Versklavt in der Stadt des Mondes

von Miss Vane
GeschichteAbenteuer / P16
Bartimäus
14.06.2009
29.02.2012
8
15060
 
Alle Kapitel
37 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
So, ich versuch mich also an meiner ersten Bartimäus FF. Paar Reviews wären mal nett. =) Wenn’s euch gefällt poste ich auch noch mehr… Viel Spaß!

***************************************************************************

Bartimäus 1

Es war wohl kaum ein nennenswerter Zeitraum vergangen seit dem letzten Mal, als das altbekannte und verhasste Ziehen und Zerren erneut einsetzte.
Ich will nicht jammern(1) , aber es fühlte sich an, als hätte ich mir nur eben schnell die Fingernägel lackiert. Nicht das ich das jemals getan hätte! (2)
Brav den Vorschriften gehorchend materialisierte ich mich ohne zu zögern, sobald ich die Schranken und Fesseln einer zeitlichen Welt und natürlich eines Pentagramms um mich herum spürte.
Ich entschloss mich für eine Gestalt, die sowohl meine unzähligen Heldentaten als auch meine offensichtliche künstlerische Begabung zum Ausdruck bringt; einen Pegasus.
Es war ein ganz besonders edles Exemplar, mit schlankem und muskulösem Pferdekörper.
Das schneeweiße und makellose Fell, das den kräftigen Leib des Pferdes bedeckte, bot einen extremen Kontrast zu den ledrigen pechschwarzen Flügeln, die wie zusammengefaltete chinesische Fächer an den Körper des Tieres gelegt waren.
Statt lieber, großer, brauner, treuer, gutmütiger Pferdeaugen, besaß der Pegasus zwei blitzende, glühendrote, diabolisch funkelnde, pupillenlose, absolut furchteinflößende Schlitze.(3)  
Um meine Laune und meine Absichten schon von Anfang an kundzutun, verpasste ich dem Pegasus noch zwei krumme Teufelshörner, direkt unter den flauschigen weißen Pferdeohren.(4)
Ich warf nur einen flüchtigen Blick nach unten. Das Pentagramm war einwandfrei gezeichnet. Na toll.
Als ich jedoch sah, wer mich beschworen hatte, stockte mir einen Moment lang der Atem. Vor Empörung!
Ein Kind!!! Ein kleines Mädchen stand mit ekelhaft selbstsicherer Miene im anderen Pentagramm und wies zu allem Überfluss auch noch eine erschreckende und geradezu absurde Ähnlichkeit mit Kitty auf. Die Haare, die Gesichtszüge, ja sogar die Körperhaltung! Man könnte meinen sie wäre eine jüngere Ausgabe des Mädchens, das ich mal gekannt hatte.
Bevor sie Gelegenheit hatte etwas zu sagen, hatte ich schon begonnen drauflos zu zetern(5) : „Täusch ich mich oder werdet ihr von Mal zu Mal jünger??! Du siehst immerhin aus, als wärst du gerade erst aus den Windeln raus!“

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

(1) Ist nicht meine Art.
(2)Abgesehen von der einen Ausnahme. Damals hatte ich einen Auftrag in Russland, der von sehr…nun ja, sagen wir einfach spezieller Art war. Ich war gezwungen meinen Charme in wohldosierter weiblicher Form und Gestalt einzusetzen, um ganz nebenbei einen der Politiker zum Unterzeichnen eines wichtigen Vertrags zu bewegen. „Nicht bestechlich“, jaja…
(3) Zu viele Adjektive? Ich gebe mir doch lediglich Mühe meine erstklassigen Schauergestalten anschaulich zu beschreiben.
(4)So was nennt man dann Galgenhumor.
(5) Als echter Profi ließ ich mir die vorübergehende Verwirrung, die das Aussehen meiner neuen Meisterin hervorrief, natürlich nicht anmerken.
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++


Einen Moment sah es fast so aus, als würde die Kleine einen Wutanfall bekommen und ich machte mir schon Hoffnungen (6) , doch dann bekam sie sich in den Griff und setzte eine provokant gleichgültige Miene auf.

