Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Schatten der Vergangenheit

von Riniell
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer / P16 / Gen
Fenryl Tiranu Yulivee
29.06.2009
05.10.2010
37
91.669
1
Alle Kapitel
118 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
29.06.2009 2.101
 
Hey, ihr Lieben!

Wie ihr seht, geht’s „schnell“ voran. Endlich(!!) habe ich die Schriftlichen hinter mir und ein wenig Zeit zum Schreiben.

Diese Story hat inzwischen Ausmaße angenommen, wie ich sie nie erwartet hätte: Über einhundert Reviews! Ich bedanke mich tausend Mal! Ohne euren Zuspruch wäre ich wohl heute nicht mit diesem Kapi hier ;)

Und noch eine persönliche Anmerkung: Ich weiß, eigentlich sollte man für sich selbst nicht Werben, deswegen betrachtet es als eine Art Aufruf: Ich würde mich riesig freuen, wenn 'Past Becomes Presence' bei den FanFiktion-Awards im Bereich „Sonstige Bücher“ vorgeschlagen würde. Mir ist klar, dass man sich auf dieser Abstimm-Seite, deren Link in Helges Block zu finden ist, erst anmelden muss, aber das geht auch echt schnell und ihr würdet mir eine riesen Freude machen! ;)

Als denn, ich will euch nicht länger langweilen: Das neue Kaps, welches all meinen Reviewern gewidmet ist!

_________________


Gesprengte Ketten

Vier Fingernägel schabten über die Haut seines Handrückens und hinterließen lange Striemen. Er kämpfte mit dem Schmerz und der brennenden Atemnot in seiner Brust, schwang aber dennoch seinen zweiten Arm über den Abgrund.

Ihm war der einschneidende, animalische Schrei nicht entgangen, der noch immer im Tal widerhallte. Einen solch bedrohlichen Ton hatte er noch niemals vernommen.
Und eine innere Befürchtung wurde schon viel zu früh wahr: Sie hatten den Drachen entdeckt!

Aber wo war die Königin?
Sie konnten die Elfenjagd doch unmöglich überholt haben!

Jornowell wurde von dem brennenden Spannen in seinen Muskeln in diesen Gedankengängen unterbrochen.
Er musste sich die Arme aufgeschürft haben …

Langsam stemmte er seinen Oberkörper gegen den harten Stein und zog das Gewicht an seinen Händen über die Felskante.
Er nahm kaum wahr, wie Tiranu an seine Seite kam und ebenfalls nach der Elfe griff. Die Erleichterung, die Heilerin gerettet zu haben, überwog.

Gemeinsam gelang es ihnen schließlich, Morwenna über die Kante zu ziehen. In ihren Augen stand der Horror, doch sie schien unverletzt. Geistesgegenwärtig zog Jornowell sie und ihren Bruder sofort von der Felsenspitze fort, hinunter auf sicheren Grund.
Lirn hatte dort ganz steif und mit eingezogenem Kopf die ganze Szenerie verfolgt, nun aber starrte er mit schreckensweiten Augen hinüber auf das abendrote Tal.

Während er Morwenna dem Schutze Tiranus überließ, folgte Jornowell dem besorgten Blick des Lutin – und erstarrte ebenfalls.



***



Silana fuhr sofort auf, als sie den Schrei des Drachen vernahm. Sie war vollkommen überrumpelt von den Gedankeneindrücken des Alten Wesens, hatte sie denen in den vorgehenden Minuten kaum Beachtung geschenkt.

Baelfyr war jagen gewesen, Nahrung für sich selbst und die beiden Elfen zu beschaffen. Gerade hatte sich Nessalia danach erkundigt, wann denn das Gamsfleisch, das über einer schwachen Glut briet, bereit zum Verzehr sein würde, da hatte dieser markerschütternde Schrei durch das alte Gebälk gewütet und Silanas Gedanken wurden von den alarmierenden Eindrücken Baelfyrs überlagert.
Sie teilten ihr nur eines mit: Tiranu und einige Gefährten hatten sich aus südwestlicher Richtung genähert. So weit, dass sich ihr Versteck wohl nicht mehr lange als ein solches erweisen würde.

