Lazy Town: "Rettet die Schmetterlinge!"

GeschichteHumor / P6
28.06.2009
28.06.2009
1
14064
1
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Es war ein herrlicher Frühsommertag in Lazy Town. Wenn man am Morgen das Fenster öffnete, dann roch man den süßen Duft der Blumen und des Grases und es überkam einem sofort die  Lebenslust. Genauso erging es Stephanie. Sie sog den Duft ein und wäre am liebsten tanzend und singend aus dem Haus gelaufen. Aber das ging ja nicht: Sie musste erst einmal frühstücken und außerdem trug sie noch ihren pinken und weiß geblümten Schlafanzug. Aber tanzen und singen wollte sie trotzdem und so tanzte sie in die Küche, mit einem frohen Lied auf den Lippen. Dem Bürgermeister ging in solchen Momenten immer das Herz auf. Wenn es seiner Nichte gut ging, dann fühlte er sich natürlich auch wohl. So saßen die beiden gemütlich am Frühstückstisch bei Obst, Brötchen und Kakao. „Für heute habe ich schon große Pläne, denn ich werde auf Schmetterlingssafari gehen“, erzählte Meinhard. „Ja, es ist mal wieder so weit. Den ganzen Tag werde ich damit zubringen. Ich hoffe es ist in Ordnung, Stephanie? Ich habe für heute Mittag das Essen schon vorbereitet, damit du es dir später warm machen kannst. Und wenn etwas ist, dann kannst du mich auf meinem Handy anrufen. Ach Gottchen, mittlerweile weiß sogar ich, auf welche Knöpfe ich da drücken muss.“
„In Ordnung“, sagte Stephanie. Sie gönnte ihrem Onkel dieses Hobby, denn das entspannte ihn wirklich sehr. Im Rathaus war immer viel zu tun und auch wenn Meinhard diese Arbeit sehr lieb war, so musste es für ihn einen Ausgleich geben. Wenn der Frühling und der Sommer näher rückte und das Wetter immer schöner wurde, dann wurde der Bürgermeister richtig kribbelig und wartete nur auf das Wochenende, damit er seiner Leidenschaft frönen konnte. Die letzte Zeit hatte es immer am Wochenende geregnet oder es war etwas anderes gewesen, was Vorrang gehabt hatte. Aber diesmal sollte es klappen. „Jetzt muss ich nur noch auf den Dachboden um meine Sachen zu holen. Ich wollte das eigentlich gestern Abend noch erledigen, aber das habe ich leider nicht mehr geschafft, weil ich bei Senta vorbeigeschaut hatte. Und dann haben wir uns so verquatscht, dass es recht spät wurde. Mein Schmetterlingsnetz, mein Helm und mein Zelt liegen noch dort oben. Zum Glück weiß ich, wo ich die Sachen hingelegt habe, sie liegen ziemlich nah neben der Luke in einem alten Koffer.“
„Dann werde ich sie schnell holen“, sagte Stephanie und stand bereits auf
„Das ist aber nett von dir“, sprach Meinhard. „Wo du doch eigentlich nicht so gerne auf den Dachboden gehst – wegen der Spinnweben.“
„Wenn die Sachen dort liegen wo du sagst, dann ist es nicht so schlimm.“
„Sei aber vorsichtig. Nicht, dass du mit dem ganzen Kram in den Händen die Leiter hinunterfällst. Immer eins nach dem anderen“, warnte Meinhard und begann die Butterbrote für seine Safari zu schmieren. Stephanie fand wirklich alles auf Anhieb. Sie öffnete den Koffer und nahm das Schmetterlingsnetz  und den Helm in die Hände. Auch das eingepackte Zelt konnte sie finden und ihr fiel auf, dass sich unter diesen Sachen noch etwas befand. Nur war es von einem Tuch bedeckt. Sie nahm das Ding heraus und sah, dass es gänzlich darin eingepackt war. Von der Form und der Größe her musste es ein Bilderrahmen sein. Sie packte es aus und es war tatsächlich einem Bilderrahmen nicht ganz unähnlich, nur befanden sich darin viele Schmetterlinge, etwa zwanzig Stück an der Zahl. Jeder hatte eine andere Größe oder Farbe und sogar die Muster waren verschieden. Manche hatten Tupfen auf ihren zarten Flügeln, andere waren gefleckt oder gepunktet. Es gab keinen, der dem anderen glich. Nie hatte Stephanie so viele verschiedene Schmetterlinge auf einmal gesehen und es wäre für sie noch schöner gewesen, wenn sie sich hätten bewegen können. Eigentlich sahen alle Schmetterlinge so aus, als würden sie schlafen. Aber das sie nie wieder aufwachen würden, dass wusste Stephanie leider und eine große Traurigkeit überkam sie. Woher sie das wusste? Nun, sie hatte sehr wohl einmal gehört – oder vielleicht sogar irgendwo gelesen – was Schmetterlingssammler tun. Nur war sie immer der Meinung gewesen, dass ihr Onkel niemals so böse sein konnte – nie und nimmer! Sie hatte ihn auch einmal gefragt, warum er dieses Hobby so liebte. Und Stephanie meinte sich zu erinnern, dass er gesagt hatte, dass er die Schmetterlinge nach eingehender Betrachtung frei lassen würde. War das vielleicht eine Lüge gewesen?
Stephanie wollte erst gar nicht wissen, ob sich noch mehr arme Schmetterlinge in dem Koffer befanden und packte den Rahmen sorgfältig wieder ein. Sie schloss den Koffer und trug die Sachen ihres Onkels hinunter. In der Küche übergab sie Meinhard alles und sagte, sie wollte gleich ins Bad um sich fertig zu machen. Insgeheimen sollte ihr Onkel aber nicht sehen, wie traurig sie plötzlich geworden war. Meinhard schien es in der Tat nicht aufzufallen, denn er war gerade damit beschäftigt, den ganzen Proviant in seinen Rucksack zu verstauen. Den Rucksack verwahrte er nie auf dem Dachboden, sondern hing griffbereit am Garderobenständer. Brauchen konnte er ihn immer. Als sich Meinhard verabschiedete, zwang sich Stephanie zu einem Lächeln und winkte ihm nach. Danach setzte sie sich auf ihr Bett und musste erst einmal gründlich überlegen. Sie konnte sich gar nicht vorstellen, dass er überhaupt in der Lage war, auch nur einer Fliege etwas anzutun, geschweige denn einem Schmetterling.

Die einzige Möglichkeit das herauszufinden, war, hinter ihrem Onkel herzuschleichen und sich auf die Lauer zu legen. Wie sie das machen sollte, wusste sie noch nicht so recht. Bestimmt gab es Stellen außerhalb von Lazy Town, wo das Gras wild und hoch wucherte, aber unbemerkt dorthin zu gelangen... „Pixel!“, rief Stephanie. „Natürlich! Er wird mir helfen können!“ Sie machte sich schnell ausgehfertig, denn bis jetzt hatte sie kaum die Energie dazu gehabt. Als sie hinauslief, schnappte sie sich aus der Obstschale eine Banane um sie zum Frühstück zu verzehren. Dann lief sie schnurstracks zu Pixels Haus und klingelte. Sie musste mehrmals auf die Klingel drücken bis sich etwas tat. Endlich drehte sich die Hauskamera in Stephanies Richtung.
„Ah, guten Morgen Pixel! Ich muss mit dir unbedingt reden!“
„Guten Morgen“, hörte man ihren Freund lustlos murren.
„Bist du etwa noch müde?“
„Das fragst du an einem Samstag Morgen, um acht Uhr 37? Ja, so ziemlich. Weil nämlich Wochenende ist und ich ein bisschen ausschlafen möchte. Ist das denn zuviel verlangt?“
„Oh“, sagte Stephanie und machte ein schuldbewusstes Gesicht. „Daran habe ich jetzt leider nicht gedacht. Tut mir leid.“
„Ich melde mich bei dir sobald ich richtig wach bin.“ Und dann hörte man gar nichts mehr. Stephanie musste dieses Problem also allein bewältigen und machte sich auf zur Stadtgrenze. Sie befürchtete schon, ganz Lazy Town umrunden zu müssen, denn sie wusste nicht, welchen Flecken ihr Onkel sich ausgesucht hatte. Zum Glück war das leuchtend gelbe Zelt leicht ausfindig zu machen und sie konnte auch sehen, dass Meinhard es noch nicht ganz aufgebaut hatte. Ein gutes Zeichen. Das hieß also, dass bis jetzt noch kein Schmetterling zu Schaden gekommen war. Stephanie musste leider auch feststellen, dass er sich einen Platz ausgesucht hatte, auf der das Gras nicht besonders hoch wuchs. Wahrscheinlich hatte sich Meinhard deswegen für diesen Flecken entschieden, weil man hier das Zelt leichter aufstellen konnte als auf einer hochbewachsenen Wiese. Für Stephanie war das allerdings ein großes Problem. Sie konnte nicht in Meinhards Nähe gelangen, ohne von ihm sofort entdeckt zu werden. Sie blieb hinter einer Mauer versteckt und beobachtete ihren Onkel angestrengt. Es würde noch dauern bis er sein Zelt aufgebaut hatte, aber dann waren alle Schmetterlinge in Gefahr und das musste Stephanie irgendwie verhindern. Nur wie? Das Mädchen musste zusehen, wie ihr Onkel das Zelt in aller Ruhe aufstellte. Zum Schluss nahm er seinen Rucksack und krabbelte damit auf allen Vieren in das Zelt, wahrscheinlich um sich eine Pause zu gönnen. Das war die Gelegenheit! Kurz darauf klingelte Meinhards Handy. Er wühlte im Rucksack, fand es, und hielt es an sein Ohr. „Das klingelt ja noch immer!“, wunderte er sich. „Ach Gottchen, natürlich, ich vergaß“, und er drückte einen Knopf. „Hallo, hallo? Ich hier, wer dort?“, scherzte er.
„Ich bin es, Onkel Meinhard.“
„Oh, alles soweit in Ordnung Stephanie?“
„Alles klar, Onkel Meinhard. Ich...ich wollte nur wissen, ob es dir gut geht.“
„Mir geht es gut, danke.“
„Und hast du auch alles was du brauchst?“
„Hmmm...also meinen Helm trage ich bereits auf dem Kopf und meine anderen Sachen liegen im Rucksack. Und das Netz...tja wo habe ich das nur? Ach, das ist da draußen glaube ich. Da muss ich wohl mal nachsehen.“
„Ah!“, rief Stephanie erschrocken.
„Was ist los?“
„Ich – ich – ich habe nur etwas gesehen.“
„Gesehen? Wo? Im Haus? Soll ich nicht doch lieber zurückkommen? Ich lasse alles liegen und bin sofort bei dir!“
„Nein nein, das brauchst du nicht!“, rief Stephanie aufgeregt, denn in diesem Moment stand sie  kaum zwei Meter vom Zelt entfernt. „Glaube mir, es ist alles okay! Ich habe mich nur vor etwas erschrocken. Ich dachte da wäre eine Maus!“
„Eine Maus? Und was war es stattdessen?“
„Eine große, große Staubflocke war es!“
„Also doch eine Maus – eine Wollmaus“, lachte Meinhard. „Aber eigentlich seltsam, wo ich doch erst gestern geputzt habe?“
„Ja, sehr merkwürdig, vielleicht kam sie durch das Fenster.“
„Schon möglich. Ich könnte mich stundenlang mit dir unterhalten, Stephanie, aber meine Schmetterlinge warten. Ich rufe dich zurück, ja?“
„Ähm.“
„Oder hast du noch etwas auf dem Herzen?“
Stephanie schwieg einen Moment lang. Am liebsten hätte sie ihren Onkel nach der Wahrheit gefragt und eigentlich wäre es auch der richtige Weg gewesen. Aber vielleicht würde er dann ganz traurig und das wollte sie einfach nicht. Stattdessen hatte sie sich während des Gesprächs angeschlichen und das Schmetterlingsnetz an sich genommen. Sie hatte die Wiese auf ihrem Rückweg fast überquert und wenige Meter vor sich sah sie die Mauer.
„Stephanie? Ist wirklich alles in Ordnung?“, meldete sich ihr Onkel.
„Alles in Ordnung, Onkel Meinhard.“
„Ja, dann...dann werde ich mich wieder meinem Hobby widmen. Tschüss.“
„Tschüss.“ Stephanie seufzte laut und lehnte sich traurig an die Mauer. Jetzt hatte sie zwar das Netz, aber wohin damit? „Naaa, was sollte das denn?“, hörte sie Pixel fragen, der grinsend um die Ecke kam. Stephanie versteckte das große Netz überflüssigerweise hinter ihrem Rücken. „Ich dachte, du wolltest ausschlafen!“
„Tja, das war leider nicht mehr möglich. Nachdem du mich geweckt hattest, war an Schlaf nicht mehr zu denken. Da habe ich erst einmal ausgiebig gefrühstückt. Ich habe dich gerade mit meiner kleinen Kamera beobachtet“, und Pixel deutete auf seine moderne und technisch ausgereifte Technobrille mit Antenne. „Was hast du denn vor?“ Er sah auf die Wiese, wo er den Bürgermeister erblickte, der vor seinem Zelt stand und etwas zu suchen schien. Stephanie klagte Pixel ihr Leid und er konnte ihre Sorgen verstehen.
„Hätte ich nur eher davon gewusst“, sagte Stephanie traurig. „Die armen, armen Schmetterlinge. Die sollen doch frei sein und nicht leblos hinter Glas.“
„Jedes Lebewesen sollte frei sein“, stimmte Pixel zu. „Ich hätte nicht gedacht, dass der Bürgermeister so etwas macht, wo er doch niemandem etwas zuleide tun kann. Obwohl – dein Onkel angelt auch gerne.“
„Stimmt, aber ich habe noch nie gesehen, dass er je einen Fisch gefangen hätte. Er meint auch, dass er das nur zur Beruhigung tut. Er sitzt nur da und ist vollkommen entspannt. Aber die Schmetterlinge hat er wirklich gefangen.“ Stephanie machte eine kleine Pause und dachte nach. „Wahrscheinlich weiß er gar nicht, was er da tut. Seit ich denken kann, liebt er sein Hobby. Vielleicht hat er nie darüber nachgedacht, wie schlimm es für die Schmetterlinge ist.“
„Jemand muss es ihm sagen.“
„Das kann ich nicht, Pixel. Dann wird er bestimmt ganz traurig, weil es doch sein schönstes Hobby ist.“
„Wir werden schon einen Weg finden, du und ich. Hat er eine Digitalkamera? Damit kann er seine Schmetterlinge fotografieren, anstatt ihnen wehzutun.“
„Das wäre eine Idee! Aber ich glaube nicht, dass er eine hat.“
„Kein Problem, dann baue ich ihm eine. Extra für ihn und ganz speziell für sein Hobby. Vor allem mit großen Tasten.“
„Das wäre noch besser. Onkel Meinhard beklagt sich nämlich, weil die Tasten auf seinem neuem Handy zu klein sind. Aber er brauchte so dringend eines und es gab nichts mit größeren Tasten.“
„Tja, dann werde ich mal loslegen, allerdings muss ich dafür ins Geschäft und ein paar Teile nachkaufen. Oha, hoffentlich reicht mein Taschengeld aus. Ich habe diesen Monat schon sehr viel ausgegeben.“
„Ich könnte dir was leihen“, bot  Stephanie an und kramte in ihrer Umhängetasche.
„Achtung! Der Bürgermeister!“, flüsterte Pixel halblaut. Er hatte nur zufällig einen Blick riskiert und jetzt sah er, wie Meinhard geradewegs auf sie zukam. Pixel und Stephanie, die  hinter der Mauer in Deckung gegangen waren, wechselten gerade in dem Moment die Mauerseite, als der Bürgermeister daran vorbeiging.
„Puh, das war knapp“, meinte Stephanie.
„Lass uns schnell den anderen Weg einschlagen“, sagte Pixel und sie schlichen davon.
„Ach Gottchen, ach Gottchen“, hörten sie im Hintergrund den Bürgermeister klagen, der auf der Suche nach seinem Schmetterlingsnetz war. „Ob ich es verloren habe? Aber ich hatte es doch in meiner Hand? Ob ich es irgendwo abgelegt und vergessen habe?“ Da stieß er plötzlich auf Freddies Guckrohr, dass aus einem großen Busch herausragte. Es stand ganz still und drehte sich auch nicht zu Meinhard, der es gerade neugierig begutachtete. „Wenn ich mich nicht vollkommen täusche, dann gehört das Freddie Faulig. Der könnte doch bestimmt gesehen haben, wo ich mein Netz verlegt habe“, dachte Meinhard halblaut und begann nach Freddie zu rufen.

