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CrAzY CaNdY

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
OC (Own Character) Willy Wonka
08.07.2009
20.08.2016
66
129.872
14
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Dieses Kapitel
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08.07.2009 1.547
 
2. The Decision

Das war meine letzte Schulwoche vor den Herbstferien, versuchte ich mir immer wieder zu sagen, während ich gelangweilt in meiner Schulbank saß und wartete, wie die Zeit verstrich. Vor den Ferien fingen die Lehrer sowieso meist keinen neuen Stoff an und versuchten sich nur daran, den alten so gut es ging zu wiederholen. Für mich waren jedoch schon längst Ferien, also hörte ich kaum zu und beteiligte mich auch nur halbherzig an den Aufgaben, die die Lehrer uns gaben. Der Gedanke daran, dass ich meine Ferien jedoch mit arbeiten verbringen würde, stimmte mich alles andere als fröhlich. Immer noch besser als Schule, versuchte ich mich selbst ein Wenig aufzuheitern. Eigentlich hatte ich erst vorgehabt, heute im Süßwarenladen vorbeizusehen, dann fiel mir jedoch wieder ein, dass ich letztes Mal dem Chef des Ladens ein zerdrücktes Auge beschert hatte. Vielleicht sollte ich mich aus Sicherheitsgründen von ihm fernhalten: eher zu seiner Sicherheit, als zu meiner.

Aufgrund dieser Tatsache beschloss ich geradewegs nach Hause zu gehen. Das Wetter hatte sich mittlerweile wieder beruhigt, doch der Himmel war noch immer wolkenbehangen und grau. Mein Bruder begrüßte mich mehr mit einem Grummeln als einem freundlichen ‚Hallo‘, aber da ich das schon gewohnt war, ignorierte ich ihn und machte mich auf den Weg zur Küche, wo ich beschloss ein Mittagessen für uns beide zu kochen.

Da mein Dad um diese Uhrzeit noch arbeitete, war ich diejenige, die für den Haushalt verantwortlich war, solange er außer Haus war. Meine Kochkünste beschränkten sich zwar auf die einfachen Sachen, aber mein Bruder Ryan hatte es schon seit längerem aufgegeben rumzunörgeln. Mittlerweile hatte er sich an den Gedanken gewöhnt, dass seine große Schwester eben keine Mutter ersetzten konnte. Unsere Mutter war schon seit zwölf Jahren tot. Doch es gab niemals wirklich einen Moment, in dem ich eine Mutter dringend gebraucht hätte. Dass ich sie so Wenig vermisste, lag wahrscheinlich an meiner schlechten Erinnerung an sie. Tatsächlich war da nichts, woran ich mich erinnerte und Ryan tat das mit seinen 13 Jahren erstrecht nicht. Für unseren Dad war das damals keine einfache Zeit gewesen, aber inzwischen hatte er eine Freundin namens Susie. Ryan und ich mochten sie sehr und wenn wir sie als unsere Mutter hätten akzeptieren müssen, hätten wir das auch getan. Susie war oft am Wochenende hier und kümmerte sich größtenteils statt mir und Dad um den Haushalt. Manchmal wünschte ich mir sogar, dass sie meine Mutter wäre. Sie war sehr fürsorglich mit Ryan ebenso wie mit mir und behandelte uns, als wären wir ihre eigenen Kinder. Wir beide wussten, dass sie Dad wirklich liebte. Sie war das Beste, was ihm passieren konnte.

Als ich in der Küche versuchte ein Essen für uns vorzubereiten, hörte ich dass das Telefon klingelte.

„Ryan! Geh mal ran!“, rief ich zur Tür hinaus und hoffte, dass er mich gehört hatte. „Ryan!“, wiederholte ich ein Wenig lauter.

Dann hörte ich wie Ryan abnahm und mit dem Gesprächspartner einige Worte wechselte.

