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CrAzY CaNdY

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
OC (Own Character) Willy Wonka
08.07.2009
20.08.2016
66
129.872
14
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Dieses Kapitel
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08.07.2009 2.063
 
4. Lost

In der ersten Woche schon stellte ich fest, wie viel Spaß mir die Arbeit im Candy Store machte. Und wie ich schon erhofft hatte, war es bei weitem besser als Schule. Es erwies sich, dass alle Mitarbeiter mir gegenüber sehr freundlich waren und dass mir die Sache mit der persönlichen Anrede leichter fiel, als ich anfangs vermutet hätte. Dadurch hatte man auch das Gefühl, dass das Arbeitsklima ausgeglichener war, als in einem anderem Unternehmen. Nur bei Mr. Wonka traute ich mich noch immer nicht das ‚Sie‘ abzulegen, obwohl es mir jedes Mal komisch vorkam ihn so anzusprechen, aber immerhin war er der Boss. Vielleicht lag es aber auch daran, dass ich immer nervös wurde, wenn er in meiner Nähe war. Ich wollte vor ihm nichts falsch machen. Ich wollte, dass er sah, wie sehr es mir gefiel in seinem Süßwarengeschäft zu arbeiten. Und ich hoffte, dass ich damit erfolgreich war, ihm das zu zeigen.

Judy war eine gute Lehrerin, aber eine noch bessere Freundin. Es war als hätte Wonka gewusst, wie gut wir beiden uns verstehen würden, als er die Entscheidung traf, dass sie mir alles zeigen würde. Während der Arbeit waren wir eigentlich die meiste Zeit über damit beschäftigt rumzualbern. Nach der ersten Woche hatte ich das Gefühl, ich würde sie schon mein ganzes Leben lang kennen. Wir erzählten uns gegenseitig von unserer Familie und unseren alltäglichen Problemen und Begegnungen.

Den Altersunterschied zwischen uns, nahm man dabei kaum wahr. Vielleicht weil Judy eine jüngere Schwester in meinem Alter hatte und es somit gewohnt war mit einem Teenager klarzukommen.

Ich fragte mich schon bald, wann Mr. Wonka mir eröffnen würde, dass ich auch im Geschäft arbeiten durfte, da ich mich darauf besonders freute. Am Mittwoch in meiner ersten Ferienwoche war es dann soweit. Ich war gerade dabei den Müll rauszubringen, als Mr. Wonka meinen Namen rief. Erschrocken drehte ich mich zu ihm um und ließ die Müllsäcke wieder auf den Boden fallen.

„Du kannst ruhig mit deiner Arbeit fortfahren. Ich folge dir.“, sagte er heiter. Ich nahm den Müll wieder an mich, während er neben mir herlief. „Lass mich dir helfen!“, bot er an und entriss mir einen der Müllbeutel.
„Danke.“, flüsterte ich kleinlaut.

Es war mit etwas unangenehm, dass mein Boss mir bei meiner Arbeit half, doch ich sagte nichts. Als ich meinen Blick wieder zu ihm wandern ließ, fiel mir auf, dass Wonka heute ziemlich kränklich aussah. Seine Haut war noch blasser als sonst und wirkte im Licht fast gräulich. Unter seinen Augen konnte ich hingegen dunkle Schatten erkennen. Dennoch war seine Miene genauso fröhlich und unbeschwert wie immer.

„Dir scheint es hier zu gefallen, oder? Ich hab den Eindruck, dass du dich wohlfühlst.“ Er blickte von der Seite her zu mir und bedachte mich mit einem erwartungsvollem Ausdruck. Ich verzog den Mund automatisch zu einem Lächeln.
„Ja! Ihre Mitarbeiter sind alle sehr nett. Und die Arbeit gefällt mir bisher auch.“, erwiderte ich wahrheitsgemäß.
„Es ist schön das zu hören. Aber im Ernst“ Er wedelte wieder mit der Hand. „Lass doch dieses alberne ‚Sie‘. Da kommt man sich furchtbar alt vor.“
Ich spürte, dass ich errötete.
„Wenn Sie meinen.“, murmelte ich kaum hörbar.
„Du.“, korrigierte er mich. Doch ich lächelte nur, statt meinen Satz zu berichtigen.