Der schlief um diese Tageszeit natürlich noch tief und fest in seinem Sessel. „Freeeeeeeeeeddiiieee!“, tönte es in der großen Fabrikhalle, „Freeeeeeeeeeddiiieee!“
„Heute ist Samstag, Papi“, murmelte Freddie im Schlaf.
„Freeeeeeeeeeeeeeeddiiieee!“
„Nein, ich bleibe im Bett,“, sagte der Faulpelz schon etwas energischer und nuckelte am Daumen. Als er ein drittes Mal seinen Namen hörte, war er schon beinahe so wütend wie eine Hornisse. „Papi, das ist gemein! Kann ich nicht mal Samstags ausschlafen?!“
„Oh“, sprach Meinhard, „das tut mir leid – aber ich bin nicht der Papi – ich bin Onkel Meinhard.“
„Den kenne ich nicht. Moment, so einen Onkel habe ich gar nicht!“ Freddie sprang jetzt aus dem Sessel und lief in Richtung Periskop. Er blickte hinein und sah in Meinhards gutmütiges Gesicht. Offenbar musste Freddie am Abend zuvor vergessen haben das Periskop einzufahren. „Also genau genommen bin ich auch nur Stephanies Onkel Meinhard“, klärte der Bürgermeister auf.
„Was fällt Ihnen ein, mit mir solche Scherze zu treiben?!“, fuhr der Halunke den Bürgermeister an. „Und dann noch um diese Zeit! Das ist nächtliche Ruhestörung!“
„Es ist heller Tag, Freddie Faulig. Und was für Scherze? Leider bin ich gerade gar nicht zu Scherzen aufgelegt. Hast du zufällig ein Schmetterlingsnetz irgendwo herumliegen sehen? Ich habe es verloren und kann es nicht finden.“
„Für jemanden, der angeblich keine Scherze machen will, ist das aber eine ziemlich scherzhafte Frage.“
„Findest du?“
„Ja! Glauben Sie, ich betreibe ein Fundbüro?!“
„Nein, natürlich nicht. Denn das betreibe ich."
„Tja, wenn dem so ist, dann müssten Sie doch wissen, wo Ihr blödes Netz abgeblieben ist, und nicht ich!“
„Ach du meinst, jemand hat es im Fundbüro abgegeben?“
„Ja, so in etwa meinte ich das“, sagte Freddie und erhob die Blicke genervt zur Decke. „Das wäre doch zumindest eine Möglichkeit, oder?“
„Da muss ich doch schnell mal nachsehen. Danke für den Rat, Freddie!“
„Ja, und ich danke dafür, dass Sie mich aus meinen schönen Träumen geholt haben“, seufzte der Faulpelz und sah den Bürgermeister davoneilen. Er wandte sich von dem Periskop ab. „In dieser Stadt bekommt man wirklich keinen Schlaf mehr. Es gibt immer einen, der stört. Und ich bin ziemlich sicher, dass die Kinder auch nicht lange auf sich warten lassen. Als ich noch ein Kind war, konnte man das ganz Wochenende dazu nutzen, um durchzuschlafen. Aber heute ist das alles ganz anders...und ich bin sicher, die Rotzbälger hecken schon wieder was aus!“ Plötzlich vernahm er Kinderstimmen und schnell warf er wieder einen Blick in das Periskop. „Aha! Was habe ich gesagt?!“
Freddie hatte sein Periskop diesmal aus einem anderen Versteck schnellen lassen und sah gerade, wie Stephanie und Pixel aus einem Fachgeschäft kamen. Stephanie hatte noch immer das Netz in den Händen, aber dass es dem Bürgermeister gehören könnte, darauf kam Freddie nicht. Er vermutete stattdessen, dass sich auch das Mädchen zur Schmetterlingssafari bereit erklärt hatte. Und ihre Freunde vielleicht auch. „Man kann wirklich nirgendwo mehr sein Schläfchen halten“, jammerte Freddie erneut. „Selbst die Wiesen um Lazy Town sind nicht mehr sicher.“
Er musste daran denken, wie er letzten Sommer seinen Schlummer auf der wilden Wiese gehalten hatte und der Bürgermeister über ihn gestolpert war. Weder Freddie noch Meinhard traf eine Schuld, denn niemand konnte Freddie verbieten, auf der Wiese ein Nickerchen zu halten und Meinhard hatte ihn gar nicht gesehen, weil das Gras so hoch war. Trotzdem hatte sich Herr Meintsgut mindestens hundert Mal bei ihm entschuldigt. Nur seitdem hatte Freddie die Nase voll und schwor, sich nie wieder auf diese Wiese zu legen. Wer konnte schon wissen, ob er das nächste Mal von einer Horde spielender Kinder arglos überrannt wurde, während er sein erholendes Schläfchen hielt? Nein, das war ihm zu gefährlich! Aber Freddie machte sich ohne jeden Grund Gedanken, denn eigentlich war mehr als genug Platz für ihn. Die ganze Umgebung um Lazy Town bestand nur aus saftigen grünen Wiesen und er hätte sich nur einen anderen Platz aussuchen müssen, ganz weit weg von der Stadt. Das war ihm jedoch viel zu mühsam. Aber die Störenfriede zu vertreiben – das bereitete ihm seltsamerweise kaum Mühe und machte ihm sogar Spaß. Freddie hatte eine Idee und wieder einmal hieß das Motto: Tarnen, tricksen und täuschen! Er suchte in den Verkleidungsröhren nach etwas Passendem. Das erste Kostüm war das eines Bankangestellten. „Neee, zu brav“, entschied Freddie. Das Nächste war das eines Hippies. „Zu ausgehippt, äh, ausgeflippt. Aber das da", und er zeigte auf die nächste Röhre, „das ist richtig!“ Eine kurze Hose in der Farbe Khaki, dazu ein kurzärmeliges Hemd und ein Tropenhelm in hellem Lila, Strümpfe in Dunkelrot – ja so ungefähr könnte ein Schmetterlingssammer aussehen!
Dazu gab es natürlich die passende Ausrüstung in der Farbe Orange: Eine Lupe steckte bereits in der Brusttasche, um den Hals der Schaufensterpuppe hing ein Fernglas und ein Schmetterlingsnetz war auch schon vorhanden. Das Gesicht der Puppe war übrigens mit einem roten Spitzbärtchen geschmückt.  Freddie war begeistert und zog sich mit Hilfe seiner Maschine in windeseile um. „Ich werde den Kindern klar machen, wem hier die Wiese gehört! Und dann habe ich für immer meine Ruhe und kann mich ausstrecken, wo immer ich will!“ So schnell wie es nur ging machte er sich davon.

