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Some Time Ago

von achat
GeschichteAbenteuer / P12 Slash
Ernest Galew Rioroute Yuu
19.06.2009
15.07.2009
4
9.352
 
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19.06.2009 2.222
 
Hallo, liebe Leser!!!

Ich hoffe zumidest, dass das hier jemand liest!
Diese Story ist inzwischen schon über ein Jahr alt, aber sie ist mir letztens wieder ins Auge gefallen und da dachte ich, ich kann sie hier ja mal hochladen.
Also, los geht's:

Zur Erinnerung:

Gareas Ellid Nr. 37
Ernest Cuore Nr. 39
Rioroute Vilgyna Nr. 41
Yu Hikura Nr. 42


Disclaimer: Die Charaktere gehören nicht mir und ich verdiene auch kein Geld damit.




Some Time Ago



1. Kapitel


Das Blut lief an seinem Arm hinab, aus den vielen kleinen und großen Schnittwunden, die er sich im Kampf geholt hatte. Mit dem rechten Arm hielt er seinen linken Ellenbogen, um seinen Arm zu stützen, doch die Schmerzen vertrieb das nicht. Oh Gott, was war das wieder für ein Kampf gewesen. Nachdem er seinen Pro-ing  verlassen hatte lehnte er sich gleich an das Geländer, denn er hatte das Gefühl, seine Beine trugen ihn nicht mehr.
„Gareas! …Gareas!!!“
Verwirrt schaute der Grünhaarige auf und starrte in das Gesicht seiner Copilotin, die sich besorgt herunter gebeugt hatte.
„Ist alles in Ordnung mit dir?“
Was sollte diese scheiß Frage? Sah er so aus, als ginge es ihm gut? Doch entgegen seiner Gedanken nickte er nur und stieß sich mit einem „Geht schon.“ Vom Geländer ab, um sich auf die Krankenstation zu begeben.
Dort angekommen schlug die Krankenschwester erst einmal die Hände über dem Kopf zusammen.
„Mein Gott, was hast du nun schon wieder angestellt. Das ist schon das zweite Mal diese Woche! So kann das doch nicht weiter gehen!“
Erschüttert schüttelte sie den Kopf. Dann machte sie sich daran, die Wunden zu versorgen. Gareas hielt die ganze Zeit über still und gab keinen Ton von sich. Als sie fertig waren stürmte er sofort aus dem Zimmer und warf nur hastig noch ein Dankeschön über seine Schulter. Kopfschüttelnd sah ihm die Schwester nach.
Eigentlich hatte Gareas ja Hunger, doch er wollte nicht schon wieder auf die anderen Anwärter treffen. Sie würden ihn nur wieder so komisch anschauen und hinter seinem Rücken darüber tuscheln, dass er erneut die Kontrolle über seine EX verloren hätte und dass er gefährlich wäre. Man sollte ihm nicht zu nahe kommen und warum er denn noch nicht herausgeflogen wäre? Seit ihm damals an dem einen verhängnisvollen Tag bei einer der wichtigsten Tests die EX durchgegangen war, schien er sie nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Immer wieder passierten Unfälle, allerdings nahm keiner solche Ausmaße an, wie an diesem Tag damals. Seine Mitschüler, die früher seine besten Freunde gewesen waren, mieden ihn nun aus Angst, er könnte sie versehentlich verletzen. Warum er noch nicht die GOA verlassen musste, war auch ihm nicht ganz klar. Lieber wäre er gegangen, denn diese Einsamkeit machte ihn schier wahnsinnig. Dennoch wollte er keine Schwäche zeigen.
Mit trübem Blick starrte er durch eines der riesigen Panoramafenster der GOA hinunter auf Zion. Es war dunkel und der Planet leuchtete wundervoll in dieser Finsternis. Sie wie es dort draußen aussah, so sah es im Moment auch in ihm aus, stellte der Grünhaarige mit einer Spur Ironie fest. Auch in ihm breitete sich zusehends eine gähnende und alles verschlingende Leere aus. Das Einzige, was ihn noch von der völligen Verzweiflung abgehalten hatte waren seine Gedanken an seinen kleineren Bruder, der irgendwo dort auf Zion lebte. Niemand wusste, dass er einen Bruder hatte, er hatte es nie jemandem gesagt. Sie hatten sich auch seit Jahren nicht gesehen und so wusste Gareas nicht, wie es dem Jüngeren ging, doch er wollte Zion beschützen, um ihn zu beschützen. Zion durfte auf keinen Fall von den Victims vernichtet werden!
Ein plötzliches Geräusch neben ihm ließ ihn aus seinen verworrenen Gedanken aufschrecken. Verwunderte blickte er neben sich hoch und sah, dass dort einer der anderen Anwärter stand. Gareas hatte ihn gar nicht bemerkt. Was wollte er? Auch auf ihm herumhacken? Da drehte ihm der Neuankömmling sein Gesicht zu und der Grünhaarige riss die Augen auf. Da stand Ernest. Im Gegensatz zu vielen Anderen hatte er sich den Namen des unauffälligen Anwärters gemerkt.
„Was willst du hier?“, fragte er lustlos.
Ernest lächelte traurig und setzte sich neben ihn. Doch er schwieg. Da auch Gareas keine Lust auf ein Gespräch hatte, blieben sie noch eine ganze Weile so und betrachteten gemeinsam Zion. Doch es war keine belastende Stille die herrschte, stellte Gare erstaunt fest, nein, vielmehr handelte es sich um eine angenehme Stille. Gares fühlte sich ungewöhnlich wohl. Besser als auch nur einmal in den letzten Tagen. Doch abrupt wurde die Stille von dem Blonden unterbrochen.
„Warum tust du das?“, fragte er traurig.
„Mmh?“ Fragend schaute Gareas ihn an. Er verstand seinen Mitschüler nicht. Hatte er dem Anderen irgendetwas angetan? Er konnte sich nicht entsinnen.
„Warum belügst du die Anderen? Und warum belügst du dich selbst?“
Nun riss der Angesprochene die Augen auf und rutschte ein Stück zurück. Verwirrung machte sich in ihm breit. Verwirrung und Angst. Natürlich! Er hatte die Fähigkeit des Blonden vergessen, Gefühle und Gedanken zu spüren. Deshalb war er ja auch immer einsam gewesen. Deshalb wollte nie jemand etwas mit ihm zu tun haben.
„Was … Was willst du?“, flüsterte er leise, kaum hörbar.
Freundlich blickte Ernest ihm in die grünen Augen, die Momentan so viel Leere, Trauer und Unsicherheit wieder spiegelten. Nie hätte der Blonde gedacht, so etwas einmal in den wunderschönen Seen wahrzunehmen, doch er sah es ganz deutlich. Und es passte nicht zu dem einst so aufgeschlossenen und fröhlichen Jungen.
„Ich will dir helfen.“, meinte er ruhig.
Doch anstatt einer Antwort hörte er nur ein heiseres und freudloses Lachen.
„Du? Mir helfen? Und wie, wenn ich fragen darf? Du hast doch keine Ahnung, wie es mir geht, was ich gerade durchmache! Auch mit deiner ach so tollen EX kannst du nicht alles wahrnehmen, wie dir sicher am Besten klar ist. Und davon Mal ganz abgesehen, mit dir will doch auch niemand etwas zu tun haben, stimmt’s? Also sieh’s ein, du kannst mir nicht helfen! Versuch es besser gar nicht erst und kümmere dich um deinen Kram! Verschwinde!“
Ernest verspürte bei diesen Worten einen Stich in seinem Herzen. Sie riefen Erinnerungen an Zeiten auf, die noch gar nicht so lange her waren und sie schmerzten ihn. Allerdings war er sich auch im Klaren darüber, dass er die Worte nicht auf die Goldwaage legen durfte. Sie waren einfach so gekommen, ohne dass sein Gegenüber die Kontrolle gehabt hätte. Es waren solche Worte, die man sagte, wenn man verzweifelt war und nicht mehr weiter wusste. Worte, die man nicht ernst meinte, doch mit denen man versuchte, das letzte was einem geblieben war zu schützen. Und wenn das auch nur noch die geschundene Seele war. So versuchte Ernest sich nicht anmerken zu lassen, was die Worte bei ihm anrichteten, versuchte, sie zu ignorieren.
„Erinnerst du dich noch an unser erstes richtiges Treffen? Wo du mich zum Training gerufen hast? Wo du mich ohne zu zögern berührt hast, obwohl du von meiner EX wusstest? Ich weiß nicht, ob es dir damals bewusst war, aber du hast mich damals gerettet. Genau wie du jetzt befand ich mich zu dieser Zeit in einem Tief aus dem ich von selbst nicht mehr gekommen wäre. Doch ich bin nicht so stark wie du. War es auch damals nicht. Schon mehrmals wollte ich das alles beenden, doch du hast mir gezeigt, dass nicht alle Menschen so sind, wie der Großteil der Anwärter hier. Das es auch Leute gibt, die wie du nichts zu verheimlichen haben oder denen es egal ist, wenn man auch nur ein bisschen anders ist. Nach unserem Treffen hatte ich beschlossen, mich auf die Suche nach genau solchen Menschen zu machen. Ich wollte nicht mehr alleine sein. Ich denke, du verstehst das, nicht?“
Trotzig starrte Gareas wieder auf Zion und versuchte die Worte zu ignorieren. Dennoch, er war neugierig, wollte wissen wie es weiterging. Es war wie bei einer aufregenden Geschichte, nur das es hier um den Ernst des Lebens ging. Zu seinem Unbehagen war Gareas allerdings auch vollkommen klar, dass der Andere wusste, dass er zuhörte, da sein Interesse kaum noch zu verbergen war. Doch sein Stolz verbot es ihm, das auch noch offen zu zeigen.
„Ich habe inzwischen Freunde gefunden. Nicht viele, doch ein paar. Ich weiß nicht ob du es bemerkt hast, doch ich war nicht der Einzige Außenseiter. Wenn du willst, stelle ich sie dir mal vor. Keine Sorge, ihnen ist egal, was mit deiner EX ist. Es interessiert sie zwar auch, aber sie beurteilen dich nicht danach. Überlege es dir.“
Mit diesen Worten stand der Blonde auf und verließ den Raum. Stumm blieb Gareas sitzen. Noch lange dachte er über die Worte nach. Doch irgendwann wurden seine Gedanken immer träger und bevor er es realisiert hatte, war er eingeschlafen.

Leises Gemurmel und Gekicher drang an sein Ohr, doch er hörte es wie durch Watte. Seine Gedanken fingen langsam an zu Arbeiten und seine Sinne nahmen Stück für Stück ihre Tätigkeit wieder auf. Sämtliche Glieder schmerzten und seine Gliedmaßen verweigerten ihm den Dienst, als er sich aufrichten wollte. Vorsichtig blinzelte er. Noch wusste er nicht genau, wo er war und was passiert ist.
„Schnell! Er wacht auf!“, hörte er jemanden flüstern. Die Stimme kam ihm vage bekannt vor doch einzuordnen wusste er sie nicht.
Plötzlich bekam er einen Schwall eiskaltes Wasser ab. Erschrocken sprang er auf und blickte sich panisch um. Um ihn herum standen ein paar der anderen Anwärter und hatten nun, da er wach war, keine Hemmungen mehr, lauthals zu lachen. Ein hämischer und verächtlicher Blick lag dabei in ihren Augen, während sie allesamt auf ihn starrten.
„Na, ist unser Dornröschen aufgewacht?“, fragte ein Junge mit langen roten Haaren und ein paar Jahre älter als er selbst, der einen Eimer in der Hand hielt. Langsam realisierte Gareas, was passiert sein musste. Natürlich, nach dem Gespräch mit Ernest war er hier eingeschlafen und nun hatten ihn seine ehemaligen Freunde freundlich wie sie waren mit einem Eimer Wasser geweckt.
„Der Unterricht fängt in fünf Minuten an. Ich an deiner Stelle würde mich ja beeilen. Oder willst du uns heute mit deiner EX mal ausnahmsweise nicht in die Luft jagen?“
Erneut fing der Junge an zu Lachen, seine Freunde taten es ihm gleich.
Gareas hingegen war in diesem Moment froh, dass er vollkommen durchnässt war, so konnte man die Tränen nicht sehen, welche sich langsam aber sicher in seinen Augenwinkeln sammelten. Die Worte hatten ihn schwer getroffen. Unsicher wollte er einen Schritt zurückweichen, doch die Anderen hatten ihn umzingelt, ihm jeglichen Fluchtweg genommen. Fast panisch sah er sich um, konnte nur mit Mühe seine Gefühle unterdrücken. Er wusste, dass schon ein kleiner Panikanfall momentan eine EX-Überreaktion auslösen konnte und das war das letzte, was er wollte. Nicht schon wieder. Schon spürte er das inzwischen nur allzu bekannte Kribbeln in den Gliedmaßen und seine Angst nahm zu.
„Na, macht es Spaß, sich an Jüngeren zu vergreifen?“
Erneut zuckte Gareas unter der Stimme zusammen und drehte sich verwirrt um. Auch die Stimmen der Anderen warten verstummt, wofür der Grünhaarige wirklich dankbar war. Langsam beruhigte er sich wieder, erlangte die Kontrolle über seinen Körper zurück. Gareas musterte den Jungen, welcher nun vor ihm stand und sich soeben eingemischt hatte. Hatte er sich etwa für ihn eingesetzt? Das konnte Gareas nicht glauben. Warum sollte er das tun, sie kannten sich ja nicht einmal. Und dennoch, der Anwärter, etwa im gleichen Alter und ähnlich groß wie er, mit kurzen braunen Haaren und einem frechen Grinsen im Gesicht, hatte ihn verteidigt.
„Was geht dich das an?“, fragte der Rothaarige mürrisch und stellte dabei den Eimer ab.
„Was mich das angeht? Es ist immerhin ein Schulkamerad von mir und was ihr hier abzieht ist echt unter aller Kanone. So einfach ist das.“
„Ach Rio, jetzt setzt du dich schon für Versager wie den da ein. Dabei wollen wir doch nur helfen. Der Junge muss verschwinden, er ist eine Gefahr für uns alle. Das müsstest doch selbst du sehen.“
Dabei zeigte er mit dem Finger auf Gareas, der sich überhaupt nicht wohl in seiner Haut fühlte. Und dennoch, der Rothaarige hatte ausgesprochen, was er immer nur verdrängen wollte. Er war eine Gefahr. Und er musste hier weg. Der Ältere hatte Recht. Etwas zog sich in ihm zusammen, als er daran dachte, die GOA zu verlassen. Wohin sollte er? Es gab keinen Ort, zu dem er konnte.
„Er wird uns noch alle umbringen, wenn er länger hier bleibt. Wegen ihm wurden schon mehrere Schüler verletzt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch jemand stirbt. Und es ist alles seine Schuld. Hörst du, seine Schuld!“
Nein, nein! Er sollte aufhören, der Rothaarige sollte aufhören. Gareas ertrug das nicht mehr. Das Atmen fiel ihm immer schwerer, er hatte das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Wieder spürte er, wie ihm die Kontrolle entglitt und in seiner Panik sah er nur noch ein, die Tür! Ohne auf die Anderen zu achten stürmte er aus dem Raum und in das Zimmer, welches er sich mit zwei anderen Anwärtern teilte. Die waren glücklicherweise gerade nicht da. Zitternd ließ er sich auf sein Bett fallen und vergrub sein Gesicht in dem weichen Kissen, versuchte, die Tränen zu verstecken, die nun unaufhaltsam über seine Wangen liefen. Dass seine Kleidung völlig durchnässt war und sein Körper auskühlte nahm er gar nicht wirklich wahr. Und erneut wurde er von einem traumlosen Schlaf eingeholt.

TBC...
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