Wir standen nun draußen vor den riesigen Mülltonnen. Mr. Wonka hielt den Deckel der Tonne auf, damit ich den Müllbeutel hineinwerfen konnte. Anschließend entsorgte er den anderen Beutel, den er in der Hand hielt.

„Du scheinst deine Arbeit gewissenhaft zu erledigen, Charlotte.“, sagte er mit einem liebevollen Lächeln. „Deshalb denke ich, dass du jetzt nach der Einarbeitungsphase auch vorne im Laden mithelfen kannst.“

Ich blinzelte verwirrt.

„Ist das Ihr Ernst?“, fragte ich.
„Ja, natürlich. Ich vertraue meinen Mitarbeitern. Und dieses Mädchen wird dir wieder alles zeigen.“
„Judy.“, sagte ich, um ihn an ihren Namen zu erinnern.
„Genau die!“, sagte er.
„Danke, Mr. Wonka!“, strahlte ich, denn ich freute mich tatsächlich auf eine neue Aufgabe.
„Willy. Ich bin Willy.“, erinnerte er mich und grinste dabei wie ein Honigkuchenpferd. Ich wusste nicht, wieso ich mich nicht traute ihn einfach mit Vornamen anzusprechen- wie ich es bei den anderen auch tat-  geschweige denn einfach ‚Du‘ zu ihm zu sagen.

„Ich weiß.“, war mein kluger Beitrag, um nicht näher auf die Sache eingehen zu müssen.
„Wir sollten wieder reingehen. Es wird kalt hier.“, stellte Wonka fest und wandte sich um Richtung Tür.
„Gute Idee.“, stimmte ich meinem Chef zu und folgte ihm zurück in dem Lagerraum.
„Also, wenn du noch Fragen hast.“, fuhr Wonka unbeirrt fort. „Dann weißt du ja, wo du mich findest.“
Ich nickte energisch.
„Man sieht sich.“, ergänzte er noch, bevor er kehrt machte, um in sein Büro zu gehen. Ich merkte wie die Anspannung von mir abfiel, als er sich entfernte und atmete erleichtert auf. Anschließend machte ich mich auf den Weg zu Judy, um ihr die Neuigkeit mitzuteilen. Auch sie freute sich für mich, dass ich nun auch die anderen Arbeiten erledigen konnte.

Sie ging sofort mit mir in den Laden, um mir das Wichtigste beizubringen, denn die verschiedenen Süßigkeiten waren alle nach einem bestimmten System einsortiert, mit welchem ich erst einmal zurecht kommen musste. Morgen erst, erklärte mir Judy, würde sie mich darin unterrichten, wie die Kasse funktionierte und wie ich die Kunden bedienen sollte.
Nach einer Weile blickte sie auf ihre Armbanduhr.

„Es ist schon fast sechs. Willst du für heute nicht Schluss machen?“, fragte sie mich.
„Oh ja. Ich muss noch etwas für meinen Bruder und meinen Dad zum Abendessen kochen.“, fiel mir daraufhin ein.
„Du bist ja wirklich sehr beschäftigt in deinen Ferien.“, stellte Judy stirnrunzelnd fest.
„Na ja, für Ryan koche ich fast immer.“
„Meinst du nicht, er ist alt genug, um sich hin und wieder selbst etwas zu Essen zu machen?“
„Damit er sich nur von Pizza und Burgern ernährt? Wohl kaum!“ Ich schüttelte den Kopf.
„Na gut. Dann sehen wir uns morgen, Charly.“

Seit ich ihr erzählt hatte, dass mein Bruder und mein Dad mich oft so nannten, hatte sie auch damit begonnen, mich „Charly“ zu nennen. Da ich das also sowieso schon gewohnt war, hatte ich auch kein Problem damit, denn eigentlich gefiel mir dieser Spitzname ganz gut.

„Bye, Juju.“ Das war der Spitzname, den ich mir für Judy ausgedacht hatte und den ich ebenfalls sehr süß und passend für sie fand. Ich machte mich vorher noch auf den Weg zur Umkleidekabine, um von meiner Arbeitsuniform, die ich vor ein paar Tagen bekommen hatte, wieder in meine normalen Sachen zu schlüpfen. In einer halben Stunde war ich wieder zu Hause und machte mich daran Ryan, meinem Dad und mir etwas zu essen zu kochen, während Ryan schon unentwegt drängelte, er habe Hunger.
Nach dem Essen beschloss ich schon ins Bett zu gehen, da ich todmüde war nach einem Tag wie diesem. Ich fischte mein Pyjamaoberteil unter dem Kopfkissen hervor und streifte es über meinen Körper.

Doch irgendetwas fühlte sich anders an. Erschrocken tastete ich an meinem Hals hinunter zu meinem Schlüsselbein. Doch da war nichts. Panisch blickte ich mich auf dem Boden um, schaute unter mein Bett und durchsuchte meine Klamotten, die ich gerade eben ausgezogen hatte. Doch sie war nirgends zu finden. Nein, dachte ich irritiert, die Kette konnte nicht weg sein. Ich suchte anschließend die ganze Wohnung danach ab und überlegte dabei, wann ich die Kette das letzte Mal bewusst an mir bemerkt hatte. Ich war mir sicher, dass ich sie vorhin auf Arbeit noch umgehabt hatte. Doch wo hatte ich sie verloren? Auf dem Weg nach Hause vielleicht?

„Schatz, was suchst du denn?“, fragte mich mein Dad, der auf dem Sofa fläzte und seine Lieblingscomedy-Serie schaute, als ich unter ihm herumkroch, um unter der Couch nach der Kette zu suchen.

„Die Kette von Großmutter. Ich glaube ich hab sie verloren. Dad, bitte tu etwas!“, rief ich panisch, während ich die Hände über dem Kopf zusammenschlug. Ich ließ mich verzweifelt neben ihm auf das Sofa fallen und packte ihn an den Schultern.
„Dad, bitte!“, flehte ich. Ich schüttelte ihn kurz.
„Was soll ich denn da tun?“, meinte er ahnungslos. „Hast du sie vielleicht auf Arbeit verloren?“, fragte er unsicher, als er versuchte mich zu beruhigen. Er wusste, wie wichtig mir diese Kette war.

Es war ein altmodischer Kreuzanhänger, der meiner Großmutter gehörte und den sie ständig getragen hatte zu ihren Lebzeiten. Vor drei Jahren dann war sie gestorben und der Anhänger war alles, was mir von ihr geblieben ist. Meine Großmama war die liebste, fürsorglichste und verständnisvollste Person, die ich kannte und genau aus diesem Grund wäre es ein Malheur, wenn ich- den für andere vielleicht bedeutungslosen Anhänger- verloren hätte, denn mir war er unglaublich wichtig.

„Ich sollte nachsehen.“, beschloss ich, sprang auf und war schon auf dem halben Weg zur Tür nach draußen, als Dad mir etwas hinterherrief.
„Willst du etwa im Pyjama gehen?“, fragte er belustigt.
„Oh“ Jetzt fiel auch mir auf, dass ich noch immer mein rosa kariertes Pyjamaoberteil trug. Ich rannte in mein Zimmer, um meine Sachen wieder zu wechseln und spurtete dann zurück in die Cherry Street. Als ich vor dem Geschäft stand und das Schild mit den Öffnungszeiten erblickte, bemerkte ich enttäuscht, dass längst Ladenschluss war.

