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CrAzY CaNdY

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
OC (Own Character) Willy Wonka
08.07.2009
20.08.2016
66
129.872
14
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Dieses Kapitel
6 Reviews
 
 
08.07.2009 2.971
 
Nach langer Zeit mal wieder ein neues Kapitel. Ich hoffe es gibt ein paar, die sich darüber freuen^^

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66. The Almost-Perfect Evening


Einige Monate später (Frühling 1989)

„Wie bitte?“

„Du hast schon richtig gehört.“, antwortete ich. „Ich konnte es auch erst nicht glauben, aber Dad meint es wohl ernst. Er will dich kennenlernen.“

Willy schloss die Augen und seufzte laut.

„Es wird bestimmt gar nicht so schlimm, wie du es dir jetzt vorstellst. Ich denke er hat jetzt akzeptiert, dass ich...nun ja- mit dir gehe.“

Ich ergriff zärtlich die Hand des Chocolatiers, der mich mit einem besorgten Blick musterte.

„Okay, ich tue es.“, gab er schließlich nach. „Aber ich tue es hauptsächlich für dich. Du weißt dieses ganze Vatergetue ist nichts für mich.“

„Aber mein Daddy ist ganz anders als deiner.“

„Aber er hat ebenso eine ganze Zeit lang versucht dir Vorschriften zu machen. Das reicht schon völlig aus...“, sagte er widerstrebend.

„Aber so sind Eltern nunmal. Dafür sind sie ja auch irgendwie da.“, meinte ich schulterzuckend. „Du wirst es schon überstehen. Das weiß ich.“ Ich küsste ihn aufmunternd auf die Wange und Willy rang sich dabei ein gequältes Lächeln ab. Ich hatte ihn ja schon einmal vorgewarnt, dass es irgendwann zu so einer Art Treffen zwischen ihm und meiner Familie kommen würde, aber anscheinend hatte Willy den Gedanken immer verdrängt und beiseite geschoben, bis es eines Tages nun soweit war und mein Vater auf die Idee kam, dass es nun langsam soweit war, den festen Freund seiner Tochter näher kennenzulernen. Bisher kannte er Willy schließlich nur aus den Medien und die warfen nicht immer unbedingt nur ein gutes Licht auf ihn. Nachdem aufgeflogen war, dass ich seine Freundin war, war es auch nun für mich kaum noch möglich unerkannt zu bleiben und begafft zu werden. Meine Arbeitskollegen hatten sich inzwischen daran gewöhnt, aber die Menschen auf der Straße glotzten mir oft genug hinterher und zeigten mit den Finger auf mich, während sie miteinander tuschelten und versuchten heimlich Fotos von mir zu machen, die nicht selten am nächsten Tag in der Zeitung zu sehen waren. Sogar in Teenie-Zeitschriften wurde über mich hergezogen und alles auseinandergenommen was ich tat, wohin ich ging und was ich gerade trug. Es gab oft positive Sachen, aber auch einige negative Artikel. Und nicht alles, was man las, entsprach der Wahrheit. Erst vor einem Monat kam das Gerücht auf, dass ich schwanger sei und zwar nur weil ein unvorteilhaftes Foto von mir abgedruckt würde, wo ein kleines Bäuchlein unter meinem Pullover zu erkennen war. Als ich davon erfuhr, wär ich am liebsten hysterisch kreischend durch Cherry Hill gelaufen. Als ob ich vorhatte schon mit 16 schwanger zu werden, obwohl ich noch nicht mal meine Schulzeit beendet hatte. Aber wenn es halt nichts vernünftiges zu tratschen gab, dann war der Fantasie der Presse keine Grenzen gesetzt. Noch mehr verwundert hatte mich allerdings dass Willy so gelassen damit umgegangen war.

„Morgen haben die Leute das wieder vergessen, glaub mir.“, war alles, was er dazu sagte.
Dann hat er noch versucht mich einigermaßen zu beruhigen und tatsächlich sprach die nächsten Tage schon keiner mehr davon, weil Madonna mit irgendeinem Skandal-Video Schlagzeilen gemacht hatte.

„Seh ich wirklich so fett aus?“, hatte ich Zoey kurz nach diesem Vorfall gefragt. Diese jedoch lachte nur.

„Selbst ich seh fett aus, wenn mich jemand unbeobachtet fotografiert, Charly. Jetzt komm mal runter. Wegen solcher dummen Zeitungsartikel, wurden manche schon magersüchtig.“

Ich runzelte die Stirn.

