Crazy Candy

GeschichteDrama, Romanze / P12
OC (Own Character) Willy Wonka
08.07.2009
20.08.2016
68
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10
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1. Shit Happens

Als die Schulglocke läutete, war das wie eine Erlösung. Schon der ganze Tag war für mich die reinste Hölle gewesen: eine versaute Mathe-Klausur, furchtbare Kopfschmerzen- mit denen ich mich schon durch den ganzen Tag quälte- und noch dazu kam das miese Regenwetter, in das die Kleinstadt einmal wieder getaucht war. Solche Tage waren die Schlimmsten. Und als ich dachte, es könnte nicht noch schlimmer kommen, fiel mir  ein, dass ich ja heute meine Bewerbung in drei Geschäften abgeben wollte.

Mein Dad hält mir schon seit Ewigkeiten vor, dass ich mir einen Nebenjob suchen sollte, damit ich lerne eigenes Geld zu verdienen und mir dieses gut einzuteilen, wie er immer zu sagen pflegt. Außerdem würde mir ja arbeiten auch ganz gut tun. So ein Schwachsinn! Als ob ich mit der Schule und den daraus resultierenden Hausaufgaben nicht schon genug Arbeit hätte. Aber wie soll man das einem Dad erklären, der schon fast seit 25 Jahren nicht mehr in die Schule geht? Sinnlos…einfach sinnlos. Aber da ich ja ein braves Mädchen bin und Dad nicht enttäuschen will, hab ich mich letztes Wochenende hingesetzt und fleißig Bewerbungen geschrieben, auch wenn eigentlich bald Herbstferien sind.

„Dann arbeitest du eben in den Ferien. Da hast du zumindest noch mehr Zeit dich an den Job zu gewöhnen und noch ein bisschen mehr Geld zu verdienen.“, waren die Worte meines Dad gewesen. Das ist so typisch für ihn. Immer nur das Positive anpreisen. Dass ich dann wieder keine Zeit habe nach dem ganzen Schulstress auszuspannen, interessiert ihn nicht. Aber ich bin ihm nicht böse deswegen. Tief in meinem Inneren weiß ich, dass er Recht hat und ich oftmals einfach nur zu faul war noch bei den jeweiligen Geschäften vorbeizugehen und die Bewerbung abzugeben. Bei diesem Wetter war das auch sicherlich kein Wunder.

Der Regen prasselte noch immer wie aus Eimern, als ich das Schulgebäude verließ. Natürlich hatte ich mal wieder meinen Regenschirm zu Hause liegen lassen, also stülpte ich notgedrungen die Kapuze meiner Jacke über den Kopf und machte mich zu Fuß auf den Weg zu dem ersten Laden, der meiner Schule am nahesten war. Es war ein Buchladen, in dem ich ab und zu nach der Schule gerne meine Zeit verbrachte und einige Bücher durchstöberte, die ich mir wünschte, kaufen zu können. Ich gestand mir ein, dass ich das Geld wohl wirklich brauchte. So konnte ich mir wenigstens auch mal ein teureres Buch leisten und nicht nur die billigen Taschenbücher zum Schnäppchenpreis.
Ich stellte mich der Verkäuferin vor, gab ihr die Mappe mit meiner Bewerbung und dem Lebenslauf, bedankte mich bei ihr und verließ die Buchhandlung sofort wieder.

Das nächste Geschäft war ein einfacher Kiosk. Der lag schon etwas näher an meinem zu Hause, als die Buchhandlung. Hier tat ich das gleiche wie zuvor und übergab die Mappe dem freundlichen Mann, der sogar gut mit meinem Vater befreundet war. Ich glaube er hieß Sam, aber sicher war ich mir nicht. Mein nächstes Ziel lag gleich neben dem Zeitungskiosk und ich hatte mir dieses auch bis zum Schluss aufgehoben, weil ich dieses Geschäft am liebsten mochte.

Es war ein Süßwarenladen. Er war noch relativ neu in der Stadt, aber definitiv der beste, den es gab. Selbst die Kunden, die immer begeistert bei Slugworth oder Prodnose ein-und ausgegangen sind, zieht es nun zu Wonkas Süßwarenladen in der Cherry Street und das zu Recht: Die Schokolade war wohl das beste von allen. Sie war so unbeschreiblich lecker und es gab sie in tausenden von Sorten und immer kamen neue dazu. Ich war schon oft dort gewesen, um mich von diesem schokoladigen Duft betören zu lassen. Aber auch die anderen Süßigkeiten waren etwas ganz besonderes und da waren überdimensionale Lollies wahrscheinlich noch das Normalste, was es dort zu kaufen gab. Ich hoffte darauf, einmal den kennenzulernen, der diese wunderbaren Süßigkeiten herstellte.

Doch dieser geheimnisvolle Mr. Wonka hielt sich, soweit ich wusste eher im Hintergrund, auch wenn er dennoch jeden Tag anwesend war. Man sah ihn so gut wie nie im Geschäft. Ich hatte einmal versucht durch die Tür hinter der Kasse in den Lagerraum zu spähen, als Mr. Wonka einen seiner Mitarbeiter zu sich holte. Doch es war mir unmöglich dort hineinzusehen. Die Mitarbeiter hielten die Tür immer fest verschlossen, als hätten sie Angst jemand könnte durch einen Blick hinter die Kulissen alle Geheimrezepte für die Süßigkeiten herausfinden. Mein Wunsch war es das einmal tun zu können und der beste Weg an die Sache heranzugehen, war wohl von Mr. Wonka als Aushilfe akzeptiert zu werden. Dabei war ich mir nicht einmal sicher, ob sie dort Aushilfen annahmen, noch dazu, wenn diese ein 15-jähriger Teenager war, so wie ich selbst. Meine Gedanken kreisten sich nur um diese Dinge und so merkte ich, wie eine leichte Nervosität in mir aufkam, als ich den Laden betrat. Ich war etwas erleichtert, als ich sah, dass Mr. Bucket da war. Mr. Bucket war ein freundlicher alter Mitarbeiter im Geschäft, der mich mittlerweile durch meine häufigen Besuche schon kannte. Er lächelte mir freundlich entgegen, als er meine Anwesenheit bemerkte und kam gleich auf mich zu.

„Was kann ich heute für dich tun, Kleines?“, fragte er freundlich.
„Charlotte…Mein Name ist Charlotte.“, erinnerte ich ihn erneut, da ich schon letztes Mal versucht habe, ihm das klar zu machen.
„Natürlich! Charlotte.“, sagte er und nickte, als hätte er begriffen. „Was möchtest du?“
„Ich hätte eigentlich nur eine Bitte an Sie, Mr. Bucket….wenn es Ihnen nicht ausmacht.“
„Nein, nein. Natürlich macht es mir nichts aus. Sprich nur, Mädchen! Ich meine …Charlotte.“
Ich lächelte nervös.
„Könnten sie das hier“, Ich hielt ihm die Bewerbungsmappe entgegen. „vielleicht bei ihrem Chef abgeben?“

Mr. Bucket schaute irritiert auf die Mappe und ließ seinen Blick dann wieder verwundert zu mir schweifen.

„Was ist das?“
„Das sind Bewerbungsunterlagen. Ich würde gerne hier als Aushilfe arbeiten. Das wird doch wohl kein Problem sein, oder?“, ergänzte ich mit einem hoffnungsvollem Blick.
„Oh, ich weiß nicht. Wir hatten noch nie Aushilfen hier. Vor allem niemanden, der so jung ist, wie du.“, sagte er unsicher.

Ich ließ enttäuscht die Mappe sinken und seufzte leise. Mr. Bucket merkte das sofort:

„Aber du kannst gerne nachfragen. Vielleicht ist es ja doch möglich.“, versuchte er mich aufzumuntern.
„Bei wem soll ich denn da fragen?“, entgegnete ich eine Spur fröhlicher und drückte die Mappe fest an meine Brust.
„Beim Chef natürlich.“, sagte er, als gäbe es nicht offensichtlicheres. Ich schluckte schwer.
„Bei…Mr. Wonka?“, fragte ich, um mich zu vergewissern, dass er es ernst meinte.
„Ja. Wenn du willst, bringe ich dich zu ihm.“

Meine Nervosität steigerte sich enorm, als Mr. Bucket eine Antwort von mir erwartete. Ich würde Mr. Wonka begegnen, sagte ich mir immer wieder. Es war unfassbar, dass manche Wünsche so schnell in Erfüllung gehen konnten und das, ohne dass man darauf gefasst war. Doch ich bewahrte Ruhe und nickte zaghaft. Mr. Bucket wandte sich um und verlangte, dass ich ihm folgen sollte. Er führte mich geradewegs durch die Tür zum Lagerraum. Er trat durch die Tür und wartete darauf, dass ich ihm folgte. Ich atmete noch einmal kurz durch, bevor ich das tat und trat dann ebenfalls durch die Tür. Es war genauso faszinierend, wie ich es mir vorgestellt hatte. Am Fließband wurden reihenweise Süßigkeiten transportiert und in Kisten verpackt. Diese wurden wahrscheinlich an andere Geschäfte weiterverschickt. Etliche dieser Riesenlollies waren an einer Stange nebeneinander befestigt, einer größer und bunter als der andere. Viele Angestellte ringsherum legten sich ins Zeug damit Süßigkeiten zu sortieren, zu stapeln, in Kisten zu verpacken oder auch wieder auszupacken. Die Süßigkeiten vom Fließband schienen aus einem anderen Raum zu kommen, der hinter diesen hier liegen musste. Mit Sicherheit war dies der geheimnisvolle Raum, wo die Süßigkeiten hergestellt wurden.

„Ich glaube, er ist gerade im Erfindungsraum.“, sagte Mr. Bucket beiläufig und lief auf die Wand zu, aus der die Näschereien kamen.
„Im Erfindungsraum?“
„Ja. komm mit!“, wies er mich an.

Er blieb vor einer weiteren Tür stehen, an der ein gelbes Schild mit einem schwarzen Ausrufezeichen hing. Darunter stand: „Explosionsgefahr.“ Und darunter wiederum stand: „Betreten verboten!“

Mr. Bucket drückte auf einen Knopf direkt neben der Tür.
„Ja? Was gibt es?“, fragte eine kicherige Stimme. Ich erschrak, als die Stimme aus dem Lautsprecher neben der Klingel, ertönte. Mr. Bucket räusperte sich.
„Hier ist Joe. Ein junges Mädchen möchte dich sprechen. Sie würde gerne hier arbeiten.“, teilte er der Stimme mit.
„Oh, einen Moment.“, sagte die Stimme, die ich nun eindeutig als eine Männerstimme identifizierte.

Ob das tatsächlich Mr. Wonka war? Die Stimme klang sehr außergewöhnlich und ich fragte mich, wie ein Mensch, der eine Stimme wie diese hatte, wohl aussehen konnte. Diese Frage wurde drei Minuten später beantwortet.
Die Tür zum Erfindungsraum öffnete sich und heraus trat ein Mann mit einem weinroten Zylinder. Das war zumindest das erste, was ich an ihm überhaupt wahrnahm. Das nächste, was mir auffiel, war dass er ein bordeauxfarbenes Jackett trug mit seltsamen dunklen Mustern darauf. Um die Kuriosität dieses Mannes noch zu unterstreichen, trug er rote Handschuhe aus einem lederartigen Material und unter seinem Jackett, wie ich feststellte, ein ebenfalls gemustertes Hemd. Ich glaube ich starrte ihn im ersten Moment nur ungläubig an. Doch er ignorierte mein Erstaunen und lächelte mir entgegen.

Als ich den Mann dann ins Gesicht blickte, wurde mein Unglauben nur noch bestärkt. Ich war erschrocken darüber, wie jung Mr. Wonka war. Seine Haut war blass und transparent, seine Augen hingegen strahlten in einem hellen satten Blauton. Seine Lippen waren leicht rosa, aber es sah immer noch recht gut aus, ohne das es albern wirkte. Okay, sagte ich mir, ein bisschen albern war er im Gesamten schon. Sein ganzer Aufzug war recht ungewöhnlich und wirkte eher so, als wäre er geradewegs aus den 20er Jahren spaziert. Ich hatte eigentlich jemanden erwartet, der 50 Jahre alt ist oder vielleicht höchstens so alt wie mein Dad, aber Mr. Wonka schien tatsächlich kaum viel älter zu sein, als ich selbst….höchstens 18, schätzte ich. Ich sah, dass Mr. Wonka mich noch immer mit einem freundlichen Ausdruck bedachte.

„Hallo, Mädchen!“, sagte er heiter und grinste, als er mir seine Hand entgegenstreckte. Verlegen schaute ich ihm kurz ins Gesicht, nur um dann wieder wegzuschauen. Wieso war ich manchmal auch nur so verdammt schüchtern? Zögerlich reichte ich ihm meine Hand und legte sie in seine, doch er zog sie kurz darauf wieder so schnell es ging zurück, woraufhin ich ihn verwundert musterte.

„Ich wollte nur deine Bewerbung haben.“, sagte er mit einem beinahe ängstlichen Gesichtsausdruck, kicherte jedoch anschließend, als wolle er versuchen den peinlichen Moment zu überspielen.

