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CrAzY CaNdY

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
OC (Own Character) Willy Wonka
08.07.2009
20.08.2016
66
129.872
14
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08.07.2009 1.748
 
58. Give It Time

Es war kurz nach 6 als ich das Haus der Winters wieder verließ und ich hatte es verdammt eilig damit wegzukommen, sodass ich den restlichen Weg zur Fabrik rannte. Ohne anzuklopfen, stürmte ich in Willys Büro.
Dieser stand am Fenster und blickte überrascht auf. “Ich hatte nicht erwartet, dass du noch kommst.”
“Tut… mir…Leid…”, keuchte ich außer Atem. “Ich musste… noch mit zu Zoey.”
“Setzt dich lieber, bevor du mir noch umkippst.”, kicherte er. Sofort ließ ich mich erleichtert auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch fallen.  Ich versuchte japsend nach Luft zu ringen. Das war wohl die Strafe dafür, dass ich mich nie sportlich betätigte.
“Geht’s wieder oder brauchst du Mund-Zu-Mund-Beatmung?”
“Sei bloß still!”, zischte ich trotzig, auch wenn ich gegen seinen Vorschlag nicht gänzlich abgeneigt war. Willy reichte mir ein Glas kaltes Wasser. “Danke.”
“Ich hab schon gedacht es wäre was passiert, weil du nicht gekommen bist. Ich war schon drauf und dran bei dir zu Hause anzurufen, aber ich hab mich dann doch nicht getraut.”, gestand er kleinlaut, während ich das Glas Wasser in einem Zug leerte.
“Wahrscheinlich hättest du dich dann eh nur mit meinem Bruder unterhalten müssen.”
“Der hätte mir dann jedenfalls sagen können, wo du bist.”
Ich war gerührt und stand von dem Stuhl auf.
“Dann hast du dir also Sorgen um mich gemacht?”, fragte ich freudestrahlend.
“Nun, es hätte ja etwas passiert sein können, verstehst du?”, sagte er und wandte errötend den Blick ab. Belustigt sah ich ihn an.
“Du kannst es nicht verleugnen, aber du hast dir Sorgen gemacht.”
Willy zog eine Schnute.
“Und wenn schon…”, antwortete er verdrießlich und schwieg dann eine Weile.
“Willy?”, unterbrach ich nach einigen Sekunden zaghaft die Stille. Er sah mich an.  “Findest du nicht auch, dass wir uns zur Begrüßung… nun ja- küssen sollten?”, fragte ich ein bisschen unsicher. “Jetzt wo wir… na, du weißt schon.”
Willy schluckte und ich sah ihm an, dass seine Gedankengänge auf Hochtouren liefen.
“Findest du denn, dass wir das tun sollten?”, sagte er langsam.
“Ja.”, sagte ich schlicht.
“ ’kay! ”

Er kam zögerlich einen Schritt auf mich zu, wirkte jedoch sehr verkrampft dabei. Er näherte sich mir zuerst an und legte den Kopf zur Seite, bevor er sich dann doch wieder umentschied und ihn wieder in die andere Richtung neigte. Auch ich war etwas wankelmütig, doch schließlich schaffte Willy es und küsste mich scheu auf die Lippen. Es war ein flüchtiger Kuss, aber besser als nichts.
“Du tust gerade so als wäre das unser erster Kuss.”,  wisperte ich über seine Schulter hinweg. Willy legte zögerlich die Arme um mich.
“Zumindest der Erste, seit du meine Freundin bist.”
“Stimmt.”, sagte ich, während mein Puls sich langsam wieder normalisierte.
“Magst du noch was anderes trinken?”, fragte Willy plötzlich und löste sich von mir.
“Hmm …könntest du mir eine heiße Schokolade machen?”
“Na hör mal.”, entgegnete er eingeschnappt. “Ich bin Willy Wonka und kein Schuhverkäufer.”
“Gut, dass du’s erwähnst. Ich hab mich schon gewundert, wo du die ganzen Schuhe hier versteckt hast.”
“Meine heiße Schokolade ist die beste der Welt.”, sagte der stolz.
“Du bist ja auch der beste Schuhverkäufer der Welt.”, grinste ich. “Hey, wo geht’s du hin?”, fragte ich quengelnd als Willy durch die Tür in seine Wohnung marschierte.
“In meine Küche, damit ich dir heiße Schokolade machen kann.”, erklärte er. In der Küche angekommen durchforstete er nach und nach alle seine Schränke. “Ah, hier ist es.”, murmelte er vor sich hin. Er holte einen Topf hervor, stellte ihn auf den Herd und begann eine Wonka-Schokoladen-Tafel im Wasserbad einzuschmelzen. Ich musste die ganze Zeit vor mich hingrinsen, während ich ihn dabei beobachtete, wie er sorgfältig, fast schon liebevoll die flüssige Schokolade umrührte. Ich fand es so goldig von ihm, dass er das für mich tat. Willy ergänzte noch ein wenig Vanille und Zimt und schlug sogar extra Sahne auf. Er goss das heiße Getränk in eine Tasse und setzte einen Klecks von der Sahne obendrauf, inklusive Schokoraspeln. Als er fertig mit allem war, reichte er mir lächelnd die Tasse und schenkte sich dann selbst auch etwas ein.

