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CrAzY CaNdY

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
OC (Own Character) Willy Wonka
08.07.2009
20.08.2016
66
129.872
14
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Dieses Kapitel
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08.07.2009 2.098
 
6. An Unplanned Meeting

Als Judy mir am nächsten Tag den Umgang mit der Kasse und den Kunden näher erklärte, konnte ich mich kaum darauf konzentrieren. Ich musste immer wieder an den letzten Abend denken. Ob es Mr. Wonka schonwieder besser ging? Ich hatte ihn heute noch nicht zu Gesicht bekommen.

„…und wenn die Kasse sich öffnen soll, dann drückst du einfach hier, siehst du!“, sagte Judy und mit einem Klick sprang die Schublade mit dem Geld heraus.
„Hörst du mir eigentlich zu, Charly?“ Als ich meinen Namen hörte, schreckte ich aus meiner Trance.
„Wie bitte?“, fragte ich und schaute irritiert zu ihr auf.
„Was ist eigentlich los mit dir? Du bist heute schon die ganze Zeit so abwesend. Ich dachte du freust dich darauf die Kunden bedienen zu können.“
„Ja, das schon, aber-“ Eigentlich wusste ich nicht, was ich ihr sagen sollte.
„Aber?“, hakte sie nach.

Im selben Moment sah ich, dass Mr. Wonka aus dem Lagerraum kam und hinter Judy das Geschäft betrat. Als er mich bemerkte, grinste er mich munter an. Über mein Gesicht zog sich ebenfalls ein leichtes Lächeln. Wonka sah wirklich wesentlich besser aus als gestern Abend und er wirkte auch zum ersten Mal richtig ausgeschlafen. Er sah besser aus denn je.

„Charly?“ Judy runzelte die Stirn und blickte sich fragend zu Mr. Wonka um, als sie feststellte, dass mein Lächeln ihm galt. Sie drehte sich wieder zu mir.
„Ich bin verwirrt.“, wisperte sie, sodass Wonka es nicht hören konnte.
„Warum?“, fragte ich.
„Du und der Chef“, flüsterte sie. „Warum werft ihr euch diese Blicke zu?“
„Nächste Frage.“, sagte ich schnell.
„Du willst es mir nicht sagen?“
Sie hob eine Augenbraue. Ich musste unwillkürlich kichern.
„Ach, eigentlich ist es-…erzähl ich dir nachher.“, entschied ich plötzlich mit einem Grinsen.
„Aber ich will es jetzt wissen!“, drängte sie. Wir beide merkten, dass Wonka gerade in unsere Richtung sah.
„Gut… dann später.“, sagte sie mit gesenkter Stimme. „Aber ich will jedes Detail wissen.“

Ich grinste sie erneut verstohlen an, bevor wir uns wieder an die Arbeit machten. Kurz darauf hatte ich die Ehre meinen ersten Kunden zu bedienen. Ich war so nervös, dass meine Hände feucht wurden und ich Probleme hatte, dem Mann die Süßigkeiten einzupacken. Doch letztendlich schaffte ich es ohne einen Fehler. Judy gratulierte mir, fast so als hätte ich gerade eine schwierige Prüfung bestanden. Und irgendjemand klatschte Beifall. Verwundert wandte ich mich zu dem Geräusch um. Mr. Wonka strahlte mich stolz an und beendete seinen enthusiastischen Applaus.

„Das war wunderbar, wirklich wunderbar!“, freute er sich und seine strahlenden Zähne blitzten auf, als er mich erneut angrinste.
„Jetzt übertreiben Sie aber.“, murmelte ich beschämt.
„Nein! Du warst wirklich gut.“, versicherte er mir.
„Äh ja… danke“, brachte ich nur hervor.
„Mach weiter so.“, meinte er noch, bevor er wieder in den Lagerraum verschwand.

