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Schatten der Vergangenheit

von Riniell
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer / P16 / Gen
Fenryl Tiranu Yulivee
29.06.2009
05.10.2010
37
91.669
1
Alle Kapitel
118 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
29.06.2009 1.633
 
Hallöchen!
Ich habe heute mal auf das Datum meines letzten Updates geschielt – und hab mich geschämt. Die lange Wartezeit ist aufgrund vieler Dinge entstanden, die aufzuzählen zu viel wären.
Nun will ich euch aber nicht länger aufhalten, wünsche euch viel Spaß beim Lesen des letzten Kapitels und drücke meine Reviewer! :)

_____



Obilee strich nervös ihre Roben zurecht und atmete tief durch. Zum hundertsten Male ermahnte sie sich zur Ruhe. Sie saß auf der Kante des Drachenbrunnens, welcher sich in seiner ganzen Pracht vor dem Thronsaal Elfenlichts aufrichtete. Angespannt wartete sie.

Bei den Alben, welch Neuigkeiten!

Erst am Morgen war ihr mitgeteilt worden, welch schreckliche Ränke sich hinter der Entführung Nessalias verbargen. Ihr drehte es vor Unwille bei dem Gedanken, was hätte geschehen können, und Abscheu fast den Magen herum.

Es war so viele Jahrhunderte her, dass zuletzt ein Drache in Albenmark gesichtet ward. Und nun sollte eines der Alten Wesen tatsächlich kurz davor gestanden haben, das Königshaus der Albenkinder zu zerstören.

Das größte Opfer dieser fürchterlichen Intrige war wohl die Tochter der Königin selbst. Obilee hatte Nessalia aufwachsen sehen und sie tief in ihr Herz geschlossen. Es war nicht immer einfach für den Sprössling des Fürsten Langollions am Hofe Elfenlichts gewesen. Viele sahen in ihr dieselbe böse Saat wie sie von Alathaia noch in Morwenna und Tiranu weiterlebte.

Oftmals wurde sie schon verurteilt, bevor man sie kennenlernte. Obilee musste sich widerwillig eingestehen, dass es bei Tiranu und Morwenna wohl einst derselbe Fall gewesen sein musste. Die Gerüchte um die Schattenkriege und ihr kühles und berechnendes Gemüt trugen zwar zu der Abneigung vieler Albenkinder bei, doch wer vermochte schon zu sagen, wo beides herrührte?

Die fahrende Ritterin jedenfalls wusste, dass Nessa keinesfalls Böses in sich trug und Tiranu ihr nicht hinter dem Rücken der Königin oder des Volks die Schwarze Kunst lehrte. Sie hatte es nicht verdient, so behandelt zu werden.

Die Kleine musste völlig verstört sein!

Nun wünschte sich die Magierin und enge Vertraute der Königin, sie hätte die Elfenjagd seinerzeit begleitet. Doch die Seevereisung Tanthalias war unerlässlich gewesen und die Einwohner des Inselfürstentums waren auf ihre Hilfe und der des Albensteins, welchen Nuramon und Farodin einst dem Devanthar abnahmen, angewiesen gewesen. Die nun wieder lieferbaren Nahrungsmittel und Hilfsgüter hatten viele Albenkinder vor dem Tod bewahrt.