“Oh Danke.” Ich schnupperte an der Schokolade, während er Gegenüber von mir Platz nahm. “Schon bei dem Geruch wird mir ganz schwindelig.”  Ich löffelte etwas von dem Getränk aus der Tasse und probierte schlückchenweise davon. Der Geschmack war überwältigend. “Mhhm… Jetzt weiß ich, wieso Kakao eine Droge ist. Das Zeug macht definitiv süchtig.”
“Ja, aber nur, wenn ich es mache.”
“Dann bist in Wirklichkeit du die Droge?”, fragte ich kess.
“Der Kakao und ich, wir ergänzen uns einfach gut.”
Ich lächelte ihm zu und nippte dann wieder an meiner Tasse. Dann stellte ich sie auf den Tisch zurück.
“Was machst du eigentlich am Wochenende?”, wollte ich zögerlich wissen.
Er blickte auf und musterte mich mit runzelnder Stirn.
“Dieses Wochenende?”
“Ja, dieses.”, antwortete ich.
“Am Samstag arbeite ich für gewöhnlich.”
“Ich weiß, aber was machst du danach… nach der Arbeit? Was machst du sonst immer nach Feierabend, also wenn du nicht arbeitest.”, fügte ich hinzu.
“Ich esse etwas und gehe zu Bett. Und dann… dann schlafe ich.”, meinte Willy schulterzuckend.
“Jeden Tag?”
“Warum willst du das wissen?”, fragte er nun etwas störrisch.  
Ich seufzte kurz auf und schob meine Hand zu ihn hinüber, um ihm beruhigend über den Unterarm zu streichen.
“Du arbeitest und du schläfst…und das Tag für Tag. Findest du das nicht ein bisschen einseitig?”
Er zog seine Hand abrupt von mir weg.
“Nein, gar nicht.”, sagte er forsch. “Meine Arbeit bedeutet mir viel.”
“Das weiß ich doch alles.”, besänftigte ich ihn und sah ihm eingehend in die Augen. “Aber es muss doch noch was anderes geben.”
Willy blickte stur gen Tischplatte. Meine Kritik hatte ihm einen Stich versetzt.
“Sonntag.”, sagte er schließlich knapp und sah mich dann reserviert an.
“Was meinst du mit ‘Sonntag‘?”, fragte ich, da eine entsprechende Erklärung ausblieb.
“Sonntag arbeite ich nicht. Niemals.”
Ich musste zugeben, dass er mich mit dieser Aussage überraschte. Seine Stimme war ernster geworden und seine Gedanken schienen völlig woanders zu sein.
“Was machst du Sonntags?”, formulierte ich vorsichtig meine Frage.
Er schien um Worte zu ringen, öffnete ein paar Mal den Mund, um zum Sprechen anzusetzen, doch es schien ihm nicht recht zu gelingen.
“Gehst du vielleicht zur Kirche?”, half ich ihm etwas auf die Sprünge, doch Willy schüttelte nur den Kopf. Ich hatte auch nicht wirklich daran geglaubt, dass er sich etwas aus Religion machte. Es hätte ihm nicht ähnlich gesehen.
Da Willy sich nicht regte, stand ich auf, ging zu ihm und stellte mich neben seinen Stuhl. Trost spendend legte ich meine Arme um ihn und legte meinen Kopf auf seinen. Ich schloss die Augen und genoss es ihn zu berühren. Ich inhalierte den frischen Duft seiner Haare und ertastete sein Ohr. Von Willys Seite her kam kein Einwand, also machte ich weiter und strich über seine ebene Wange.  Plötzlich zeigte er eine Reaktion und schob meinen Arm sanft, aber bestimmt beiseite. Er schaute zu mir auf und sagte dann:
“Ich gehe auf den Friedhof.” Ich löste mich mit einem leicht irritierten Ausdruck von ihm.
“Zum Friedhof?”
Willy nickte.
“Ich besuche das Grab meiner Mutter und bringe ihr Blumen. Jeden Sonntag”

Ich lächelte schwach, obwohl ich zur gleichen Zeit  tiefe Traurigkeit empfand. Ich war gerührt von seinem Geständnis und der Tatsache, dass seine Mutter ihm so viel bedeutete, obwohl er sich kaum an sie erinnern konnte. Auch meine Mutter starb früh, allerdings habe ich durch meine fehlende Erinnerung an sie nie besonders viel getrauert, weshalb urplötzlich ein schlechtes Gewissen in mir aufkeimte.
“Das ist wirklich… nett von dir.”, brachte ich hervor. Ich wollte gerne mehr sagen, doch die passenden Worte waren wie aus meinem Gedächtnis gelöscht.
“Und dann besuche ich noch ein anderes Grab. Es befindet sich ebenfalls auf diesem Friedhof, weißt du?”
“Von wem?”, wollte ich wissen und versuchte nicht zu neugierig zu klingen, obwohl ich genau das war. Wer war der Mensch, um den Willy noch trauerte? Bisher hatten wir nie über so etwas persönliches geredet, vielleicht weil ich auch angenommen hatte, dass Willy sich immer alleine durch die Welt schlug.
Doch Willy seufzte nur.
“Das ist ein lange Geschichte, Charlotte.”
“Ich habe genug Zeit.”, beharrte ich.
“Du vielleicht, aber ich nicht.” Er stand auf und stellte unsere leeren Tassen beiseite. “Ich muss wieder ins Büro.”
Er ließ mich in der Küche stehen und steuerte auf die Tür seines Arbeitszimmers, auf der anderen Seite des Raumes, zu. Eilig lief ich ihm hinterher.
“Du kannst mich doch nicht so einfach abspeisen. HEY!”  Ich griff nach seinem Arm, bevor Willy die Klinke hinunterdrücken konnte.
“Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt.”, entgegnete er widerspenstig.
“Du verstehst es nicht, oder?”, stieß ich lauter als beabsichtigt hervor, “ich möchte gerne mehr über dich erfahren und ich möchte allem voran mehr Zeit mit dir verbringen, aber andauernd arbeitest du nur. Und ich sitze hier herum und drehe Däumchen. Dabei würde ich so gerne etwas mit dir unternehmen. Ich möchte mit dir ausgehen, so wie es sich für ein Liebespaar gehört.”
Willy sah mich für einen Moment verständnislos an.
“Ich weiß, wir sind erst seit gestern zusammen, aber mir ist schon lange davor aufgefallen, dass du zu viel Zeit im Büro verbringst. Ich würde mir einfach wünschen, dass wir wenigstens am Wochenende was unternehmen und du dich nicht andauernd hier verkriechst.” Ich sah, dass er widersprechen wollte, doch er entschied sich für ein mürrisches Schweigen. “Du weißt, dass ich Recht habe.”

Er bedachte mich mit einem schuldbewussten Lächeln, aber zugeben wollte er es anscheinend nicht. Nach einer Weile blickte er mich jedoch entschieden an und sagte:
“Wenn du willst, komm diesen Sonntag mit zum Friedhof. Dann erzähle ich dir alles von Anfang an.”
Sein Angebot verunsicherte mich allerdings.
“Ist das denn wirklich okay für dich?”, fragte ich.  
“Ja, denn du hattest Recht. Ich sollte dich an meinem Leben Teil haben lassen. Allerdings fällt mir das noch immer etwas schwer.“, gab er widerwillig zu. “Und mein Leben ist nur halb so interessant, wie du vielleicht glaubst.”
“ Ich glaube dein Leben ist interessanter als du zugeben willst.”, keifte ich. Willy lächelte daraufhin.
“Richtig interessant ist es erst geworden, als du angefangen hast in meinem Laden zu arbeiten.”
Mein Herz setzte mindestens zwei Schläge aus, als er das sagte.
“Dann stell dich ab sofort darauf ein, dass ich dein Leben auf den Kopf stellen werde.”, erwiderte ich mit einem unverschämten Grinsen auf dem Gesicht.  
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Reviews wäre wie immer sehr nett.... Gebt euch einen Ruck ;)
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