„Für dich!“, brüllte Ryan und kam mit dem Telefonhörer in die Küche gestolpert. „So ne komische Buchladentussi.“, ergänzte er schulterzuckend. Vor lauter Schreck ließ ich den Kochlöffel fallen und riss den Hörer aus seiner Hand.
„Charlotte Tyne, guten Tag.“, erwiderte ich hektisch, aber so freundlich ich konnte. Ich hoffte, dass sie Ryans Worte nicht gehört hatte.
„Guten Tag, Miss Tyne.“, begann die Frau mit einer gelangweilten Stimme. „Es tut mir leid Ihnen mittteilen zu müssen, dass wir sie nicht zum arbeiten einstellen können. Das hat betriebliche Gründe, die ich hier nicht erläutern will, da das zu lange dauern würde. Trotzdem danke für ihr Bemühen.“, fügte sie noch hinzu und klang dabei sehr gezwungen, als wäre ihr dieses gesamte Gespräch zuwider.
„Oh, ich verstehe.“, entgegnete ich kleinlaut. „Kein Problem. Dann…Wiederhören.“

Ich legte auf und blickte fassungslos ins Leere, wobei ich kaum registrierte, dass Ryan noch immer vor mir stand, der dem Gespräch anscheinend gelauscht hatte.

„War wohl nix mit deinem Super-Job?“, fragte er mit einem sarkastischen Unterton. Ich fasste mich wieder und setzte einen ärgerlichen Blick auf.
„Was geht’s dich an?“, fauchte ich und wandte mich wieder dem Essen zu. „Du kannst übrigens gleich zum Essen hierbeleiben.“, teilte ich ihm mit, da er gerade wieder dabei war den Raum zu verlassen. Er machte kehrt und setzte sich an den Tisch, während ich das Essen auf zwei Teller häufte und vor uns hinstellte.
„Susie kocht besser als du.“, sagte Ryan spöttisch, als er den ersten Bissen gemacht hatte.
„Wenn es dir nicht passt, dann koch dir doch selbst etwas, Bruderherz. Ich hätte nichts dagegen. Da hätte ich weitaus weniger zu tun.“, sagte ich reserviert, woraufhin Ryan schwieg. Er wusste, dass er mit meiner momentanen Stimmung schonwieder die Grenze überschritten hatte.

Am nächsten Tag dann kam mein Dad mit einer ‚guten Nachricht‘  heim, wie er es ankündigte.
„Sam sagt, dass er dich gerne mit im Kiosk hätte. Er kann Hilfe immer gut gebrauchen.“
Mir wurde etwas leichter ums Herz.
„Das klingt gut.“, sagte ich.
„Ganz überzeugt klingst du nicht.“, stellte er verwundert fest.
„Na ja. die Stelle bei Wonkas kann ich wohl eh vergessen.“, murmelte ich ein wenig betrübt.
„Sam wäre dir dankbar, wenn du da bist.“
Ich seufzte.
„Ich weiß, aber ich hätte trotzdem gern im Candy Store gearbeitet.“
„Vielleicht bekommst du ja noch eine Zusage, Schatz. Aber Sam wäre sicher enttäuscht, wenn du ablehnst.“

Ich stimmte ihm mit einem widerwilligen Knurren zu und ging dann in meine zimmer, um besser Nachdenken zu können. Wenn ich mir vorstellte im Kiosk zu arbeiten, kam mir diese Vorstellung eher langweilig vor. Auch, wenn ich mich in ‚Wonkas Candy Store‘ wohl gewaltig blamiert hatte, musste ich mir eingestehen, dass diese Arbeit eigentlich genau das war, was ich wollte. Dort kannte ich wenigstens schon den freundlichen Mr. Bucket. Obwohl ich sam ja auch kannte, aber das war nicht das Gleiche. Ein Kiosk war eben kein Süßwarenladen und sicher auch nur halb so aufregend. Doch anscheinend hatte es eh kein Sinn darauf zu hoffen, also versuchte ich mir gar nicht erst auszumalen, wie schön es wäre, den Job zu bekommen. Ich wollte die Hoffnung jedoch nicht ganz aufgeben und versprach sam, dem Kioskbesitzer deshalb noch nichts, solange ich mir nicht 100%ig sicher war, dass ich mich noch anders entscheiden könnte.

Als am Samstagmorgen das Telefon erneut klingelte und ich ahnungslos und verschlafen in den Hörer grummelte, war das wirksamer als jeder Wecker, den ich je besessen hatte.

„Mr. Bucket?“, fragte ich verwundert und war plötzlich hellwach. Dad tauchte nun ebenfalls im Pyjama neben mir auf und wollte wissen, wer am Telefon war. Ich legte den Zeigefinger auf meine Lippen, um ihm zu verstehen zu geben, er solle still sein.
„Ja, Charlotte. Ich bin’s!“, gluckste Mr. Bucket als Antwort. „Und ich kann mir endlich deinen Namen merken. Großartig, oder?“
„Ja, großartig.“, sagte ich eher unbeteiligt, denn eigentlich interessierte mich nur, weswegen er anrief und wie die Entscheidung gefallen war. Alles andere war für mich uninteressant.
„Du weiß sicher weswegen ich anrufe.“, sagte er mit neutraler Stimme, sodass es unmöglich war, herauszuhören, wie seine Antwort lauten würde.
„Nun machen Sie’s nicht so spannend!“, drängte ich.
„Mr. Wonka wollte, dass ich es dir sage, da wir uns ja schon ein wenig kennen.“, fuhr er fort, ohne auf meine Drängeln einzugehen. Ich wollte am liebsten genervt aufstöhnen, doch ich unterdrückte dieses Verlangen.
„Wie hat er sich entschieden?“, wollte ich stattdessen wissen.
„Er hat lange darüber nachgedacht, aber…“
„Mr. Bucket, bitte!“ Ich wollte nicht noch länger warten…keine Sekunde!
„Er hält es für eine gute Idee, dich einzustellen.“, beendete er seinen Satz. Ich war so erleichtert, dass ich tief durchatmete.
„Das ist…so toll!“, brachte ich nur vor Freude hervor. „aber ich frage mich“, überlegte ich plötzlich laut. „wie er sich nach meinem letzten Besuch noch so entscheiden konnte.“
„Ich ähm-…hab ein gutes Wort für dich bei ihm eingelegt.“, gab er mit verlegener Stimme zu. Ich musste unwillkürlich lächeln.
„Sie sind der Beste.“, sagte ich frei heraus. „Vielen Dank!“
„Keine Ursache! Er sagt jedoch, dass er dich heute gern noch sehen würde, um noch einige Sachen zu besprechen und dich schon ein bisschen in die Arbeit einzuführen.“
„Tatsächlich?“, fragte ich verblüfft. „Heute schon?“
„Ja, natürlich nur, wenn du nichts Wichtigeres vor hast.“
„Nein.“, lächelte ich. „Ähm, dann bin ich so in einer Stunde dort…bin grad erst aufgestanden, wissen Sie.“, murmelte ich leise.
„Bis dann!“, sagte er fröhlich.
„Bis später!“

Ich legte auf und blickte mein Dad, der immer noch in der Tür stand, mit einem überausaus glücklichen Ausdruck an.

„Ich hab den Job!“, kreischte ich und fiel meinem Dad in die Arme.
„Nicht so laut!“ flüsterte er und lächelte. „Ich freu mich für dich, aber wie willst du das Sam erklären.“, erwiderte er zweifelnd.
„Das überlass ich dir, Daddy.“ Ich klopfte ihm demonstrativ auf die Schulter und wandte mich schnell um, um in meine Zimmer zu flüchten.
„Nein, das wirst du schön alleine tun.“, hörte ich ihn mit einer tadelnden Stimme rufen, als ich die Tür gerade hinter mir zugemacht hatte.

Doch im Moment war mir das egal. Ich überschwemmte fast vor Freude darüber, dass Mr. Wonka sich doch noch dafür entschieden hatte mich anzunehmen, auch wenn Mr. Bucket  ein bisschen nachgeholfen hatte. Die Hauptsache war, dass ich ihm nun beweisen konnte, dass ich nicht nur fähig dazu war, Schaden anzurichten.
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