Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Schatten der Vergangenheit

von Riniell
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer / P16 / Gen
Fenryl Tiranu Yulivee
29.06.2009
05.10.2010
37
91.669
1
Alle Kapitel
118 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
29.06.2009 1.515
 
Hallöchen!
Zunächst einmal möchte ich mich ehrlich dafür entschuldigen, dass ich soo lange kein Piep mehr von mir gegeben hab - Ihr kennt ja inzwischen die Gründe.
Dann seht ihr hier ist das neue Kapitel ;) Die Gruppe um Lirn und Tiranu trat im letzten Kapitel wie ihr wisst durch einen Albenstern, der sie weiter ins Gebirge bringen sollte.
Yulivee und Giliath kamen dem Versteck Silanas' immer näher, bis sie von jemandem überrascht wurden.

Wies weitergeht, seht ihr gleich nachdem ich mich bei meinen lieben Reviewern bedankt habe. Ihr Seid super und ich freue mich jedes Mal! :)

__________


Der Kreis schließt sich


Yulivee verlor ihren Atem, die Lungenflügel schmerzten, als wären sie entzündet. Ihre zierlichen Füße waren schwer, als hätte man Gewichte aus Blei an sie gehängt.
Doch sie rannte weiter.
Seit Giliath und sie den Drachen an den Felsklüften gesehen hatten, waren sie der Richtung gefolgt, in die er geflogen war.

Sein Anblick war mehr als beängstigend gewesen – auch wenn er nicht so groß war, wie die Drachen, von denen aus alter Zeit berichtet wurde. Seine glutglänzenden Schuppen waren wohl fingerdick und kaum mit einer gewöhnlichen Lanze zu durchbohren. Seine mächtigen Schwingen waren der einzige Schwachpunkt des Alten Wesens, und genau dies würde ihm zum Verhängnis werden.

Sie hatte durch ihre Kraft des Windsingens Kontakt zu Wolkentaucher aufgebaut – dieser hatte umgehend Fenryl über die Neuigkeiten unterrichtet. Der Elfenfürst hatte sich sofort auf den Weg gemacht, um sie mit der restlichen Elfenjagd, nun da das Ziel bekannt war, zu unterstützen.

Yulivee konnte immer noch nicht glauben, welch Glück sie nun doch in diesem Meer aus Pech zu haben schienen. Erst hatte sie ihren Augen nicht trauen mögen, als sie das mächtige Wesen an ihnen vorbeiziehen sah – einige Momente war sie nur starr dagestanden, bis Giliath ihre Aufmerksamkeit gefordert hatte. So hatten sie seine Spur aufgenommen.
Die Sonne war schon seit geraumer Zeit untergegangen und sie folgten immer noch der Richtung, die so vielversprechend war.

„Sieh!“, rief Giliath aus und ihre Stimme klang ungewöhnlich laut.
Die Elfenkönigin holte die Kriegerin ein und war verwundert, als sie durch die enge Felsspalte trat, durch die ihre Begleiterin verschwunden war.
Das erste, was Yulivee verwundert feststellte, war die angenehme Windstille. Hier rührte sich keine Brise, auch kein Schneefall.

Die Ebene, die sich vor ihnen erstreckte, war fast vollkommen schwarz und erst auf den zweiten Blick erkannte Yulivee, was es damit auf sich hatte: Ein riesiger, schwarzer See lag vor ihnen. Seine Ufer waren nur karg mit Pflanzen bewachsen und diese verloren sich bald in den zerklüfteten Felswänden, die das gesamte Tal einkreisten.
Yulivee konnte die Macht mehrere Albenpfade spüren, die ihren Knotenpunkt auf dem Grund des schwarzen Sees fanden.

Doch noch eine andere, viel präsentere Macht drängte sich wie die Spitzen von hunderten Pfeilen in den Vordergrund.
Yulivee hatte diese Macht schon einige Male gespürt; sie sog die Kraft aus allem Leben, das es umgab: Die schwarze Magie.
Der ganze Ort war wie mit Wassermassen von dieser Macht begraben. Der See glich dem Tod selbst.