Endlich erklang die Fanfare der Elfenjagd vor den Mauern der Burg. Obilee sprang auf und begab sich in Richtung der mächtigen Tore.

~~~

Der Hofmeister hätte nie und nimmer erwartet, einmal rege Erleichterung und Freude bei dem Anblick der hohen Burgmauern Elfenlichts zu empfinden. Bisher hatte er keine heimatlichen Gefühle zu der Prachtbaute aufbauen können, auch wenn er in seiner Kindheit und nun schon wieder seit einigen Jahrzehnten in der Burg hauste.

Er zog es vor, unabhängig durch die Gefilde Albenmarks zu ziehen. Auch wenn dies mitunter einsam sein konnte …

Er fror erbärmlich und war unhaltsam froh, bald wieder im Warmen zu sein. Seine Verwundung hatte ihm seine Kräfte geraubt. Obgleich er dank Morwennas Hilfe keine offene Wunde und keine Schmerzen hatte, war er durch den Blutverlust unendlich erschöpft. Er mochte gar nicht mehr an jene schrecklichen Momente denken, da er glaubte, er würde sterben.

Die Heilerin und Yulivee hatten ihm nahegelegt, in einem Gasthaus Meliamers seine Erschöpfung auszukurieren, doch er hatte darauf bestanden, gemeinsam mit der Elfenjagd ins Herzland zurückzukehren. Nachdem sie in Meliamer die Pferde der Elfenjagd abholten, kehrten sie durch den Albensern nach Yaldemee zurück.

Die Schneebedeckten Ebenen vor dem Burghof waren so eben, als hätte in den letzten Tagen kein Lebewesen Elfenlicht verlassen. Es war still und friedlich.
Doch die niedergeschalgene Stimmung innerhalb ihrer Reitergemeinschaft zeugte vom Gegenteil.
Sie hatten gesiegt. Und doch in gewisser Weise verloren.

Der Vanaran, wie seine Freunde und Verwandte ihn kannten, würde nicht mehr nach Albenmark zurückkehren. Seine Seele mochte einst wieder hier wandern, dennoch war der Preis für den Tod der Blutmagierin und ihres Drachen – oder war es nun der Drache und seine Blutmagierin – zu hoch gewesen.

Der Einzug der Elfenjagd war ebenso wenig glanzlos wie ihr Auszug. Vanarans Leichnam wurde zuletzt auf der Bahre von Talina und Hildan getragen.

Der Sohn Alvias' schlang seinen Mantel enger um seinen Körper und reckte sich einmal probeweise. Doch nichts. Der Schmerz, der wie ein fernes Echo in seinem Inneren klang, war verschwunden. Morwenna hatte gewissenhafte Arbeit geleistet. Möglicherweise etwas zu gewissenhaft. Unter seinen peinigenden Schmerzen hatte er nicht viel von ihrem Einschreiten mitbekommen, doch er war sich fast sicher, dass sie bis in sein Bewusstsein vorgedrungen war. Etwas, was ihm ganz und gar nicht zusagte …

Vielleicht hatte sie Sympathie für sich entdeckt, wo eigentlich keine sein dürfte. Es war ermattend, sich über solche Dinge Gedanken zu machen. Ihm war nun nicht erst seit gestern klar, dass Morwenna eine überaus schöne Elfe war. Sie hatte einen abweisenden, kühlen Reiz.

Was war es gewesen, das seinen großen Schock, sie auf dem Trinkgelage Tamiels gesehen zu haben, aslöste? Was bildete seinen Antrieb, sie immer soweit zu reizen, bis sie kurz davor war, aus der Fassung zu kommen, und genau dann aufzuhören? Aber vor allem: Weshalb hatte er sein Leben riskiert, um sie vor dem Sturz in die Tiefe bei dem Steinbruch zu bewahren?

Diese Gedanken streiften schon seit geraumer Zeit durch seinen Kopf. Und er wusste nicht, was er tun würde, wenn er herausfände, dass Morwenna diese Gedanken kannte.

Vermutlich war hinter all dem nichts. Auf seinen Reisen hatte er viele Elfenfrauen kennen und lieben gelernt. Oft hatte er das Bett nur zum Vergnügen geteilt. Niemals war eine unter ihnen gewesen, die lange vermochte, ihn an einem Ort zu halten. Oder gar an sich zu binden. Gefühle hatten sich immer schnell verflüchtigt.

Und es war nun auch nicht so, dass er Tiranu sonderlich mochte, nur weil er sein Leben für ihn riskiert hatte – und dafür auch noch harsche Worte einsteckte, wie er nüchtern bemerkte.
Jornowell verzog seine Miene. Wirklichen Dank hatte er von den Zweien jedenfalls nicht erhalten. Die Geschwister waren eben arrogant bis auf ihre Knochen.
Warum hatte er beide vor dem Tode bewahrt?

Er konnte sie nicht leiden! Nein, nein, Nein … !

„Du zitterst wie Espenlaub …“ Morwennas kritische Stimme war von einem kleinen Hauch der Sorge geprägt. Sie hatte ihr Pferd neben das seine gelenkt. „Bist du sicher, dass alles in Ordung ist?“
Er sah in ihre dunklen Tiefen, die sich stark von ihrer blassen Haut abhoben, bemerkte, wie sie abwartend die Augenbrauen hob und wandte den Kopf ab: „Nein!“ Er atmete tief aus, verwirrt über seinen ungewöhnlich schnellen Herzschlag bei diesen Temperaturen. „Oh, verdammt!“