Nicht ganz so schnell war der Bürgermeister. Die Sucherei nach seinem verlorenen Netz war für ihn sehr anstrengend und lästig. „Ich hätte wissen müssen, dass es niemand im Fundbüro abgegeben hat. Schließlich ist das Fundbüro zu, wenn ich nicht da bin.“
Jetzt sah er keine andere Möglichkeit mehr, als nach Hause zu gehen und dort zu suchen, obwohl er voller Zweifel war. „Hätte ich es dort liegen gelassen, dann hätte mir Stephanie bestimmt längst Bescheid gegeben. Aber was soll ich nur machen? Mein Netz kann doch nicht mit den Schmetterlingen davongeflogen sein!“ Plötzlich blieb Meinhard überrascht stehen. „Aber offenbar hat es Beine bekommen!“ Er starrte auf eine der gelb gestrichenen Mauern, hinter der sein Netz allen Anschein nach munter spazieren ging. Seine Nichte konnte er wegen der hohen Mauer nicht sehen, aber dafür konnte er sein Netz sehen, dass Stephanie über ihre Schulter gelegt hatte um es besser tragen zu können. Man sah wirklich nur den Kescher und ein Stück vom Stiel. „He! Bleib stehen!“, rief Meinhard. „Ich will mein Netz!“ Stephanie erstarrte für einen Moment, dann ergriff sie die Flucht. „Also, wer auch immer der Dieb ist, ich hätte gerne mein Eigentum wieder!“, rief Meintsgut und Stephanie war gar nicht wohl bei dem Gedanken, dass sie vor ihrem eigenen Onkel die Flucht ergreifen musste. Aber was sollte sie sonst tun? Es ging um das Wohl der Schmetterlinge! Der Kristall meldete, das Hilfe vonnöten war. Als Sportacus vom Luftschiff aus mit dem Fernrohr Ausschau hielt, bemerkte er den Bürgermeister und es bestand für ihn keinen Zweifel, dass er einen Dieb verfolgten wollte. Er sah auch Stephanie. Sie war ein ganzes Stück vom ihrem Onkel entfernt und war bereits um eine Häuserecke gebogen. Es sah ganz so aus, als wolle sie sich verstecken.   Sportacus war im Glauben, dass auch sie dem Dieb hinterherjagen wollte. Sie hatte sogar ein Netz um den Gauner fangen zu können. Sportacus eilte seiner Freundin sofort zu Hilfe. Das Mädchen erschrak fürchterlich, als Sportacus mit einem Sprung zu ihr stieß.
„Nur die Ruhe, ich bin's!“, beruhigte sie ihr Freund.
„Ist Onkel Meinhard in der Nähe?“
„Er steht drei Häuser weiter und wird gleich kommen. Du brauchst also keine Angst zu haben und ich werde euch helfen.“
„Er kommt hierher? Bitte wimmel ihn ab und sag ihm nicht, dass ich hier bin! Er darf das hier nicht  kriegen“, und sie hielt Sportacus das Diebesgut hin, „und er darf erst recht nicht wissen, dass ich es genommen habe!“ Sportacus sah das Kind verwundert an. „Ich weiß...es ist nicht nett, meinen Onkel anzuschwindeln. Aber ich habe einen guten Grund dafür, wirklich. Du musst mir helfen, Sportacus! Es geht um Leben und Tod! Das ist mein Ernst!“
Das irritierte Sportacus noch ein wenig mehr, aber er entschied sich, Stephanie nicht zu verraten. Er lief zum Bürgermeister und teilte ihm mit, dass er den Dieb leider nicht ausmachen konnte.
„Er muss irgendwo einen Unterschlupf haben darin verschwunden sein. Ich werde aber weiterhin die Augen offen halten. Kann ich denn sonst noch etwas für Sie tun?“
„Ach Gottchen, ich denke vorerst nicht. Die ganze Lauferei hat mich so angestrengt, dass ich nach Hause gehen und ein Päuschen machen muss. Und danach werde ich mir wohl ein neues Netz besorgen müssen. Bis dann, Sportacus.“
Der Held verabschiedete sich und sobald sich Meinhard entfernt hatte, lief er zu Stephanie und bat höflich um Aufklärung. Ein weiteres Mal musste Stephanie von ihren Plan erzählen und danach war auch Sportacus auf ihrer Seite. Es gab nur eines, was er nicht gutheißen konnte. „Ein bisschen tut mir der Bürgermeister aber schon leid“, gab er zu. „Er war fix und fertig. Und meinst du nicht auch, dass es besser gewesen wäre, wenn du ihm die Wahrheit gesagt hättest?“
„Natürlich, aber er wäre auch sehr traurig gewesen. Deshalb arbeite ich mit Pixel an einer Lösung. Er baut eine Kamera für meinen Onkel, dann braucht er das Netz nicht mehr und kann weiter seinem Hobby nachgehen. Ich werde ihm schon alles beichten. Da werde ich auch nicht drumherum kommen.“
„Das klingt schon besser“, meinte Sportacus. „Ich werde dir auch beistehen“, versprach er. „Aber wie ich ihn kenne, wird er sehr viel Verständnis für alles haben.“
„Aber bis es so weit ist, muss ich Onkel Meinhard in Schach halten. Machst du mit?“ Der Superheld nickte. Jetzt war Stephanie wieder etwas ruhiger, aber vor allem zuversichtlicher. Sie machte ein Gesicht wie eine Pfadfinderin, die eine sehr wichtige Aufgabe zu erledigen hatte. „Retten wir die Schmetterlinge!“
„Retten wir die Schmetterlinge!“, wiederholte Sportacus bereitwillig. „Und wohin gehen wir jetzt? Zur Wiese?“
„Nein, zu Pixel. Ich will sehen, wie weit er mit der Kamera ist. Da sich mein Onkel ausruht, haben wir etwas Zeit gewonnen.“ Während sie zu Pixel gingen, war Freddie bereits auf der wilden Wiese und besah sich die Gegend mit seinem Fernglas. Aber das tat er nicht der Schönheit wegen. „Hier ist ja überhaupt niemand! Ich dachte, die wollten sich hier alle tummeln! Aber hier gibt’s nur Hummeln! “ Freddie fuchtelte mit den Händen vor seinem Gesicht herum. „Kinder und Viehzeug! Das sind beides Dinge, die ich nicht ab kann!“ Als er die Hummel verscheucht hatte, entschied er sich für ein kleines Nickerchen. „Wenn die Gören auf sich warten lassen, kann ich mich auch solange ausruhen. Dann vergeude ich meine Zeit wenigstens nicht.“ Er legte das Netz und sich selber ins Gras. Er hoffte allerdings, dass niemand über ihn stolpern würde wie beim letzten Mal. Aber da das Gras nicht so hoch war, nahm er das Risiko in Kauf und döste ein.

Pixel dagegen dachte nicht daran, sich auszuruhen. Sportacus und Stephanie sahen ihm interessiert zu, als Trixie, Meini und Ziggy ihren Besuch ankündigten und das Zimmer betraten. „Wird das ein neues Spielzeug?“, wollte Ziggy wissen und Meini wollte es sogleich haben, egal was es auch war. „Das wird ein Geschenk für meinen Onkel“, erklärte Stephanie. „Es muss schnell fertig werden, damit ich es ihm gleich geben kann.“
„Das wird die einzigartige „Pixel  - Superscharfkamera 6000“! Damit kann er jeden Schmetterling superscharf ranzoomen und fotografieren! Aber besser als jede Digitalkamera, sag ich euch! Und da verwackelt auch nichts, egal bei welcher Einstellung! “
„Schmetterlinge?!“ Trixie glaubte ihren Ohren kaum. „Och nein. Sag bloß, es geht wieder um das langweilige Hobby deines Onkels, Pinkie.“
„Gar nicht langweilig!“, bestritt Meini, „Sondern hochinteressant! Wir haben eine umfangreiche Sammlung, einzigartig und kostbar! Wir haben Schmetterlinge aus allen Ländern der Welt! Mein Urgoßvater und mein Großvater haben sie alle selbst gefangen!“
„Dann danke ich den beiden herzlich dafür, dass diese armen Tiere viel zu früh ihr Leben lassen mussten und nie mehr die Sonne und die Blumen sehen!“, sprach Stephanie wütend. Meini sah sie verwirrt an. „Oh – das meintest du sarkastisch, oder?“
„Ja, das meinte sie“, erklärte Pixel. „Stephanie hat was gegen das Hobby ihres Onkels und wir suchen nach einer Lösung."
„Sportacus“, sagte Ziggy und sah seinen Helden an, „worüber reden die denn genau? Ich verstehe das alles nicht so richtig.“
„Stephanie versucht die Schmetterlinge zu retten, weil sie sonst gefangen werden.“
„Dann werden wir ihr helfen“, sagte Ziggy stolz. „Das ist ein richtiger Auftrag für Helden! Aber was ist mit den anderen, die schon gefangen wurden? Meini, dann musst du deine Schmetterlinge aber auch frei lassen, damit sie wieder fröhlich flattern können!“
„Das geht nicht“, sagte Meini traurig und schämte sich jetzt richtig dafür, dass er sich so mit der Sammlung gebrüstet hatte. „Sie werden nicht mehr flattern. Man kann sie sich stundenlang ansehen, aber...sie rühren sich nicht mehr, weil sie nicht mehr leben. Das passiert allen, die gefangen werden.
„Sie leben nicht mehr? Das heißt also, sie können nicht mehr wach werden?“
„Nein“, sagte Meini noch trauriger.
„Pixel, und du? Kannst du nicht eine Maschine dafür erfinden?“
„Das würde ich nur zu gerne“, seufzte er, „aber auch ich habe meine Grenzen. Sonst hätte ich längst eine Maschine erfunden, die so etwas möglich macht.“
Ziggys letzte Hoffnung war Sportacus. Der Kleine wagte aber nicht zu fragen und sah ihn einfach nur erwartungsvoll an. Aber auch er konnte nur den Kopf schütteln. „Es tut mir leid. Aber kein Mensch dieser Welt kann sie wieder aufwecken.“
„Dann müssen wir wirklich etwas tun“, meinte Ziggy und sah traurig zu Boden.
„Geht es dir gut?“, fragte Sportacus mitfühlend und strich dem Jungen über das blonde Haar. „Mir geht es gut“, sagte er, wenn auch etwas leise.
„Also schön“, fing Trixie an, die jetzt auch auf der Seite ihrer Freunde war und außerdem das traurige Thema beenden wollte, „dann bau mal das Teil schnell fertig, umso eher können wir Pinkie helfen. Wo ist dein Onkel denn, etwa auf der Wiese? Pixel, mach mal deine Kamera klar.“
„Nein, er wird sich zu Hause noch ausruhen“, antwortete ihre Freundin. „Das hoffe ich doch zumindest.“
„Dafür ist jemand anderer auf der Wiese“, klärte Pixel auf und zeigte auf einen seiner Monitore. „Er sieht auch wie ein Sammler aus.  Aber er schläft in diesem Augenblick.“
Stephanie war entsetzt. „Noch ein Sammler? Was machen wir nun? Ob wir ihn überreden können?“
„Wir können es zumindest einmal versuchen“, sagte Sportacus.
„Folgt mir!“, rief Stephanie und alle außer Pixel folgten, denn er war schließlich noch beschäftigt. Auf der wilden Wiese angekommen umringten Sportacus und seine Freunde den fremden Mann, der tief und fest schlief. „Was jetzt?“, fragte Ziggy, „Sollen wir ihm nicht doch das Netz klauen?“
„Das habe ich schon bei Onkel Meinhard gemacht, aber mit schlechtem Gewissen“, sagte Stephanie.
„Das dürfen wir auch nicht“, meinte Sportacus, „besser wäre es, wenn wir ihn vorsichtig wecken und mit ihm reden.“
„Versuch du es mal, ich traue mich nicht“, flüsterte Stephanie zu Sportacus. „Vielleicht wird er sofort böse.“
Trixie verstand nicht, wie man so umständlich sein konnte. „Ach Leute, was ist denn daran so schwer? Aufgepasst!“ Sie beugte sich zu dem Mann hinunter und schrie: „HEY, AUFWACHEN! WIR WOLLEN MIT IHNEN REDEN!“
„WAAAHHH!!“, brüllte Freddie und fuchtelte mit Armen und Beinen.
„Mensch Trixie!“, rief Stephanie, „Wie konntest du nur?“
„Sie kennt das Wort „vorsichtig“ überhaupt nicht“, sagte Meini beinahe gelassen.
„Nö, kenne ich auch nicht“, meinte Trixie und grinste ziemlich frech.
Der Mann sprang auf und griff sich an die Brust. „Was soll das?! Wollt ihr, dass ich einen Herzinfarkt bekomme?!“
„Natürlich nicht“, sagte Sportacus schnell. „Das tut uns wirklich leid! Wir wollten Sie nur um etwas bitten.“
„Verschonen Sie die Schmetterlinge!“, bat Stephanie.
„Ja“, sagte Ziggy, „lassen Sie sie leben!“
„Es gibt schon so viele, die man sich hinter Glas angucken kann“, erklärte Meini, „und es müssen wirklich nicht noch mehr werden.“
„Ach, und ich dachte, ihr wolltet auch welche fangen?“, fragte Freddie.
„Wir? Wie kommen Sie denn darauf?“, wollte Trixie wissen.
„Also ich, äh, habe das Mädchen mit den pinken Haaren in der Stadt gesehen, und zwar mit einem Schmetterlingsnetz. Und weil ihr vermutlich Freunde seid, da dachte ich...“
„Ach so?“, sagte Stephanie und fand selbst, dass das ein Grund war. Sie war ja wegen ihrem Onkel  durch die halbe Stadt gelaufen und hatte nicht auf jeden Menschen geachtet, der an ihr vorbeigelaufen war. Da konnte es gut möglich sein, dass dieser Herr sie gesehen hatte. „Wir wollen keine Schmetterlinge fangen. Aber mein Onkel tut das und ich will ihn auch noch dazu bringen, es zu lassen.“
„Deinen Onkel hätte ich auch nicht auf diese Wiese gelassen. Weder ihn noch euch, weil das nämlich mein Jagdrevier ist! Ich lasse niemanden mehr auf dieses Grün. Ich bin nämlich im Auftrag der Naturwissenschaft hier und auf der Suche nach besonders schönen und seltenen Schmetterlingen, die für die Nachwelt erhalten bleiben müssen. Damit meine ich leider hinter Glas, da sie in der Natur zu vielen Gefahren ausgesetzt sind. Irgendwann würden sie verschwinden und niemand wüsste, dass es sie jemals gegeben hat.“
„Mein Onkel ist aber der Bürgermeister“, stellte Stephanie klar. „Vielleicht erlaubt er es Ihnen gar nicht.“
„Ich glaube kaum, dass er ein Recht hat, mich von hier zu verjagen. Die Wiesen gehören ihm nicht und auch nicht der Stadt. Ich darf mich, wie jeder andere hier, frei bewegen.“
„Frei bewegen – das ja“, sprach Meini. „Aber Sie wollen uns verbieten, dass wir die Grünfläche betreten. Das dürfen Sie wiederum nicht. Genausowenig wie der Bürgermeister.“
„Das schon. Aber ich habe, wie bereits erwähnt, einen Auftrag. Die Naturkundemuseen des ganzen Landes warten nur auf meine Ergebnisse! Steht ihr mir im Weg, dann steht ihr praktisch der ganzen Naturwissenschaft im Weg!“ „Oh“, sagte Ziggy erstaunt und überlegte, ob er nicht gleich einen großen Schritt zur Seite tun sollte. Er wollte niemandem im Wege stehen, ganz gleich, wer oder was es war. „Vielleicht – vielleicht sollten Sie die Schmetterlinge besser fotografieren, anstatt sie zu fangen“, schlug Stephanie vorsichtig vor. Aber dafür erntete sie von Freddie nur Gelächter. „Ich soll dem Museum Bildchen liefern, die sie dann hinter Glas legen? Niedliche Idee, wirklich!“ Er tätschelte Stephanie den Kopf, als hätte er ein Kind von gerade mal drei Jahren vor sich. „Ach Gottchen, was ist denn hier los?“, fragte jetzt der Bürgermeister, der sich mittlerweile erholt hatte und heranspaziert kam. Er hatte sogar ein neues Netz! Ziggy rief dem Bürgermeister zu: „Gehen Sie zur Seite! Sonst stehen Sie im Weg!“ Herr Meintsgut drehte sich herum. „Huch, tatsächlich? Und wem oder was stehe ich im Weg?“
„Der Naturwissenschaft!“, tönte Freddie und stellte sich unter falschem Namen vor und erklärte schnell worum es ging. Stephanie redete auf ihren Onkel ein, dass dieser Mensch auf keinen Fall hier bleiben dürfe. Das es wegen der Schmetterlinge war, erwähnte sie noch nicht einmal. Es war ihr nämlich unangenehm, im Beisein ihres Onkels das Sammeln von Schmetterlingen zu verteufeln. Meinhard verstand aber dadurch ihre Sorge vollkommen falsch. „Die Wiese ist doch groß genug, wir alle haben mehr als genug Platz zum spielen oder was auch immer. Ob einer mehr dazu kommt, spielt keine Rolle.“
„Ich fürchte doch“, warf jetzt Freddie ein. „Ich habe nämlich vor, das ganze Gebiet abzusprerren und Verbotsschilder anzubringen, damit mir niemand auch nur einen Schmetterling verjagt.“
„Ach Gottchen, ist das wirklich nötig? Aber sagen Sie, wäre es denn möglich, dass ich Sie bei Ihren Forschungen begleite? Ich interessiere mich nämlich auch für Schmetterlinge, müssen Sie wissen.“
„Das ist unmöglich. Diese Ehre steht nur mir allein zu! Und niemand, absolut niemand, darf diese Wiesen betreten!“
„Und wo sollen wir dann hin?“, fragte Meinhard bestürzt. „Und wo soll ich hin? Soll ich nach Hause gehen, das Fenster aufmachen und darauf hoffen, dass diese zauberhaften Tierchen in mein Wohnzimmer flattern?“
„Warum nicht? Vielleicht haben Sie sogar Glück!“
„Ja aber – den ganzen Herbst, Winter und Frühling habe ich mich darauf gefreut! Mein Zelt habe ich schon aufgebaut, ich habe ein neues Netz...“
„Das packen Sie mal alles weg und verschwinden ganz schnell.“
„Das geht auch ein bisschen höflicher, meinen Sie nicht?“, sagte Sportacus mit Nachdruck.
„Na schön, dann verschwindet bitte alle ganz schnell.“
„Müssen wir wirklich?“, fragte Trixie.
„Ich fürchte schon“, seufzte Meinhard. „Gegen die Wissenschaft kann ich nichts ausrichten. Wenn ich daran denke, dass ich den ganzen Sommer nicht hierher kann...“ Meinhard wurde wirklich traurig und Stephanie tat es auch sehr leid. Dabei hatte sie ihm noch gar nicht sagen können, worum es ihr eigentlich ging und die anderen auch nicht. Sportacus und Stephanie halfen dem Bürgermeister beim packen, während Trixie, Meini und Ziggy zusammenstanden und tuschelten. Irgend etwas ging ihn ihren Köpfen vor, das war deutlich anzumerken.

