ATROCIS AUREAEQUE MEMORIAE SUNT

GeschichteThriller / P18
20.06.2009
10.04.2010
10
11157
 
Alle Kapitel
15 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
ATROCIS AUREAEQUE MEMORIAE SUNT


Schrecklich und golden sind die Erinnerungen



Prolog

Eine undurchdringliche Finsternis lag über der Landschaft, die lediglich durch die Blitze des drohenden Sturms für einen kurzen Moment unnatürlich erhellt wurde. Die Landschaft selbst war karg und öde, nur unterbrochen durch die verdorrten Bäume am Straßenrand. In dieser unendlich erscheinenden Einsamkeit wirkte der auf der Landstraße fahrende Peugeot, der mit seinem bläulichem Lichtkegel die Dunkelheit durchschnitt, in dieser unwirklichen Welt unpassend, wenn nicht sogar deplaziert. Die Luft war schwer und drückend, einem Ohmen gleich. Die beiden Insassen des Wagens aber, waren sich des drohenden Unglücks, dass sie erwartete, jedoch nicht bewusst.
Der Fahrer war ein korpulenter Mann mit Vollbart, dem man seine Italienische Herkunft anhand seiner dunkelbraunen Haare und dem Teint der Haut kaum abstreiten konnte. Er trug, genau wie sein neben ihm sitzender Kollege, einen schwarzen Anzug mit weißem Hemd und schwarzer Krawatte. Mit seiner tiefen Sonorenden Stimme sprach er, während er herausblickend die Umwelt betrachtete, seinen Beifahrer an:
„Man, Mario, hier möchte ich nicht einmal sterben, so sieht’s hier aus!“
Der Angesprochene war ebenfalls Italiener, jedoch war er im Gegensatz zum Vorhergehenden von schlanker Natur und trug blonde Haare mit einem modischen Schnitt. „Du sagst es, Carlo.“, antwortete er verschmitzt, „Aber ich würde es auch vorziehen an schöneren Orten weiter zu leben.“
Das laute Gelächter platzte sozusagen aus den beider heraus – es war ein verzweifelter Versuch sich von der Beklommenheit zu befreien, die sie ergriffen hatte.
Ein plötzlich eintretender Blitz zuckte über den Himmel hinweg und der folgende Donner durchdrang die Nacht wie ein dunkler Schrei. Unwillkürlich mussten sie innehalten, beschlichen von dem unguten Gefühl, den Gewalten der Natur schutzlos ausgeliefert zu sein.
Nach einer kurzen Pause ergriff Carlo zum zweiten Mal das Wort:
„Hast du den Bericht aus der Zentrale dabei?“, fragte er in einem bedrücktem Ton.
Mario schaltete das Innenlicht ein, öffnete das Handschuhfach und zog einen beschfarbenen Ordner mit dem aufgedruckten Logo der Europol hervor. Er überflog das Dokument schnell und fing dann, langsam und in einem bedächtigen Ton, daraus zu zitieren an:
„Laut den Ermittlungen wurden im Gebiet um Montmarault, also circa fünf Kilometer nördlich davon, in den letzten vier Wochen sieben Anschläge registriert. Es waren jeweils Familien mit Kindern“, er räusperte sich kurz, „- alle Tod. Keine Fingerabdrücke oder brauchbare Spuren waren zu finden. Und...“
„Die Todesursache war doch, soweit ich mich erinnere, in allen Fällen Enthauptung gewesen - stimmt doch, oder?“, unterbrach in Carlo.
„Ja, ja, stimmt schon.“, schloss Mario an, „aber, - nun, wie soll ich sagen -, die Obduktion ergab, das die Hälse, na ja, wie von der Guillotine durchtrennt wurden, fast sogar noch feiner.“
„Ich verstehe.“, antwortete Carlo.
Schweigen herrschte wieder im Wagen. Der Wind strömte nun, immer mehr an Kraft gewinnend, über das Fahrzeug hinweg, und sorgte nun für ein dumpfes, monotones Pfeifen, nur unterbrochen durch das Grölen des Donners.
Mario legte das Dokument weg, löschte das Licht und starrte in Gedanken versunken den, durch das Navigationssystem indirekt beleuchteten Innenraumhimmel an. Welches Monster konnte nur zu so einer Tat fähig sein? Was brachte einen Menschen dazu, so Viele grundlos zu töten. Väter, Mütter, ja nicht einmal vor Kindern machte er halt. So war nicht nur die Bevölkerung fassungslos, auch den Ermittlern und Beamten, die mit diesem Fall zu tun hatten, lief es eiskalt den Rücken hinunter. Nachdem die Serie nicht abzureißen schien und sowohl die örtliche, als auch die überregionale Polizei in der französischen Provinz Auvergne nicht mehr aus wusste, entschied man sich die Europol zu kontaktieren. Somit kamen Carlo und er ins Spiel.
Beide hatten sie früher als Kriminalpolizisten gegen die Camorra in Neapel gekämpft und wurden damals, vor 4 Jahren, wegen ihrer großartigen Erfolge zur Europol befördert. Sie waren ein gutes Team und hatten bis dahin schon einiges erlebt. Aber ein solcher Fall wie dieser, war ihnen noch nie begegnet...