Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Die Suche

von Robidu
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama / P16 / Gen
Bishop Casavir Kaelyn "die Taube" Neeshka Safiya
01.07.2009
15.04.2018
6
9.281
 
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
01.07.2009 1.444
 
Prolog: Der Sieg

Merdelain, innerstes Heiligtum

Mit einem Ausdruck der Verwunderung schaute der Fürst der Schatten mich an, als das Portal, durch das er erschienen war, unter meinem letzten Hieb mit dem Silberschwert barst und einen schwarzen Fleck am Boden übrig ließ. Es dauerte jedoch nicht lange, da wich die Verwunderung blankem Entsetzen, als dem Ungeheuer vor mir klarzuwereden schien, was das bedeutete: Das sichere Ende!
Höchstwahrscheinlich hatte mein Gesichtsausdruck dem Schatten ebenfalls nicht gefallen, denn als ich mit einem wuchtigen Hieb nachsetzte, wollte er zurückweichen, fand sich dann jedoch unvermittelt mit Casavir und Khelgar konfrontiert, während im Hintergrund Elanee und Zhjaeve zu neuen Zaubern ansetzten.
Ich konzentrierte mich wieder auf die Klinge, die sich einen Moment später in die sie bildenden Splitter auflöste, welche mit hoher Geschwindigkeit um mich herum wirbelten und dem Schattenwesen zusätzliche Wunden beibrachten.
Schwarzes, abgestorben wirkendes Fleisch trat unter der dunklen Haut dieses Wesens, das einmal der Wächter Illefarns gewesen war, hervor, und ein bestialischer Gestank erfüllte den Raum.
War ja auch nicht anders zu erwarten, dachte ich mit grimmigem Vergnügen. Mist riecht schließlich nicht gerade angenehm, und das Waschen hatte diese Pfeife höchstwahrscheinlich auch nicht erfunden!
Dann gab es urplötzlich einen ohrenbetäubenden Knall, als ein Feuerball, von Sand geschleudert, das Schattenwesen traf, dabei hochging und das Gas, das den Schatten umgab, entzündete.
Das  Schattenwesen gab einen durchdringenden Schrei von sich, der uns allen das Blut in den Adern gefrieren ließ, dann fiel es zu Boden wie ein gefällter Baum. Der Fürst der Schatten war nicht mehr.

Wir hatten kaum genügend Zeit uns auszuruhen, dann erzitterte auch schon der Boden, und das Knirschen, das von der Kuppel zu hören war, kündigte weiteres Unheil an. Anscheinend drohte das ganze Heiligtum zu kollabieren, nur war keinerlei Ursache für den Erdstoß zu erkennen.
Erschrocken schauten wir uns an, und Sand schaltete als erster.
„Alles raus hier! Sonst wird das hier unser aller Grab,“ brüllte er über das zunehmende Getöse. Als wir uns zum Gehen wandten, fanden wir den Ausgang jedoch versperrt vor, da der Zugang zum Heiligtum bereits kollabiert war.
Entgeistert schauten wir uns an, doch dann kam Zhjaeve der rettende Einfall: „Wenn wir ein Portal öffnen können, haben wir eine Chance, über einen Umweg auf diese Ebene zurückzukehren.“
„Und woher nehmen wir den Zauber,“ hakte Sand nach. „Ich habe den leider nicht vorrätig.“
„Ich verfüge über diese Möglichkeiten nicht,“ sagte Elanee entgeistert, und auch Grobnar schien ratlos – was mich ehrlich gesagt nicht weiter verwunderte.
Zerstreuter Professor, dachte ich mißmutig. Über allen möglichen Unsinn sinnieren, aber wenn es hart auf hart kommt, dann bleiben die Ideen aus!
Ich fragte mich, wer da eigentlich von wem gelernt hatte: Grobnar von Aldanon, oder nicht doch eher umgekehrt. Beide verfügten nämlich über das sagenhafte Talent, einem so die Ohren zuzutexten, daß einem schwindlig davon wurde!
Wie auf einen Impuls hin und ohne weitere darüber nachzudenken hob ich Giths Schwert hoch über den Kopf und ließ die Klinge auf die Stelle niedersausen, an der sich vorher das Schattenportal befunden hatte.
Wenn sonst schon nichts funktionieren wollte, dann hatten wir allerhöchstens eine Chance...
Da das Schwert ja ursprünglich von der Astralebene stammte, könnte sich so eventuell eine Fluchtmöglichkeit bieten.
Mittlerweile fielen die ersten Bruchstücke von der Kuppel herab. Uns blieben also nur noch wenige Augenblicke!

Als das Schwert auf dem Boden auftraf, gab es einen grellen Lichtblitz, der zahlreiche bunte Punkte vor meinen Augen tanzen ließ und mich benebelte.
„Alle Mann raus,“ hörte ich eine Stimme über das Getöse schreien, die ich ob der Watte in meinem Schädel nicht richtig zuordnen konnte – aber irgendwie klang sie seltsam vertraut...
Dann fühlte ich mich auf einmal angeschoben und in Richtung des Lichtes verfrachtet, während einige andere Gestalten an mir vorbei huschten und in dem Leuchten verschwanden, doch auf einmal gaben meine Beine nach.
„Wir – verdammt! Hauptmann!“
Wieder war diese Stimme zu hören, und dieses Mal schwang deutliche Verzweiflung mit.
Neeshka, schoß es mir durch den Kopf.
Ich blickte in die Richtung, aus der die Stimme zu hören gewesen war und schüttelte den Kopf. „Lauf,“ brachte ich noch hervor, „bring dich in Sicherheit!“
„Ich lasse Euch nicht im Stich,“ hörte ich sie noch sagen, „nicht nach alldem, was Ihr für mich riskiert habt!“
„Bringt Euch in Sicherheit, ich werde ihm helfen,“ hörte ich eine andere Stimme sagen. Es war die Casavirs!
Narren, dachte ich erbost. Ich würde die Beiden ja zu gerne durch das Portal befördern, aber ich fürchte, dafür reicht meine Kraft einfach nicht!
„Nein,“ hörte ich Neeshkas verzweifelten Schrei, doch dann schob Casavir sie auch schon durch das Portal, nur um anschließend zu mir zurückzukehren und mir beim Aufstehen helfen zu wollen.
„Narr,“ vermochte ich nur noch zu sagen, dann fühlte sich mein Rücken an, als würde er explodieren.
So endet es also, dachte ich noch und betete still zu Tyr: Ich danke für Euren Beistand.
Dann öffnete sich ein gähnendes Loch unter mir, in das ich fiel. Anschließend umgab mich nur noch wohlige Dunkelheit.

~~~++~~~


Casavir hörte ein Knirschen über sich, und instinktiv warf er sich beiseite.
Im nächsten Augenblick hörte er ein dumpfes Poltern, und an der Stelle, an der kurz zuvor noch der Hauptmann der Kreuzwegfeste gelegen hatte, war nur noch Schutt zu sehen.
„Nein,“ sagte er mit erstickter Stimme und sackte auf die Knie.
Schon wieder war er nicht in der Lage gewesen, jemanden, der ihm etwas bedeutete, zu schützen.
Warum passiert ausgerechnet mir das, fragte er sich betrübt.
Suchend schaute er sich um, doch das Portal, das ihn hätte in Sicherheit bringen können, war verschwunden, als der Steinblock auf den Dunkelelfen, dem er hatte helfen wollen, gefallen war.
Plötzlich hörte Casavir ein erneutes Knirschen, und im nächsten Augenblick brach das ganze Gebäude über ihm zusammen.