Die Blutmagierin sprang auf und das Elfenmädchen tat es ihr erschrocken nach. „Was ist los?“ Silana überlegte fieberhaft, wie sie nun verfahren sollte.
Alles verlief ganz falsch! Die Elfenjagd hätte ihnen so nah nicht kommen dürfen und schon überhaupt nicht sollte Tiranu unter ihnen sein!

„Nessalia, begebe dich hinauf in das Turmgemach … warte dort auf meine Rückkehr!“, wies sie an und sah zufrieden, wie Nessalia erst zögerlich dreinblickte, dann aber eilig den Anweisungen Folge leistete.

Unsicher, was nun zu tun war, eilte Silana hinaus auf die weite Terrasse, wo sie Baelfyr vorfand. Der majestätische Drache hatte sich auf die Hinterläufe erhoben, die Schwingen weit ausgebreitet, jede Sekunde bereit, wie ein tödlicher Pfeil in die Luft zu schnellen.

„Zeige mir, was du siehst!“, rief sie laut aus, obgleich sie wusste, dass er ihre Gedanken genau zu verstehen vermochte.
Fast augenblicklich spürte sie die fremden Gedankeneindrücke, die sich in ihr Bewusstsein schlichen. Sie öffnete sich diesen Wahrnehmungen und erschrak: Vor ihren innerem Auge tauchten die Bilder ihrer Umgebung auf, nur waren jene viel schärfer und deutlicher, als Silana sie jemals hätte wahrnehmen können.
Sie sah den riesigen grauen Vulkan jenseits des grünen Bergtals; von sich lichtenden Nebelschwaden umgebende Felsen nahmen ihren Fokus ein. Und eindeutige Konturen elfischer Gestalten. Sie machte drei von ihnen aus, sah, wie sie hinter der Kante eines großen Felsens Schutz suchten.
Doch zu spät; Silana hatte einen von ihnen bereits erkannt. Es war Tiranu und wie er diese dunkelhaarige Elfe an sich gepresst mit sich gezogen hatte, ließ nur einen Schluss: Das musste Morwenna sein, seine jüngere Schwester!

Sie löste sich von den übermannenden Einrücken und konnte ein spitzes Lachen nicht unterdrücken: „Du machst es mit wahrlich zu leicht, Fürst!“ Sie konnte nicht fassen, dass er seine eigene Schwester solch einer Gefahr ausgeliefert hatte, das obgleich sie eines ihrer Ziele war!

Sie lächelte weiter und die gesamte erwartende Anspannung der letzten Tage fiel von ihrem Gemüt ab, endlich gab es etwas zu tun! Endlich konnte sie ihre Macht und die des Drachen entfesseln!

Nun würde Tiranu erfahren, wie es war, eine geliebte Person zu verlieren, die einen schon seit der Kindheit nicht von der Seite gewichen war.
„Töte sie, Baelfyr. Verschone niemanden bis auf Tiranu! Ihn bringst du zu mir!“, schrie sie und fast sogleich stieß sich der Drache von der weiten Plattform ab. In Gedanken warnte sie ihn aber nachdrücklich: Wenn dies eine Falle der Elfenjagd sei, sollte er nicht zu viel Wagnis eingehen und umkehren!

Währenddessen suchte sie mit ihren eigenen Augen die Umgebung ab.
Irgendwo musste sich doch gewiss noch die Königin und der Rest der Elfenjagd aufhalten!



***



„Dort hinten!“, schrie Talina.
Fenryl brauchte die Stimme seiner Jagdgefährtin nicht zu vernehmen, was ob des starken Zugwinds ohnehin schier unmöglich war. Er sah selbst, wie sich vor ihnen die Wolkendecke teilte und einen hervorragenden Blick auf den Landschaft unter ihnen bot.

Talina, Hildan und Vanaran waren ebenso wie er selbst den Schutz der Adler ausgeliefert: Wie Jagdbeute befanden sich die Elfen in den Krallen der Flugtiere, weit über jedem Grund und Boden, selbst über der Wolkendecke, wo sie den Winden keine Angriffsfläche darboten.

