Resurrection, damnit!

von LeS Lenne
GeschichteHumor / P18 Slash
Seishiro Sakurazuka Subaru Sumeragi
02.07.2009
07.01.2011
18
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02.07.2009 829
 
Viele unbekannte Gesichter, nur eines stach hervor. Eine mädchenhafte Frau mit blutrot geschminkten Lippen. Ihre Haut, weiß wie Schnee, bildete einen starken Kontrast zu ihrem Haar, das schwarz war wie Ebenholz. Seishirou steckte die Hände in die Manteltaschen -- merkwürdig, die leere Zigarettenschachtel war immer noch da. Er zerdrückte sie, nahm sie aus der Tasche und warf die zerknüllte Schachtel in die Luft.
Die junge Frau schürzte die Lippen. "Mein Liebstes." Sie breitete die Arme aus.
Er ließ sich von ihr drücken. Ihre Berührung war sanft, ihr Körper war weich. Sie roch nicht nach Kirschen oder Kamelien. Sie roch nach Frost und die Kälte schmerzte in den Nasenflügeln.
Seishirou runzelte die Stirn. Wieso war es immer noch nötig zu atmen?
"Es tut mir leid, mein Liebstes." Sie lächelte. "Aber..." Ihr Blick fiel auf die anderen Personen und ihre Augen begannen zu strahlen.
"Mutter?"
"Lass dich erstmal zeigen. Das sind deine Vorfahren." Sie deutete auf die Menschenmenge. Die meisten Gesichter zeigten reines Desinteresse. Einige jedoch wirkten kritisch. Die älteste Person, eine Dame, die Seishirou knapp über den Bauchnabel reichte, stand vor der Menge und stützte den Kopf auf ihren Stock. Sie sah aus wie eine Wurzelhexe.
Seishirou lächelte und nickte seinen Ahnen zu. Verwandte waren es wohl nur bedingt. "Es ist mir eine Ehre."
"Schade", sagte seine Mutter.
Seishirou wandte sich ihr zu. "Freust du dich denn nicht, mich wiederzusehen?"
"Die Freude wäre größer, wenn du bleiben dürftest." Sie legte ihm eine Hand auf den Arm. "Aber das darfst du leider nicht."
Da er keinen physischen Körper mehr hatte, war es schwer zu sagen, ob er normal schaute oder überrascht. Letztendlich konnte er so oder so nichts vor den ehemaligen Sakurazukamori verbergen. Es wäre also nicht weiter schlimm gewesen. Irrititation hatte er in den letzten Monaten kennen gelernt. Es war ihm daher auch nicht neu und verwirrte ihn nicht noch zusätzlich.
"Die Art und Weise deines Todes war ungültig", sagte die alte Dame. Der allererste Sakurazukamori? Alle anderen schienen nicht älter als vierzig, fünfzig. Sie war die einzige, die offensichtlich weit über siebzig war. Er hatte natürlich Legenden gehört, zuhauf. Aber ob es der Wahrheit entsprach? Nie hatte er sich das gefragt. Er würde jetzt nicht damit anfangen und dennoch, kindliche Neugierde nagte an seinen Nerven.
Seishirou verbeugte sich vor ihr.
Sie schnalzte mit der Zunge. Das Geräusch hallte durch... das Nichts? Es war nicht dunkel, aber es war auch nicht hell. Schwer zu sagen, ob es ein Raum war, eine Zeit, oder tatsächlich das Nichts. "Kind, ahnst du, was berichtigt werden muss?"
Berichtigt... "Ich muss gestehen, leider tue ich das nicht."
Ein neuerliches Schnalzen. Etwas in der Ferne -- oder Nähe -- zerbrach. Dann raschelte es.
"Verzeih", sagte seine Mutter zu der Dame. "Er ist ein dummer Junge." Sie lachte.
"Es wundert mich nicht, Setsuka." Die Älteste nickte. "Nun?" Sie sah herauf zu Seishirou.
Er kniete vor ihr nieder.
"Aber ein guter Junge", sagte einer der Männer. Es waren weit weniger als Frauen anwesend. Seishirou war nicht überrascht.
"Das täuscht." Seine Mutter lehnte sich an ihn. "Oh ja."
"Eine Bittstellung fehlte", sagte die Älteste. Ihre Augen lagen ruhig auf Seishirou. Er fühlte sich zwar nicht fixiert, aber etwas an ihrem Blick sagte ihm, dass sie mächtiger war als alles, dass er lebend je angetroffen hatte. "Wir möchten dich bitten, sie nachzureichen."
"Eine Bittstellung?"
"An den, den du liebst."
Seishirou lächelte breiter. "Als Sakurazukamori..." Er verstummte. Der Mann, der zuvor gesprochen hatte, prustete. Die Menge fing an zu lachen.
"Seid still!" Sie musste die Stimme nicht heben, um die anderen zum Schweigen zu bringen. "Töricht", murmelte sie und machte einen Schritt auf Seishirou zu. Sie legte ihre Hand auf seine Stirn. Ihre Haut war heiß und trocken wie Sandpapier. "Nun, mein Kind, wir werden dich noch einmal auf die Erde zurückschicken, damit du die Bittstellung einholen kannst. Dann erst wirst du bleiben dürfen."
Etwas tropfte auf den Boden, wenn man den Untergrund jenes Ortes als solchen bezeichnen wollte. Seishirou sah an sich herab. Aus seiner Brust quoll Blut.
"Da dein Körper zerstört wurde, haben wir einen anderen gefunden, der in einer besseren Verfassung ist."
"Sehr freundlich von Ihnen." Seishirou wagte es nicht, das Blut in seinem Mund auszuspucken. Stattdessen ließ er es herausfließen. Die Schmerzen waren wiedergekehrt. Die Schmerzen. Diese allerletzten Schmerzen. Angesicht zu Angesicht mit ihm waren sie Seishirou nicht schlimm erschienen. Ihre volle Tragweite begriff er erst jetzt.
"Du wirst ihn bitten, dich zu töten. Willigt er ein, wirst du hierher zurückkehren; dazu ist es nicht notwendig, dass der Mord an dir ein weiteres Mal ausgeführt wird." Die Älteste stieß ihn zurück. "Viel Glück."
Seishirou fiel.
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