„Ich glaube nicht, dass es soweit kommen wird. Jedenfalls nicht bei mir. Aber schwanger will ich halt auch nicht aussehen.“

„Du siehst NICHT schwanger aus, okay?“, seufzte meine Freundin jetzt schon etwas genervt. „Und jetzt mach dir darüber keine Gedanken mehr, sonst machst du dich ja innerlich selbst kaputt.“

Ich musste zugeben, dass Zoey recht hatte, weshalb ich ihren Rat nun befolgte und alles einfach an mir vorbeiziehen ließ. Mit dieser Egal-Haltung war es wirklich einfacher geworden mit der Berühmtheit umzugehen. Trotzdem wünschte ich mir manchmal es wäre wieder alles wie vorher und keiner würde mich kennen. Es war mir einfach unangenehm solche Aufmerksamkeit zu erregen. Ich war noch nie der Typ gewesen, der gerne im Mittelpunkt stand. Und jetzt tat ich das fast rund um die Uhr. Es war manchmal echt zum Haare raufen. Doch nun musste ich damit irgendwie klarkommen. Schließlich wollte ich ja aus freien Stücken mit Willy zusammen sein.

„Also, kann er am Samstag?“, fragte mich Dad beim Abendbrot ohne vorher erklärt zu haben, um wen es ging.

Aber ich wusste sofort, wen er meinte.

Ich nickte.
„Ja, er wird pünktlich zum Essen hier sein.“, erwiderte ich.

„Gut. Hat er noch irgendwas gesagt?“

„Naja..“, murmelte ich kleinlaut. „Er hat halt etwas Angst, dass ihr ihn nicht mögt, so wie er ist. Smalltalk und sowas gehört nicht unbedingt zu seinen Stärken.“  

Statt Dad ergriff Susie das Wort:

„Wenn du ihn magst, dann werden wir ihn auch mögen. Er soll auf keinen Fall denken, dass er hier nicht willkommen wäre.“  Susie sprühte wieder einmal vor Zuversichtlichkeit.

„Das heißt nur solange er mein Töchterchen gut behandelt.“, warf Dad sofort ein.

„Das tut er, Daddy.“, grummelte ich.
Ich war selbst um ehrlich zu sein total nervös vor dem Treffen. Wie würde mein Vater mit Willy umgehen? Und wie würde Willy mit alledem zurechtkommen? Dass Susie zu ihm nett sein würde, daran hatte ich sowieso keine Zweifel. Sie war die gute Seele in der Familie und hatte für jeden stets ein offenes Ohr. Mein Bruder kannte Willy ja ohnehin schon, aber ich hatte ihm zu verklickern versucht, dass er so tun soll, als würde er ihm zum ersten Mal begegnen, sonst wüsste Dad ja sofort, dass er schon hier war. Ryan war es glaube ich auch relativ egal, ob er gut mit Willy klar kam oder nicht. Er war gerade in einem Alter, indem ihm sowieso alles ziemlich egal war, was Familie betraf.
Nur vor Dads Reaktion hatte ich Angst. Er konnte einem oft ein ungutes Gefühl vermitteln und falls er Willy wirklich nicht mochte, konnte es für Willy ein sehr unangenehmer Abend werden. Und ich wollte eigentlich, dass ihm das erspart bleibt. Schließlich wollte ich ihn dann vielleicht auch hin und wieder zu mir mit nach Hause nehmen, damit ich nicht ständig nur bei ihm in der Fabrik herumsaß.

Als dann endlich Samstag war, war ich wahrscheinlich noch aufgeregter und hibbeliger als Willy selbst. Wir hatten es so vereinbart, dass ich vorher zur Fabrik gehe und dann anschließend mit Willy zusammen zu dem Abendessen mit meiner Familie ging. Ich hatte ihm vorher geraten sich etwas „normaler“ als sonst anzuziehen, auch wenn ich die Befürchtung hatte, dass er sowas wie gewöhnliche Kleidung nicht besaß. Doch wider meiner Erwartung sah er tatsächlich unauffälliger aus als sonst. Er trug heute nur ein einfarbiges dunkelrotes Seidenhemd und darüber wie immer eine schwarze Weste kombiniert mit einer schwarzen Stoffhose. Auf ein Jackett hatte er heute einmal verzichtet. Und auf bunte Muster ebenfalls. Seine Haare hatte er ordentlich nach hinten gekämmt. Auf was er jedoch nicht verzichtete, waren seine Zylinder und die roten Handschuhe, ohne die er niemals das Haus verließ.

„Sehr ansehnlich, Mr. Wonka.“, lächelte ich als ich ihn so sah.

Seine Wangen glühten blassrosa auf.

„Danke.“, murmelte er. „Du aber auch.“

Ich wollte mal etwas anderes probieren und trug meine Haare heute deshalb zu einem Dutt und dazu ein Paar weiße Perlenohrringe, die ich mir von Susie geliehen hatte. Komplettiert wurde das ganze mit einem neuen ärmellosen Kleid, das ich mir gekauft hatte in einem schönen kräftigem Senfgelb und einem weißen Bubikragen. Da es jedoch noch nicht ganz so warm draußen war, hatte ich darüber noch eine schwarze Strickjacke übergezogen.

Susie meinte ich sähe damit älter aus. Ob es nun an der Frisur, an dem Kleid, oder einfach an der Kombination von beidem lag, wusste ich nicht, aber ich fand es schön älter auszusehen. Wahrscheinlich weil Willy älter war und ich glaubte so für ihn noch begehrenswerter zu sein.

„Los. Gehen wir!“, sagte ich und ergriff seine Hand.

Ich ließ sie nicht los, bis wir vor unsere Haustür standen. Willy war so nervös, dass er während des Weges die ganze Zeit mit seiner freien Hand an seiner Kleidung herumzupfte.

„Willy. Hör auf! Du machst mich wahnsinnig damit.“

„Tut mir leid.“, gab er leise zurück.

„Du siehst gut aus. Mach dir keine Sorgen. Mein Dad wird dir schon nicht den Kopf abreißen.“

Das schien ihn allerdings keineswegs zu beruhigen.
Er war ein unheimliches Nervenbündel und als ich an unserer Wohnungstür klingelte, umschloss er meine Hand so fest, dass ich dachte er würde sie mir augenblicklich zerquetschen.

Susie öffnete die Tür und strahlte wie ein Sonnenschein.
„Hallo, ihr beiden! Kommt doch rein.“, forderte sie uns lächelnd auf und Willy, der an mir hing wie ein Eisklotz, setzte daraufhin ein gezwungenes Grinsen auf. Ich stieß ihn seitlich in die Rippen und wisperte ihm unauffällig ein „Mach dich locker!“ zu. Susie war höflich wie immer. Sie ergriff sofort Willys Hand, begrüßte ihn und stellte sich vor. Wie ich es vorhergesehen hatte. Susie war offenherzig und gastfreundlich wie immer. Aus der Küche kam uns bereits ein angenehmer Duft von Essen entgegengeströmt. Willy schien sich tatsächlich etwas zu lockern seit Susie ihn so herzlich in Empfang genommen hatte.
Sie war wirklich der Ruhepol in der Familie.
Sie führte uns gemeinsam in die Küche, wo Dad mit seiner Grillschürze am Herd stand und noch mitten bei den Vorbereitungen war. Er blickte auf und lächelte zu meiner Verwunderung, wenn auch etwas zurückhaltender.

„Also du musst der Chocolatier sein, von dem alle Welt spricht.“, sagte mein Dad als würde er versuchen einen auf gut-Kumpel zu machen und packte Willys Hand und schüttelte sie kräftig, während er ihn aufmerksam von oben bis unten musterte. Willy schien etwas verunsichert und murmelte nur nur ein winziges „Hallo, Mr. Tyne.“

„Nenn mich doch Bill.“  , bot er Willy an und klopfte ihm kameradschaftlich auf die Schulter. Willy zuckte augenblicklich zusammen.

„'Kay.“, kicherte er verhalten.

„Das Essen ist gleich soweit. Ihr könnt euch ja schonmal reinsetzen.“ Er deutete auf das Wohnzimmer, wo unser Esstisch stand. Ryan saß ebenfalls schon dort und sah nebenbei fern.

Er grüßte Willy nur mit einem Kopfnicken. Willy schien das nur recht zu sein. Er nickte starr zurück. Plötzlich schien ihm was einzufallen und er wandte sich wieder um.

„Benötigen Sie noch Hilfe, Mr. Ty...also Bill?“, fragte er leicht mit der Stimme zitternd, versuchte jedoch nun etwas selbstsicherer zu klingen. Dad schien wahrlich überrascht, fing sich aber gleich wieder.

„Nein, Danke. Dauert sowieso nur noch ein paar Minuten.“

„Gut.“

Ich lächelte Willy an und nickte ihm zu, als Zeichen dafür, dass er richtig gehandelt hatte. Das schien ihn gleich noch mehr zu beruhigen.

Er überraschte mich ein zweites Mal, als er Ryan fragte, was er gerade im Fernsehen schaute.

„Star Trek“, murmelte Ryan nur ohne aufzublicken.

„Science-Fiction-Kram.“, meinte ich und verdrehte nur die Augen.

Doch Willy war schon in den Bann gezogen und starrte nun ebenfalls auf den Bildschirm wie ein kleiner Junge, der selbst gerne einmal mit einem Raumschiff davonfliegen würde.

Und dabei verfluchte ich immer die superknappen Uniformen der Frauen in dieser Serie. Das war doch eigentlich erniedrigend. Allerdings musste ich zugeben, dass  ich den Vulkanier Spock schon immer echt toll fand. Es war früher sowas wie ein Traummann für mich und das obwohl er schon sonst wie alt war und vermutlich mein Vater hätte sein können. Klein-Mädchen-Träume eben. Aber nun gab es ja Willy.

„Ryan. Mach jetzt bitte diese Flimmerkiste aus. Wir wollen essen.“, hörte ich Susie von weitem rufen und bald darauf kam sie mit einem Tablett voller Teller und Besteck herein. Alle halfen schnell beim eindecken und mein Bruder schaltete widerwillig den Fernseher aus.

„Ich hoffe du magst Lasagne, Willy.“, meinte Susie, während sie das Essen auf die Teller verteilte.

Er nickte zögerlich.
„Sehr gern sogar.“, gab er schüchtern zurück.

„Das ist gut. Charly ist nämlich ein kleiner Garfield und könnte am liebsten jeden Tag Lasagne essen.“

Ich spürte wie ich rot wurde.

„Das klingt jetzt als wär ich total verfressen.“

„Verfressen und schwanger.“, feixte mein Bruder und schob sich schon den ersten Bissen Lasagne in den Mund.

„Halt die Klappe!“, rief ich ungehalten.

„Deine Schwester ist einfach nur etwas pummelig.“, mischte sich Dad jetzt ein.

„Pummelig?“ Empört sah ich ihn an. „Der Apfel fällt ja auch nicht weit von Stamm.“, verteidigte ich mich patzig und alle brachen in Gelächter aus bis auf meinen Dad und Willy, der es sich wahrscheinlich nicht gleich bei ihm verscherzen wollte.

„Ich hab echt wirklich freche Kinder. Da kann ich ja nur hoffen, dass Willy nicht auch so ist.“

Willy blickte auf, als sein Name fiel und schluckte ungläubig seinen Bissen Lasagne herunter.

„Bisher bist du ja noch recht still.“, bemerkte mein Vater und sah ihn ebenfalls aufmerksam an.

„Ich rede eigentlich nicht so viel.“ ,hüstelte er verlegen. „Das überlass ich meistens gerne anderen.“

„Aber als Unternehmer mit so einem Bekanntheitsgrad sollte man doch rhetorisch begabt sein oder nicht?“

Willy zuckte mit den Achseln.

„Eigentlich will ich nur Süßigkeiten machen. Mehr nicht.“,entgegnete er peinlich berührt.

„Und das tut er mit Bravur.“, versuchte Susie das Gespräch zu retten, was nicht in die erhoffte Richtung zu gehen schien.

Dad setzt eine nachdenkliche Miene auf.
„Nun gut. Das mag stimmen. Aber was hat man in deinem Alter noch für ein Ziel im Leben, wenn man schon alles erreicht hat, was man wollte. Ich meine Ruhm, Reichtum und Erfolg. Das alles hast du ja bereits. Oder arbeitest du noch auf ein größeres Ziel hin?“

Ich war mir nicht ganz sicher, wie Dad das meinte und Willy schien es auch nicht so richtig zu wissen, denn es dauerte eine Weile ehe er antwortete.

„Nun, falls ich irgendwann die Möglichkeit dazu bekomme, würde ich gerne die Welt bereisen, um neue Inspiration zu bekommen und eventuell Anregungen aus fremden Kulturen zu bekommen. Dann könnte ich vielleicht noch bessere und noch außergewöhnlichere Süßigkeiten herstellen, die es davor noch nie gegeben hat.“ Willys Augen begannen zu leuchten als er das sagte, so wie ich sie sonst nur leuchten sah, wenn er über seine Schokoladenherstellung und seine Arbeit redete. Dennoch war ich überrascht. Von diesem Wunsch hatte er bisher mit keiner einzigen Silbe etwas erwähnt.