„Wir gehen eben zu Pixel und gucken auch nach dem Geschenk...ups...naja du weißt schon. Bis dann!“, rief  Trixie.
„Geschenk?“, fragte der Bürgermeister. „Hat heute jemand Geburtstag? Jetzt sagt nicht, ich habe ein Geburtstagskind vergessen!“
„Nein, mach dir keine Sorgen“, sagte Stephanie. Nun wurde auch sie etwas trauriger, weil sie daran denken musste, dass das Geschenk jetzt unnütz war. Aber Sportacus hatte schon eine Idee. „Wenn das mit der Kamera klappt“, flüsterte er dem Mädchen zu, „und wenn du deinem Onkel alles erzählt hast, dann fahre ich ihn mit dem Luftschiff ein ganzes Stück von dem abgesperrten Gebiet weg. Wenn er will, bringe ich ihn jeden Tag hinaus ins Grüne und hole ihn später wieder ab. Dann kann er solange Schmetterlinge angucken, wie er möchte. Was meinst du dazu?“ Stephanie strahlte Sportacus an. Das war eine sehr gute Idee. Der Bürgermeister jedoch wollte im Moment nur nach Hause. Stephanie und Sportacus begleiteten ihn. Aber nur bis vor Pixels Haus, denn jetzt wollte Stephanie sehen, wie weit Pixel mit seiner Erfindung war. Auf die Bitte seiner Nichte setzte sich Meinhard auf eine Bank und wartete einen Moment. Stephanie wurde nicht enttäuscht und atmete auf, als sie die Kamera überreicht bekam. Pixel hatte sich sogar die Mühe gemacht, eine Bedienungsanleitung zu schreiben, die aber wirklich sehr leicht zu verstehen war. Und auch die Tasten auf der Kamera waren nicht zu klein und alles war genauso, wie Meinhard es sich gewünscht hätte. Stephanie überreichte dem Bürgermeister das Geschenk und wollte jetzt endlich erzählen, was ihr auf der Seele lastete. Sie seufzte und sah Sportacus kurz an. Er nickte  zustimmend. Jetzt war der Moment gekommen, aber ihr Freund würde sie nicht im Stich lassen. Als sie geendet hatte, war Meinhard sehr überrascht. „Du hast wirklich geglaubt, dass ich....aber weißt du denn nicht, dass ich die Schmetterlinge zwar fange, aber sie später wieder frei lasse? Habe ich dir das nie erzählt?“
Stephanie wunderte sich und Sportacus war auch sehr erstaunt. „Ach Gottchen, ich dachte ich hätte dir einmal erzählt, dass ich sie nur anschaue und fotografiere!“
„Was?“
„Schau her, da ist meine Kamera“, sagte Meinhard und packte tatsächlich eine aus dem Rucksack. „Es ist nicht mehr das neueste Modell und ich gebe zu, dass die Bilder immer ziemlich unscharf werden. Aber das macht mir nichts. Wenn ich sie mir anschaue, weiß ich immer, um welches Exemplar es sich handelt. Erst pirsche ich mich heran und wenn sie ganz ruhig auf einer Blume sitzen, mache ich ein Bild von ihnen. Und manchmal fange ich sie, wenn ich sie mir wirklich aus der Nähe betrachten will und danach lasse ich sie wieder flattern. Übrigens mögen sie sehr gerne Bananen.“
„Aber...wo hast du denn die Fotos? Ich habe sie nie gesehen.“
„Das Album verwahre ich meistens im Schlafzimmer. Vor dem Schlafengehen blättere ich ganz gerne darin herum.“
„Aber die Sammlung auf dem Dachboden?“
„Die habe ich mal jemanden abgekauft. Ich fand sie so schön...obwohl...du hast ja Recht, Stephanie. Es macht einen schon traurig, weil sie nicht mehr fliegen können. Aber sie sahen so herrlich aus...und ich dachte, schaden kann es auch nicht mehr viel, weil sie ja leider schon...ach Gottchen. Nur an die Wand hängen wollte ich sie nicht, weil ich mir schon dachte, dass es dir Unbehagen bereiten könnte. Es tut mir leid, dass du sie gefunden hast.“
„Ist schon okay. Jetzt ist alles in Ordnung“, sagte Stephanie und umarmte ihn. „Und wegen dem Netz tut es mir auch leid. Das habe ich übrigens bei Pixel.“
„Und wenn Sie noch Lust haben“, setzte Sportacus hinzu, „dann können wir noch heute einen Ausflug machen.“ Und er fing an von seiner Idee zu erzählen. Die gefiel und für Meinhard Meintsgut und seine Nichte war die Welt wieder in Ordnung. Die lief gleich ein zweites Mal zu Pixel um das Schmetterlingsnetz zu holen, dass sie am Morgen stibitzt hatte. Ihr Freund saß vor einem seiner Monitore und kam aus dem Lachen nicht mehr heraus. „Schau dir an, was die anderen gerade machen!“, rief er und Stephanie sah genau hin: Auf der Wiese lief der Schmetterlingssammler aufgeregt und schimpfend hinter ihren Freunden her. Zwischendurch wurde er von heftigen Niesanfällen geschüttelt.
„Als er mal wieder geschlafen hat, hat ihm Trixie eine Niespulverbombe verpasst! Ich glaube nicht, dass er heute zum Schmetterlinge sammeln kommt!“
„Genial!“, fand Stephanie. Aber dann bekam sie einen besorgten Gesichtsausdruck. „Bloß ich fürchte, wir könnten Ärger kriegen. Der Mann meinte, er wäre im Auftrag der Naturwissenschaft hier.“
„Die Natur um Lazy Town ist groß genug. Und ich glaube nicht, dass es hier so seltene Schmetterlinge gibt, wie er behauptet. Ich habe alles mitgehört. Mich beschleicht eher das Gefühl, dass er einfach seine Ruhe vor uns haben will. Denn kaum seid ihr alle außer Reichweite gewesen, da hat er sich sofort auf die faule Haut gelegt. Wenn man nur wüsste, ob er es wirklich ernst meint mit seinem Beruf. Aber die Niespulverbombe war bestimmt nicht verkehrt. Vielleicht sollten wir den anderen helfen.“
„Ich komme, sobald mein Onkel reisefertig ist. Er fliegt nämlich mit Sportacus hinaus ins Grüne. Nachher erzähle ich dir alles.“
„Ich bin schon gespannt. Bis nachher!“
„Bis nachher!“
Sie lief zurück und übergab ihrem Onkel das vermisste Netz. Jetzt hatte er sogar noch eins in Reserve! Sportacus war schon dabei, sein Luftschiff zu holen. Der Bürgermeister hatte jetzt ein Gefühl, als würden die ganzen Schmetterlinge in seinem Bauch umherflattern, so aufgeregt war er, und die ganze Freude war ihm auch anzusehen. Freddie Faulig ahnte, dass sein Plan nicht so aufging wie er sich das gewünscht hatte. Das sich der Bürgermeister ein anderes Revier suchte, wäre ihm egal gewesen. Das er aber die Kinder von seinem eigenen Revier nicht fernhalten konnte, machte ihn rasend. Schon war er wieder in seinem Versteck und schmiedete finstere Rachepläne. Er braute ein kleines Mittelchen zusammen, dass den Kindern Respekt einflößen sollte und sie es nie mehr wagen sollten, auch nur in seine Nähe zu kommen...Es war Mittag geworden. Das Luftschiff hatte seine Landeklappen ausgefahren, damit es am Boden landen und Meintsgut einsteigen konnte. Stephanie wollte bei ihren Freunden bleiben und versprach, ein anderes Mal mitzukommen. „So sehr wie heute habe ich mich noch nie auf meine Schmetterlingssafari gefreut!“, sagte der Bürgermeister und stieg ein. „Bis heute Abend, Stephanie!“ Seine Nichte winkte ihm und Sportacus nach. Sie blieb unten stehen und wollte erst weggehen, wenn das Schiff losgefahren und nicht mehr zu sehen war. „Machen Sie es sich bequem, Herr Bürgermeister!“, sagte der Held einladend und Meinhard setzte sich auf einen Hocker, der aus dem Boden fuhr. Stephanie sah dem fahrenden Luftschiff hinterher und Pixel kam aus dem Haus, um seine Freundin bis zur Wiese zu begleiten. Ihre Freunde warteten aber schon ein ganzes Stück vor der Stadtgrenze auf sie. „Ich habe alles gesehen“, rief Pixel ihnen zu. „Das habt ihr gut gemacht!“
„Aber wenn er wiederkommt?“, fragte Meini besorgt.
„Ich habe noch einige Bomben in meinen Taschen und weit werfen kann ich auch“, sagte Trixie selbstbewusst. „Der soll sich wagen, auch nur einem Schmetterling etwas anzutun!“
„Daaaaaaaaa!“, schrie Ziggy auf einmal und alle drehten sich schnell um. Der Sammler war hinter einer Häuserecke hervorgesprungen und lief Richtung Stadtgrenze, also direkt auf die Wiese zu. Mit so einer Dreistigkeit hatte auch Trixie nicht gerechnet. „Ich glaub mein Schwein pfeift! Du hast wohl nicht genug, was? Jetzt lernst du mich aber richtig kennen!“
„Haltet ihn, haltet ihn!“, rief Meini. „Trixie, ziel doch endlich!“
„Schon dabei!“, rief sie und griff in ihren Rucksack. Aber diesmal war Freddie gewitzter. Er beobachtete Trixie genau und wich aus, sobald sie auch nur versuchte, zu zielen. Jetzt begab er sich zu der selben Mauer, wo sich schon Stephanie am Morgen versteckt hatte und verbarg sich schnell dahinter. Die Kinder waren ihm genauso schnell gefolgt. „Jetzt sitzt du in der Falle“, rief Trixie und holte weit aus. Der kleine gefüllte Luftballon mit dem Niespulver flog über die Mauer – aber ein Knall oder ein Niesen war nicht zu hören.
„Du hast ihn sicher verfehlt“, meinte Pixel und sie alle traten ein wenig näher heran.
„Ja, knapp vorbei ist auch daneben“, sprach der Mann und kam hinter der Mauer hervor. Er hatte die Bombe mit seinem Netz abgefangen und holte sie heraus. Bevor sich die Kinder in Sicherheit bringen konnten, warf er den gut gefüllten Ballon in die Gruppe. Mit einem kleinen Knall verteilte sich das feine Pulver in alle Richtungen.

