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Schatten der Vergangenheit

von Riniell
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer / P16 / Gen
Fenryl Tiranu Yulivee
29.06.2009
05.10.2010
37
91.669
1
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118 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
29.06.2009 2.380
 
Hallo, ihr Lieben!

Nun, nach wieder mal mehr als einem Monat Wartezeit für euch melde ich mich zurück. Tut mir echt riesig leid!

Wie so oft möchte ich mich bei meinen Lesern bedanken! Natürlich auch für die lieben Reviews, ihr seid super!

Auch sage ich danke – ach lassen wir das mit dem trockenen Danke ;) - ein fettes Knuddeln für alle, die „Past Becomes Presence“ beim Fanfiktion General Award nominiert haben! Gleich in zwei Kategorien! Ich hätte nicht damit gerechnet und war total überwältigt. Nun ist die Voting-Zeit angebrochen und ich möchte jedem ans Herz legen, für seine Lieblingsstory zu stimmen – es ist ein schier unglaubliches Gefühl für jeden Autor, dort vertreten zu sein :)

Nun das neue Kapitel!

___________

Giliath war ehrlich froh darüber gewesen, mit Yulivee zu ziehen, statt mit Fenryl und der restlichen Jagdgemeinschaft auf die Adler zu warten, um mit ihrer Hilfe dem Drachen gegenüberzutreten. Der Kriegerin war es lieber, festen Grund unter den Füßen zu haben.

Das war zu ihrem Leidwesen gerade nicht der Fall. Allein Yulivees Magie war es zu verdanken, dass sie nicht hunderte Fuß in die Tiefe stürzte und dort am Boden zerschall.

Giliath schluckte und drängte sich etwas näher an Yulivee, sehr darauf bedacht, sie nicht von dem überlebenswichtigen Zauber abzunlenken, den die Königin wob. Unter ihrem Füßen, so hatte es Yulivee es ihr erklärt, war eine durchsichtige, gebündelte Platte aus Magie, auf der sie in die Höhe schwebten.
„Wir sind da!“, hörte sie Yulivee finster sagen. „Dieser Ort ist voller schwarzer Magie … es ist erdrückend …“

Giliath konnte die Aura auch ausmachen, doch war diese zu schwach, als dass sie orten könnte, wo ihr Ursprung lag.
Beide Elfen betraten marmornen Grund. Sie befanden sich auf einer weitauslaufenden Terrasse unter freiem Himmel. Das alte Gemäuer vor ihnen sah wahrlich eindrucksvoll aus. Filigran errichtete Türme und Steinstreben ließen den Eindruck erscheinen, die Burg sei die Krone dieses Tals. Man musste es Silana lassen, dass sie verstand, ein geschmackvolles Versteck auszusuchen.
Aber das würde ihr letztendlich nichts nutzen.

„Fenryl ist fast hier“, flüsterte Yulivee ihr zu. „Wir müssen meine Tochter finden!“
Giliath stimmte ihrer Königin zu. Die Zeit drängte! Sie mussten Nessalia vor der Ankunft der Adler finden, damit diese Silana nicht mehr als Druckmittel dienlich sein konnte.
Das Problem war nur: Wo war die Tochter der Königin?
„Wie willst du vorgehen?“, richtete sie daher an Yulivee.

Die Magiern lächelte verschmitzt: „Bereit für einen weiteren Zauber?“ Ohne eine Antwort abzuwarten – welche ohnehin nur widerstrebend erklungen wäre – murmelte sie einige Worte der Macht.

Als Giliath erkannte, welch Zauber über sie gekommen war, lachte sie rau auf: „Ich dachte, einen solchen Unsichtbarkeitszauber verwenden nur Pferdediebe und Meuchler?“

„Nun, manches Mal ist es eben wirklich so, dass der Zweck die Mittel heiligt!“ Die Kriegerin konnte ihre Königin nicht sehen, nur ein blasser Schemen, der nur für sie erkenntlich war, zeugte von der Anwesenheit Yulivees. Die Magie der Flötenspielerin kribbelte angenehm im Magen der Elfe aus Valemas, doch diese beachtete das kaum.

Gemeinsam mit der braunhaarigen Elfe schlich sie in einen großen Saal, der sich direkt hinter der Terrasse erstreckte. Giliath schätzte, dass hier gut und gerne drei Drachen Platz finden könnten. Wohl war das hier eine alte Residenz dieser Wesen; das würde auch die dunkle Aura erklären.
Am anderen Ende des Saals klaffte ein weiterer, riesiger Ausgang zu einer Steinplatte, ähnlich derer, über die sie hineingekommen waren.