„Manchmal hat er echt einen an der Waffel.“, kicherte Judy, als er außer Hörweite war. „Ich würde wirklich gern wissen, was du ihm da eingeflößt hast, dass er so begeistert von dir ist. Krieg ich auch was von dem Zeug?“
„Ich weiß ja selbst nicht mal, warum er das macht. Alles, was ich getan habe, war den Notarzt zu rufen.“
„Den Notarzt?“, wiederholte Judy konfus. Dann schüttelte sie den Kopf. „Den braucht er wirklich…“, ergänzte sie scherzend.

Anschließend erzählte ich Judy die gesamte Geschichte. Dass Mr. Wonka mich versucht hatte dazu zu bringen „Du“ zu ihm zu sagen, ließ ich jedoch bewusst weg. Sonst müsste ich mir von Judy auch noch solche Fragen anhören, wieso und warum ich das nicht tue. Und da ich selbst nicht einmal weiß, wieso, wäre es besser sie nicht in Versuchung zu bringen eine derartige Frage zu stellen. Obwohl ihr das sicher selbst schon aufgefallen war.

„Also, dass er Urlaub nötig hat, daran hab ich nie gezweifelt.“, sagte Judy, als ich meine Erzählung beendet hatte.
„Ich habe auch das Gefühl, er lässt sich sowieso nichts von irgendjemand sagen, wenn es um Urlaub geht.“, bemerkte ich bitter.
„Lass ihn doch! Er ist immerhin selbst Schuld daran.“
„Er hat mir jedenfalls versprochen, dass er eher mit Arbeiten aufhört.“, sagte ich hoffnungsvoll.
„Warum machst du dir eigentlich solche Gedanken um ihn?“, fragte Judy mit einem amüsierten Unterton in der Stimme.
„Er ist unser Chef.“, versuchte ich mich zu rechtfertigen.
„Schon! Aber ich hab den Eindruck, du denkst ein Wenig zu viel an ihn… und schaust ihm ziemlich oft hinterher.“, fügte sie hinzu, als sie mich dabei beobachtete, wie ich Wonka erneut anstarrte, als er durch die große Lagerhalle lief. Mein Blick schnellte zu Judy hinüber.
„Ich weiß, was du denkst, aber du denkst falsch!“, erklärte ich ihr.
Sie verdrehte die Augen.
„Wie du meinst…“

Nachdem ich mich in der Kundenbedienung etwas eingeübt hatte, kam ich auch schon ganz gut mit dem System im Geschäft klar und wusste ungefähr, wo eine bestimmte Süßigkeit zu finden war und welche Sorten es gab. Trotzdem war ich jedes Mal aufs Neue nervös, wenn ich an die Kasse sollte, sodass meine Hände zu zittern begannen. Es machte es auch nicht angenehmer, dass Mr. Wonka regelmäßig ein Auge auf mich hatte, um zu sehen, welche Fortschritte ich machte. Von seinen Beobachtungen wurde ich im Gegenteil noch angespannter. Wonka ließ es sich nie ansehen, ob er nun zufrieden war mit dem, was er sah oder ob er eine Menge Fehler in meiner Arbeit bemerkte.

Zu meiner Verzweiflung hinzu kam, dass Judy währenddessen im Lagerraum arbeitete und nicht dabei war, um mir im Notfall zu helfen. Unser Boss hatte festgelegt, dass ich sie nun fortan nicht mehr als meine „Lehrerin“  benötigen würde. Bei wichtigen Fragen sollte ich mich ausschließlich an ihn wenden.. Ich weiß nicht, wieso, aber durch sein plötzliches Interesse an mir, mir beim Arbeiten zuzusehen und alles für gut zu befinden, was ich tat, hatte ich das Gefühl, er wolle sich für meine Hilfe am Tag zuvor rechtfertigen. Obwohl ich immer noch der Meinung war, dass ich nichts Bewundernswertes getan hatte. Jeder andere hätte das Gleiche getan, da war ich mir sicher.