„Trixie – HATSCHIE! Dein Pulver ist – HATSCHIE! - einzigartig!“, keuchte Pixel. „Danke – HATSCHIE!“, rief Trixie zurück. Freddie sah es und amüsierte sich prächtig. Aber noch hatte er seine Geheimwaffe nicht eingesetzt und die folgte promt. Aus seiner Umhängetasche zog er eine Sprühflasche hervor und besprühte die Kinder von oben bis unten mit seiner neuesten Erfindung. „Dieses verflixte Pulver kribbelt nicht nur in der Nase, sondern am ganzen Körper“, rief Meini. „Bist du sicher, dass du nicht auch noch Juckpulver hineingetan hast?“
„Ihhhh!“, rief jetzt auch Stephanie, „Als hätte ich Ameisen an mir! Was ist das nur?“
„Das ist meine Flüssigkeit, die ich auf euch gesprüht habe“, erklärte Freddie. „Das Kribbeln ist euer kleinstes Problem. Das vergeht nämlich bald. Aber schaut euch mal an!“
„Können vor Lachen – äh – vor Niesen!“, sagte Meini, der noch immer mit dem Pulver zu kämpfen hatte. Er holte sein Taschentuch hervor um seine tränenden Augen zu trocken und sich die Nase zu putzen. Danach sah er als Erster die ganze Bescherung. „Ziggy, woher hast du denn das neue Kostüm? Das alte stand dir aber besser.“
„Welches Kostüm?“
„Du siehst aus wie ein kleiner bunter Falter. Wie ein Schmetterling!“
„Au, mich drückt was!“ Trixie streifte ihren Rucksack ab.  „Irgendwas habe ich am Rücken.“
Meini machte große Augen. „Ja! Du hast Flügel, Trixie!"
„Autsch!“, machte jetzt Stephanie und rückte ihren Haarreifen zurecht. „Das zwickt mich was.“
„Das sind deine Fühler!“, rief Meini und wurde ganz aufgeregt. „Leute, seht euch mal an! Das ist unglaublich!“ Die Kinder betrachteten einander und wussten nicht, ob sie das alles träumten. Jeder von ihnen trug tatsächlich große und schimmernde Schmetterlingsflügel am Rücken. Sie waren sogar in  ihren  Lieblingsfarben und sie alle hatten zwei Fühler auf dem Kopf. Was aber noch schlimmer war: Die Kinder waren auch geschrumpft! Das größte Kind maß gerade mal zwölf Zentimeter. „Ich gebe zu, die Größe habe ich nicht ganz hinbekommen“, meinte Freddie. „Für Schmetterlinge seid ihr nämlich ein wenig zu groß.“
„Zu groß?!“, rief Ziggy schluchzend. „Sie finden uns zu groß?! Ich war immer der Kleinste, aber jetzt bin ich der Allerkleinste!“
„Hauptsache, ihr passt alle in den Schuhkarton“, sprach Freddie ruhig weiter und packte diesen sofort aus seiner Tasche. Sogar Luftlöcher hatte er hineingestochen. Also meinte er es wirklich ernst! „Was haben Sie mit uns vor?!“, rief Meini. „Sie werden uns doch nichts antun wollen?!“
„Nur keine Angst, ihr kleinen Flattermännchen. Ich werde euch für eine Weile einsperren, damit ihr Zeit habt, über eurer Verhalten nachzudenken. Hin und wieder werde ich natürlich auch mal nach euch sehen und euch bewundern. Schließlich bin ich Schmetterlingssammler, oder nicht? Und wenn ich genug von euch habe, lasse ich euch wieder frei. Ich glaube kaum, dass ihr es je wieder wagen werdet, mich zu demütigen.“
Zur gleichen Zeit blinkte der Kristall von Sportacus und der Superheld musste die Fahrt stoppen. „Da hat jemand ein Problem!“, rief er. „Sie müssen leider noch ein wenig Geduld haben, Herr Bürgermeister. Ich werde gleich wiederkommen.“ Sportacus sprang in den Pilotensitz, legte den Hebel um und sein Flugschrauber löste sich vom Luftschiff. Es sauste ein Stück geradeaus und machte eine Wendung Richtung Lazy Town. Das die Kinder in höchster Not waren, war kaum zu leugnen. Aufgeregt liefen sie umher wie kleine Mäuse – wenn sie nicht eher Schmetterlingen geglichen hätten. Aber einfach wegfliegen konnten sie nicht. Jedenfalls hätten sie nicht gewusst, wie sie es hätten anstellen können. Das hieß, bis auf Ziggy. „Hey, es geht! Es geht! Ich kann fliegen! Seht her, guckt doch mal!“, und schon flatterte der Junge umher.  Ziggy  verstand schnell wie das Fliegen mit seinen neuen Flügen ging und mit Hilfe des Windes gewann er nicht nur schnell an Höhe, sondern entfernte sich auch schnell von den anderen. Freddie bückte sich und hob sein Netz vom Boden auf, aber da kam schon ein neuer Windstoß und trug den Kleinen außer Reichweite. Freddie ließ von dem kleinen hellblauen Schmetterlingsjungen ab. Dafür widmete er sich den anderen. Seine Freunde hatten keine Zeit gehabt auf Ziggy zu achten und jetzt mussten sie ebenfalls zusehen, dass sie dem verrückten Sammler und seinem Netz entkamen. Schließlich fing er zuerst Trixie, aber die hatte noch einen Trumpf im Ärmel oder vielmehr in ihren Hosentaschen. Dort befanden sich nämlich noch einige Niespulverbomben und Trixie hoffte, dass sie nichts von ihrer Wirkung eingebüßt hatten. Obwohl es jetzt eher kleine Bömbchen statt Bomben waren, reichte es vollkommen aus um Freddie zum niesen zu bringen. Er ließ das Netz samt Trixie fallen, die aber dank ihrer Flügel sicher zur Erde segelte und die Kinder nutzen die Gelegenheit zur Flucht und liefen in ihrer Panik in alle Himmelsrichtungen auseinander. Nur Ziggy flatterte noch immer umher und besah sich alles von oben. „Da ist Sportacus!“, rief er erfreut und sah den Flugschrauber näher kommen. Seine Freunde hatten seinen lauten Freudenschrei gerade noch vernommen und freuten sich mit ihm. Nur Pixel erkannte, dass Sportacus' Ankunft eine Gefahr für sie darstellen konnte. „Geht bloß alle zur Seite!“, warnte Pixel laut und ausdrücklich. „Er wird uns vielleicht nicht sofort sehen und uns überrennen! Macht, dass ihr vom Gehweg weg kommt!“ Pixels Warnung kam keine Sekunde zu früh, trotzdem schaffte es Meini nicht, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Als er Sportacus auf sich zulaufen sah, schrie er in den höchsten Tönen auf. Der Superheld stoppte und ruderte mit den Armen, um nicht der Länge nach auf den Asphalt zu stürzen – und natürlich auf Meini.

Aber Sportacus erkannte den Jungen nicht. Der hockte nämlich ängstlich auf dem Boden und hatte sich eng zusammengekauert. Sportacus hielt ihn daher nur für einen Schmetterling. „Du bist aber ein großes Exemplar“, sagte er. „Ein Glück, dass ich dich gesehen habe. Aber wer hat denn vorher so geschrien? Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich meinen, es war der Schmetterling.“
„Gut erkannt!“, mischte sich nun Freddie ein und lief schnell auf ihn zu. „Das ist der „Schreihals Giganticus“! Der kann so schreien, dass Sie sogar taub davon werden können. Zum Glück ist das noch ein recht junges Exemplar, deswegen besteht kaum eine Gefahr. Sein Schreiorgan ist noch nicht voll ausgebildet.“
„Was es nicht alles gibt“, staunte Sportacus. „Und sowas findet sich hier in Lazy Town?“ Freddie griff mit beiden Händen nach Meini und hob ihn auf. „Was glauben Sie, warum ich hier bin? Und ich bin froh, dass ich ihn wiederhabe. Vorhin ist er mir glatt entflogen.“
„Dann bin ich wahrscheinlich wegen Ihnen hier?“, vermutete Sportacus.
„Das ganz bestimmt. Ich glaube kaum, dass Sie wegen den Schmetterlingen hier sind.“ Freddie hielt seine Hände um Meini, so dass seine kläglichen Hilferufe kaum zu vernehmen waren. Der Kristall jedoch blinkte noch immer. „Sportacus!“, rief nun Stephanie. Sie und ihre Freunde kamen jetzt hinter einer Ecke hervor und riefen auch um Hilfe. Ihre Stimmen klangen beinahe so, als würden sie aus weiter Ferne rufen. Sportacus sah sich nach allen Seiten um und Freddie hatte jetzt die Kinder entdeckt, die alle auf ihren Freund zulaufen wollten. Freddie machte eine Hand frei, schnappte sich blitzschnell den Karton und stürzte auf die Kinder zu! Er stülpte den offenen Karton über sie und so  saßen sie bald im Dunkeln. Nur einzelne Lichtpunkte erkannten sie, die von den Luftlöchern herrührten. Freddie steckte den armen Meini auch noch unter den Karton. Sportacus blickte kurz in Freddies Richtung. „Jetzt habe ich alle gefangen, die mir entkommen sind“, grinste Freddie. „Ich brauche Ihre Hilfe nicht mehr.“
„In Ordnung“, sagte Sportacus und nickte. Dann entdeckte er Trixies Rucksack auf dem Boden, hob ihn nachdenklich auf und lief zu seinem Flugschrauber zurück. Er rief dem Sammler hinterher: „Ich habe noch etwas zu erledigen. Und ich habe eine Bitte: Kann ich danach mit meinen Freunden zu Ihnen kommen, um die Schmetterlinge anzusehen? Wir würden uns sehr darüber freuen und die Kinder lernen schließlich auch etwas dabei. Warten Sie hier auf uns?“
„Also – das kann ich Ihnen nicht versprechen, ich habe sehr viel zu tun“, meinte Freddie, der sich am liebsten sofort aus dem Staub machen wollte. Sportacus hätte die armen Tiere nur zu gerne befreit, denn er hatte nicht vergessen, was er Stephanie versprochen hatte. Aber sein Kristall blinkte noch immer und der Hilferuf der Kinder hatte ihn alarmiert. Sobald Sportacus weit genug weg war, widmete sich Freddie wieder seinen Gefangenen. „So, ihr kleinen Racker“, sagte er zufrieden und hob ein wenig den Karton, um den Deckel darunterschieben zu können. „Jetzt könnt ihr so laut schreien wie ihr wollt. Sportacus findet euch nicht und Zuhause wartet ein gemütliches Aquarium auf euch.“
„Wollen Sie uns etwa auch noch zu Fischen machen?!“, rief Trixie.
„Unsinn! Aber darin ist genug Platz für euch alle. Und wenn ihr schön brav seid, habe ich ein paar Kekse für euch.“
„Kekse!“, rief nun Meini empört. „Jetzt sind wir schon bei den Papageien! Wenn Sie glauben, ich rufe: „Meini will einen Keks“, dann haben Sie sich aber getäuscht!“
„Nicht zu glauben“, sagte Trixie und war schon den Tränen nahe. „Wir sind in seiner Hand und Sportacus findet uns nicht einmal. Und wo ist Ziggy?“
„Armer Kleiner“, seufzte Pixel. „Hoffentlich geht es ihm gut.“  Ziggy war tatsächlich schon so weit weg, dass nicht mal Freddie ihn hätte aufhalten können. Er war auf die Stadt zugeflogen und war in etwa so hoch, dass er schon beinahe in jedes Fenster gucken konnte, dass im ersten Stock lag. Und für jemanden, der das erste Mal in seinem Leben flog, war das nun wirklich eine beachtliche Leistung! Mit etwas Wind und Muskelkraft war das gut zu schaffen. Aber es war auch sehr anstrengend und Ziggy hoffte darauf, dass Sportacus endlich zur Rettung eilte. Wenn das nur so einfach gewesen wäre...Sportacus hatte schon genug Mühe herauszufinden, wer denn genau seine Hilfe benötigte. Er ahnte zwar, dass es sich um die Kinder handeln musste, aber bis jetzt hatte er keines entdecken können, das gerettet werden musste. Und die Zeit drängte! In jeder Sekunde die Sportacus verlor, konnte jemand zu Schaden kommen. Er hatte schon in jeden Winkel geschaut, in fast jedes Fenster, hatte alle Straßen und Häuser überflogen – nichts! Das Einzige was ihm noch in den Sinn kam, war Freddie Fauligs Versteck. Das hieß, er wusste eigentlich nicht genau, ob sich Freddie auch weiterhin darin versteckte. Sportacus und seine Freunde hatten den Unterschlupf nur einmal besucht. Und das war zu dem Zeitpunkt gewesen, als ihn der Bösewicht in ein Kind verwandelt hatte. Aber vielleicht waren Stephanie und die anderen in die verlassene Fabrik zurückgekehrt und kamen nicht mehr heraus?

Sportacus machte nochmals eine Wende und flog zielsicher auf die Plakatwand zu. Und nicht nur das – leider flog er, ohne es zu wissen, auch zielsicher auf Ziggy zu! Der Kleine hatte sich einen Ruck gegeben und war noch höher geflogen in der Hoffnung, bald auf seinen Helden zu treffen, den er nicht aus den Augen verloren hatte. Das er aber so auf ihn treffen sollte, hatte er natürlich nicht gehofft und versuchte auszuweichen. Hätte der Kristall nicht auf einmal angefangen, schneller und lauter zu piepen, dann wäre ganz bestimmt ein großes Unglück passiert. Der Flugschrauber hielt in der Luft an und Sportacus wunderte sich über das Verhalten seines Kristalls. „Hier muss etwas sein, ganz sicher“, murmelte er. „Aber ich sehe doch nichts! Und doch will mir der Kristall etwas zeigen...“
„Ich bin hiiiieeerrr....“, hörte er Ziggy schreien und schnaufen. „Hier...ich kann gleich nicht mehr....du musst mich auffangen!“
„Wo? Wo bist du, Ziggy?“ Sportacus sah sich nach allen Seiten um.
„Hier unten....unten....“, keuchte Ziggy. „Das kleine flatternde Dingsda...das bin ich! Guck mal hin!“ Jetzt sah Sportacus nach unten und sah wirklich einen blauen Schmetterling an seiner linken Seite, der aber immer tiefer absackte. Instinktiv hielt Sportacus seine Hand unter ihn und fühlte, wie etwas darauf Platz nahm. Das war wirklich ein unglaublich großes Exemplar von einem Schmetterling, fand er. Wenn auch nicht so groß wie der erste, den er entdeckt hatte. Sportacus zog vorsichtig die Hand zu sich und sah sich das Tier genauer an. Da hob der Flattermann schon den Kopf und sah ihn aus seinen kleinen blauen Knopfaugen an. Seine Fühler wackelten vor Aufregung. „Hallo Sportacus! Ich bin es! Ziggy!“ Noch nie hatte Ziggy seinen Freund so entsetzt gesehen. Sportacus öffnete den Mund und wollte seinen Freund mit Fragen durchlöchern, aber nicht eine Silbe drang heraus. Nach einer kurzen Weile schloss er seinen Mund wieder und musste dafür einmal kräftig schlucken. „Ich bin so müde“, klagte der Junge, „aber ich muss dir was erzählen. Meine Freunde sehen jetzt genauso aus wie ich und müssen gerettet werden. Sie sind da unten, wo auch der böse Schmetterlingssammler ist....oh, ist er denn überhaupt  noch da?“
Sportacus sah in die Richtung, wo er den Sammler zuletzt gesehen hatte. Der Mann hatte es auf einmal sehr eilig und rannte quer über die wilde Wiese davon. „Dort hinten ist er jetzt“, sagte Sportacus. „Dann hat er mich vielleicht vergessen, aber meine Freunde hat er schon alle gefangen. Fliege schnell zu ihm. Ohje....bin ich vielleicht müde...“ Sportacus, der sich mittlerweile etwas gefasst hatte, sah sich in seinem Flugschrauber um. „Wo setze ich dich denn bloß hin, damit du mir nicht runterfällst?“, fragte er sich besorgt.
„Setz mich doch einfach unter deine Mütze!“
„Unter meine...? Ja gut, für ein Weilchen wird das wohl gehen, hoffe ich.“ Sportacus nahm seine Taucherbrille und die Mütze ab, setzte Ziggy ganz behutsam auf seinen Haarschopf und streifte noch vorsichtiger seine Mütze über ihn. Mit der Taucherbrille drumherum konnte sie wenigstens von Luftzug nicht fortgeweht werden. „Alles okay, Ziggy?“
„Alles klar!“
„Dann los!“ Der Flugschrauber flog quer über die ganze Stadt und das binnen von Sekunden. Sportacus folgte dem Mann, der auf die Plakatwand zurannte

Nur den Karton hatte er nicht mehr, dafür hielt er mit der linken Hand vorsorglich seine Umhängetasche fest. Freddie hörte das Geräusch des Flugschraubers und sah, wie es einige Meter vor ihm in der Luft stoppte. Das ernste und entschlossene Gesicht von Sportacus ließ erahnen, dass er Ärger bekommen würde. Sportacus sprang mit einem Salto aus seinem Fluggerät und landete gekonnt auf beiden Beinen. „AAHH! Mir wird schwindelig!“, schrie Ziggy unter der blauen Zipfelmütze. „Entschuldigung!“, rief Sportacus schnell. „Ich werde beim nächsten Mal besser aufpassen!“
„Mit wem sprechen Sie?“, fragte Freddie. „Ich sehe niemanden. Oder haben Sie etwa mit sich selbst gesprochen?“ Sportacus gab keine Antwort, sondern sah den Mann ernst an. „Geben Sie mir Ihre Tasche!“, befahl er.
„Niemals! Da sind meine Schmetterlinge drin!“
„Tatsächlich? Die armen. Kriegen die überhaupt genug Luft?“
„Im Karton sind jede Menge Luftlöcher!“
„Aber nicht in der Tasche“, sagte Sportacus und eilte auf den Mann zu. Freddie konnte kaum reagieren, da hatte der Superheld sie ihm schon entrissen. Er nahm den Karton heraus und öffnete ihn. Die armen Kinder lagen alle kreuz und quer auf – und übereinander, weil Freddie mit einem Affenzahn gelaufen war und sie somit richtig durchgeschüttelt hatte. „Ich kann nicht glauben, dass ihr es seid, Freunde“, sagte Sportacus. „Wie geht es euch?“
„Mir tun die Flügel ein bisschen weh“, klagte Pixel und Trixie strich sich über ihre Fühler. Ansonsten saß den Kindern nur der Schreck in den Gliedern. Sportacus sah nicht, wie sich Freddie langsam hinunterbeugte, seine Tasche an sich nahm und die Sprühflasche herausholte. „Her mit dem Karton, und zwar samt Inhalt“, befahl er dreist und zielte mit seiner Flasche auf Sportacus, „sonst mache ich Sie auch zu einem kleinen blauen Flattermann!“
„Niemals! Das ist glatte Erpressung!“, rief Sportacus entsetzt.
„Sie haben keine Wahl. Sie geben mir den Karton, dann gehen Sie zum Bürgermeister und sagen ihm, dass er mir alles Grün um und in Lazy Town überlassen soll. Ich will jede Wiese, jeden Park und jeden Garten für mich haben“, sagte Freddie und träumte schon davon, in Zukunft endlich in Ruhe faulenzen zu können.
„Wozu denn das?“
„Das kann Ihnen doch schnuppe sein. Aber wenn er mir meine Bitte nicht erfüllt, bleiben die Kinder wie sie sind. Für immer! Aber vorher will ich sie wiederhaben. Es kann ihnen nicht schaden, eine Weile hinter Glas zu sitzen und darüber nachzudenken, wie aufmüpfig sie mir gegenüber waren.“
„Was sind Sie für ein schrecklicher Mensch!“, schimpfte Sportacus. „Meine Freunde werden Sie niemals bekommen!“
„Von mir aus können Sie als Schmetterling zum Bürgermeister flattern, dass ist mir egal“, und Freddie drückte ab. Sportacus sprang zur Seite und zog sein Jojo hervor. Als Freddie noch einmal abdrückte, sprang Sportacus mit einem Salto über ihn. Kaum war er gelandet, da drehte er sich schnell herum und ließ sein Jojo durch die Luft sausen, das sich gezielt um den Flaschenhals schlang. Der Superheld zog kurz und kräftig daran und er entriss Freddie die Flasche, die nun im hohen Bogen durch die Luft flog, immernoch an der Schnur befestigt. Als das Jojo am höchsten Punkt war, zog Sportacus ein zweites Mal daran, aber diesmal nur ganz kurz, so dass es sich vom Flaschenhals abwickelte und zu ihm zurückkehrte. Die Sprühflasche aber wirbelte so hoch in der Luft herum, dass man sie kaum mehr ausmachen konnte. „Du bist ja schon wieder gesprungen“, sagte Ziggy, „aber diesmal fand ich es super! Ich glaube, ich gewöhne mich daran, das ist wie Achterbahn!“
„Was sollte das denn?“, rief Freddie außer sich. „Das war aber gar nicht nett!  Was haben Sie jetzt vor?“ Sportacus lief zum Flugschrauber und stieg ein. „Ich werde Ihre Forderung überbringen“, sagte er „und ich hoffe, dass Sie Ihr Versprechen halten werden!“
„Das hängt davon ab, wie sich der Bürgermeister entscheidet! Wir treffen uns am Rathausplatz!“
„In Ordnung!“ Sportacus warf dem Sammler noch einen strengen Blick zu, ehe er startete und über ihn hinwegsauste. Mit einem unguten Gefühl im Magen flog Sportacus zurück zum Luftschiff um dem Bürgermeister Bericht zu erstatten.

Meinhard hatte in der Zeit seine neue Kamera ausprobiert und war sehr zufrieden. Als Sportacus zurückkehrte, war er Feuer und Flamme, aber der Superheld von Lazy Town musste seine Freude leider zügeln. Sportacus berichtete zunächst, dass der Schmetterlingssammler mehr Ärger machte als gedacht und erzählte auch, dass er praktisch jeden Grashalm für sich beanspruchen wollte. Der Bürgermeister war überrascht, aber nicht sonderlich besorgt. „Gleich am Montag werde ich mit ihm ein ernstes Wort reden.“
„Ich fürchte, wir müssen sofort eine Entscheidung treffen. Es geht nämlich um das Wohl der Kinder. Herr Meintsgut, dieser Mann ist in der Lage, Menschen in Schmetterlinge zu verwandeln.“
„Oh“, machte Meinhard. „Heute dreht sich wirklich alles um die kleinen flatterhaften Dinger. Was sagten Sie, kann dieser Mann?“
„Onkel Meinhard?“, tönte es zaghaft aus dem Karton. „Bitte erschreck nicht. Aber Sportacus hat recht. Wir sind alle....naja, sehr klein.“ Meinhard trat langsam heran und warf einen Blick in den Karton. „Atmen Sie ganz ruhig durch“, bat Sportacus, um eine Ohnmacht zu verhindern. Aber da war es schon zu spät. Sportacus konnte ihn mit dem rechten Arm halten, während er mit der linken Hand den Karton hielt. „Das habe ich befürchtet! Um Himmels willen, Herr Bürgermeister!“
„Onkel Meinhard!“, rief Stephanie wieder und flatterte aufgeregt aus dem Karton und auf ihren Onkel zu. „Pinkie, wie machst du das? Ich will auch fliegen!“, und Trixie strengte sich mächtig an, um ihre Flügelchen in Bewegung zu bringen. Jetzt regte sich auch Ziggy. „Hier drin wird es langsam heiß!“, piepste er unter Sportacus' Mütze.
„Dich habe ich ja ganz vergessen!“, rief Sportacus.
„W – w – wer war denn das?“, fragte Meinhard ganz benommen.
„Das ist Ziggy. Er ist noch unter meiner Mütze.“ Er richtete den Bürgermeister auf und zog seine Mütze ab. „Verzeih mir, ich hab wirklich nicht mehr an dich gedacht!“ Ziggy streckte seine Fühler und Flügel aus und sah seine Freunde im Karton hocken. Die Wiedersehensfreude war riesengroß! Nur der Bürgermeister wirkte etwas verstört. Sportacus setzte ihn auf einen Hocker. Stephanie hatte auf der linken Schulter ihres Onkels Platz genommen und Ziggy auf der rechten. Aber der Bürgermeister bemerkte sie kaum. „Mein Hobby ist mir ein wenig zu Kopf gestiegen“, vermutete er. „Ich sollte mich für ein paar Tage krank schreiben lassen.“
„Ich fürchte, Sie müssen sich jetzt zusammenreißen und Ihre ganz Kraft aufbieten“, riet Sportacus.  „Wir sollten auf die Forderung dieses Mannes eingehen. Er wird bestimmt schon warten und es geht schließlich um die Kinder.“
„Und wenn er nicht Wort hält?“, begann Pixel. „Es wäre sicherer, wenn ich das Gegenmittel brauen könnte. Nur wird es seine Zeit brauchen. Leider.“
„Warum? Liegt es daran, dass du jetzt so klein bist?“, fragte Meini.
„Sportacus hat mir schon oft gesagt, man ist nie zu klein um zu helfen“, sagte Ziggy, der jetzt wieder ganz zuversichtlich war. „Zugegeben, ohne Hilfe wird es diesmal nur schwer gehen“, gab Sportacus zu. „Aber ich und der Bürgermeister sind auch noch da. Sag was du brauchst, und wir besorgen es dir.“
„Das ist gut, aber trotzdem sehe ich noch genug Schwierigkeiten. Ich weiß nämlich nicht, wo ich anfangen soll.“
„Das sagst ausgerechnet du?!“, rief Meini ungläubig. „Du weißt doch sonst immer, wo du anfangen sollst!“
„Habe ich schon mal jemanden in einen Schmetterling verwandelt? Das ist eine heikle Sache. Und um schnell eine Rückverwandlungsformel zu basteln, bräuchte ich eigentlich die Verwandlungsformel. Also eben die Formel, die uns fast zu richtigen Schmetterlingen gemacht hat. Tja, und die haben wir eben nicht.“
„Geht das denn sonst wirklich nicht?“, hakte Stephanie nach.
Pixel ließ einen Seufzer ertönen. „Doch....aber viele, viele zeitraubende Versuche wären nötig, bis ich einen Volltreffer landen könnte.“
„Das klingt aber auch sehr gefährlich“, sagte Sportacus. „Was du da erklärst, ist pure Theorie. Aber was passiert, wenn du deine Formel testen musst und sie nicht die richtige ist?“
„Mir wäre auch wohler, wenn ich die Originalformel hätte, Sportacus. Dann käme ich schneller zu einem sicheren Ergebnis.“
„Na, die wird der Kerl bestimmt nicht rausrücken!“
„Nein, Ziggy, sicher nicht. Wenn ich nur etwas von der Flüssigkeit hätte....Ah! Die Flasche! Mensch, wir brauchen die Flasche, die du weggeworfen hast, Sportacus!“
„Das wird die berühmte Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen“, seufzte Meini. „Hättest du das nicht früher sagen können?!“
„So groß ist Lazy Town nicht“, sagte Sportacus, „die werde ich schon finden. Ich werde mich gleich auf den Weg machen.“ Er sah zum Bürgermeister. „Wie geht es Ihnen denn? Haben Sie alles mitbekommen?“ Fürsorglich fühlte er Meinhards Puls. „Ich glaube, so langsam begreife ich alles“, sagte der Bürgermeister. „Wenn ich es mir recht überlege, habe ich schon viele merkwürdige Sachen erlebt und bräuchte mich eigentlich nicht mehr wundern. Wenn ich nur an Pixels Erfindungen denke...“
„Na sehen Sie. So schlimm ist das alles gar nicht“, tröstete ihn Meini. „Naja, beinahe. Jedenfalls finde ich es nicht mehr so schlimm, seitdem wir wieder Hoffnung schöpfen können. Und wenn ich es mir recht überlege – meine Flügel sind wunderschön!“ Der Bürgermeister lächelte ein wenig. „Ihr seid alle wunderschön. Aber mir wäre es lieber, ihr wärt wie früher.“ Sportacus mixte dem Bürgermeister schnell einen Fruchtdrink. „Der wird Ihnen Kraft geben“, meinte er und überreichte ihm das Glas. „In der Zwischenzeit werde ich schnell lossausen und nach der Flasche suchen. Wenn das klappt, dann brauchen wir auf die Forderung dieses Menschen erst gar nicht einzugehen und alles wird gut.“
„Hoffen wir es, Sportacus“, sagte der Bürgermeister traurig. „Obwohl, was sind schon ein paar Wiesen und Gärten...“ Er strich seiner Nichte mit dem Zeigefinger vorsichtig über ihren Arm. „Ich würde ihm alles geben“, seufzte er. So weit durfte es nicht kommen, das wollte Sportacus auf keinen Fall und machte sich auf die Suche. Freddie stand noch auf dem selben Fleck, weil er auf eine rasche Antwort des Bürgermeisters hoffte. Kurz darauf sah er, wie Sportacus schnell wie ein Pfeil geradewegs in die Stadt flog. Der Gauner war sehr verwundert darüber. Hatte Sportacus die Forderung etwa noch nicht überbracht? Nun, vermutlich hatte er sich erst um die Kinder gekümmert und sie beruhigt, und jetzt war er auf dem Weg zum Rathaus. „Hm, es ist besser, wenn ich in der Zeit noch schnell einen Vertrag aufsetze. Was man Schwarz auf Weiß hat, kann einem niemand nehmen.“ Somit lief er schnell in sein Versteck. Sportacus suchte die ganze Stadt mit Argusaugen ab. Aber ihm fiel nur auf, wie Senta Senfdazu gerade ihre Tür aufschloss und ins Haus ging. Hätte er nur fünf Minuten eher sein Luftschiff verlassen, dann hätte er gesehen, wie Senta die Sprühflasche vom Boden aufgehoben und in eine Mülltonne geworfen hatte...

In der Zeit fanden die Kinder ihr Los nicht mehr so schlimm wie zu Anfang und machten im Luftschiff Flugübungen. Weil sie jetzt so klein waren, hatten sie weit mehr Platz, als sie jemals brauchten. Sie liefen und sprangen umher und Ziggy spielte sogar den Fluglehrer. Wenn Meinhard mit Sicherheit gewusst hätte, dass alles gut werden würde, dann wäre ihm wenigstens ein bisschen zum Lachen zumute. Da aber alles im Ungewissen war, machte er sich natürlich große Sorgen über die Zukunft der Kinder, vor allem aber über die von Stephanie. Sollte sie für immer so bleiben müssen – wie würde das Leben weitergehen? Müsste er sie etwa vor der ganzen Welt verstecken? Wenn das nämlich in die Zeitung und ins Fernsehen käme...Meinhard Meintsgut mochte sich gar nicht ausmalen, was danach passieren könnte. Schmetterlingssammler aus der ganzen Welt würden sein Haus umringen, um Stephanie zu fangen  und sie anschließend in einem Naturkundemuseum auszustellen! Oder sie würde einem geldgierigen Zirkusdirektor in die Hände fallen, der sie zu einer neuen Attraktion machen würde. Vor Meinhards geistigem Auge erschien ein Plakat, auf der Stephanie als kleines Wunder präsentiert wurde. Sie wäre dazu gezwungen, ihr Leben lang umherzureisen und für alle Menschen zu tanzen und zu singen, ob sie wollte oder nicht. Wahrscheinlich müsste sie auch noch Zirkuskunststückchen vorführen...aber so weit durfte es niemals kommen. Der Bürgermeister wischte sich mit seinem Taschentuch den Angstschweiß von der Stirn. Nach etwa einer halben Stunde kehrte Sportacus zurück. „Ich habe gründlich überlegt, wo die Flasche gelandet sein könnte und alles abgesucht. Aber sie war nicht zu finden.“
„Und nun?“, fragte Stephanie traurig.
„Jetzt liegt es an mir“, sagte ihr Onkel. „Ich werde keine Minute länger zulassen, dass ihr als Schmetterlinge durchs Leben flattert.“
„Es ist ja nicht vollkommen hoffnungslos“, meinte Pixel. „Es wird halt nur länger dauern, bis ich uns zurückverwandeln kann.“
„Nein“, sprach der Bürgermeister entschlossen. „Sportacus hatte schon erwähnt, dass das zu gefährlich werden könnte. Ich bin bereit, dem Mann zu geben was er will, und das auf Lebenszeit. Die wilden Wiesen um Lazy Town, die bis jetzt niemanden gehören, wird er auch bekommen und zwar ohne Umstände. Irgendjemand wird dafür zuständig sein und dann werde ich das schon regeln.“
„Trotzdem bleibt die Sorge, dass er sein Wort brechen könnte“, meinte Sportacus.
„Ich vertraue einfach darauf, dass er das nicht tut. Was anderes bleibt uns nicht. Aber wir sollten wirklich keine Sekunde mehr verlieren.“
„Tja, ich will auch nicht mehr länger warten“, sagte Trixie. „Für morgen habe ich nämlich keine sauberen Klamotten. Es sei denn, wir gehen alle zusammen in den Spielzeugladen um uns passende Puppenkleidchen zu kaufen oder bitten Senta, dass sie uns welche näht.“
Der Bürgermeister sah Sportacus an und nickte ihm zu. „Dann werden wir jetzt augenblicklich umkehren. Bitte lenken Sie das Luftschiff Richtung Lazy Town.“
„Wird gemacht.“

So begaben sich alle auf den Rathausplatz und Sportacus baute die Tribüne auf. Der Superheld hatte die Kinder behutsam auf das Rednerpult gesetzt und jetzt blieb ihnen nichts weiter übrig als zu warten. Es dauerte aber beinahe noch eine weitere halbe Stunde bis der Erpresser erschien, und das, wo die Nerven aller Anwesenden ohnehin schon blank lagen. „Wir dachten schon, wir hätten Sie verpasst“, sagte Meinhard erleichtert. „Ich war bereits auf einem Ausflug als mich die Nachricht erreichte, und konnte daher nicht schneller hierher eilen.“
„Hauptsache, Sie sind da und entscheiden vernünftig“, sagte Freddie und wollte dem Bürgermeister ein Schriftstück überreichen. Da trat Sportacus vor und nahm es bereits an sich. Der Superheld achtete genau darauf, dass dieser Mann Herrn Meintsgut und den Kindern nicht zu nahe kam. Es war eine Vorsichtsmaßnahme für den Fall, dass er sich eine weitere Gemeinheit ausgedacht hatte. Sportacus überreichte Meinhard den Vertrag. Der Bürgermeister überprüfte ihn sehr sorgfältig. „Also gut. Hier stehen Ihre Forderungen – genau wie Sportacus sagte – und was Sie dafür versprechen. Sie hätten aber ruhig ein sauberes Blatt nehmen können. Da sind ziemlich viele Flecken drauf.“
„Ich hatte gerade kein anderes zur Hand“, meinte Freddie Faulig und unterdrückte mühsam ein Grinsen. Meinhard zückte seinen Füller und unterschrieb rasch. Sportacus nahm den Vertrag und gab ihn dem Erpresser zurück. Mit einem Atemhauch trocknete er die frische Tinte und faltete das Schriftstück zusammen. Er sah den Bürgermeister zufrieden an. „Jetzt gibt es nur noch eines für mich zu tun.“
„Das will ich meinen. Helfen Sie auf der Stelle den Kindern!“, forderte Meintsgut.
„Das werde ich – aber nicht heute. Ich habe viel zu tun. Ich muss die Gärten und Wiesen nach seltenen Schmetterlingen absuchen. Dabei möchte ich übrigens nicht gestört werden.“
„Ja aber – die Kinder!“, stieß Meinhard empört hervor. „Das haben Sie versprochen! Sie wollen doch nicht wortbrüchig werden?!?“
„Keinesfalls, ich halte mich nur an den Vertrag. Dort steht, dass ich den Kindern helfen werde, sobald ich meinen Willen habe. Nun gut, den habe ich. Im Vertrag steht aber nichts darüber, dass ich ihnen sofort helfen muss. Ich kann es auch morgen tun, in ein paar Wochen...oder in ein paar Jahren...“ Sportacus und Meinhard sahen sich entgeistert an. „Außerdem muss ich nicht nur das Grün absuchen, sondern auch die Straßen. Schmetterlinge können überall herumflattern, nicht? Und das haben Sie mir auch schriftlich erlaubt. Sie sind zwar noch Bürgermeister – aber im Grunde genommen haben Sie mir praktisch die ganze Stadt überschrieben  und das auf Lebenszeit!“
„Das habe ich nicht!", rief Meinhard, aber Freddie zog eine Lupe hervor und streckte ihm nochmals den Vertrag hin. „Gucken Sie genau hin! Das auf dem Papier waren keine Flecken, sondern schlicht und einfach das Kleingedruckte!“
„Aber – aber – das geht doch nicht!“, japste Meinhard und die Kinder schimpften und tobten.
„So eine gemeine, hinterhältige List!“, sprach Sportacus. „Ich hätte es wissen müssen!“
„Hören Sie!“, rief Meinhard. „Jetzt haben Sie wirklich alles, was Sie wollen. Ich bitte Sie, helfen Sie Stephanie! Helfen Sie ihren Freunden! Und zwar jetzt und hier!“, flehte er schon beinahe unter Tränen. Freddie tat so, als würde er sich selbst eine Träne aus dem Augenwinkel wischen und holte eine weitere Flasche aus der Tasche hervor. „Na gut...wenn Sie mich so darum bitten. Im Grunde bin ich doch ein herzensguter Mensch.“ Er richtete die Sprühflasche auf die Kinder, und Sportacus vertraute auf seinen Kristall. Der würde ihn schon warnen, wenn neues Unheil drohte...Freddie versuchte abzudrücken. „Hm, da klemmt was. So ein Pech aber auch!“
„Jetzt seien Sie doch nicht so umständlich“, sagte Meinhard ungeduldig. „Soll ich Ihnen helfen?“
„Das wäre mir sehr recht. Sie sind bestimmt geschickter als ich.“ Aber kaum hatte sich der Bürgermeister vom Rednerpult entfernt, als der Kristall eine Gefahr meldete! Sofort sprang Sportacus mit einem großen Salto über das Pult und über die Kinder hinweg. Er stürzte zu Meinhard und riss ihn von Freddie fort, der kurz darauf abdrückte. Eine feine, aber sichtbare Wolke aus zarten Tröpfchen sank langsam zu Boden. Meinhard sah bestürzt auf den vermeintlichen Schmetterlingssammler. „Sie wollten den Kindern gar nicht helfen! Sie wollten mich reinlegen – wieder einmal! Sie...!“ Jetzt verlor der arme Meinhard endgültig die Fassung und sprang auf Freddie zu – und bekam so doch noch einige Tropfen der Tinktur ab, die für eine Verwandlung aber vollkommen ausreichten. Sportacus zog Meinhard zu sich zurück, aber er hatte zu spät reagiert. So mussten er und die Kinder mitansehen, wie der Bürgermeister schrumpfte und wie ein Mittelding zwischen Schmetterling und Mensch aussah, mit großen gelben, braunen und beigen Flügeln und zwei Fühlern auf der Halbglatze. Freddie Faulig lachte laut auf. Aber er hatte nicht mit fünf anderen kleinen Halbschmetterlingen gerechnet, die vor Wut vom Rednerpult aufgesprungen waren und ihn wild umflatterten. Dabei zwickten sie ihn heftig in Wangen und Nase, zogen ihn an den Ohren und am roten Bart. Sportacus hatte den armen Bürgermeister schnell vom Boden aufgehoben und ihn auf das Pult gesetzt. Jetzt war er näher herangetreten und versuchte die Kinder und den Mann zu beruhigen. „Ihr blöden Viecher – ich meine Bälger!“, tobte Freddie und fuchtelte wild mit den Händen. „Bleibt alle ruhig!“, rief Sportacus. „Ihr alle müsst euch beruhigen, sonst wird noch jemand verletzt!“
„Ja! Ich! AU!“, rief Freddie, weil Pixel an seinem roten Bart zog, der gut festgeklebt war. So sehr  Sportacus die Wut der Kinder verstand, er musste irgendwie einschreiten. Aber dazu kam es nicht, weil Pixel – jetzt mit Trixies Hilfe – es geschafft hatte, den Bart vom Kinn zu lösen. Vor Schmerz schrie Freddie laut auf und ließ die Flasche mit dem Gebräu fallen, die Sportacus schnell aufhob. Jetzt starrte der Superheld erschrocken auf das Gesicht des Mannes, weil er im Glauben war, dass die Kinder ihm vor lauter Wut sein wirkliches Barthaar ausgerissen hatten. Und das musste einfach wehtun! „Ha!“, rief Trixie, „Das geschieht ihm recht!“, und stieß mit dem Fuß verächtlich Freddies Hut vom Kopf. Jetzt war die Maskerade durchschaut. „Freddie Faulig!“, riefen alle überrascht. Vor Schreck und Erstaunen wäre der Bürgermeister beinahe vom Pult gefallen. „Du...du..du!!“, machte Trixie nur und zog Freddie an seiner Haartolle. „Mach uns wieder zu Menschen!“, rief das Mädchen, das eher einer wütenden Hornisse glich als einem zarten Schmetterling.
„Das braucht er nicht“, rief Pixel. „Sportacus hat die Flasche! Ich kann ein Gegenmittel brauen!“ Freddie sah entsetzt auf Sportacus, der die Flasche einmal in die Luft warf und geschickt wieder auffing. „Mach, dass du verschwindest, Freddie!“, rief Stephanie. „Du hast uns und meinem Onkel genug angetan! Ich bin so sauer auf dich, das kannst du dir gar nicht vorstellen!“
„Oh doch, das kann ich!“, meinte Freddie und gab schnell Fersengeld, weil er sich einem weiteren Angriff nicht gewachsen fühlte. Meini, der wie immer ans geschäftliche dachte, fiel etwas ein. „Er hat noch den Vertrag in der Tasche!“, rief er den anderen zu. „Es ist besser, wenn wir ihn holen! Wer weiß, was noch alles in dem Kleingedruckten steht.“
„Das werde ich machen“, sagte Sportacus, der die Kinder wie immer nicht in Gefahr wissen wollte. Er lief hinter Freddie her, entriss ihm die Umhängetasche und zog den Vertrag heraus. Der Gauner war erst perplex, dann wütend. „Ihr gönnt mir einfach gar nichts! Aber vielleicht ließe sich wenigstens über den Lazy Park reden?“
„Das glaube ich eher nicht“, sprach Sportacus und kümmerte sich nicht um das sinnlose Gejammere, sondern eilte zurück zu seinen Freunden. Die hatten übrigens einen Heidenspaß, den Vertrag in der Luft zu zerreißen. Bei dem Anblick musste auch Sportacus lachen. „Tja Freunde, so kommt alles zu einem guten Ende. Nicht wahr, Herr Bürgermeister?“
„Ach Gottchen, ich glaube schon“, sagte er müde. Die ganzen Ereignisse dieses einen Tages hatten ihn eine Menge Kraft gekostet.  „Ich hoffe Pixel schafft es bis Montag, die Verwandlung rückgängig zu machen. Senta wird sonst an ihrem Verstand zweifeln, wenn sie mich ins Büro flattern sieht. Oder ich lasse mir einfach nichts anmerken und tu so, als wäre alles normal. Ob das gehen würde?“
„Wäre sie extrem kurzsichtig“, warf Trixie ein, „könnte das klappen. Nur leider ist sie es nicht.“
„Machen Sie sich keine Sorgen, noch vor dem Abendessen sind Sie wieder ein Mensch“, versprach Pixel. „Mit Hilfe von Sportacus natürlich. Dank dem Elixier ist das kein Problem mehr.“
„Dann ist es ja gut.“ Pixel hielt sein Versprechen, wie sollte es auch anders sein. Sportacus mixte nach Pixels Anweisung das Gegenmittel zusammen und erlöste alle von ihrem Dasein als Schmetterling. Mittlerweile bedauerten die Kinder beinahe die Rückverwandlung. Aber nur beinahe. Das hieß, bis auf Ziggy. Der war sogar richtig traurig darüber, weil er so schön das Fliegen erlernt hatte und jetzt musste er das Gelernte wieder aufgeben. Sportacus hatte schon seine liebe Mühe dem kleinen Ziggy zu erklären, dass er dafür viele andere Dinge tun könnte. „Ich könnte doch so groß bleiben wie ich jetzt bin – nur mit Flügeln!“, meinte Ziggy, „Pixel könnte mir bestimmt neue machen.“ Aber selbst Pixel riet ihm davon ab, weil er meinte, es könnte irgendwann passieren, dass die Flügel sich nicht mehr entfernen ließen. Was Ziggy aber nicht sonderlich störte. Letztendlich war es aber Trixie, die ihn endlich überzeugte. „Also wenn du im Museum landen willst, wo man dich gegen Geld anstarren kann, dann bitte. Du weißt doch selbst wie das war, als uns Freddie fangen und einsperren wollte! Willst du das wirklich riskieren?“ Nein, das wollte Ziggy natürlich nicht.

Das Schönste für Stephanie war übrigens, dass sie wieder mit Sportacus tanzen und „Bing Bang“ singen konnte. Als Schmetterling wäre das wirklich nicht mehr gegangen. Und der Bürgermeister freute sich jetzt erst so richtig auf seinen Ausflug. Er bestand mehr denn je darauf, denn das war genau die Erholung, die er jetzt brauchte. Nur Freddie konnte sich nach diesen missglückten Plan über gar nichts so recht freuen. Nach diesem Frusterlebnis hätte er jetzt ein großes Stück Schokoladentorte gebraucht, aber vor ihm auf dem Tisch lag nur ein – für Freddie – recht mickriges Stück. „Wenn ich klein wäre, dann würde es ja reichen“, meinte er, und plötzlich überkam ihm eine Idee. Er nahm den Teller und stellte ihn auf den Labortisch, dann nahm er ein gefülltes Reagenzglas und goss den Inhalt in eine Sprühflasche. Ein paarmal kurz gesprüht – und aus Freddie wurde ein Flattermann! Er rieb sich vor Erwartung die Hände und ließ sich in das Tortenstück fallen. Seine Fühler wippten vor Freude. „Wenn ich da durch bin, geht es mir besser! Mampf!“

ENDE

Lazy Town (C) by Magùs Scheving
Review schreiben