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CrAzY CaNdY

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
OC (Own Character) Willy Wonka
08.07.2009
20.08.2016
66
129.872
14
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Dieses Kapitel
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08.07.2009 1.463
 
56. The Third Of October

“Hallööchen!”, begrüßte ich Willy fröhlich, als ich am darauffolgenden Montag meine Schicht beendet hatte. Willy stand gerade neben der Kaffeemaschine und schien zu warten bis die Kanne voll war. “Du kannst gleich noch einen für mich machen.”
“Keine Sorge. Ich habe genug für uns beide gekocht.”, meinte Willy mit einem seltsamen gezwungenem Lächeln und beobachte dann mit starren Blick wie das schwarze Getränk in die Kanne sickerte.
“Alles in Ordnung?”, fragte ich.
“Ja, natürlich.”, antwortete er aus seiner Trance erwachend.
“Du wirkst so abwesend.”
“Mach dir keine Sorgen. Mir geht’s prima.” Er versuchte ein glaubwürdiges Lächeln aufzusetzen. Dann nahm er die Kanne und schenkte uns Kaffee ein. “Wie war dein Tag?”, erkundigte er sich und ließ sich dann hinter seinem Arbeitsplatz nieder.
“Schule eher langweilig und Arbeit… ähem… natürlich total interessant.”
“Ich glaube den überzeugenden Ton in deiner Aussage musst du noch ein bisschen üben.”, sagte er mit mattem Lächeln.
“Würde es dich glücklich machen, wenn ich sage, dass ich mich gefreut habe nach der Arbeit hierherzukommen?”
“Du bekommst ja auch immer gratis Kaffee.”
Ich zögerte einen Moment.
“Das schon.”, stimmte ich ihm leise zu. “Aber das ist nicht der einzige Grund, weshalb ich mich freue.”
Das verkrampfte Lächeln des Chocolatiers kehrte zurück. Ich sah wie er die rechte Hand zu einer Faust ballte und anscheinend war ihm das kaum bewusst.
“Hast du nicht ein paar Hausaufgaben, die du erledigen musst?”, fragte er plötzlich ohne mich dabei anzusehen. Stattdessen wühlte er geschäftig in seinen Unterlagen.
“Heute nicht.”, sagte ich tonlos.

Einen Augenblick herrschte geräuschlose Stille im Raum. Da ich nichts zu sagen wusste, trat ich neben Willy an den Schreibtisch heran und legte meine Hand zärtlich auf seine immer noch geballte Faust. Diese entkrampfte sich sofort und griff nach meiner Hand. Dann stand er auf und nahm mich schweigend in seine Arme. Ich schloss die Augen und genoss das Gefühl von ihm gehalten zu werden.  
“Ich bin so dankbar, dass du da bist.” Seine Stimme war fast weniger als ein Flüstern und es klang als ob er mehr zu sich selbst sprach. Ich legte die Arme in seinen Nacken und zog ihn näher an mich heran.
“Es könnte immer so sein.”, hauchte ich an sein Ohr. Willy antwortete nicht, sondern schien über meine Worte nachzudenken. Ich löste mich schließlich von ihm und blickte ihn dann aufmerksam an. “Willy, ich möchte gerne deine Freundin sein. Du weißt schon. Deine richtige Freundin.”
Willy öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Es wirkte nicht so als wäre er auf diese Situation vorbereitet gewesen, sondern eher überfallen von meiner plötzlich so offenen Bitte.  Seine Miene war unschlüssig und ich bereute schon fast meine Ehrlichkeit.
Schließlich hob er zögerlich seine Hand und streichelte flüchtig über meine Wange.
“Du bist ein tolles Mädchen, Charlotte.”, sagte er mit einem nervösen Kichern in der Stimme. “Und ich… nun ich find es schön, wenn du hier bist. Es ist seltsam, aber du bist eine der wenigen Personen, bei denen ich mich wohl fühle, wenn sie in der Nähe sind.”
“Ist das jetzt ein ‘Ja’? ”. fragte ich aufgelöst.
“Ich hatte noch nie eine Freundin. Aber ich habe auch vorher niemals den Wunsch danach verspürt mit einem Mädchen zusammen zu sein.”, erklärte er sachlich und meine Miene wandelte sich zu einem deprimierten Gesichtsausdruck. “Außer bei dir.”
Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. In mir herrschte das reinste Chaos der Gefühle.
“Ja oder Nein?”, fragte ich mit zittriger Stimme.
Willy zögerte und schließlich nach ein paar quälenden Sekunden, nickte er schüchtern und seine Mundwinkel deuteten ein mildes Lächeln an. Mit dieser Geste wurde mir federleicht ums Herz und ich küsste ihn übermütig auf die Wange, woraufhin ein Hauch von Röte in Willys Gesicht strömte.
“Aber was ist mit deinem Vater?”, fragte er.
“Das Problem ist längst geklärt. Mach dir keine Sorgen!”, meinte ich freudestrahlend und drückte mich fest an ihn.
“Wenn du das sagst…”