Die Arbeit machte mir generell immer noch Spaß, doch ich war am Freitagabend trotzdem froh, dass nun endlich Wochenende war. Das Geschäft hatte zwar auch samstags ein paar Stunden geöffnet, aber Mr. Wonka hatte entschieden, dass er mich an diesem Tag nicht brauchte und ich ruhig ein Wenig „Ferien machen“ könnte, wie er es ausdrückte. Am liebsten hätte ich so etwas geantwortet wie: „Und was ist mit Ihren Ferien?“, aber ich hab mich dann doch aus Höflichkeit zurückgehalten. Seltsamerweise konnte ich während der Arbeitszeit nicht so mit ihm reden, wie ich es am Mittwoch noch getan hatte. Das Gespräch zwischen uns war eher ungezwungen gewesen. Auf Arbeit hingegen konnten wir nie auf diese Art und weise reden. Abgesehen davon hatte er diesen Vorfall auch kein einziges Mal mehr erwähnt.

Jedenfalls war ich froh zwei Tage frei zu haben. Meine Freundin Zonefey hatte mich kürzlich schon angerufen und angefragt, ob wir denn mal wieder etwas zusammen unternehmen würden,  jetzt wo Ferien waren. Sie wusste zwar von meinem Aushilfsjob, doch anscheinend dachte sie nicht, dass ich tagsüber solange arbeiten würde. Zonefey ging mit mir in eine Klasse und das schon seit unserem ersten Schuljahr und mittlerweile waren wir unzertrennlich geworden. Und das, obwohl wir uns anfangs in der Grundschule nie ausstehen konnten. Trotzdem haben wir uns immer gegenseitig zu unseren Geburtstagsfeiern eingeladen, aber ich glaube das taten wir nur, weil unsere Eltern ganz gut befreundet waren. Dann musste sie plötzlich wegziehen in einen nahegelegenen Ort und demzufolge auch die Schule wechseln. Wir waren seltsamerweise beide traurig darüber, aber trotzdem war ich froh, dass sie weg war.

Zwischen uns… das war so etwas wie eine Hassliebe. Das ist wahrscheinlich der einzige Weg das zu erklären. Nach zwei Jahren kam Zonefey wieder auf unsere Schule zurück und fiel mir in die Arme, als wären wir schon immer die besten Freundinnen gewesen und seitdem waren wir das auch, obwohl es immer noch Momente gab, in denen sie mich ärgerte. Das war etwas, das sie schon immer gerne getan hatte. Doch mittlerweile ärgerte ich zurück, sobald sie damit anfing.

Zonefey, oder Zoey- wie sie auch genannt wurde- und ich beschlossen also Samstagnachmittag zusammen durch die Stadt zu bummeln. Sie hatte irgendwo gelesen, dass es an diesem Tag einen Sonderrabatt auf alle Artikel in ihrem Lieblingsklamottenladen gab und da schleppte sie mich auch zuerst hin. Mir persönlich waren die Sachen dort alle zu teuer. Zoey war in der Hinsicht ein Wenig verwöhnt, denn sie bekam eine Menge Taschengeld von ihren Eltern. Kein Wunder, wenn ihr Vater Polizist war und ihre Mutter Rechtsanwältin. Da konnte mein Daddy nicht mithalten, der sich sein Geld als Kellner in einem schmuddeligen stickigen Restaurant verdiente. Deswegen hatte ich auch beschlossen ihm die Hälfte meines erarbeiteten Geldes zu überlassen. Selbst dann hätte ich noch genug für mich selbst zur Verfügung.

„Oh, guck mal! Ist dieses Kleid nicht süß?“, quietschte Zoey voller Freude, als wir nun schon in der vierten Boutique standen. Sie hielt das rosa Kleid hoch und hielt es sich auf Brusthöhe an ihren Körper.

