Neunundneunzig Splitter

GeschichteAbenteuer / P12
ES
24.06.2009
24.06.2009
1
1237
2
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Neunundneunzig Splitter, dachte Carfesch verzweifelt. Neunundneunzig Splitter, und alle mussten sie sich in einem intelligenten Wesen vereinen.
Dann die Anordnung. Die meisten Splitter hatten die Vielfalt eines tausendfach geschliffenen Kristalls, und jede Fläche konnte sich mit der eines anderen Kristalls verbinden, aber nur eine erbärmliche Handvoll Variationen war wirklich sinnvoll.
Ach, und dann musste nicht nur eine sinnvolle Kombination, sondern eine aller neunundneunzig Splitter erfolgen... falls sie jemals zusammen fanden.

Dies hier war WELT, der dritte Planet einer namenlosen Sonne, die ihr gelbes Feuer durch die Spiralarme der Residenzgalaxis von ES sandte, dem Verwalter dieser Mächtigkeitsballung. Hier waren die neunundneunzig Splitter ausgestreut worden, in der Hoffnung, die natürliche und die durch die Noon-Quanten und den Schwarm beeinflusste Evolution zu beschleunigen, um die Chance zu erhalten, dieses einmalige Experiment erfolgreich zu beenden.

Nur ein organisches Wesen konnte die Splitter in sich vereinen, sie kombinieren, in über tausend mal eine Billiarden Möglichkeiten...
Wie groß war die Chance, dass eine für die Kosmokraten brauchbare Kombination entstand?

Carfesch sah sich um. In den Meeren tummelte sich die Intelligenz, große Säuger beherrschten sie, von den vereisten Polkappen bis zu den heißen Zonen am Äquator.
Vielleicht würde eine Unterart dieses Evolutionszweiges die Splitter sinnvoll vereinigen? Wer weiß? Der Sorgore erkannte jedenfalls, dass diese Wesen im Durchschnitt bis zu fünfzig Splitter trugen.
Die Meere waren für ihn ein Hort der Hoffnung, dass geschehen möge, was eigentlich unmöglich war.


Das Land... Oh, viele Spezies hatten sich an Land entwickelt, vor allem solche, die es später ins All hinaus getrieben hatte, aber dieses Land bot wenig Chancen. Es hatte an sich ganz gut ausgesehen, eine kleine Zeit lang. Die Beherrscher des Landes, eine hominide Spezies an der Schwelle zur Intelligenz hatte im Durchschnitt vierzig Splitter getragen und die Entwicklung gepuscht, leider auch in ein paar Sackgassen.
Ja, die Wesen, die Lemurer entwickelten sich wie im Rausch weiter, erklommen eine Hürde der Evolution nach der anderen und vereinigten in sich bei Anbeginn ihres Zeitalters der Raumfahrt unglaubliche neunzig Splitter.
Doch welche Farce, der Krieg mit den Halutern zerstörte diese Hoffnung. WELT wurde schwer verwüstet, ächzte unter einer neuen Eiszeit.
Die Lemurer, falls sie es nicht vorzogen, auf ihrer Heimatwelt der Devolution anheim zu fallen, flüchteten in die Weiten der Galaxis. Kein Exemplar dieser Intelligenzen trug noch mehr als siebzig Splitter und Carfesch glaubte nicht daran, dass jemals einer der ihren alle neunundneunzig Splitter in einer guten Kombination tragen würde...


„Ist es das?“ fragte Carfesch. „Die Splitter wurden nur gestreut, um einen potentiell Unsterblichen zu markieren?“
Ein amüsiertes Gelächter antwortete ihm. ES wandte seine Aufmerksamkeit vom System Larsafs Stern, wo eines seiner Robotschiffe gerade einen Zellaktivator der Kosmokraten an einen Abkömmling der alten Lemurer verlieh, ab.
„Atlan von Gonozal trägt nicht nur alle neunundneunzig Splitter in sich - wovon du, Carfesch, immer gesagt hast, es sei unmöglich - die Kombination ist auch sehr interessant. Die Kosmokraten werden viel mit ihm vorhaben, weit mehr, als ihn unsterblich zu machen. Vielleicht weit mehr, als ihn zum Ritter der Tiefe zu schlagen, wer weiß?“
„Bilde ihn aus“, forderte Carfesch. „Wenn er so bedeutend ist, braucht er Erfahrung. Bilde ihn aus.“
„Nun gut. Aber er ist sehr lernfähig. Zehntausend Umläufe Larsaf III`s um seine Sonne werden reichen.“


Die Splitter verteilten sich weiter über den Kosmos, zusammen mit den Abkömmlingen der Ersten Menschheit. Arkon erreichte den Höhepunkt seiner Macht, Akon, die vermeintliche Mutterwelt, kapselte sich immer noch ab. Tefrod und die MDI schlossen ihre Fäuste noch enger um Andromeda.

Carfesch graute es. Fast alle diese Menschen trugen über neunzig Splitter in sich. Was, wenn einer der grausamen MDI in sich eine der gütigen Kombinationen vereinte?
Was, wenn ein degenerierter Arkonide Träger der perfekten Kombination war?

Und das Unheil geschah. Ein Arkonide wurde geboren, der die perfekte Kombination aufwies. Es war Crest aus dem Hause Zoltral.
Carfesch wollte bereits vor Zorn und Wut aufheulen, doch ES wiegelte ab.
„Etwas fehlt. Wir warten noch immer auf die perfekte Kombination.“
Und der Kosmokratenbote schöpfte wieder Hoffnung...


Larsaf III, die Erde, WELT oder Terra, immer wieder der Ort der Saat.
„Es ist vollbracht!“, hallte ES´ Triumph durch die körperlose Sphäre. „Die perfekte Kombination ist gefunden!“
„Wo?“ fragte Carfesch aufgeregt. „Wo haben alle neunundneunzig Splitter zusammengefunden?“
„Du irrst. Es sind nicht neunundneunzig, es sind hundert Splitter.“
„Aber haben die Kosmokraten nicht lediglich neunundneunzig Splitter gestreut?“
„Den letzten Splitter konnten die Mächte der Ordnung nicht säen. Den letzten Splitter konnten nur die Kinder dieser Welt einbringen.“
„Ich verstehe nicht. Wer ist der Träger der perfekten Kombination?“
„Ein kleiner Junge von gerade mal acht Jahren. Er lebt auf Terra.“
„Larsaf III, die Lehrstatt Atlans...“
„Verstehst du nun, Carfesch? Weißt du nun, welcher Art der letzte Splitter sein musste, der sich mit den anderen neunundneunzig in diesem Kind perfekt kombiniert hat? Perry Rhodan ist ein Nachfahre von Atlan. Und das macht ihn zum Träger aller hundert Splitter. In ihm kombiniert sich die ungestüme Kraft dieses jungen Volkes mit der Erfahrung des relativ unsterblichen Arkoniden. Er ist kein genetisches Experiment, auch kein Auserwählter. Er selbst kombinierte die Splitter, und damit hat er sich die Unsterblichkeit verdient.“
„Er ist noch zu jung, ES.“
„Ich weiß. Lassen wir ihm Zeit, erwachsen zu werden. Dann wird er in die Lehre gehen.“
„Ist es nicht gefährlich, ihn mit Atlan zu konfrontieren?“
„Atlan... Er und Perry Rhodan werden einander erst begegnen, wenn Crest von Zoltral seine Persönlichkeit geformt hat. Eine kleine Inspiration nur, und Crest wird die Erde aufsuchen. Dort wird er einen tatkräftigen, weltoffenen und hoch intelligenten Raumfahrer vorfinden, den er auf den Tag vorbereitet, an dem er Atlan begegnen wird.“
„Aber wie machen wir aus Perry einen Raumfahrer?“
„Oh,das wird er selbst machen, mit der Zähigkeit, die ihm bereits jetzt zu eigen ist. Lediglich einen Anstoß wollen wir ihm geben. Carfesch, wir holen ihn nach Wanderer. Hier zeigen wir ihm, was einst sein ist...“


19. Juni 1971. Der Start der STARDUST stand unmittelbar bevor. Reginald Bull, der neben Rhodan gerade seinen Sessel zur Liege geklappt hatte, grinste burschikos zu ihm herüber. „Komm zurück, Perry, wo immer du bist. Wir starten gleich in das größte Abenteuer, dass ein Mensch je erlebt hat, und du träumst.“
Perry Rhodan grinste zurück, während der Countdown gezählt wurde.
„Komm, Bully, sehen wir uns... unser Universum mal aus der Nähe an.“
Plötzlich spielte ein ironischer Zug um seine Miene. Für einen Moment hatte er doch sagen wollen: `Sehen wir uns unsere neue Heimat an.´
Oh, wie vermessen von einem gewöhnlichen Sterblichen wie ihm. Oder?


Ein homerisches Gelächter hallte durch die körperlose Sphäre. ES und Carfesch erwarteten Rhodan hier auf Wanderer. Und das schon sehr bald...
Review schreiben