Yulivee überlief ein kalter Schauder, als sie hinauf zu den Klippen sah. Wie Dornen ragten dort filigrane Türme in den Himmel die in der Ferne verschwanden.
Giliath lächelte müde und erleichtert, wahrscheinlich war sie mehr als nur froh, endlich die freien Klippen hinter sich gelassen zu haben. Mit einer Euphorie in der Stimme, die so gar nicht zu der hartgesottenen Kriegerin passen wollte, meinte sie: „Also, wenn ich raten müsste …“
Ein markerschütternder Schrei, der sein Echo in den Felswänden fand, ertönte und unterbrach Giliath barsch.

Yulivee blickte besorgt zu den spitzen Dächern auf der Felsklippe ihnen gegenüber empor. Dort war der animalische Schrei erklungen. Und dort musste auch ihre Tochter sein.

***

Tiranu hatte kaum den Albenpfad betreten, da sah er schon, wie Lirn ihn wieder durch ein zweites Tor verließ.
Es schien, als wäre hier, weit tiefer im Schlund des Gebirges, der Wind nicht vorhanden. Der Elf runzelte die Stirn als er seine Umgebung bedachte.
Sie waren auf einem hohen Felsplateau gelandet, das sich todesmutig über einen tiefen Abgrund streckte. Ihm war, als stünden sie inmitten eines riesigen Felstrichters, auf der einzigen spitzen Felsnadel, die von der Wand bis fast zur Mitte ragte.
Obwohl Tiranu schwindelfrei war, hielt er ein wenig Abstand zu dem Abgrund. Was er dort unten aber entdecken konnte, überraschte ihn. Ein wahres Arsenal an Pflanzen wucherte an den Wänden in die Höhe. Farbenprächtige Blüten setzen bunte Tupfer in den grauen Schlund, in dessen Mitte sie sich aufhielten.

„Wir befinden uns im Kelch des großen Vulkans von Ishemon.“, hörte er Jornowell sagen und wandte sich um. Auf einen undeutbaren Blick Morwennas hin, lächelte der Sohn von Alvias schelmisch: „Keine Bange, er bricht nur alle paar hundert Jahre aus.“

Seine Schwester wandte sich einfach nur von dem Hofmeister ab und sah gespannt zu ihm hinüber.
Der Fürst hatte aber seine Aufmerksamkeit längst auf etwas anderes gerichtet: Der Lutin torkelte erschöpft zu der Felswand und sah interessiert an ihr hinauf; erst auf den zweiten Blick zeichnete sich dort eine dünne, doch nicht aus Strick gefertigte Stufenleiter. Das merkwürdige Gebilde musste schon einigen Ausbrüchen des Vulkans standgehalten haben, denn es sah arg mitgenommen aus.
Aber es schien so, als wäre sie der einzige Ausweg aus dem feuerspeienden Berg.
So machte sich die kleine Gruppe aus den drei Elfen und dem Kobold daran, die Leiter zum Ende des Kraters zu besteigen.

Als sie das Freie erreichten, standen sie auf dem obersten Gesteinsring des Berges. Viel Schutt und Geröll machte es ihnen schwer, Halt unter den Füßen zu bekommen.
Doch Tiranu bereitete das Problem, wie sie von den steilem Hang hinunter kommen sollten, mehr Sorgen, denn wer immer der Erbauer der merkwürdigen Leiter war, er hatte keine Hilfe zum Abstieg des Vulkans geschaffen.
Trotz seiner scharfen Augen konnte er nicht sehen, was am Grund des Vulkans lag. Aber er war fähig, die Höhe des gesamten Berges in etwa abzuschätzen, da er in seinem Inneren bis ganz bis zum Grund hatte sehen können.

