ATROCIS AUREAEQUE MEMORIAE SUNT

GeschichteThriller / P18
20.06.2009
10.04.2010
10
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20.06.2009 972
 
Kapitel 7

Unter einer Laterne stand unmittelbar vor ihr ein bulliger Mann und starrte, ohne auch nur ein einziges Wort zu sagen, auf sie herunter. Sein Aussehen wirkte nicht gerade ermutigend, aber seine Motorradjacke, die schweren Lederstiefel und die tätowierte Glatze waren nichts im Vergleich zu seinem hässlichem Gesicht, das über und über mit tiefen Narben entstellt war. Die Rotunterlaufenen Augen waren klein und schauten aus tiefen Augenhöhlen mit einem geradezu irren Blick auf ihren entblößten Rock. Mit seiner grässlichen Grimmasse grinste der Mann hämisch und in erschreckender Weise auf. Mit bedrohlichen Schritten kam er jetzt auf sie zu. Panisch versuchte sie, die drohende Gefahr erkennend, von ihm zurück zu weichen und rutschte über den nassen Boden ein paar Meter zurück. Sich umdrehend, bemühte sie sich wieder auf die Füße zu kommen. Sie kam auf die Füße – und wurde plötzlich von hinten in den Schwitzkasten genommen, herumgewirbelt und gegen die nächste Hauswand geschleudert. Verzweifelt in dem eisernen Griff strampelnd, versuchte sie einen Hilfeschrei auszustoßen, aber der Mann mit dem schrecklich zernarbten Gesicht dreht sie blitzschnell um, stopft ihr einen Knebel aus weißem Stoff in den Mund und zückte ein langes Klappmesser. „Keine Mätzchen, Süße - oder ich schlitz dir die Kehle auf.“, droht dieser mit einer krächzenden Stimme und riss ihr mit der freien Hand ohne zu zögern die Bluse auf. Durch den Stoffknoten im Mund war es ihr nicht möglich zu schreien, doch in ihrem Inneren stieß sie gedanklich einen Schrei aus, der ihre Lungen zum platzen gebracht hätte. Sie war vor Furcht, Ekel und Panik nicht im Stande sich zu bewegen und starrte am ganzen Körper zitternd mit bangen Augen auf den Vergewaltiger vor ihr. Er hielt ihr die Klinge unter den Hals und ließ sie fast schon den kalten Stahl auf ihrer Haut spüren. Sein Atem blies auf ihre Haare und sie roch den beißenden Geruch nach Whiskey. Angsterfüllt pochte ihr Herz so schnell, dass es beinahe schon schmerzte. Eine schreckliche Gänsehaut durchschüttelte sie jetzt unbarmherzig immer und immer wieder. Sie wünschte sich wirklich in Ohnmacht fallen zu können, um dieses schreckliche Erlebnis nicht mehr durchmachen zu müssen. Verzweifelt kniff sie vor Angst die Augen fest zusammen und hielt die Luft an. Plötzlich umschloss er ihre rechte Brust und  packte mit einem festen Griff zu. Schmerzerfüllt schnaufte sie aus, riss die Augen erschreckt auf und zuckte innerlich erschaudernd zusammen. Seine Hand fühlte sich extrem rau an und wanderte nun unaufhörlich an ihrem Bauch entlang in Richtung Schamgegend. Sie reckte nun verzweifelt den Kopf nach oben, zu einer höheren Macht stumm um Hilfe flehend: „HILFE, BEFREIT MICH, RETTET MICH, HELFT MIR, BITTE HELFT MIR DOCH ENDLICH! Helft mir...“ Eine Träne der Verzweiflung schoss aus ihren Augen, der weitere folgten und sie wünschte sich in diesem Moment nicht mehr weiter leben zu müssen. „Ich werde dir helfen...“, flüsterte plötzlich eine leise Stimme in ihrem Kopf. Von einem Moment auf den anderen spürte sie eine Präsens, die sie so zuvor noch nie erlebt hatte und die für sie einfach unbeschreiblich war. So viel Energie, so viel Kraft, so viel Macht...
Mit einem lauten Knall spritze der Blutschwall in einer riesigen Fontäne auf und bedeckte sie und die Umgebung vollkommen mit der roten Flüssigkeit. In hohem Bogen flog das Blut so weit, dass es sogar noch in 15 Metern Entfernung verteilt wurde. Bäume, Straßenlaternen, Sitzbänke - einfach alles, was sich in ihrer Nähe befunden hatte, triefte nun von Blut. Wie erstarrt blieb sie noch einen Moment stehen, nicht verstehend, was gerade geschehen war. Dann lehnte sie sich langsam gegen die Hauswand und rutschte an ihr entlang zu Boden. Mit einem entsetzten Blick starrte sie auf die weit verbreitete Blutlache, die jetzt dunkelrot und geradezu friedlich im Glanz der Laternen schimmerte. Was sie sah, waren die Überreste ihres Peinigers, von dem lediglich  noch ein paar Hautfetzen, Knochen und Organe übrig geblieben waren. Sie nahm den Knebel aus dem Mund, warf ihn weg - und stieß dann einen so lang anhaltenden und  markerschütternden Schrei aus, wie sie es in ihrem ganzen Leben noch nicht getan hatte. Die Füße an ihren Körper gezogen, wippte sie nun, durch den Anblick vollkommen verstört, am Boden vor und zurück und kaute geistesabwesend an ihren Nägeln. In der ferne bellten mittlerweile, durch den Krach geweckt, einige Hunde auf und bei einigen Wohnungen neugieriger Bürger leuchteten schon die Lichter auf. Ein paar Sekunden verharrte die junge Frau namens Laura noch in dieser Position, dann endlich hatte sie sich wieder so weit gefasst, dass sie, vor Anstrengung fast einknickend, wieder aufstehen konnte. Es machte ein Ekelerregendes, schmatzendes Geräusch, als sie über den aus Blut bestehend See zu einer sauberen Stelle tapste. In der Luft hing der eisenhaltige, markante Geruch, wie man ihn aus Schlachthäusern kannte. Sie krümmte sich, den gesamten Mageninhalt in den Kanal entleerend und wischte sich danach den Mund mit dem Handrücken ab. Nachdem das Schwindelgefühl endlich verflogen war und die Panik wieder in ihr hochkam, rannte sie so schnell sie konnte zu ihrer Wohnung. Das Blut war schon teilweise an ihrer Kleidung verkrustet, als sie in ihr Appartement eintrat und die Tür hinter sich verriegelte. Die Polizeisirenen heulten schon laut durch die Nacht, als Laura sich ihre blutgetränkten und nach Ozon stinken Kleider vom Körper riss und unter die Dusche hechtete. Mit einer Bürste bewaffnet, versuchte sie dort den Schmutz, den sie verspürte, wegzubürsten. Aber das Gefühl, schmutzig zu sein, blieb nach wie vor und ging einfach nicht weg. Mit Tränen in den Augen rieb sie sich die Haut wund, bis sie rot wurde und an einige Stellen schon anfing zu bluten. Obwohl ihr Vergewaltiger jetzt tot und versprengt dort draußen auf der Straße lag, konnte sie immer noch seinen eisernen Griff spüren. Kraftlos sackte sie plötzlich auf den Boden der Porzellanwanne, ließ die Bürste aus ihrer Hand gleiten und brach in ein lautes und verzweifeltes Schluchzen aus.