Plötzlich fiel mir etwas ein, weshalb ich mich von Willy löste, nach dem Tischkalender auf seinem Schreibtisch griff und einen Stift zückte.
“Welcher Tag ist heute?”
Willys Blick wurde ungewöhnlich düster.
“Der dritte Oktober.“, meinte er zögerlich. “Wieso?”  
“Damit du dir diesen Tag merkst und wir in einem Jahr unser Einjähriges feiern können.”, jubelte ich. “Ich finde der dritte Oktober ist ein schöner Tag dafür, meinst du nicht auch?” Ich markierte den Tag im Kalender, indem ich ein Herz um die 3 malte. “Willy?”
Doch Willy war in Gedanken und starrte hypnotisiert Löcher in die Luft.
“Ist was nicht in Ordnung?”, fragte ich zaghaft. Willy schreckte hoch und blickte mich konfus an.
“Was?”
“Geht es dir gut?”, fragte ich etwas lauter.
“Nun, es ist nur…mein Vater… er hat heute Geburtstag.”
“Oh.” Eine Weile warf ich ihn einen mitfühlenden Blick zu. “Sollen wir lieber einen anderen Tag nehmen? Den Zweiten oder den Vierten Oktober vielleicht?”, bot ich ihm an.
Doch Willy schüttelte den Kopf.
“Nicht nötig. Schließlich ist es ja nur irgendein Datum, oder?”
“Ja, aber jetzt erinnert es dich an die Sache mit deinem Vater.”, sagte ich.
“Nun, dann habe ich jetzt endlich einen Grund an diesem Tag an etwas anderes zu denken als an ihn.”
Ich lächelte unsicher. Willy legte die Hand unter mein Kinn und zwang mich damit in seine Augen zu sehen. Er blickte mich aufmerksam an, während sein Daumen über meine Unterlippe fuhr. Dann legte er die Hand an mein Gesicht und strich meine Schläfe entlang.
“Ich finde du solltest ihm wenigstens eine Karte schreiben.”
Willy schüttelte langsam den Kopf.
“Nein, Charlotte. Das werde ich nicht. Ich hab dir das schon oft genug erklärt, dass ich nich-”
“Schon gut. Du lässt ja eh nicht mit dir reden.”, fiel ich ihm mürrisch ins Wort.
“Ja, weil es alleine meine Entscheidung ist, was ich tue.”
Ich seufzte und verdrehte die Augen.
“Du bist der Chef.”
“Gut erkannt.”, lächelte er.

Willy und ich setzten uns zusammen an den Tisch in seinem Büro, ich wie immer an meinem Stammplatz und er gegenüber, und tranken unseren Kaffee. Es kam mir immer noch ziemlich surreal vor, dass wir jetzt ein Paar waren. Wenn man uns so zugesehen hätte, wie wir stillschweigend unseren Kaffee schlürften, hätte das wohl kaum jemand angenommen. Dabei dachte ich, wenn wir erstmal so weit waren und eine Beziehung hatten, würde alles einfacher werden.
Ich merkte wie er immer versuchte unauffällig zu mir hinüber zu sehen. Sobald ich ihn jedoch direkt ansah, senkte er den Blick und starrte gebannt in seine Tasse.
“Kann es sein, dass du mir vielleicht irgendetwas sagen willst?”, fragte ich nachdem ich die Situation eine Weile beobachtet hatte.
Willy schien etwas verblüfft und ich wusste sofort, dass ich den Nagel auf den Kopf getroffen hatte.
“Nun… ich wollte dich eigentlich fragen, ob…ob du schon mal einen Freund hattest.”
Die Frage überraschte mich etwas.
“Nein.”, meinte ich kopfschüttelnd. Seine Miene wandelte sich und er wirkte erleichtert. “Allerdings möchte ich nicht eine von denen sein, die ständig wie eine Klette an ihrem Partner hängen. Das nervt mich schon bei Zoey.”
“Das kann ich auch nicht ausstehen.”, stimmte er mir lächelnd zu.
“Aber dennoch… ich hätte nichts gegen ein paar Zärtlichkeiten einzuwenden.”, gestand ich errötend.
Willy reagierte auf meine Anmerkung, indem er meine Hand ergriff und mit seinem Zeigefinger ein Herz auf meine Handinnenfläche malte. Das brachte mich zum Lachen.
“Es macht mich glücklich, wenn du lachst, Charlotte” Ich verstummte und wich seinem Blick verlegen aus. “Anfangs fand ich das merkwürdig, aber jetzt ist es irgendwie einleuchtend, wenn ich so darüber nachdenke. Und ich war lange nicht so glücklich wie in den letzten beiden Wochen.”
“Dann muss ich wohl sehr oft gelacht haben.”, sagte ich leise.
Willy kicherte vergnügt und sah mich mit leuchtenden Augen an.
“Warum nennst du mich eigentlich immer Charlotte?”, fragte ich, weil mir die Frage plötzlich in den Sinn kam.
Er runzelte die Stirn.
“Das ist doch dein Name, nicht?”
“Das schon, aber ich meine du nennst mich nie Charly, so wie alle anderen es auch tun.”, erklärte ich rasch.
“Ich mag deinen Namen, so wie er ist.”, meinte er schulterzuckend. “Außerdem finde ich, dass Charly ein Jungenname ist, deshalb finde ich nicht, dass du so heißen solltest. Und wieso sollte ich dich nur so nennen, weil alle anderen es auch tun? Schließlich trage ich auch keine neonfarbene Jogginghose, nur weil alle anderen es tun.”
Ich prustete, weil ich mir Willy augenblicklich in einer solchen Hose vorstellen musste. Ich versuchte das Bild aus meinem Kopf zu verjagen und sagte:
“Ich trage auch keine neonfarbene Jogginghose.”
“Siehst du, und deshalb mag ich dich so.”, gab er amüsiert zurück.
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Die Sache mit der neonfarbenen Jogginghose...hihi...eine Anspielung auf die grässliche Mode der 80er, in denen meine Story spielt. (Zum Glück fast in den 90ern...die waren eindeutig, modisch gesehen, schon etwas besser)

Kommentare???^^
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