Die dünne, von Wolken verhangene Luft so weit über dem Meeresspielgel machte seinen Begleitern und auch ihm zu schaffen. Deswegen entschied er sich, den Abstieg schnellstmöglich an einer nicht ganz so steilen Stelle zu beginnen.
Jornowell trat neben ihm, als er eine passenden Stelle gefunden hatte. „Ich habe das Gefühl, dort unten erwartet uns nichts Gutes.“

So sehr er den Hofmeister verachtete, so sehr teilte er nun dieses Gefühl. Was erwartete sie dort unten im Ungewissen? Hatten sie die Elfenjagd bereits überholt?
Tiranu sah hinüber zu Lirn. Bevor er dort hinunter ging, wollte er wissen, was sie erwartete. Doch den Kobold vorauszuschicken war kein guter Einfall; er war viel zu schwach, um überhaupt anständig laufen zu können, es wäre unmöglich, dass er sich verwandelte und die Gegend auskundschaftete.
Also hatten sie keine Wahl.

Tiranu war der erste, der sich über den schmalen Felsgrat wagte. Das Geröll unter seinen Stiefeln gab nach, doch er war zu schnell, um darauf auszurutschen.
Er hörte, wie Morwenna, Jornowell und Lirn es ihm nachtaten. Bald lichteten sich die dunklen Wolken, die wie ein Leichentuch um die Bergspitze gelegt waren, auf. Nur noch sanfter Nebel umgab die Gefährten.

Der Fürst Langollions entschied, einen der Felsvorsprünge zu nutzen, um die Ebene vor dem Vulkan betrachten zu können. Er lenkte seine Schritte in die Richtung eines fast waagerechten Felsen und bedachte von seinem Standpunkt aus die Umgebung. Alles, was er sah, prägte er sich gründlich ein.

Vor ihnen erstreckte sich eine weite, satte Wiese. Sie war von steilen Felsmauern umrandet und leuchtete sanft im letzten Licht der untergehenden Sonne.
Ein prächtiges Gebilde zeichnete sich gegen den dunklen Himmel auf der anderen Seite des Tals ab. Es war eine filigran ausgearbeitete Baute, der man aber schon ansehen konnte, dass sie seit Jahrhunderten leerstand.

„Die Elfenjagd ist nirgends zu sehen, wir müssen sie verpasst haben …“ Er registrierte Jornowells Worte kaum, denn neben diesem seltsamen, palastartigen Gebilde, forderte etwas völlig anderes seine Konzentration.
„Spürst du das auch?“ Morwenna trat zwischen ihn und Jornowell vorbei; ihre Worte bestätigten nur seine Gedanken.
Sie mussten sehr nah sein!

Urplötzlich war ein hohles Knacken zu hören und keine zwei Herzschläge später gab der Fels unter ihren Füßen nach.
Tiranus Instinkte waren schneller als er selbst, er konnte sich gerade noch mit zwei schnellen Schritten nach hinten retten, bevor die Felsspitze in die Tiefe zu stürzen drohte. Er schnellte noch einmal nach Vorn, um die Hand seiner Schwester zu erwischen, doch diese rutschte ohne Halt ab.
Neben ihm kam Bewegung in Jornowell, der weiter hinten als die Geschwister gestanden war. „Morwenna!“ Er warf sich auf das letzte Stück der Felsspitze, das erhalten war und griff in den Abgrund.

Tiranu konnte nicht weiter gehen, als er gegangen war. Hilflos musste er mitanhören, wie seine kleine Schwester einen spitzen Schrei ausstieß und wie der Fels am Boden zerschellte.
Ihr Schrei, der Tiranu unwirklicher als alles, was er in den letzten Tagen durchmachte, erschien, hallte im gesamten Tal wieder.

Fast im selben Augenblick erschallte ein weitaus lauterer, gellender Schrei.
Tiranu wusste sofort, wer diesen bedrohlichen Laut ausgestoßen hatte, denn er hatte ihn schon einmal, bei dem Tod seiner Mutter in Merleth vernommen: Der Drache!
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast