte und mich freundlich anlächelte. Ich dagegen war so verblüfft, dass mein Mund offenstand und ich vor lauter Verlegenheit nicht wusste, was ich sagen sollte.

„Ich hab dich eingeladen.“, erklärte der Chocolatier, als wäre es das Selbstverständlichste überhaupt seinen Mitarbeitern ein Eis und ein Michshake zu spendieren.
„Das.“, begann ich und spürte, dass ich ein bisschen rot anlief. „wäre wirklich nicht nötig gewesen… ich meine… ich hätte selbst für mich bezahlt.“
Mein Boss kicherte.
„In deinem Alter bist du bestimmt froh über jeden Penny, den du besitzt. Ich möchte dein Geld nicht plündern, wo du mir doch geholfen hast. Das wäre unhöflich von mir.“
Ich legte erneut die Stirn in Falten.
„Ich hab Ihnen gern geholfen, aber es war ja auch nicht allzu schwer.“, gab ich verlegen zurück.
„Trotzdem wollte ich mich irgendwie dafür revanchieren. Ich danke dir für deine Hilfe.“, sagte er und ich hörte, heraus, dass er es ehrlich so meinte.

Ich schüttelte zaghaft und zugleich belustigt den Kopf.

„Ich danke Ihnen, Mr. Wonka!“, korrigierte ich ihn.
„Ach, Papperlapapp. Du hast den Dank viel mehr verdient und jetzt sind wir Quitt, also lass uns damit aufhören.“, schlug er vor und erhob sich nun von seinem Platz. Wir zogen unsere Jacken über und verließen gemeinsam das Café.
"Also, nochmal Dankeschön für die Einladung!“, wiederholte ich aus Ratlosigkeit, da ich nichts anderes zu sagen wusste.
„Danke, dass du sie angenommen hast, Charlotte.“, erwiderte er gut gelaunt.
„Das ist selbstverständlich.“
Wonkas Grinsen wurde daraufhin noch breiter.
„Es war auf jeden Fall recht amüsant. Das sollten wir öfter machen.“

Mein Herz überschlug sich infolge seines Vorschlages. Wieso war ich immer so nervös in seiner Nähe? Meinte er das ernst mit einem erneuten Treffen oder sagte er das einfach nur so, weil er höflich sein wollte?

„Ja, warum nicht?“, sagte ich und klang dabei nicht so gelassen, wie ich es vorgehabt hatte.
„Bis Montag. Ich muss in diese Richtung.“, meinte er und zeigte nach rechts in die nächstgelegene Straße.

Ich musste genau in die andere Richtung und so verabschiedete ich mich ebenfalls von ihm. Ich streckte ihm die Hand zur Verabschiedung entgegen, doch im gleichen Moment zog ich sie wieder zurück, da ich Wonkas nervösen Blick bemerkte.
„Sorry, das mögen Sie ja nicht.“, gab ich kleinlaut von mir und starrte beschämt zu Boden. Einige Sekunden später jedoch spürte ich, wie er meine Hand vorsichtig ergriff und sie schüttelte.

„Auf Wiedersehen, Charlotte!“, strahlte er.
Ich hob meinen Blick und starrte ihn fassungslos an. Dann lächelte auch ich.

„Tschüss!“, sagte ich mit dem Gedanken daran, dass er meine Hand ja eigentlich auch nicht wirklich berührt hatte…immerhin trug er ständig diese roten Handschuhe. Von daher war es wohl auch nicht allzu bewundernswert, was er getan hatte, aber für Wonka anscheinend schon, dachte ich und erinnerte mich an den Tag als ich ihm meine Bewerbung überreicht hatte.
Ich schaute ihm noch nach bis er um die Ecke verschwunden war und machte mich dann auf den Heimweg.
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