Gleich, nachdem er Yulivees Ruf durch Wolkentaucher vernommen hatte, waren er und seine Gefährten aufgebrochen. Was Giliath und die Elfenkönigin zu Fuß zurückgelegt hatten, nahmen die Schwarzrückenadler in den Stunden seit dem frühen Morgen.
Die Sonne war nun fast untergetaucht, nur ein letztes Rot zeugte noch von ihrer Anwesenheit.
Und endlich! Es zeichnete sich Erfolg ab auf ihrer Mission.

Yulivee hatte berichtet, sie habe den Drachen gesichtet und weit später hatte sie ihm mitgeteilt, das Versteck der Blutmagierin ausgemacht zu haben.
Fenryl, der Adlerfürst, wusste, dass ebenjenes ganz in der Nähe sein musste. Auch Wolkentaucher, in dessen Krallen er sich befand, bestätigte dies.

Der König der Schwarzrückenadler erkundigte sich, ob er seinem Namen alle Ehre machen und unter die Wolkendecke tauchen sollte. Fenryl wies ihn an, zuerst Kontakt zu Yulivee aufzunehmen, um herauszufinden, wie weit diese gekommen war.

Wolkentaucher drehte ab und flog eine Weite Schleife, um nicht über den Riss in der Wolkendecke hinaus zu fliegen. Alsbald nahm Fenryl die Seele Yulivees in seinen Sinnen wahr, denn Wolkentaucher hatte eine Brücke zwischen ihnen erbaut.

'Fenryl!', hörte er Yulivee sagen, oder vielmehr in Gedanken an ihn richten.
'Ich höre dich, Königin', antwortete er sogleich, 'wir befinden uns wohl in eurer Nähe, denn wir haben mit den Adlern jenen Ort erreicht, an dem du dem Drachen erstmals begegnetest.'

'Das ist gut zu hören, mein Freund. Giliath und ich überquerten den schwarzen See, welchen ich Wolkentaucher beschrieb; wir sind vor geraumer Zeit am anderen Ufer angekommen, wo wir uns nun daran machen, die Felsen zu erklimmen …' Sie brach kurz ab. Fenryl war verwundert, als er den plötzlichen Schmerz Yulivees vernahm.

Noch bevor sie aber antwortete, wusste er, was geschehen war. 'Ich habe mich wohl an dem Felsen verletzt', berichtete sie recht nüchtern, 'Ich denke, wir haben schon zu lange die konventionelle Art des Bergsteigens betrieben es wird Zeit etwas … Anderes auszuprobieren.'

Fenryl verkniff sich einen Kommentar zu dieser äußerst unköniglichen Ungeschicklichkeit Yulivees und drängte sie stattdessen zur Vorsicht.
'Keine Sorge, Fenryl - Übrigens: Ich kann deine Gedanken lesen, dass ist dir doch klar, oder? - Ich bin vorsichtig, doch die Zeit drängt. Giliath und ich haben einen grässlichen Schrei des Drachen vernommen … Ich habe ein ungutes Gefühl!'

Damit war die Verbindung abgebrochen. Fenryl schüttelte den Kopf.
'Bringt uns runter!', wies er somit alle Adler gleichzeitig an und schon nahm er den harten Windzug des Absturzes war.


***



Tiranu barg seine Schwester hinter sich im Schutze der Felskante. Ihr Atem ging rasselnd und sie keuchte schwer.
Für einige, schwere Momente hatte er sie verloren geglaubt, als der Boden unter ihren Füßen zerbrochen war. Dann jedoch hatte er gesehen, dass Jornowell in seinem verzweifeltem Versuch, sie doch noch vor dem Tode zu bewahren, tatsächlich Erfolg gehabt hatte. Sogleich war er ihm zur Hand gegangen und gemeinsam war es ihnen gelungen, seine Schwester in Sicherheit zu bringen.

Nur war fraglich, wie lange diese Sicherheit währen würde. Nachdem er sich wieder gefasst hatte, machte Jornowell ihn nämlich auf die Tatsache aufmerksam, dass der Drache nicht weit zu sein schien, er befand sich auf der Terrasse jenes alten Gebildes, das jenseits des Tals lag.
Und er hatte sie allen Anscheins nach entdeckt.

