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Schatten der Vergangenheit

von Riniell
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer / P16 / Gen
Fenryl Tiranu Yulivee
29.06.2009
05.10.2010
37
91.669
1
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29.06.2009 941
 
Kapitel 1
Verschwunden und gefunden



Sternenglanz und Mondlicht erhellten die Nacht. Ein kühler Lufthauch ließ ihr Nachthemd leise rascheln und blies ihr das haselnussbraune Haar von den Schultern.
Die Ebene war in ein weißes Kleid gehaucht. Einzelne Kristalle fielen vom Himmel und durchbrachen den dunklen Schleier der Nacht. Der Winter war milde und wundervoll in diesem Jahr.
Gierig sog sie die klare, kalte Luft in ihre Lungen. Sie schloss die Augen, als sie eine warme Hand auf ihrem Rücken fühlte. Tiranu.
„Sie schläft endlich!“, sagte er leise und trat neben sie an das Balkongeländer hoch über der festen Welt. „Ich glaube, die Schlittenfahrt hat uns mehr geschafft, als sie.“
„Entweder das, oder die Schneeballschlacht“, entgegnete sie grinsend.
„Willst du damit irgendetwas bestimmtes sagen?“ Sein Ton lang herausfordernd.
„Naja, es ist schon amüsant gewesen, wie du verzweifelt versucht hast, dich gegen ein kleines Mädchen zu wehren!“ Sie konnte den spöttelnden Unterton nicht verkneifen.
„Sie hatte Unterstützung!“, verteidigte er sich. Yulivee musste auflachen. Zu gern erinnerte sie sich an die beiden Albenkinder, die Tiranu erbarmungslos mit Schnee beworfen hatten. Der kleine Kobold war Nessa nur allzu gerne zur Hilfe gekommen.
Sie wandte sich um. „Du warst ja so tapfer!“, säuselte sie. Er kniff die Augen zusammen und stieß ein gequältes Lachen aus. Er kam auf sie zu und legte seine Hände an ihr Gesicht. „Danke übrigens für deine Hilfe, meine Königin!“ Seine Stimme schwang in Sarkasmus. Seine dunklen Augen reflektierten das Licht der Sterne.
„Ich war leider zu beschäftigt damit, mir den vor Lachen schmerzenden Bauch zu halten. Verzeih, Liebster!“
Bevor er etwas erwidern konnte, nahm sie seine Lippen in einen fordernden Kuss gefangen. Einen kurzen Moment verharrte er, dann schlang er seine Arme um ihre schlanke Gestalt und drückte sie fordernd an seinen Körper. Mit sanften Druck erwiderte er den Kuss.
Als sie sich nach viel zu kurzer Zeit wieder voneinander lösten, sahen sie sich in die Augen.
„Es ist ziemlich kühl hier draußen, wollen wir nicht rein gehen?“, bot er an. Yulivee lächelte schief.
„Liebend gerne!“

~~~

Nessalia suchte schon seit Stunden jeden Winkel des Palastes ab, doch er war unauffindbar. Sie ließ die Schultern hängen und stemmte die Hände in die Hüften. Seit dem Ausflug mit ihren Eltern gestern Früh war ihr Koboldfreund Bohr spurlos verschwunden. Da er keine Eltern hatte, konnte sie auch nicht diese fragen. Auch sonst wusste niemand, wo er war.
Ihr Vater meinte ja, dass er gewiss wieder auftauchen würde, doch sie bezweifelte dies. Da war dieses flaue Gefühl in ihrem Magen
Wo sollte er denn hingegangen sein? Er lebte hier im Schloss und half in der Küche aus. Er hätte es ihr gesagt, wenn er auf reisen gehen würde. Und wenn schon nicht ihr, dann jemanden anders.
Ob das etwas mit diesem Stein zu tun hatte? Ein klammes Gefühl machte sich in ihr breit. Es war ein augenscheinlich schlichter Stein, doch ihm hatte etwas innegewohnt. Sie hatte es gespürt.
Sie hatte ihrem Freund versprechen müssen, niemandem etwas zu sagen. Ob sie ihr Versprechen brechen sollte? Immerhin hatte sie ihn nicht mehr gesehen, seit er mit dem Stein verschwunden war. Sie machte sich doch Sorgen!
Fast schon verzweifelt setzte sie ihre Suche fort, auch wenn sie wusste, dass es nichts bringen würde.

~~~

Eisblaue Augen streiften über die versammelten Krieger in dem kleinen, von Kerzenleuchtern erhellten Raum. Ihre Hände krallten sich in die Stuhllehnen. Trotz ihrer Anspannung musste sie lächeln. Endlich war es soweit.
Faeglon trat zwischen den Reihen hervor. In der Hand hatte er einen ledernen Strick. Der Kobold versuchte nichteinmal mehr, sich zu wehren. Erbärmlich. In der anderen Hand hielt ihr Hauptmann den Stein, der ihre Hoffnung barg.
„Herrin, er ist es! Wir haben ihn heute Mittag gefunden!“ Sie konnte nicht genau deuten, was er genau ansprach, doch das machte keinen Unterschied.
„Gib ihn mir!“, befahl sie mit fester Stimme. Er kam auf die kleine Empore, auf der sie thronte. Der kühle Stein wurde ihr in die Hand gereicht. Sie musste die Augen schließen. Es war einer der Steine, die sie schon so lange zu finden versuchte. Endlich hielt sie einen in der Hand.
„Tötet ihn!“
Sie hob den Blick zu dem kränklich wirkenden Kobold, der nun fürchterlich zitterte.
„Niemand darf etwas über den Verbleib des Steines wissen!“
Faeglon nickte und zog die Kreatur mit sich.
Heute Nacht war es gelungen den größten Stein ihres Vorhabens zu legen. Sie hielt ihn förmlich in den Händen. Schwer lag er in ihrer Handfläche und sie sah es an, als wäre es das kostbarste Kleinod Albenmarks. In ihm wohnte die Seele eines Drachen. Er war entstanden, als die Welt noch in den Ursprüngen lag. Nur Legenden berichteten aus dieser Zeit. Beim Tod eines Drachens überging seine Macht in einen Karfunkelstein über, der in seinem Herzen entstand. Sie hielt einen der wenigen in den Händen. Sie wusste um seine unbändige Macht. Sie wusste ihn einzusetzen.
Sie erhob sich. Ihre Krieger waren in ein feierliches Schweigen gehüllt. Sicher erhob sie ihre Stimme: „Es ist soweit! Die Rache wird unser sein! Der Kobold hat tatsächlich einen der Karfunkelsteine gefunden, die in Albenmark noch übrig sind. Damit werden wir die Königin stürzen!“
Der Blick ihrer Männer änderte sich. Viele hatten ein selbstsicheres Lächeln auf den Lippen. Lange hatten sie auf diesen Tag gewartet. Und auch sie. Seit ihrer Wiedergeburt trieb sie nichts anderes mehr an, als den Gedanken an Rache. Rache an den Elfen, die ihr Leben zerstört hatten. Emerelle und Ollowain waren beide im Mondlicht, doch die Krone Albenmarks ward weitergegeben worden. Yulivee würde sterben und sie, Alathaia, würde die Macht des Herrschens an sich nehmen und diese Welt verändern. Ihre Kinder würden ihr helfen. Nicht mehr lange...
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