„Und wieso tust du das nicht jetzt schon? Am Geld wird es wohl nicht liegen.“

Es war manchmal wirklich etwas peinlich, wie Dad über solche Dinge sprach. Er brachte Willy damit ganz offensichtlich in Verlegenheit.

„Nun, ich kann die Fabrik einfach schlecht alleine lassen, aber vielleicht findet sich da irgendwann eine Lösung und ich finde jemand der sie stellvertretend für mich leitet, solange ich fort bin.“

„Als ob du jemals die Fabrik alleine lassen würdest.“, meldete ich mich nun zu Wort. „Du vertraust doch bei sowas niemandem außer dir selbst.“

„Naja...das Risiko müsst ich dann eben eingehen. Deshalb warte ich damit ja auch noch. Weil ich noch niemanden gefunden habe, der es richtig machen würde.“

„Henry hat dich doch schon ein paar Mal vertreten.“, erwiderte ich.

„Für ein paar Tage...ja. Aber ich müsste jemand kompetenteren finden über einen so langen Zeitraum hinweg. Ich werde dann vielleicht ein Jahr weg sein.“

Ich stutzte bei dem Gedanken, dass Willy vorhatte für so lange Zeit fortzugehen.

Als ob mein Dad meine Gedanken lesen könnte, sagte er: „Und was wird aus Charlotte, wenn du so lang weg bist? Wird sie mitkommen?“

Ungläubig sah Willy meinen Dad an.

„Also...“, begann er zögerlich. „darüber hab ich noch nicht nachgedacht. Aber es ist ja noch viel Zeit bis dahin...vermutlich.“, fügte er schnell hinzu.

Einerseits erleichterte mich dieser Satz ein Wenig, andererseits fand ich es alles andere als schön, dass er vorhatte einfach so wegzugehen, ohne jemals mit mir darüber gesprochen zu haben.
Im Großen und Ganzen lief der Abend dann noch ganz gut ohne schlimmere Vorkommnisse. Wir beschlossen später noch Mensch ärger dich nicht und Monopoly zusammen zu spielen, was die Stimmung noch etwas mehr auflockerte. Auch mein Vater schien entspannter zu werden, vor allem nachdem er das erste Glas Wein getrunken hatte, schien alles wie von selbst zu gehen und er fing sogar an zusammen mit Willy zu lachen und Scherze zu machen. Ich erkannte ihn gar nicht wieder. Am Anfang des Tages hatte ich schon befürchtet, dass der Tag in einer Katastrophe endet. Nun war ich glücklich, dass alles gut gelaufen war, wenn auch nicht perfekt, aber gut.
„Ich werd jetzt langsam losmachen.“, sagte Willy als es schon nach Mitternacht war und die ersten anfingen zu gähnen. „Dankeschön für die Einladung und für das Essen... und für den Wein.“, gluckste Willy fröhlich angeheitert. Ja, auch Willy wurde ein Glas Alkohol angedreht und da er anscheinend nicht nein sagen konnte, war er nun leicht verändert. Seine Augen waren glasig und seine Miene unbeschwert und fröhlich. Wahrscheinlich hatte er noch nie zuvor ein Schluck Alkohol in seinem Leben konsumiert. Jedenfalls schien er es nicht besonders gut zu vertragen.
Er war sogar so gut drauf, das er mich zur Verabschiedung auf den Mund küsste....vor meinem Vater. Der ließ sich allerdings nichts anmerken und ich war froh, dass er keinen seiner Kommentare dazu abließ. Vielleicht wär das auch anders gewesen, wenn er nüchtern gewesen wär. Er hatte inzwischen schon eine halbe Rotweinflasche geleert. Schon ein bisschen peinlich aber ich glaube Willy bekam davon eh nicht mehr so viel mit. Er verabschiedete sich noch einmal kichernd und war dann aus der Tür verschwunden.

„So gute Nacht, meine kleine Tochter.“ Dad drückte mich  fest an sich. „Ich hoffe dein Freund beehrt uns bald mal wieder. Endlich hab ich mal einen richtigen Rivalen bei Monopoly. Jemand, der mir das Wasser reichen kann.“

Immerhin ein Grund, weshalb er ihn zu mögen schien...oder zumindest sowas in der Art. Aber erst einmal abwarten, ob seine Meinung morgen noch diesselbe war...nachdem der ganze Alkohol in seinem Blut abgebaut war.

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Zur besseren Visualisierung: Charlottes Kleid an dem Abend
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