Doch Yulivee deutete nach Links, wo sich eine schlanke und filigrane Wendeltreppe zur Decke der Halle hinaufschlängelte. Ein unscheinbares Loch führte in das nächste Stockwerk.
Dort oben mussten die Schlafgemächer der einst untertänigen Elfen dieses Drachenpalastes gehaust haben, dachte sich die Kriegerin und hielt aufmerksam wie neugierig die Augen offen.

Sie lockerte gewissenhaft den Dolch in ihrem Stiefel und legte die Schwerthand an ihren Bihänder. Sollten sie auf die Blutmagierin treffen, was überaus wahrscheinlich war, wollte sie keinesfalls unvorbereitet sein, doch sie machte sich nichts vor: Die stärkste Waffe dieser zwielichtigen Elfe war ihre Dunkle Kunst. Und dieser hatte sie nicht viel entgegenzubringen.

Es wurde heller und sie stießen auf eine schmale Fenstergalerie, in der viele schlichte aneinandergereihte Türen in einfache Gemächer führten. Durch die Fensterbögen auf der gegenüberliegenden Seite drang ein schauerlicher Getöse zu ihnen. Giliath überlief ein Schauder, denn sie erkannte diesen Schrei sofort – Yulivee und sie hatten ihn bereits vor dem dem Schwarzen See gehört – nur klang er dieses Mal wesentlich lauter und um einiges bedrohlicher.

War die Elfenjagd bereits eingetroffen? Giliath konnte es nicht sagen, denn sie befand sich in einem toten Winkel zu den Geschehnissen außerhalb.
Da erklang erneut ein Brüllen und keine zwei Herzschläge später hörte die Kriegerin eine brüchige und ängstliche Stimme: „Silana?“ Es kam aus einem der Zimmer, dessen Tür einen Spalt weit geöffnet wurde. „Was ist mit Baelfyr … ?“

Die Stimme brach ab, als Yulivee vor das Zimmer eilte. Sofort wurde die Tür aufgerissen und die Königin ging auf die Knie. „Nessa!“

Giliath beobachtete, wie die Augen der kleinen Elfe groß wurden, und musste lächeln. „Yulivee!“, räusperte sie sich. „Ich glaube, sie kann dich nicht sehen …“
„Oh …“, machte Yulivee nur, aber das genügte Nessalia, um endlich zu begreifen: „Mama?!“

„Ja, Nessa, ich bin es! Und Giliath ist bei mir. Wir sind gekommen, um dich zu retten. Du bist in Sicherheit!“ Yulivee strahlte und ihr Blick lag voller Wärme auf dem Gesicht ihrer Tochter. Für einige Momente war alles andere vergessen. Giliath ließ es zu, wusste sie doch um die schrecklichen Sorgen ihrer Freundin und Herrin, obgleich ihr klar war, dass sie noch in höchster Gefahr schwebten.
„Geht es dir gut?“, setzte Yulivee erneut an und strich mit einer Hand über das Gesicht Nessalias.
„Ja, aber …“

Erneut ertönte ein Brüllen von außen, diesmal wurde er von einem Geräusch begleitet, das Giliath stark an den Schlag eines Schwertes auf Stein erinnerte.
Die Kriegerin zögerte nicht lange und eilte die Galerie entlang, bis sie den toten Winkel überwunden hatte und vom Fensterbogen aus auf ein großes Tal blicken konnte.
Es dauerte nicht einmal einen Herzschlag, da hatten ihre Augen die massige, feuerrote Gestalt des Drachen fokussiert.

Mit seinen mächtigen Klauen hatte er sich am Hang des großen Bergs festgekrallt, der sich am anderen Ende des Tals erstreckte. Sie erkannte noch zwei weitere Gestalten, die in unmittelbarer Nähe des Alten Wesen waren.
Die Kriegerin war sich sicher, dass dies zwei Elfen waren. Doch unmöglich aus der Elfenjagd!

Ihr klappte unweigerlich der Unterkiefer ein Stück herunter, als sie die Elfen, die allen Ernstes zu versuchen schienen, zu zweit den Drachen zu stellen, erkannte: „Oh, bei den Alben … Das kann doch unmöglich wahr sein!“

„Was geht dort draußen vor sich?“, erkundigte sich die Königin, die noch immer kniend ihre Tochter im Arm hielt. Inzwischen hatte sie den Zauber gelöst, sodass es Nessalia möglich war, beide Elfen zu erkennen.
Die Kleine blickte sorgenvoll zu den Fenstern, doch konnte sie aus ihrer Höhe aus wohl nichts erkennen.