~~~++~~~


Außerhalb des Heiligtums beobachteten eine Gestalt und ein Wolf, wie das Gebäude in sich zusammenbrach. Anscheinend hatte der Ordenshauptmann den Fürsten der Schatten doch bezwingen können, etwas, das ihm einen gewissen Respekt abverlangte.
Als sich die Staubwolke gelegt hatte, lag an der Stelle, an der das Heiligtum vorher gestanden hatte, nur noch ein riesiger Haufen Schutt.
Vorsichtig näherten sich der Waldläufer und der Wolf dem zusammengefallenen Gebäude, doch plötzlich hielt der Wolf inne und begann, an den Trümmern zu schnüffeln.
Was zum..., dachte der Mensch, als er das Verhalten des Wolfes bemerkte.
Dann plötzlich schlug der Wolf an. Lebte da etwa noch jemand?
Normalerweise hätte ihn das Geschehen kalt lassen müssen. Schließlich war es ein sehr gewagtes Spielchen gewesen, auf das die sich eingelassen hatten, und jetzt hatten sie den Preis dafür bezahlt, sich mit dem Fürsten der Schatten einzulassen. Doch erwies sich diese Situation als nicht normal, und so stieg er ebenfalls auf die Trümmer und begann, Bruchstück um Bruchstück zur Seite zu schieben.
Der Mensch bemerkte nicht, wie es Abend und anschließend Nacht wurde, so verbissen war er in diese Suche vertieft, die noch bis zum nächsten Morgen andauern sollte.
Währenddessen ließ er die ganzen Ereignisse revue passieren.

Angefangen hatte alles weiland in Niewinter, als der Inhaber der Flaschenpost ihn dazu verpflichtet hatte, diesem seltsamen Dunkelelfen zu helfen, eine entführte Frau zu retten. Ursprünglich hatte er angenommen, daß es sich für ihn damit erledigt hätte, doch dann traten weitere Ereignisse ein, die ihn dazu veranlaßt hatten zu verweilen – Ereignisse, die schließlich in der Konfrontation mit dem Fürsten der Schatten geendet hatten.
Was ihn dabei jedoch am meisten verwirrte, war, daß es diesen Ordenshauptmann anscheinend überhaupt nicht kaltgelassen hatte, was aus ihm wurde. Zugegeben, einen gewissen Respekt hatte er sich durchaus schon verdient, so wie er verschiedene Dinge angegangen war, und als dieser eigenartige Dunkelelf, von dem man eigentlich annehmen sollte, daß er absolut bösartig und grausam war, ihn dann auch noch aus einer gefährlichen Situation herausgeholt hatte, hatte sich der Mensch einer vollkommen ungewohnten Situation gegenübergesehen: Irgendjemand setzte sich anscheinend für ihn ein!
Zuerst hatte er angenommen, daß der Dunkelelf irgendeinen Hintergedanken gehegt hatte, so wie weiland dieser Duncan Farlong, der ihn aus seinem Dorf herausgeholt hatte, in dem er eigentlich hatte sterben wollen, nur um ihn dann damit zu erpressen, daß er selbst derjenige gewesen war, der das Dorf ausgelöscht hatte. Doch davon war überhaupt nichts zu erkennen gewesen.

Als der Mensch schließlich ein etwas größeres Wandsegment beiseite schob, erkannte er einen Hohlraum, in dem jemand lag, und sogleich verdoppelte er seine Anstrengungen.
Schließlich gelang es ihm, den Verschütteten zu befreien, und verwundert zog der Waldläufer die Augenbrauen hoch.
„Casavir,“ fragte er erstaunt, doch der Angesprochene rührte sich nicht.
Er erkannte auch sofort den Grund dafür: Auf der Stirn des Paladins prangte eine große Beule.
Während er noch überlegte, was zu tun war, schlug Casavir die Augen auf, und bei dem Anblick, der sich diesem bot, zog er die Augenbrauen hoch.
„Bishop?“
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast