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Schatten der Vergangenheit

von Riniell
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer / P16 / Gen
Fenryl Tiranu Yulivee
29.06.2009
05.10.2010
37
91.669
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Nach dem Sturm

Morwenna tastete mit ihren magischen Sinnen nach den Wunden des Elfen. Schnell wurde ihr klar, dass die Schnitte der Drachenklauen nicht so weit in das Fleisch Jornowellsgedrungen waren, um große Verletzungen an Wirbelsäule und Rippen zu verursachen.
Dennoch spürte die Heilerin die selbst für sie fast unerträglichen Schmerzen, gemischt mit Furcht und Unbehagen.

Kurzerhand beschloss sie deshalb, das Unterbewusstsein des Hofmeisters abzuschwächen. Diese Vorgehensweise hatte sich schon oft als erfolgreich bewährt.
Sie tastete nach dem Geist Jornowells – und stutzte. Impulse von Unwillen, Verwirrung und Ablehnung stießen ihr entgegen. Diese hingen keinesfalls mit der Verwundung zusammen, wie sie feststellte. Viel mehr mit ihr – und ihren Berührungen …

Nun war auch sie verwirrt, als sie bemerkte, was diese Erkenntnis in ihr auslöste. Die Heilerin wusste nur zu gut, dass Jornowell sie nicht gerade gern um sich hatte. Aber eine derartige Abneigung hätte sie nicht erwartet.
Eilig wob sie den Zauber, welcher das Bewusstsein des Elfen löschte und machte sich daran, die Wunde zu flicken.

Sie setzte Blutgefäße zusammen, leitete angestautes Blut um, heilte Gewebe und Knochen. All dieskostete sie mehr Kraft als sie angenommen hatte. Schlussendlich war auf der sonnengebräunten Haut des Elfen nichts mehr von der Verwundung zu erahnen und von dem Schmerz blieb nicht mehr als ein hohles Echo.

So begann Morwenna, den Geist des Elfen wiederaus seiner Ohnmacht zu reißen, und wappnete sich dabei gegen die Gefühle des Hofmeisters.
Und wieder wurde sie überrascht. So eisig und ablehnend sie gewesen waren, nun schienen die Empfindungen Jornowells wärmer … vertrauter. Es war nicht selten, dass Heiler einen direkten Kontakt zu der Seele ihres Patienten knüpften, und somit wesentliche Züge des fremden Wesens in sich aufnahmen und ergründeten.
Die Heilerin löste den Kontakt, überwältigt von dem, was sie gespürt hatte.

***

Ein hochgewachsener Elf durchschnitt die seichten Nebelschwaden mit festem Schritt. Er trug nur leichte, braune Lederrüstung. Selbst das Schwert an seiner Hüfte war in der nun fast vollkommenen Dunkelheit auszumachen.
Yulivee kniff die Augen zusammen, als sie Tiranu erkannte.

Erleichterung und Zorn erfassten sie fast gleichzeitig, als sie aufeinander zu und schließlich schweigend voreinander zu stehen kamen.

Yulivee stemmte die Hände in die Hüften und funkelte ihn böse an: „Solltest du nicht im Krankenlager ruhen?!“
TiranusAugenbraue zuckte nach oben. „Mir geht es gut, danke der Nachfrage.“

Die Elfenkönigin schüttelte unglaubend den Kopf. Eigentlich hätte sie es sich denken können, dass Tiranu trotz allen Widerstands den Weg nach Ishemon finden würde. Dennoch nahm sie sichvor, diesbezüglich noch ein Gespräch mit Morwenna und Jornowell zu führen.

Seufzend nahm sie die Arme herunter und griff nach den Händen ihres Liebsten. Einige der vonWitterung, Schweiß und Blut feuchten, schwarzen Haarsträhnen verdeckten des Fürsten ebenmäßiges Gesicht. In seinen dunklen Augen ruhte ein unsicherer Glanz. Insgesamt wirkte er erschöpft und unruhig.

Sie hatten einander nicht gesprochen, seit er nach Langollion aufgebrochen war. Doch das hatte später noch Zeit.

Gerade näherten sich ihre Gesichter, als ein Ausruf laut wurde, der Yulivee zusammenzucken ließ: „Vater!“ Nessalia kam mit sich überschlagendem Atem vor Tiranu zu stehen. „Konntest du Bohr finden“, fragte die junge, schwarzhaarige Elfe mit flehentlicher Stimme.

Einige angespannte Momente vergingen, in denen Tiranu offensichtlich erst einmal Probleme zu haben schien, sich an den Kobold zu erinnern. Dann wurden seine Züge finster. Yulivee entsinnte sich plötzlich den Worten des Lutin Lirns, die er in der Kammer hinter dem Thronsaals Elfenlichts an sie gerichtet hatte.
Bohr war tot.
Die Königin schämte sich, dass sie diese Tatsache völlig vergessen hatte.

Doch war sie sich nicht sicher, wie viel ihre Tochter an diesem Tag noch ertragen konnte. Deshalb sagte sie nur, während sie ihr über das Haar strich: „Wir werden später über ihn reden.“ Wie erhofft war Nessalia einsichtig genug, nur traurig zu nicken.

„Wo ist Silana?“, fragte Tiranu. „Habt ihr es geschafft, sie zu überlisten?“ Sein Blick flog zu Giliath, die im respektvollen Abstandwartete und den großen Scheiterhaufen in der Ferne beobachtete.

„Silana ist tot“, antwortete Yulivee. Sie fuhr schnell fort, als der Fürst Anstalten machte, darauf etwas mit einer steilen Falte zwischen den Brauen zu erwidern. „Und bevor du dich aufregst: Ich wusste ganz genau, was ich tat. Mir drohte keine Gefahr.“
Die Skepsis in seinen Zügen wich nicht. „Natürlich.“

Mit besorgtem Blick sah die Magierin hinüber zu der Elfengemeinschaft. „Jornowell?“
„Er hatte Glück.“
„Ebenso wie du, Wahnsinniger!“, erinnerte sie ihren Gemahl mit lauter Stimme. Noch immer sah sie vor ihrem geistigen Auge, wie Jornowell Tiranu im letzten Moment vor der Drachenklaue bewahrt hatte. „Ich war gelähmt vor Angst“, bekannte sie nach einigen Herzschlägen und strich ihrem Liebsten die Haarsträhnen aus dem Gesicht.

Er fuhr ihr mit sanftem Nachdruck über die Arme, mehr würde er vor den Augen der Anwesenden nicht zulassen. „Nun, ich könnte auch sagen, dass ich genau wusste, was ich tat. Aber um ehrlich zu sein: Ich denke, Jornowell hatte einfach nur mehr Angst vor deinem Zorn als vor dem Drachen.“
Ein flüchtiges Lächeln huschte über ihr Gesicht. „Natürlich.“

„Ich hätte eigentlich erwartet, dass du versuchst, mich zu schlagen … oder mich wenigstens anschreist.“
„Das hatte ich bis vor wenigen Minuten auch vor“, gestand die Magierin, erreichte damit aber nicht, was sie beabsichtigt hatte.

Tiranu wirkte nach wie vor grüblerisch. „Morwenna sagte mir, dass du in meinen Erinnerungen gelesen hast.“
Getroffen nickte die Magierin und schluckte.Sie wusste nur zu gut, dass sie damit eine große Grenze überschritten hatte, welche ihr nicht zugestanden war. „Ich musste herausfinden, wasgeschehen war.“

Endlich fand sie den Mut, ihm in die Augen zu sehen, obgleich ihr die nächsten Worte überhaupt nicht gefielen. „Ich bin dabei nicht weiter gegangen, als es nötig war.“
Die Erleichterung auf dem Gesicht ihres Liebsten bestätigte nur, weshalb ihr das so missfiel. Wieder wurde das bedrückende Gefühl laut, welches immer erschien, wenn sie sich gewahr wurde, dass Tiranu sehr wohl viel vor ihr im Geheimen hielt.

Und genau deshalb lenkte er auch das Gespräch auf ein anderes Thema: „Komm, der Kampf ist vorüber. Du solltest vor deine Elfenjagd treten.“
Ihr entging nicht die leichte Abneigung in seiner Stimme.Genau in diesem Moment kam Fürst Fenryl zu ihnen.

Yulivee legte ein zuversichtliches Lächeln auf ihre Züge und schritt ihrem alten Freund mit erhobenem Haupt entgegen. Nessalia führte sie dabei an ihrer Hand.

„Königin“, richtete Fenryl an sie. „Ich bin froh, dich und deine Tochter wohlauf zu sehen.“
„Ebenso bin ich erfreut darüber, dass unser Plan erfolgreich war.“
Ein tiefer Schatten huschte über sein Gesicht. „Nicht so erfolgreich, wie er hätte sein sollen. Vanaran ist gefallen.“

Die Elfenkönigin registrierte diese Worte mit Bestürzung. Ihre eigene Familie war in Sicherheit, doch ein anderer hatte sein Leben dafür gegeben. Über solch einen Sieg konnte sie sich wahrlich nicht freuen.

Ein Lutin trat neben Fenryl und verbeugte sich leicht vor ihr. Lirn.
„Wie sollen wir nun weiter vorgehen?“, fragte der Fürst Carandamons ungeachtet des Kobolds Anwesenheit.

Aus den Augenwinkeln konnte Yulivee sehen, wie Tiranu sich leicht verspannte. Doch im nächsten Augenblick war davon nichts mehr zu sehen.
„Wir reisen zurück nach Elfenlicht“, bestimmte die Nachfolgerin Emerelles mit fester Stimme. „Versucht, eine Bahre für Jornowell und Vanaran zu erbauen.“

Fenryl nickte und wandte sich bereits zum Gehen, doch Lirn räusperte sich: „Meine Königin, ich glaube, Jornowell geht es soweit wieder ganz gut.“ Er leckte sich über die Lefzen und deutete mit einem verschmitzten Lächeln hinter sich, wo sie die Gestalt des Hofmeisters erkannte. Mit Morwennas Hilfe rappelte er sich langsam vom Erdboden auf. Die Heilerin stützte ihn dabei an Arm und Taille. „Bei dieser hingebungsvollen Pflege …“

Tiranu warf Lirn einen vernichteten Blick zu und stampfte völlig unvermittelt an ihm vorbei zu seiner Schwester. Yulivee konnte nur verwundert die Stirn runzeln und folgte ihrem Gatten.
Was, bei allen Alben, hatte das nun zu bedeuten?

Die Erkenntnis sickerte langsam durch ihren Geist als sie beobachtete, wie sich Tiranu zwischen den Hofmeister und seine Schwester, welche Jornowell noch immer stützte, drängte. „Ich danke für deine Hilfe, Jornowell“, sagte er. „Aber so tragisch ist deine Verwundung nun auch wieder nicht.“
Lirn kicherte nun ganz unverhohlen, richtete seine nächsten Worte aber so an sie, dass Fenryl, welcher die Befehle an die anderen beiden Elfender Gemeinschaftübermittelte, nichts mitbekam: „Wie mir scheint, fährt er seine Krallen aus, wenn es um seine Schwester geht.“

Yulivee kniff die Augenbrauen zusammen. Es war keine Seltenheit, dass Tiranu seine Abneigungdem Hofmeister gegenüber offen zelebrierte. Aber dieses Mal schien diese einen anderen Ursprung zu nehmen.

Sie schüttelte mit einem schiefen Grinsen den Kopf. „Wie hast du es ausgehalten, den ganzen Weg mit den beiden hier her zu reisen?“, richtete sie an Lirn.
Der Kobold zuckte die Achseln: „Eigentlich war es ganz interessant. Die beiden müssten nur endlich einmal erkennen, dass sie eigentlich überhaupt keine schlechte Bande wären.“ Yulivee und selbst Nessalia lächelten über die Ausdrucksweise des Lutin. In seinen Kreisen bedeutete das so viel wie eine Gruppe von Pferdedieben und Halsabschneidern. Er wandte sich zu ihr: „Aber das kannst du spätestens jetzt vergessen.“

Sie mochte den Lutin für seine lockere Zunge. Bei Hofe bekam sie von solch freizügigen Kommentaren nichts mehr mit. Doch war es zu offensichtlich, dass er versuchte, sie abzulenken. Ob nun von seinen Verbrechen oder ihrer Niedergeschlagenheit, konnte sie nicht sagen. Doch so sehr sie die Versuche des Lutin, sie für sich zu gewinnen, auch erheiterten, verging ihre Trübsinnigkeit nicht.

Es hätte alles so anders kommen können …

Fenryl hatte mittlerweile eine behelfsmäßige Trage aus den Mänteln der Jagdgemeinschaft erbaut. Yulivee bezweifelte aber, dass sie den schweren Weg bis hinauf zu der Vulkanspitze, wo der nächste Albenstern lag, überstehen würde.

Deshalb blickte sie in den vernebelten Himmel, wo Wolkentaucher und sein kleines Gefolge noch immer ihre Runden drehten. 'Ich danke dir, König Wolkentaucher. Ohne eure Hilfe, wäre es unmöglich gewesen, den Drachen zu bezwingen. Doch eine letzte Bitte muss ich an dich richten. Kannst du meinen verstorbenen Kameraden hinauf zur Vulkanspitze bringen? Von dort werden wir ihn nach Elfenlicht bringen.'

Sie konnte seine Zustimmung spüren, die gleich von seinem Sturzflug in die Tiefe gefolgt wurde.
Endlich würden sie wieder zurück nach Hause kehren.

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Ein fettes Dankeschön an meine Reviewer Sarawyn und Viktory! Ich hoffe, dieses Kapitel hat euch ebenso gefallen. Nach solch einem Kampf kochen die Emotionenhoch^^

Langsam aber sicher blicken wir auch hier dem Ende entgegen. Ich schätze, es kommen noch ein bis zwei Updates. Danke, dass ihr immer so fleißig mitgelesen und reviewt habt!

Liebe Grüße; Morwenna
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