„Oh, natürlich.“ Hastig streckte ich die Mappe in seine Richtung, um sie ihm zu überreichen. Leider war ich dabei etwas zu übereilt und schlug sie Mr. Wonka mit voller Wucht ins Gesicht. Er zuckte erschrocken zurück, war jedoch nicht schnell genug um der Mappe zu entwischen, wodurch die Ecke der Mappe in sein Auge traf.

„Oh.“ Ich hielt mir die Hand vor den Mund. „Das tut mir so leid, Mr. Wonka.“

Er rieb sein Auge mit einem schmerzverzerrten Ausdruck, während Mr. Bucket neben ihm stand und fassungslos dieses Schauspiel beobachtete. Dann sagte er:

„Ich bring dir einen Eisbeutel, Willy.“ Dabei klopfte er ihm tröstend auf die Schulter.
„Ja, danke!“, sagte Mr. Wonka nur.
„Entschuldigung.“, sagte ich erneut und versuchte einen reuigen Blick aufzusetzen.

„Kein Problem! Das kann passieren.“, sagte er und kicherte abermals. Diesmal klang es jedoch eher aufgesetzt, wie ich fand. Ich merkte, wie mein Gesicht heißer wurde und hoffte, dass er nicht sah, wie ich errötete. Das ganze war wohl schon peinlich genug.

„Hier.“ Diesmal war ich übertrieben vorsichtig, als ich ihm die Mappe überreichte und starrte beschämt zu Boden. Er nahm sie entgegen.

„Ich werde mir das ansehen und gebe dir bis Ende der Woche Bescheid, wie ich mich entschieden habe, Miss…“
„Charlotte Tyne.“
„Miss Charlotte Tyne.“, wiederholte er. „Nun, wenn du mich entschuldigen würdest. Ich hab noch zu tun. „, sagte er ein wenig reserviert und nahm den Eisbeutel entgegen, den Mr. Bucket ihm gerade brachte. „Sehr freundlich von dir. Wie war dein Name doch gleich?“, fragte er anschließend.
„Joe Bucket.“
„Genau.“, sagte Wonka. „Also dann. Wiedersehen, Miss Tyne.“
„Bye.“, konnte ich nur noch hervorbringen, bevor er wieder in den Erfindungsraum trat, das Eis fest auf sein rechtes Auge gedrückt.

„Da hast du ja was angestellt.“, murmelte Mr. Bucket verdrießlich.
„Das war ein Versehen.“, verteidigte ich mich.
„Ich weiß, ich weiß. Wollen wir mal hoffen, dass du damit Eindruck schinden konntest.“
„Sehr aufmunternd,…wirklich.“, grummelte ich niedergeschlagen. „Das mit dem Job hier, kann ich wohl gleich vergessen. Mr. Wonka hat jetzt bestimmt Angst davor, dass ich ihm beim nächsten Mal sein anderes Auge zerquetsche.“

Mr. Bucket lachte ungezwungen.
„Auf jeden Fall wirst du ihm vorerst in Erinnerung bleiben.“
„Ich könnte mir bessere Wege vorstellen eine einprägsame Erinnerung für jemanden zu sein.“, bemerkte ich bissig.

Mr. Bucket verabschiedete mich, als wir wieder im Geschäft standen und ich hatte auch keineswegs vor noch länger zu bleiben. Wie konnte ich mich nach so einem Schlamassel überhaupt noch hierher trauen? Sicher würde mir Mr. Wonka sowieso absagen. Er würde vielleicht nicht sagen, dass er das tat, weil ich ihm meine Bewerbungsmappe um die Ohren gehauen habe, sondern vermutlich würde er als Grund angeben, ich sei zu jung für diesen Job. Ich schien jetzt sogar langsam darauf zu hoffen, dass er mir absagte. Eine weitere Begegnung mit ihm fürchtete ich gerade mehr als alles andere. Und das hab ich nur meiner verdammten Blödheit zu verdanken. Der Tag war wahrscheinlich nicht schon schlimm genug, als dass ich mich heute noch auf diese Art und Weise blamieren musste.

Als ich nach Hause kam, wollte ich nur noch meine Ruhe. Da weder mein Dad, noch mein Bruder da waren, war dieses Vorhaben ausnahmsweise einmal möglich. Ich schmiss mich auf mein Bett und vergrub mein Gesicht in dem weichen Kopfkissen. Ich fragte mich, was noch auf mich zukommen würde, wenn ich erst mal einen Job hatte. Konnte es noch schlimmer werden, als heute?

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Ich liebe es Reviews zu lesen^^
Das spornt zum Weiterschreiben an!!!
Ich antworte auch immer darauf. Versprochen!! :)
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