Giliath wurde von Schatten abgelenkt, die sich vor die Sonne schoben. Sie blickte in den Himmel und erkannte mit Erleichterung vier der Schwarzrückenadler, die sich im Sturzflug dem Tal näherten. Endlich!
„Die Adler! Fenryl ist hier!“, flüsterte sie und atmete tief durch. „Wir müssen uns beeilen! Ich glaube, ich weiß, wo sich die Magierin befindet!“, richtete sie etwas lauter an Yulivee.

Die Elfenkönigin erhob sich und wollte zum Fenster treten, doch Giliath vertrat ihr den Weg und tat so, als sei es ein Vershen gewesen. Yulivee sollte nicht unbedingt sehen, was dort draußen vor sich ging. Sie hatte genug Sorgen! „Die Zeit drängt!“

Damit schickte sich die Kriegerin an, zu gehen; Yulivee folgte ihr.



***




Tiranu duckte sich und entwich einem Prankenschlag des Drachen im letzten Moment durch eine Rolle. Er schlitterte auf dem Geröll einige Schritt weit tiefer, konnte aber schließlich Halt an einem stalagmitähnlichen Steinauswucherung finden.

Er umklammerte sein Schwert fester als der triangelförmige Kopf der Bestie auf ihn zuschnellte. Blitzartig rette er sich hinter den aufragenden Stein, umrundete diesen und fand sich im nächsten Moment vor dem dornenbewehrten Hals des Drachen wieder.

Ein abscheuliches Geräusch erklang, als das Tier in den Untergrund biss und die Steine in seinem Maul über den Hang schleuderte.

Der Kampfplatz gereichte Jornowell und ihm zum Vorteil, denn das monströse Tier hatte hier kaum Möglichkeiten zu taktieren. Es war aber nur eine Frage der Zeit und der Drache würde sich dieser Auslieferung der Geschicklichkeit der Elfen entziehen.

Ebendeswegen mussten sie schnell handeln. Tiranu hatte den Vorschlag – wobei man eher Befehl sagen musste – gemacht, sie sollten sich aufteilen und Jornowell hatte zugestimmt. So befand sich der blonde Sohn des Alvias auf der anderen flankenseite des Drachen.

Tiranu verschwendete keine Zeit, nutzte die Chance des dargebotenen Halses und schlug zu. Wie einen Speer rammte er sein schlankes Schwert unter eine der kleineren Halsschuppen und biss die Zähne ob des enormen Widerstands zusammen. Dunkles Blut quoll aus der Wunde, doch schien dies längst nicht genug, den Drachen zu töten.

Das Tier schrie wild und gepeinigt auf. Sofort riss es seinen Hals nach oben, sodass dem Fürsten nur wenig Zeit zu reagieren blieb: Er nahm seinen Fuß zur Hilfe, um sein Schwert zu befreien.
Nachdem sich genug Platz bot, unterlief der Krieger den Hals des Drachen mit dem Ziel, den rechten Flügel des Tiers als nächste Angriffsstelle zu nutzen.

Doch Jornowell schien ihm zuvor gekommen zu sein. Er konnte den Elfen nicht sehen, doch ein weiteres, markerschütterndes Gebrüll des Alten Wesens ertönte und dazu ein Geräusch, das an das Aufschlitzen von Stoff erinnerte.

Tiranu schöpfte um Ruhe bemüht nach Atem. Anscheinend hatte ihm seine frühere Verwundung mehr abgetan als er erst glauben mochte.
Aber das war nicht alles, was ihm zusetzte. Er spürte eine merkwürdige, und doch vertraute Aura. Es war nicht die Schwarze Magie, die offenbar von der altertümlichen Drachenbaute ausging. Es war etwas anderes.

Ihm war bewusst, dass das Tier ihn vor einigen Tagen – oder waren seitdem schon Wochen vergangen? – auf der Lichtung manipuliert hatte. Er wäre nicht so kopflos auf das Wesen zugestürmt, hätte dieses nicht für kurze Zeit seine Kontrolle übernommen. Warum versuchte es das Tier nun nicht auch? Ob es der Drache mit der Blutmagierin gleichsam getrieben hatte?

Der Fürst Langollions konnte sich sehr gut vorstellen, dass dieses Ungetüm die Wut und Rachsucht Silanas ausnutze, um sich langsam aber sicher ihrer zu bemächtigen. Dies war ein uralter Trick der Drachen. Weshalb sollte die Magierin auch Nessalia – so sehr ihn dieser Gedanken widerstrebte – nicht sofort in der Burg getötet haben? Hätte Silana seine Tochter umgehend ermordet, hätte sie ihre Rache – aber dennoch die Garantie, dass er dies nicht ungerächt ließ und sie verfolgte. So wäre es viel einfacher für sie gewesen!

Nein, es war der Drache, der dies gesteuert hatte! Dieser wusste um die Macht, die noch in Nessalia schlummerte. Und er plante, diese für sich zu nutzen! Tiranu war sich sehr wohl im Klaren darüber, wie leicht seine Tochter zu verführen war – eine Eigenschaft, von der er sich sicher war, Nessalia habe sie von Yulivee geerbt – ein paar liebe Worte und man hatte sie um den Finger gewickelt.

Und diese Aura des Drachen…

Tiranu wich einem Hieb des Flügels aus. In das Alte Wesen war erneut Leben gekommen und der Fürst erkannte die Intention des Tiers: Es wollte sich in die Lüfte zurückziehen!

Tiranu wollte nun doch zu einem Angriff auf den Flügel ansetzten, aber erneut schlug der Kopf des Drachen wie der einer Viper zu ihm. Diesmal musste sich der Fürst einige Schritt zurück in Sicherheit bringen.
Ein Fluch schlich sich über seine Lippen, als er erkannte, was der Drachen vorhatte: Die hellen Augen glühten tödlich auf, als das Tier sein Maul aufriss, um seinen Feueratem auszuspeien.

Doch wieder war Tiranu schneller als der Drache und er hechtete erneut hinter den aufragenden Stein. Der Elf konnte die sengende Hitze des Feuers spüren, doch blieb er von diesen Brünsten verschont.

Natürlich war das eine willkommene Einladung für das Alte Wesen, die Flucht zu ergreifen.
Da ertönte ein schriller Schrei, der Tiranu vertraut und mehr als nur gut in Erinnerung geblieben war. Es klang wie die erbitterte Kampfessaufforderung des Himmels selbst.
König Wolkentaucher!

Dessen ungeachtet erhob der Drache seine Flügel und der gesamte Untergrund erbebte, als die erzeugten Luftwellen den Boden zum Vibrieren brachte und der Drache abhob.

Atemlos trat der Sohn Alathaias aus dem Schutz des Steines und suchte den Himmel nach Zeichen des Schwarzrückenadlers ab. Er war überwältigt zu sehen, dass gleich vier der riesigen Vögel ihre Schatten auf den fernen Grund zeichneten.

So sehr er diese Tiere normalerweise mied – was vor allem auf gegenseitiger Abneigung herruhte – so erleichtert war er nun doch, sie zu sehen.

Die Schwarzrückenadler eilten dem Grund des Tals entgegen, wo es aussah, als würden sie eine Last verlieren. Anschließend erhoben sie sich wie Pfeilgeschosse erneut in die Lüfte.
Tiranu erkannte vier Elfen auf der Wiese weit unter ihm. Das musste die Elfenjagd sein!

Er suchte mit den Augen nach Yulivee, doch er konnte lediglich Fenryl und einige andere Krieger ausmachen. Wo war sie?

Der Fürst holte erneut tief Luft und schleuderte das Blut von seiner Klinge, um diese wieder in die Scheide zu stecken.
Erst jetzt wandte er den Blick zu seinem Begleiter – und hob verwundert eine Augenbraue: Jornowell war über und über mit dem Blut des Drachen begossen. Wahrscheinlich hatte er den Flügel des Tiers von unten herauf aufgeschlitzt. Der Hofmeister wischte sich das bereits abperlende Blut aus dem Gesicht und sah ihn giftig an.

Tiranu konnte sich eines spöttischen Lächelns nicht erwehren, als ihm eine alte Spitze Jornowells einfiel: „Und du nennst mich einen schmierigen Schwertbanausen?“
Jornowell schnaubte und wrang sich die Haare aus. Irgendetwas murmelte er vor sich hin, doch das interessierte den Fürsten schon gar nicht mehr.

Seine Miene war wieder ernst geworden, als er seinen Blick in das Tal lenkte.
Der Drache gewann immer mehr an Höhe – seine einzige Fluchtmöglichkeit, denn Wolkentaucher und seine Gefährten schnitten ihm den Weg ab – und schon bald würde er durch die Wolkendecke stoßen. Doch er war von den Adlern verfolgt, die fast doppelt so schnell zu sein schienen wie er.

Tiranu erkannte den Plan der Elfenjagd: Die Adler sollten den Drachen zu Fall bringen. Und die Krieger würden den Rest erledigen.

Es würde nicht lange dauern, bis es so weit war. „Schnell, wir müssen uns beeilen!“, rief er über seine Schulter und machte sich an den Abstieg.

Nur allzu genau wusste er aber auch, dass es noch lange nicht vorbei war.
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