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CrAzY CaNdY

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
OC (Own Character) Willy Wonka
08.07.2009
20.08.2016
66
129.872
14
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Dieses Kapitel
1 Review
 
08.07.2009 1.366
 
11. Halloween

Eigentlich war ich richtig froh Wonka- nein- Willy, nicht mehr Siezen zu müssen. Irgendwie kam es mir dadurch so vor, als wären wir jetzt gute Freunde oder sowas in der Art. Das war natürlich Unsinn, denn jeder in der Firma nannte ihn beim Vornamen. Wieso bildete gerade ich mir etwas Besonderes darauf ein? Weil Willy immer darauf gedrängt hatte, dass ich ihn so nenne? Oder weil er mir vergeben hat, dass ich den Brief seines Vaters gelesen hatte, den ich von da an immer bei mir trug und hütete wie meinen Augapfel? Ich hätte nicht einmal sagen können, warum ich das tat. Vielleicht weil er eben von Willys Vater geschrieben wurde. Ich verstand einfach nicht, warum er seinen Dad so verabscheute. Was konnte ein Vater Schlimmes verbrochen haben, dass man sich einfach von ihm abwandte und jeglichen Kontakt vermied? So sehr ich auch darüber nachdachte, fand ich keinen möglichen Grund für sein ablehnendes Verhalten. Zu gern hätte ich Willy einfach danach gefragt, doch ich glaubte nicht, dass er plötzlich seine Meinung doch noch ändern würde und mir schließlich von Allem erzählte.

Die Ferien gingen ziemlich schnell vorbei und so fand ich mich ziemlich schnell wieder in der Schule vor. Ich entschied mich dafür, während meiner Schulwochen, dreimal in der Woche im Laden auszuhelfen. Ein Tag davon würde auf jeden Fall Samstag sein. Willy war damit ebenfalls einverstanden.

Mir fiel auf, dass ich, sooft es ging versuchte einen Grund zu finden mit Willy zu sprechen und ich hatte den Verdacht, dass auch ihm dieses Verhalten langsam auffiel. Trotzdem schickte er mich nie weg, sondern hörte mich an, egal was es war. Das machte mich schon ein Wenig glücklich. Am Freitag, dem 30. Oktober waren alle im Geschäft in aufgeregter Stimmung, denn unsere Aufgabe war es den Laden für Halloween zu schmücken und zu dekorieren. Willy hatte natürlich auch schon die passenden Halloween- Näschereien in allen möglichen Varianten und Formen entwickelt. Am darauffolgenden Samstag hatten außerdem alle die Pflicht im Halloween- Kostüm zu kommen, um den Candy Store von seiner besten Seite zu präsentieren. Daraufhin kannten alle Mitarbeiter kein anderes Thema mehr, als das, was sie an dem Tag anziehen würden. Ich fühlte mich plötzlich, als wär ich wieder in der Schule zwischen tausenden von Schülern gelandet. Auch Judy teilte mir sofort aufgeregt mit, dass sie vorhatte im Vampirkostüm zu kommen. Ich dagegen hatte überhaupt keine Ahnung, wie ich an dem Tag aufkreuzen sollte. Wieso wollte ich auch unbedingt die Samstagsschicht übernehmen? Dann hätte ich dieses Problem jetzt sicherlich nicht gehabt. Jetzt war es wohl eh zu spät, um das zu bereuen, dachte ich und versuchte mir selbst positive Worte zuzusprechen. Wahrscheinlich würde das Ganze auch ganz lustig werden. Aber eines war mir klar: ich würde nicht als Hexe oder Geist auftauchen. Es musste etwas außergewöhnliches sein, damit sich der Aufwand auch lohnte.

Die Erleuchtung dazu kam mir dann ein Tag vorher in der Schule. Ich fand ja sowieso immer, dass Langeweile die Kreativität am meisten förderte. Als ich dann am selben Tag nach Hause kam, suchte ich mir alle Sachen zusammen, die ich für mein improvisiertes Outfit benötigen würde. Dafür durfte ich später sogar im Kleiderschrank von Susie wühlen, wo ich zumindest ein schickes, schwarzes Korsett fand und ein Paar Spitzenhandschuhe in gleicher Farbe. Dazu zog ich mir einen langen, schwarzen Rock aus Tüll über und drehte mir, Mithilfe von Susie, kleine Locken in die Haare, die ich anschließend mit ein paar Haarspangen am Hinterkopf befestigte. Kurz darauf wurde ich von Susie blass geschminkt. Die Augen hingegen bekamen einen dunklen Akzent, sodass es im Nachhinein zumindest  etwas furchteinflößend aussah. Zum Glück fand ich dann noch passende Absatzschuhe in schwarz, die mein Kostüm vervollständigten.

„Du siehst toll aus!“, meinte Susie verzückt, als ich mich anschließend in dem großen Spiegel in ihrem Schlafzimmer betrachtete.
„Ich soll nicht toll aussehen, sondern gruselig.“, grinste ich als Antwort. „Aber du hast recht. Ich mag es auch.“, stimmte ich ihr zu.
„Dann wünsch ich dir viel Spaß heute, meine Süße!“, sagte sie und lächelte mich stolz an.
„Na ja, im Großen und Ganzen wird es wohl kaum anders sein als sonst. Immerhin gehe ich nicht dahin, um mich zu amüsieren, sondern um zu arbeiten.“

Dennoch freute ich mich irgendwie auf den Tag. Ich liebte diese herbstliche Halloween- Stimmung und wenn die Kinder von Haus zu Haus zogen und nach Süßigkeiten bettelten. Das erinnerte mich jedes Mal an meine eigene Kindheit, als ich mit meinen Freunden noch durch die Straßen gewandert bin, um an jeder Tür zu klingeln und „Trick or Treat“ zu rufen und im Endeffekt auf ein paar Bonbons oder Lollies hoffte.

Gut gelaunt kam ich im Laden an und begrüßte meine Kollegen. Ich musste ein Lachen verkneifen, als ich Mr. Bucket mit einem Paar Hörnern auf dem Kopf erblickte. Zu mehr hatte er sich in deinem Alter anscheinend nicht einlassen wollen. Judy dagegen sah richtig unheimlich aus. Wie ich, war sie blass geschminkt und als Kontrast dazu hatte sie jedoch knallroten Lippenstift aufgetragen. Dazu trug sie ein schlichtes, schwarzes Kleid.

Als sie mich begrüßte, ließ sie absichtlich ihre spitzen Vampirzähne hervorblitzen.

„Jetzt hab ich wirklich Angst.“, lächelte ich beim Anblick ihrer Eckzähne.
„Das solltest du!“, gab sie überheblich klingend zurück. „Ich bin jetzt ein Blutsauger.“
Ruckartig ergriff sie mein Handgelenk und krallte sich in meine Haut.
„Aua!“, erwiderte ich störrisch und zog meinen Arm reflexartig zurück. „Du musst ja nicht gleich gewalttätig werden.“
„Sorry!“, kicherte sie und nahm ihre Hand, welche mich gepackt hatte zurück, um sie peinlich gerührt vor ihren Mund zu halten. „Und was genau stellst du eigentlich dar? Eine Untote?“
Ich seufzte leise.
„Ich wusste, dass niemand das erkennen würde.“, sagte ich, als ich an der Kasse stand, um einen ersten Kunden zu bedienen. Der junge Mann starrte uns ziemlich skeptisch an, bevor er den Laden wieder verließ.
„Mann, wissen die alle nicht, dass heute Halloween ist oder warum glotzen die so?“, stöhnte ich genervt.
„Vielleicht weil wir so unglaublich gut aussehen.“, warf Judy lächelnd ein.
„Oder furchteinflößend.“, riet ich.
„Oder beides!“
Beides?“, grinste ich und lehnte mich gegen die Theke, da gerade kein weiterer Kunde anstand. Die meisten waren zu sehr damit beschäftigt die neuen Süßigkeiten zu bestaunen, die Willy entwickelt hatte.

„Also, was genau bist du denn nun?“, fragte sie erneut, während sie einiges Geld in der Kasse ordnete.
„Oh Judy, ich dachte du wüsstest, dass ich…. ein Mensch bin….“ Ich schüttelte belustigt den Kopf.
„Sehr witzig, Charly.“
„Vielleicht kommst du ja noch drauf…“

Ich zwinkerte ihr verstohlen zu und verschwand dann durch die Tür zum Lagerraum, um noch weitere Ware in den Laden zu bringen.

„Hallo Charlotte!“, hörte ich eine vertraute Stimme rufen, als ich gerade die Kiste mit den Zitronendrops anheben wollte. Verwundert blickte ich auf. Es war Willy, mein Chef.
„Hey!“, antwortete ich knapp. Ich stellte fest, dass Willy aussah wie immer, außer dass sein Jackett heute nicht rot war, sondern schwarz, was immerhin schon mal eine Veränderung war.
„Du siehst unheimlich aus.“, grinste er mit seiner üblichen Fröhlichkeit.
„Unheimlich gut oder unheimlich schlecht?“
Der Chocolatier schien ein bisschen verdutzt über meine wenig durchdachte Frage, wie ich im Nachhinein fand.
„Unheimlich gruselig.“, entschied er schließlich.

Entweder er wollte der Frage ausweichen, weil ich wirklich so schrecklich aussah oder er traute sich nicht zu sagen, dass er mich hübsch fand. Ich hoffte natürlich, dass zweiteres zutraf, obwohl ich normalerweise keineswegs überheblich war, aber einfach nur darauf zu hoffen, war ein angenehmes Gefühl.

„Danke.“, sagte ich schüchtern und verzog meine Lippen zu einem zurückhaltenden Lächeln.
„Warum trägst du kein Kostüm?“
Ich taxierte ihn mit einem fragenden Blick.
„Tja.“, begann er nachdenklich. „Die Sache hat ja eher einen repräsentativen Zweck, aber da ich sowieso nur hier hinten bin, hätte es auch keinen Sinn gemacht, sich zu verkleiden.“
„Das sagst du doch nur, weil du das gar nicht willst, oder?“, sagte ich in vorwurfsvollen Ton.
Zum ersten Mal beobachtete ich, wie Willys Gesicht sich eine Nuance dunkler färbte. Ich musste zugeben, dass ihm jedoch auch der dunklere Farbton gut stand und er in diesem Zustand gleich viel gesünder aussah.
„Das vielleicht auch.“, murmelte er, bevor ich wieder vor den Laden marschierte, um meine Arbeit an der Kasse fortzusetzen, die Judy kurzzeitig übernommen hatte.
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