„Ja, das steht dir bestimmt toll!“, erwiderte ich ein Wenig ausgelaugt. Shoppen mit Zoey konnte manchmal echt anstrengend werden. Mir wäre jetzt lieber danach in einem Buchladen zu gehen und dort nach etwas neuem Lesestoff zu suchen. Doch Zoey konnte man nur selten für Bücher begeistern. Genau jetzt war der Zeitpunkt, wo ich leise genervt aufstöhnte, jedoch so, dass Zoey es nicht hören konnte. Die befand sich sowieso gerade in der Umkleidekabine, um ihr rosa Prinzessinenkleid anzuprobieren. Wir waren manchmal so verschieden, dass es schon ein wunder war, dass wir so gut miteinander klarkamen. Aber wie sagt man so schön: Gegensätze ziehen sich an. Genau wie bei Magneten: der eine mit dem Plus- und der andere mit dem Minuspol.

Während ich so nachdachte, beobachtete ich aus dem Fenster heraus, die Leute auf der Straße, die zwischen den Läden hin und herliefen. Gleich gegenüber war eine Buchhandlung, in die ich mich zu gerne verzogen hätte, doch ich wollte Zoey nicht enttäuschen, deswegen blieb ich. Die Straßen schienen heute ungewöhnlich leer, was wahrscheinlich daran lag, dass der Himmel schon seit heute Morgen einen gefährlichen dunklen Farbton angenommen hatte. Ich blickte verträumt aus den Schaufenstern und wünschte es würde anfangen zu regnen, damit ich einen Grund hätte, diese Shoppingtour zu beenden, auf die ich gerade überhaupt keine Lust hatte.

Plötzlich hob ich ruckartig den Kopf in die Höhe, als ich einen dunkelroten Mantel zwischen den Leuten hindurch schimmern sah. Nervosität stieg in mir auf, als ich erkannte, dass der rote Mantel meinem Chef gehörte. Das konnte nur er sein, denn ich sah seinen Zylinder über die Köpfe der Menschen ragen. Ich hielt kurz die Luft an und beobachtete ihn dabei, wie er vor der gegenüberliegenden Buchhandlung halt machte und ausdruckslos in die Schaufenster starrte. Dann wippte er ein paar Mal mit dem kopf hin und her und betrat dann zögerlich den Buchladen. Ich hatte plötzlich ein Bedürfnis, dem ich dringend nachkommen musste. Ich lief zu Umkleidekabine, in der Zoey sich befand und rief ihr etwas zu:

„Hast du was dagegen, wenn ich gegenüber in die Buchhandlung gucke?“, fragte ich und versuchte mir nichts anmerken zu lassen.
„Ähm.. nein, geh nur! Ich glaub das Kleid passt sowieso nicht richtig. Aber ich probier noch die anderen Sachen.“
„Gut! Wenn du fertig bist… kannst du ja rüberkommen.“, schlug ich vor und machte mich ohne länger zu Zögern auf den weg nach Gegenüber.

Ich hoffte, dass er noch da war. Ich betrat die Buchhandlung etwas unsicher und ließ meinen Blick dann unauffällig durch den Raum schweifen. Ich entdeckte Wonka ganz hinten vor dem Regal mit den Taschenbüchern. Irgendwie passte er absolut nicht hierher, stellte ich innerlich grinsend fest.

Ich zögerte ein ganze Weile und beobachtete währenddessen, wie er eher unbeteiligt durch die Buchhandlung schritt und die Regale begutachtete, so als würde er Ausstellungsstücke in einem Museum betrachten. Unauffällig versuchte ich mich ihm zu nähern, doch er schien mich sowieso nicht zu bemerken. Schließlich stand ich nur noch einige Meter von ihm entfernt, direkt vor einem der zahllosen Bücherregale und nahm eines der vielen Taschenbuchromane zur Hand, ohne darauf zu achten, was für ein Buch es war. Dann wanderte mein Blick erneut zu Mr. Wonka, während ich noch immer flüchtig durch das Buch blätterte. Nach einigen Sekunden drehte er sich in meine Richtung und ich bemerkte seinen überraschten Gesichtsausdruck, als seinen Blick an mir hängenblieb. Ich musste unwillkürlich lächeln.

„Guten Tag, Mr. Wonka!“, sagte ich in einem Tonfall, der Verwunderung ausdrücken sollte. Dabei setzte ich eine ebenso überraschte Miene auf, wie er.

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Fortsetzung folgt^^

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