„Zu deiner Information, Bartimäus: Ich bin schon 12!“
Irgendwie kam mir die ganze Situation unangenehm bekannt vor.
Wie konnte es all diesen Wichten nur immer wieder gelingen mich zu beschwören?
Zwölf, ich bitte dich!
Doch die Verhältnisse waren unfair wie immer und obwohl ich der Kleinen jetzt so einiges gerne an den Kopf geworfen hätte, senkte ich nur unterwürfig die Hörner (7) und fragte notgedrungen:
„Was ist dein Begehr?“(8)
„Schön, dass du dich so kooperativ zeigst. Ich weiß solche Eigenschaften an meinen Sklaven wirklich zu schätzen und es wird Auswirkungen darauf haben, wie hart ich dich im Falle deines Versagens bestrafe.“
Nicht zu fassen! Die Kleine redete nicht nur geschwollen, als wäre sie der Zaubereiminister persönlich, sie stellte mir auch gleich eine Bestrafung in Aussicht.
Ich schnaubte ungehalten und eine schwefelige übelriechende Rauchwolke stieg aus meinen Nüstern auf.
„Aber kommen wir nun zu deinem Auftrag, Bartimäus. Es ist dringend. Ich will, dass du…“
So langsam platzte mir wirklich der Kragen. „…das Amulett von Sarmakand aus dem Besitz von Simon Lovelace holst, vielleicht??“, wetterte ich und stampfte mit dem Fuß auf den Boden. „Oh nein, diesmal nicht, diesmal nicht! Kannst du vergessen. Der Pegasus spielt nicht mehr mit! Es reicht! Ich erinnere mich noch gut, wie es letztes Mal ausgegangen ist!!“
„Gehe ich Recht in der Annahme, dass du dich mit deinen Andeutungen auf deinen letzten Meister John Mandrake beziehst?“, fragte sie mit unverschämtem Grinsen in dem mir nur allzu vertrauten Gesicht.
Einen Moment war ich verblüfft.(9)
„Woher weißt du von Nath – John?“
Sie lachte mir unverblümt ins Gesicht. „Jeder hat damals etwas von der Story im Glaspalast mitbekommen“, gluckste sie. Dabei warf sie den Kopf zurück und ihre schwarzen Harre flogen wüst um ihr Gesicht herum.
Da ich leider nur Hufe und keine Finger hatte, musste ich mich damit begnügen ihr die rosa Zunge rauszustrecken.
„Bist du bald fertig? Mir reicht’ s nämlich!“ Der Pegasus kochte vor Wut. „Du kannst mich gleich wieder entlassen, Kleine. Ich hab nämlich keinesfalls vor mich von dir herum scheuchen zu lassen. Selbst mächtige Zauberer sollten es sich gründlich überlegen, bevor sie mich beschwören. Von so einem Drei-Käse-hoch wie dir lasse ich mir schon gar nichts befehlen!“
Ärgerlicher Weise wirkte sie eher wütend, als eingeschüchtert. (10)

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

(6) Vor lauter Zorn wäre sie vielleicht unvorsichtig geworden und aus Versehen aus ihrem Pentagramm gehüpft – direkt in meine Krallen… ähm… Hufe.
(7) Oder auch angriffslustig. Das kann unterschiedlich interpretiert werden.
(8) Wirklich entwürdigend so was. Und da soll unser einer keine Minderwertigkeitskomplexe kriegen.
(9) Und das will schon was heißen.
(10) Es sei denn Furcht äußerte sich bei ihr in einem knallroten Gesicht, Fußaufstampfen und in die Hüften gestemmten Händen.
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Deshalb setzte ich noch einen drauf.
„Also.“ Ich stieß ein drohendes und angsteinflößendes Knurren aus.
„Entlasse mich sofort oder stirb unter Qualen!“


Noch bevor sie den Mund öffnete, wusste ich was jetzt kam.
Ich hatte es mir in gewisser Weise ja auch selber eingebrockt.
Gleich darauf setzte der Schmerz ein. Ah ja, der kreiselnde Akupunkteur. (11)
Irgendwie passte das zu ihr.
Ich ertrug die Strafe mit Würde und ohne zu schreien, doch kurz darauf lag der Pegasus trotzdem relativ ausgelaugt und sabbernd in seinem Pentagramm und schloss die rotglühenden Augen, um ihre unverhohlene Schadenfreude wenigstens nicht mit ansehen zu müssen.
„Nun denn“, sagte sie vollkommen ungerührt von meinen Leiden.(12)
„Ich hoffe für dich, dass du jetzt bereit bist, dich mir zu fügen.“
Natürlich hätte ich mich weiterhin stur weigern können ihr zu gehorchen. Und obwohl ich meinen Stolz habe und noch dazu mutig, selbstbewusst, tapfer, gutaussehend, schlagfertig und einzigartig bin (13) , eins bin ich nicht, und zwar blöd.
Um also weiteren Qualen zu entgehen, setzte ich mich auf (14)  und bezauberte sie mit meinem weltbekannten Lächeln.
„Was soll dieses albernde Gegrinse? Ich glaube nicht, dass du als mein Diener viel zu lachen haben wirst.“
Schnell verwandelte der Pegasus das Lächeln in ein Zähnefletschen.
„Ich – und dein Diener? Wie kommst du denn darauf? Ich glaub du hast da was verwechselt, Mäuschen. Besorg dir doch lieber einen Kobold zum Ausführen deiner läppischen Befehle, denn ich werde sowieso…“
Ich unterbrach meine Schimpftirade, als ich von einer unsichtbaren Peitsche an der Flanke getroffen wurde.
Beleidigt schwieg ich und zog – soweit das im Möglichkeitsbereich eines Pegasus steht – einen Flunsch.
Nie ließ man mich ausreden.(15)  
Meine Herrin lächelte zuckersüß.
„So, Bartimäus. Damit wären wir also wieder bei deinem Auftrag…“

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

(11) Der kreiselnde Akupunkteur: Der Raum beginnt sich vor den Augen des betroffenen Dschinn zu drehen, als würde er Karussell fahren und die Eingeweide fühlen sich an, als würden sie von unzähligen Nadeln durchstochen werden. Ziemlich unangenehm das Ganze.
(12) So eine war sie also. Aha.
(13)Selbstverständlich ist die Liste längst noch nicht zu Ende geführt, aber so viel Papier habe ich nicht.
(14) Mit bemerkenswerter Eleganz in Anbetracht meiner Situation und Gestalt.
(15) Natürlich, das Herren-Knechte-Verhältnis war noch nie besonders fair gewesen (logisch!)  und „Dämonenrechte“ ist ein Fremdwort für alle Zauberer. Doch sie schien mir eine von den Spezis zu sein, die den Umkrempler verwenden, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Review schreiben