„Nein.“, rief ich verzweifelt aus und hämmerte den Kopf gegen die Glastür. Ich zuckte erschrocken zurück, als ich spürte, dass diese sich bewegte. Unsicher drückte ich die Tür nach innen und war erstaunt, dass diese tatsächlich offen war. Ich schaute noch einmal auf die Uhr, um mich zu vergewissern, dass der Laden tatsächlich schon geschlossen hatte.

Auf jeden Fall war es stockduster hinter den Fensterläden. Hatte Mr. Wonka etwa vergessen abzuschließen? Soweit ich wusste, war er immer der Letzte, der das Gebäude verließ Doch ich wollte unbedingt meine Kette zurück. Konnte ich es wagen jetzt in das Geschäft zu gehen, um danach zu suchen oder würde das dann nach Einbruch aussehen? Ich ging jedoch das Risiko ein und betrat so leise ich konnte das Ladeninnere, nachdem ich überprüft hatte, dass niemand auf der Straße mich sehen konnte. Vielleicht war Mr. Wonka ja auch noch da und deswegen war auch noch nicht abgeschlossen. Ich hatte von einigen Mitarbeitern gehört, dass er oft erst spät abends den Laden verließ, da er die meiste Zeit nur mit Arbeiten beschäftigt war. Ich fragte mich manchmal wirklich, wie er das alles auf die Reihe bekam in seinen jungen Jahren.

Die Tür fiel mit einem leisen Klicken ins Schloss, während ich durch das düstere Süßwarengeschäft schlich. Ich musste zugeben, dass selbst Süßigkeiten im Dunkeln unheimlich aussehen konnten. Ich trat in den Lagerraum, der ebenfalls sehr finster und verlassen wirkte und machte mich auf den Weg zur Umkleidekabine, da ich vermutete den Anhänger beim Umziehen verloren zu haben. Doch meine Suche war erfolglos, sodass ich weiter den Boden im Lagerraum inspizierte, soweit mir dies im Dunkeln möglich war. Ich wagte es einfach nicht das Licht einzuschalten, da ich Angst hatte, dass dies bemerkt werden könnte. Ich beschloss nach einer Weile, dass es wohl zwecklos war, weiter danach zu suchen. Sicher hätte ich morgen im Tageslicht mehr Erfolg.
Gerade, als ich mich dazu durchrang zu gehen, fiel mir auf, dass von irgendwoher schwaches Licht kam. Ich zuckte kurz zusammen, als mir das Licht ins Auge fiel, merkte aber dann, dass die Quelle des schmalen Lichtstreifens von Mr. Wonkas Büro kam.

Ich blickte ungläubig zu der Tür und überlegte fieberhaft, was ich nun tun sollte. Konnte es sein, dass Mr. Wonka um diese Zeit noch hier war und vergessen hatte abzuschließen? Schließlich näherte ich mich der Tür, da ich einfach zu neugierig war und presste mein Ohr fest an die geschlossene Tür. Doch kein einziges Geräusch drang hindurch. Es war Totenstille. Mr. Wonka konnte unmöglich auch noch vergessen haben das Licht in seinem Büro zu löschen.

Irgendetwas stimme hier nicht, da war ich mir sicher. Daraufhin spürte ich, dass vor Aufregung mein Herz schneller raste als gewöhnlich. Ich klopfte unsicher an die Tür, dich niemand antwortete. Ich klopfte erneut. Wieder nichts.

Ich wusste nicht mehr, wie ich mich dazu durchrang die Türklinke hinunter zudrücken, ohne auf eine weitere Antwort zu warten, doch ich tat es. Ich lugte ängstlich in das Büro, doch auf den ersten Blick sah alles normal und verlassen aus. Als ich mich dann genauer umsah, bekam ich fast einen Herzinfarkt, als ichfeststellte, dass jemand hinter den Schreibtisch auf dem Boden lag. Meine Augen weiteten sich, als ich erkannte, dass dieser Jemand Mr. Wonka war…
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