~~~


Die finstere Nachtluft war klar und stechend kalt. Tiranu musste sich mit einem Zauber gegen die Witterung schützen und fragte sich insgeheim, wie Jornowell bei seinem Zustand so lange hier draußen stehen konnte. Vermutlich war der Weltenwanderer einiges gewohnt.
Es war erst ein Tag vergangen, seit sie zurückgekehrt waren. Doch diese wenigen Stunden hatten genügt, um eines zu zeigen: Yulivee ging ihm aus dem Weg. Zwar hatte sie viel zu tun gehabt, doch alles an ihr, ihre Blicke, ihre Gesten, die Wahl ihrer Worte, machten ihm deutlich, was sie forderte.
Tiranu knirschte mit den Zähnen. Dass er dafür ausgerechnet zu ihm gehen musste!

Lirn hatte er bereits durch einschneidende Argumente davon überzeugt, sein Schweigen zu wahren. Im Gegenzug hatte er keine Strafe für ihn bei der Königin verlangt. Doch der Kobold war nicht der einzige, welcher genau wusste, wer hinter der Wiedererweckung des Drachens stand.
Die Anhänger seiner Mutter waren noch auf freiem Fuß. Und das würden sie auch bleiben, dachte Tiranu säuerlich. Das Risiko, sie würden ihn verraten, wenn sie erst einmal mitbekamen, dass er ihre Spuren verfolgte, war zu groß. Wahrscheinlich hatten sie sich bereits in alle Himmelsrichtungen verteilt und Merleth war frei von diesen Verrätern. Es wäre ohnehin schier unmöglich, alle zu finden … Es war zum Aus-der-Haut-Fahren!

Wie auch die Gemächer verfügte der Balkon nicht über die gewöhnliche Große der Elfenräume in der Burg. Der erdrückende Eindruck mochte vielleicht von den vielen Regalen voll mit Büchern, Karten, Aufzeichnungen und kleinen Kisten verstärkt werden. Alles war außerordentlich schlicht gehalten, so auch der kleine Balkon.

Wieder musste Tiranu sich eingestehen, dass er Jornowell falsch eingeschätzt hatte.

Er räusperte sich leise.
Der Hofmeister fuhr sofort herum. Noch immer sah sein Gesicht ausgezerrt aus, doch seine Augen waren wach und funkelten ihn böse an: „Ist dir der Begriff 'Anklopfen' geläufig?“
Der Fürst Langollions verschränkte die Arme. „Gib mir nicht die Schuld an deiner Taubheit!“
Ihren Kabeleiben würden sie wohl nie überdrüssig werden …

Angespannt bemerkte er, wie Jornowell ihm einen erwartenden Blick schenkte. Er atmete tief aus und sagte: „Ich habe noch nicht mit Yulivee gesprochen.“

Der Hofmeister brauchte einige Zeit, um zu verstehen, von was er sprach. Tiranu hatte lange nicht vergessen, dass er anscheinend in seinen Fieberträumen Dinge an Jornowell weitergegeben hatte, die besser verborgen blieben.

Sein Gegenüber hob die Augenbrauen. „Du hast Angst, ich könnte etwas ausplaudern.“

Tiranu wollte etwas erwidern, doch der Hofmeister kam ihm mit eindringlicher Stimme zuvor: „Keine Sorge, ich werde schweigen. Eben weil du sprechen wirst. Es liegt Yulivees Ermessen, wie sie mit dir verfahren wird, wenn sie erst die Wahrheit kennt.“ Seine Augen blieben kühl.

Diese Worte waren eindeutig. Tiranu wandte sich um und verließ das Gemach.



____________


So, meine Lieben. Das Ende ist gekommen, das ist das letzte Kapitel. Ich hoffe, ich konnte alle Themen noch einmal aufgreifen und klären.
Wie Yulivee reagieren wird, was Tiranu ihr überhaupt berichtet … nun, das ist Stoff für eine andere Geschichte. Doch die um Alathaias Rückkehr, Silanas Untergang, Baelfyrs letzter Kampf, Lirns Aufstieg und Jornowells Erkenntnis ist abgeschlossen.

Ich möchte mich bei allen Lesern, Reviewern und und unterstützenden Personen bedanken. Leute, ohne euch wäre ich soweit nicht gekommen. Ihr habt mir immer Antrieb, Inspiration und Freude am Schreiben geliefert. Ihr seid mehr als nur Teil dieser Story :)

Über ein paar abschließende Reviews freue ich mich natürlich sehr!
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