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Hogwarts kocht

Kurzbeschreibung
GeschichteHumor / P16 / Gen
02.07.2009
24.12.2010
58
40.941
 
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Dieses Kapitel
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02.07.2009 872
 
Und weiter geht es mit unserem Kochbuch.
Eine neue Seite, ein neues Rezept, eine wunderbare Geschicht von Araminta.

Halloween

Als Harry beim Fuchsbau ankam, verstärkte sich sein mulmiges Gefühl noch. Er atmete einige Male tief durch und wandte sich um, gleich neben ihm war Ginny gelandet, die ihm aufmunternd zulächelte.
Wie selbstverständlich nahm sie seinen Besen ab, damit er nun beide Hände für den selbst gebackenen Kürbiskuchen frei hatte, als sie auf das Haus zu gingen.

Es war das erste Halloweenfest nach Freds Tod und Harry konnte sich keine Vorstellung machen von dem, was ihn zu erwarten hatte.
Ginny hatte ihm hundert Mal versichert, dass ihre Familie nicht vor den Tellern Trübsal blasen würde und er sich keine Sorgen zu machen brauche. Meist endeten diese Gespräche aber damit, dass Ginny kopfschüttelnd den Raum verließ und vor sich hin murmelte, dass er die Weasleys doch nun schon lange genug kannte, um es besser zu wissen.
Sie hatte recht, trotzdem war ihm mulmig zumute, als er an diesem Tag an der Tür des Fuchsbaus klopfte.

Molly öffnete ihm, wie immer, mit einem liebevollen Gesichtsausdruck umarmte sie ihn, wie einen Sohn und schloss dann Ginny fest in ihre Arme, ehe sie die beiden herein bat.

Im Inneren herrschte schon ein Riesen Tumult. Alle Leute sprangen auf, um die Neuankömmlinge zu begrüßen, allen voran natürlich Ginnys Familie: Arthur stürzte sich zuerst auf die beiden, danach kamen George, Bill, Charlie, Percy und natürlich Ron, gleich gefolgt von Hermine und noch einigen weiteren Gästen.
Mühsam wandte sich Harry aus dem Getümmel, um den Kürbiskuchen in der Küche abzuliefern, aber Molly war schneller und nahm ihm das Tablett ab.
„Selbstgemacht?“, fragte sie halb schmunzelnd, halb kritisch, als sie unter die Folie gesehen hatte.
Harry hob die Schultern: „Ich hab’s versucht.“
Nachdem Molly ihn weiterhin streng ansah und ihm offenbar nicht glaubte, plapperte Harry nervös drauf los: „Ich habe ihn wirklich selbst gemacht, nach Muggelart sogar“, versicherte er ihr.
„Es ist ein Kürbiskuchen mit Möhren... ich habe den Backofen auf genau 180 Grad vorgeheizt, Eigelb und Zucker in einer Schüssel schaumig gerührt und etwas Zitronensaft hinzugegeben. Danach habe ich das Kürbisfleisch und die geschälten Möhren fein geraspelt und zusammen mit den gemahlenen Nüssen, dem Mehl und dem Backpulver zur Zuckermasse gegeben. Ein wenig Zimt und Nelken gewürzt und danach das Eiweiß steif geschlagen und es unter die Masse gehoben.“
Molly starrte Harry mit seltsam zusammengekniffenen Augen an.
„Dann habe ich den Teig in die Backform gegeben und 50 Minuten gebacken“, fügte er kleinlaut hinzu.

Irgendwie erinnerte Harry die Situation an Professor Snapes Unterrichtsstunden, als er ein auswendig gelerntes Rezept herunterleierte und trotzdem ein „M“ bekam. Mollys Blick machte das alles nicht besser.
Sie schüttelte seufzend den Kopf: „Wie lange hast du denn nur dafür gebraucht, wenn du das alles nach Muggelart gemacht hast?“
Doch bevor Harry darauf antworten konnte, hatte sie ihn schon in die Küche geschoben und ihm blieb der Mund offen stehen.

Auf den Schränken und Tischen türmten sich fast die Mahlzeiten. Auf jedem noch so kleinen Fleckchen standen Kuchen, Pasteten, Suppen, Salate und Eintöpfe.
Mit einem Mal kam sich Harry sehr schäbig vor. Nach 8 Jahren in der Zaubererwelt hatte er offenbar nichts hinzugelernt.
Die meisten anwesenden Gäste waren erwachsene Hexen und Zauberer, die einen Kürbiskuchen in wenigen Minuten zaubern konnten und der vermutlich auch noch sehr viel besser schmeckte.

Molly schien seine Gedanken zu erraten und schnupperte an dem Gebäck.
„Harry, mein Lieber. Ich bin für jedes dieser wunderbaren Stücke hier sehr dankbar, aber ich weiß, dass du in diesen Kuchen mehr Gedanken, Mühe und Zeit gegeben hast, als vielleicht alle anderen zusammen und das zählt für mich mehr.“
Sie klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter, ehe sie noch irgendwo ein Plätzchen für den Kuchen gefunden hatte und Harry wieder in das laute und volle Esszimmer stopfte.

Es wurde eine wunderbare Halloweenfeier. Alle, die Harry liebte, waren gekommen, sogar Andromeda Tonks mit seinem Patensohn Teddy.
Für Harry war es immer noch etwas schwer, Andromeda anzusehen, oder ein lockeres Gespräch mit ihr zu führen, da sie ihrer Schwester Bellatrix wie aus dem Gesicht geschnitten war. Aber Dank des kleinen Teddy, brach das Eis zwischen ihnen auch bald und sie plauderten eifrig darüber, wann sein Patensohn den ersten eigenen kleinen Besen bekommen sollte.

Von Trauer war während des Essens und auch danach nur wenig zu spüren. Nostalgisch, wäre das passendere Wort gewesen.

Jeder kramte eine lustige Geschichte über Fred, Tonks oder Remus heraus, besonders Georges geheime Abenteuer der Zwillinge erheiterten den ganzen Raum.

Nachdem Molly Harrys Kürbiskuchen aufgetischt hatte, holte Arthur das Familienalbum heraus und sie ließen den Abend mit einem „Augapfelcocktail“ von Hermine enden.

Sie hatte auf speziellen Wunsch von Arthur eine reine Muggelmischung kreiert, die ihren Zweck aber mehr als erfüllte.
Später verriet sie Harry das Rezept.
Am Tag zuvor einige Litschis schälen und in Kirschsaft (mit Wodka) einlegen.
An Halloween Sekt oder Sprite mit dem Saft in eine Schüssel geben und gegebenenfalls mit Wodka abschmecken.
Die Litschis haben dann über Nacht die rote Kirschfarbe angenommen, in die man kurz vor der Party noch mit schwarzer Lebensmittelfarbe Pupillen reinmalen kann.

Trotz des vielleicht traurigen Anlasses fand Harry, dass es sein schönstes Halloweenfest war, das er je erlebt hatte.
Er hatte endlich eine Familie gefunden.
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