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CrAzY CaNdY

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
OC (Own Character) Willy Wonka
08.07.2009
20.08.2016
66
129.872
14
Alle Kapitel
298 Reviews
Dieses Kapitel
10 Reviews
 
08.07.2009 2.433
 
Diesmal folgt ein längeres Kapitel. Viel Spaß ;)

Anm.: Habe die Links in Kapitel 1 alle mal überarbeitet. Ihr könnt jetzt wieder das Cast von Crazy Candy begutachten sowie weitere Banner, die ich mal dazu gemacht hab.
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65. A Flush Of Anger


Die Tage vergingen, doch von dem Chocolatier war noch immer nichts zu hören. Meine Gedanken kreisten sich nur noch darum, wo er sich gerade aufhalten könnte und vor allem, wieso er einfach verschwunden war. Selbst für Willy war dieses Verhalten mehr als merkwürdig. Oder ich kannte ihn einfach immer noch nicht gut genug, um zu wissen, dass er eben von Zeit zu Zeit so seltsam war. In der Schule war ich die meiste Zeit abwesend, starrte gedankenverloren aus dem Fenster und betrachtete, wie das goldene Herbstlaub von den Bäumen fiel.  Es war kaum vorstellbar, dass es jetzt schon über ein Jahr her war, dass ich angefangen hatte im Candy Store zu arbeiten. Und seitdem hatte sich in meinem Leben einiges geändert, soviel war klar. Willy war nun zu einem wichtigen Bestandteil meines Lebens geworden. Nur jetzt war ich in einer Phase, in der ich nicht wusste, wie es zwischen uns weitergehen sollte. Wir hatten uns schließlich weder gestritten, noch uns in irgendeiner Art und Weise voneinander getrennt. Und doch fühlte es sich fast so an. In mir kamen Schulgefühle auf, obwohl ich nicht wusste weswegen. Irgendeinen plausiblen Grund musste es für Willys Verhalten ja geben.

Es war jedoch nicht das einzige Problem mit dem ich mich in den letzten Tagen beschäftigten musste. Jedes Mal, wenn ich außer Haus war, schien ich von einem Auto verfolgt zu werden. Es war eine auffällige weiße Limousine. Ich hatte den starken Verdacht, dass die Presse dahintersteckte um mir nachzuspionieren. Doch merkwürdigerweise tauchte kein weiteres Foto von mir in den Zeitungen auf, was diese Vermutung bestätigt hätte. Vielleicht lag das aber auch daran, dass ich mich nicht ungewöhnlich oder irgendwie skandalös verhalten hatte.   Vermutlich merkten sie jetzt mal, dass mein Leben im großen und ganzen eigentlich relativ langweilig war.

An meinem nächsten Arbeitstag, kam dann der nächste Schock, als ich gerade in die Western Street einbog, um meinen Dienst anzutreten. Ein Dutzend Reporter belagerten den Eingang der Fabrik und schienen mit einigen meiner Kollegen Interviews zu führen. Ein Kamerateam filmte das ganze Spektakel. Ich hingegen war wie erstarrt. Wenn sie mich sahen, würden sie sich vermutlich direkt auf mich stürzten. Schließlich gab es schon etliche Spekulationen darüber, dass ich Willys Freundin war. Nervosität kam in mir auf. Ich traute mich jedoch auch nicht wieder kehrt zu machen. Das wäre womöglich auch zu offensichtlich gewesen. Plötzlich fuhr ich erschrocken zusammen, als ich direkt neben mir quietschende Autoreifen vernahm. Eine weiße Limousine hatte neben mir geparkt. Mein Herz schlug rasend schneller. Ich war umzingelt. Ich war schon drauf und dran mich in Bewegung zu setzen, als die Scheibe der Fahrerseite hinuntergelassen wurde. Ein älterer dunkelhäutiger Mann mit angegrautem Haar und einer schwarzen Sonnenbrille gestikulierte mit der Hand.

„Komm schon. Steig ein!“, flüsterte der Mann mir drängend zu. Ich zögerte und blickte noch einmal zu den Reporten hinüber, die in etwa 200 Meter Entfernung schon auf mich lauerten. Ohne ein weiteres Mal darüber nachzudenken, nahm ich auf dem Rücksitz der edlen Limousine platz, die mit einem cremefarbenen Lederbezug ausgestattet war. Nein, dachte ich, das konnte nicht die Presse sein. Ich bezweifelte stark, dass die sich solche Autos leisten konnten. Abgesehen davon wäre das viel zu auffällig für einen Job als Paparazzi. Schließlich sollen diese ja unentdeckt bleiben. Da  wäre es ganz schön dämlich mit solch einer Karre herumzukutschieren.

„Darf ich fragen, wer Sie sind?“, fragte ich zögerlich an den unbekannten Fahrer gewandt.
„Nenn' mich Bob.“, antwortete der Fremde und wandte sich grinsend zu ihr um.
„Oh Okay....Bob.“, wiederholte ich. „Wieso tun Sie das? Warum retten Sie mich vor denen?“
„Weil das mein Job ist.“, antwortete er, als läge das auf der Hand.
„Ihr Job ist es Leute zu retten? Sind Sie ein Bodyguard oder so?“
Bob lachte lauthals auf, jedoch auf eine sympathische Art und Weise.
„Wenn du es so willst, bin ich auch ein Bodyguard.“
„Aber ich habe sie nicht engagiert.“, entgegnete ich nun ein wenig entrüstet. So ganz ernst genommen fühlte ich mich nicht gerade.
„Nein, du nicht, junges Fräulein. Aber mein Boss.“
„Und wer ist...?“
„Hör zu, Mädchen.“, unterbrach er meine Frage. „Ich fahr dich jetzt nach Hause. Am besten du bleibst heute dort und die nächsten Tage auch.“
„Aber ich muss doch zur Schule.“, rief ich empört.
„Nun, dann gehst du eben nur noch zur Schule. Aber mehr nicht, verstanden?“
Sein Blick schweifte wieder zu mir und er blickte mich mit einem ernsten Gesichtsausdruck an.
„Und warum sollte ich auf einen wildfremden Mann hören?“
Er lachte wieder amüsiert.
„Warum bist du überhaupt erst zu einem wildfremden Mann ins Auto gestiegen. Haben dir deine Eltern nicht beigebracht nicht mit Fremden mitzugehen?“
Er wollte mich wohl auf den Arm nehmen. Ich war nun schon leicht erzürnt darüber, wie er mit mir sprach, obwohl man ihm irgendwie nicht richtig böse sein konnte.
„Sie sind mir schon die ganze Woche gefolgt, nicht wahr?“
Er gluckste nur, anstatt zu antworten.
„Nun, solltest du noch einmal Hilfe brauchen. Ich bin immer in deiner Nähe.“ Er parkte jetzt direkt vor unserem Haus. Er stieg aus und hielt mir die Tür auf. Ein paar Leute sahen neugierig in unsere Richtung, als ob sie einen großen Superstar erwarteten. Doch sie wandten ihre Blicke wieder ab, sobald sie sahen, dass es nur eine Unbekannte war.
„Danke.“, entgegnete ich unsicher.
„Auf Wiedersehen, Charlotte.“, sagte er. „Komm gut nach Hause.“
Es war eigenartig, das Ganze. Wer hatte Bob auf mich angesetzt?
In meinen Gedanken tauchte nur eine Person auf, die so etwas verrücktes tun würde...

* * *

Die Tage waren zäh und krochen nur so dahin. Ich hatte es mittlerweile aufgegeben auf ein Zeichen von Willy zu warten. Er konnte ja schließlich nicht ewig verschollen bleiben. Ich kannte Willy immerhin so gut, dass er es hasste seine Arbeit in die Hände von anderen zu legen. Und doch hatte er es getan. Lange konnte er das garantiert nicht aushalten. Davon war ich überzeugt.

Als dann schon fast zwei Wochen vergangen waren, zweifelte ich jedoch langsam an dieser Überzeugung. Von Willy war noch immer keine Spur. Auch in der Zeitung erschienen keine weiteren Artikel über ihn. Es war Totenstille um seine Person. Und die Reporter hatten es nun endlich aufgegeben die Fabrik zu belagern. Anscheinend hatten sie von keinem der Mitarbeiter etwas informatives herausbekommen, was eine Schlagzeile wert gewesen wäre. So hatte ich wenigstens meine Ruhe. Bob war natürlich wie versprochen immer in meiner unmittelbaren Nähe. Irgendwann jedoch blendete ich doch auch das aus. Ich war viel zu sehr damit beschäftigt für die Schule zu lernen und Willy zu vermissen. Gleichzeitig war ich aber auch stinksauer über sein Verhalten. Wenn er hier wieder auftauchte, dann konnte er sich mit hoher Sicherheit auf ein Donnerwetter gefasst machen.

Das nächste Mal, als ich Dienst hatte, war es unglaublich kalt. So kalt, dass sogar viele Gehwege zugefroren waren. Ich kam deswegen 20 Minuten zu spät zu meiner Schicht und legte mich natürlich auch noch mit meinem Gesäß auf den harten Betonboden. Eigentlich sollte ich laut Bob nicht einmal zur Arbeit gehen, doch da es um die Fabrik nun ruhig geworden war, hörte ich nicht auf seinen Rat. Zur Sicherheit folgte er mir jedoch trotzdem.
Der Tag hatte heute schon mies begonnen, weil Richie mir wieder in der Schulkantine aufgelauert war.
„Hallo, mein kleiner Krümelkeks.“, begrüßte er mich mit einem lässigen Grinsen auf dem Gesicht. „Lust heut' mit mir was zu unternehmen.“
„Lass mich in Ruhe.“, knurrte ich genervt. Selbst Richies dummes Gerede ließ mich zurzeit völlig kalt. Es gab soviel andere Dinge, die in meinem Kopf herumschwirrten. Da war nicht auch noch Platz für seine nervigen Kommentare.
In der Schulstunde danach bekamen wir eine Mathe-Arbeit zurück, auf die ich wieder mal eine 4 bekommen hatte. Seit ich in der Oberstufe war, kam ich in dem Fach gar nicht mehr zurecht. Noch dazu hatten wir eine Lehrerin, die es liebte mich zu quälen, indem ich bei fast jeder Hausaufgabe die Lösungen vorlesen musste oder an die Tafel geschickt wurde, um eine komplizierte Aufgabe zu lösen, bei der ich nicht einmal den Taschenrechner benutzen durfte. So wie heute auch wieder.
„Wer immer nur schlechte Noten hat, hat auch ein Wenig Aufholbedarf.“, säuselte Mrs. Greenwald.

Ich konnte nur hoffen, dass dieser Tag bald vorbei war und ich mit noch schlimmerem verschont bleiben würde. Auf Arbeit dann lief auch eigentlich alles wie immer. Judy und ich alberten etwas herum, indem wir uns gemeine Streiche ausdachte, die Mrs. Greenwald so richtig auf die Palme bringen würden. Ich wusste zwar, dass ich mich nie trauen würde, etwas derartiges zu tun, aber schon alleine mit dem Gedanken zu spielen war immer sehr amüsant.
Gerade als ich damit beginnen wollte die ersten Schokoladenweihnachtsmänner in Kisten zu verpacken, wurde es auf einmal ganz Still in der Halle. Ich drehte mich um und glaubte kaum, was ich da sah. Da stand Willy höchstselbst. Alle Mitarbeiter hatten sich um ihn versammelt und schwiegen betreten. Jetzt bemerkte ich erst, dass Henry neben ihm stand.  
„Ist ja wohl kaum zu fassen.“, wisperte Judy und sprach damit aus, was alle dachten.
Willy räusperte sich und blickte in die Runde. Doch mich schien er einfach zu übergehen. Er hatte einen Zettel in der Hand, von dem er wie gewohnt ablas:
„Hallo.“, begann er und lächelte etwas unsicher. „Nun...wie ihr sehen könnt, bin ich wieder zurück. Ich brauchte eine kleine Auszeit, um ein paar wichtige Dinge zu erledigen, aber jetzt bin ich wieder voll und ganz für euch da.“ Seine weißen Zähne blitzten hell leuchtend auf.
Ich musste mich wirklich zusammenreißen vor Wut nicht zu explodieren. Da tauchte er einfach hier nichtsahnend auf und tat so als wäre alles in Butter. Als hätte es die letzten zwei Wochen nicht gegeben. 'Kleine Auszeit'...Pah... dass ich nicht lache.
Willy stand noch eine Weile dort und teilte uns die aktuellen Verkaufszahlen mit. Ich jedoch hatte genug gesehen und gehört. Ich schaltete völlig ab und stürmte aus dem Produktionsraum. Alle sahen mir hinterher, doch es war mir egal, was sie dachten.

Ich lief zu den Umkleiden und leerte meinen Spint aus, der gefüllt mit Sachen von mir war. Meine Wut über Willy war kaum in Worte zu fassen. Mir kamen dabei sogar die Tränen.
Es näherten sich Schritte, doch auch das ließ mich nicht von meinem Vorhaben abbringen. Ich musste hier weg. Ich hätte nicht gedacht, dass mich Willys plötzliche Rückkehr so aus der Bahn werfen würde, aber anscheinend hatte mich sein Verhalten mehr verletzt als ich mir selber eingestehen wollte.

„Charlotte?“
Ich zitterte am ganzen Körper, als ich seine Stimme hinter mir vernahm. Ich wusste, dass er mich nur wieder einlullen wollte. Doch ich wollte mir seine Entschuldigungen und Ausreden nicht anhören. Ich würde nur wieder nachgeben. Dabei sollte er ruhig wissen, wie sehr er mich gekränkt hatte.
Ich hörte wie Willy die Tür hinter sich schloss. Ich drehte mich um und sah, dass er dabei war die Tür abzuschließen.
„Was soll denn das?“, fuhr ich ihn an. „Du kannst mich hier nicht einsperren.“
Er wandte sich zu mir um.
„Ich will dich nicht einsperren. Ich will nur vernünftig mit dir reden.“
„Mit dir kann man nicht reden.“, fauchte ich und wich zurück als er näher zu mir trat. „Sonst hättest du es schon getan bevor du einfach so abgehauen bist. Was glaubst du eigentlich, was für Sorgen ich mir am Anfang gemacht habe? Ich hab tausend Mal versucht sich anzurufen und dich zu erreichen.  Du hast mich im Ungewissen gelassen, wo du bist und warum du überhaupt weg gewesen bist. Urlaub? Dass ich nicht lache. Als ob du zu Urlaub fähig wärst.“ Meine Augen füllten sich dabei immer mehr mit Tränen. All die Gefühle, die ich die letzten zwei Wochen zu verstecken versucht hatte, brachen nun aus mir hinaus. „Und jetzt... jetzt tauchst du hier einfach auf als wäre nichts gewesen. Und anstatt zuerst zu mir zu kommen und dich für irgendwas zu entschuldigen, hältst du ne Rede vor der ganzen Belegschaft und faselst irgendetwas von einer Auszeit.“

Willy sagte nichts. Er blickte mich nur an mit einem Ausdruck, der sagte, wie leid es ihm tat und wie schlecht er sich damit fühlte.
„Charlotte.“, begann er nach einer Weile erneut. „Ich weiß, es ist schwer verständlich für dich, aber nach allem, was passiert ist, brauchte ich Zeit. Zeit um Nachzudenken. Ich bin nicht so wie du, die sofort mit jeder neuen Situation umgehen kann. Ich brauche.....“
„...Zeit?“, vervollständigte ich seinen Satz in etwas patzigem Ton.
„Ja.“, entgegnete er kleinlaut.
„Und wieso schaffst du es nicht mal mir sowas vorher zu sagen? Und verschwindest dann einfach so vom Erdboden?“
„Ich dachte du würdest es nicht verstehen.“
„So wie du es getan hast, versteh ich es allerdings noch viel weniger.“
„Es tut mir leid.“,erwiderte er tonlos. „Ein zweiter Grund warum ich es getan habe, war um dem Presserummel zu entgehen. Diese Reporter sind wie Aasgeier. Sicherlich ist dir das aufgefallen.“ Ich nickte nur.
„Übrigens komm ich das nächste Mal auch ohne einen Beschützer aus.“
Willy hob die Augenbrauen.
„Oh du hast also Bob kennengelernt?“, meinte er fast verlegen.
„Ja, er ist nett. Nur schade, dass du auch keine Zeit hattest mir ihn vorher vorzustellen.“ Ich verschränkte rechthaberisch die Arme.
„Ich wollte dich nur vor den Medien beschützen. Ich hatte Angst sie würden über dich herfallen, sobald sie dich sehen.“
„Ich glaube eher dass du Angst hatte, ich würde preisgeben, dass ICH das Mädchen bin, von dem momentan alle Welt spricht. Weil ich glaube, dass du damit nicht klarkommen würdest, wenn sie es wüssten.“

Anscheinend hatte ich bei Willy auf einen wunden Punkt getroffen, denn er gab ein merkwürdiges Wimmern von sich. Dann blickte er jedoch auf und starrte mich ungefähr eine halbe Minute lang an. Ich schwieg währenddessen nur und starrte zurück. Langsam kam er ein paar Schritte auf mich zu und ich ließ es zu, dass er seine Arme um mich legte und mich fest an seinen Körper drückte. Ich wollte mich nicht dagegen wehren. Dafür war es zu schön, nach so langer Zeit wieder in seiner Nähe zu sein. Ich zögerte etwas doch letztendlich rang ich mich dazu durch meine Arme ebenfalls um ihm zu schlingen.
„Verzeih mir, Charlotte.“, murmelte er immer wieder vor sich hin. „Verzeih mir.“
„Du bist ein Idiot.“, sagte ich, genoss jedoch die  wohltuende Wärme, die von ihm ausging.
Tief in meinem Inneren wusste ich, dass ich ihm bereits verziehen hatte.

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