Es blieb nun keine Zeit mehr für großes Überlegen, denn Tiranu sah aus den Augenwinkeln heraus, noch im Schutz der Felskante, wie das mächtige Tier sich mithilfe seiner Schwingen in die Luft erhob.
Es war nur zu offensichtlich, dass er auf sie zuhielt.

Verflucht! Wo war nur die Jagdgemeinschaft?! Wo, bei den Alben, war Yulivee abgeblieben? Sie mochte doch nicht bereits in der Gewalt der Magierin sein...?

Ärgerlich wandte er sich zu Jornowell um, der ihn mit einem ersten Ausdruck bedachte und sofort leicht nickte; er schien ganz genau zu wissen, was Tiranu im Sinn stand.

„Morwenna, bleibe mit Lirn hier und rühre dich nicht von der Stelle“, richtete er an seine Schwester und sah dann hinab zu dem Kobold, der wie versteinert wirkte. „Sollte es zum schlimmsten Fall kommen, flieht ihr durch den Albenstern …“
Lirn wollte widersprechen und Tiranu konnte sich den Grund wahrlich denken: er war vermutlich um einiges zu schwach, einen Albenstern zu öffnen. Doch das war nun das geringste Problem!

Der Fürst wollte sich schon umwenden, doch kam ihm Jornowell dazwischen: „Hältst du es wirklich für klug, zu zweit gegen einen Drachen anzutreten?!“ Tiranu wunderte sich, hatte der Hofmeister doch gerade noch so sicher ausgesehen. „Ich möchte nicht auch als ein Opfer deiner Rachegelüste enden!“

„Nun wir sind nicht die ersten, die das tun werden, oder irre ich mich?“, fuhr er ihn an. Er hätte von Jornowell nicht erwartet, so duckmäuserisch vor dem Kampf gegen den Drachen zu sein.

„Natürlich nicht, aber wir sind nicht vorbereitet … wir sollten wieder durch den Albenstern, um …“
Tiranu wollte erwidern, dass er vor einem Kampf nicht floh, es sei denn, es war der Vernunft unterstellt, was hier nicht der Fall sein konnte, denn es war bereits zu spät zu fliehen – Der Elfenfürst konnte bereits die Flügelschläge des Drachen vernehmen.

Auch der Hofmeister registrierte dies.
Er atmete tief durch, nickte und streifte sich schließlich ebenso wie Tiranu den Mantel von den Schultern. Nur nebenbei bemerkte der Fürst, dass die Sonne untergegangen war.
Entschlossen trat er hinter dem Felsen hervor; vorrangig war nun, eine gute Taktik anzuwenden.


***



Morwennas Hand klammerte sich an den scharfkantigen Felsen, welcher sie und den Lutin vor den Blicken des Drachen schützen sollte, als fürchtete sie, erneut in die Tiefe zu stürzen.

Sie vermochte nichts zu sagen oder tun als sie Jornowell und ihren Bruder gehen sah. Sie war ganz starr und taub, wenngleich eisige Ströme ihr Innerstes zu durchlaufen schienen. Sie bemerkte nicht einmal, dass sie zitterte und selbst wenn sie es täte, hätte sie es doch nicht zu verhindern mögen.

Wie mechanisch lehnte sie sich gegen den kühlen Felsen und bedachte den aufsteigenden Gipfel des Vulkans, der sich vor ihr erstreckte.
Sie wusste, sie musste hier bleiben; sollten sich Tiranu oder Jornowell im Kampf verwunden, würde sie gebraucht, schließlich war sie deswegen hierhin mitgezogen.

Sie nahm ihre Umwelt kaum noch wahr, auch nicht den starrenden Blick des Lutin, der ebenso unter einem Schock stand wie sie.



__________


Uiuiui...
Na, wenn das mal nicht spannend wird … Tiranu scheint voll in seinem Element zu sein, was Taktieren angeht, Yulivee und Giliath, Fenryl und die Jagdgemeinschaft in ihrem Rücken, erreichen bald das Versteck Silanas und Lirn und Morwenna (klar, sie wäre ja fast gestorben) befinden sich in einer Art Schockstarre.


Man wird sehen, wie sich das Ganze fügt!
Bis dahin
Morwenna
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast