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Splinter Cell - Chaos Theory

von Shannon
GeschichteAbenteuer / P16 / Gen
Anna 'Grim' Grimsdottir Douglas W. Shetland Irving Lambert Samuel 'Sam' Fisher William Redding
12.06.2009
15.07.2012
6
25.341
 
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12.06.2009 4.814
 
CG 80 U.S.S. Walsh, südwestlich des Panamakanals  –
25.06.2007 – 23.14 Uhr

Das Team war zusammen gekommen, um den nächsten Einsatz zu besprechen. Wie immer machte Lambert den Anfang. „Den Informationen, die ihr in Peru sicherstellen konntet zufolge, sieht es so aus als sei Hugo Lacerda von Dritten mit der Entführung und Befragung Morgenholts beauftragt worden. Man hat ihn dafür mit Waffen bezahlt. Anscheinend benutzt Lacerda diese Waffen nun, um seine eigenen Männer aufzurüsten und um Schulden bei anderen Guerilla Gruppierungen zu begleichen. Lacerda mag in dieser Sache eher unbedeutend sein, es besteht jedoch die Möglichkeit, das Morgenholt ihm Dinge verraten hat, die nicht für ihn bestimmt waren. Die Maria Narzissa befindet sich auf offener See, es gibt also kein Entkommen für das Schiff. Geht an Bord, durchsucht das Schiff und findet heraus, wer Lacerdas Geschäftspartner sind. Sorgt danach dafür, das Lacerda nicht mehr in der Lage ist, seine Informationen weiter zu geben.“

„Morgenholts Kenntnisse über Masses Kernels sind äußert brisant“ meinte Grim. „Die Erforschung von Masses Kernels förderte Ergebnisse zu Tage, von denen niemand zu träumen gewagt hätte. Sollte Lacerda Morgenholts Kenntnisse an kriminelle Dritte weitergeben, könnte das zu einer Bedrohung für die ganze Welt werden.“

„Wir werden euch mit dem Helikopter 4 km vor der Maria Narzissa im Kurs des Schiffes absetzen“ erklärte Will. „Klettert ungesehen an Bord. Durchsucht das Schiff und die Frachträume. Findet soviel wie möglich über die Waffenlieferungen und Geschäftspartner Lacerdas heraus. Satellitenaufnahmen zeigen, dass ein Beiboot am Heck der Maria Narzissa befestigt ist. Das wird der primäre Exfiltrationspunkt. Falls alles schief geht, werden wir euch wohl auch aus dem Wasser fischen können.“

„Vielen Dank Will, du verstehst es einen aufzubauen“ meinte Sam, doch Will zuckte nur mit den Schultern und grinste.

Sie verließen den Arbeitsraum. Auf dem Gang kam ihnen Partridge entgegen. „Alles ist zum Abflug bereit“ sagte er. „Die Walsh bleibt in Helikopterreichweite der Maria Narzissa. Wenn alles glatt geht, holen wir euch ab, sobald ihr mit dem Beiboot außer Reichweite des Schiffes seit.“ „Alles klar“ erwiderte Sam und zusammen gingen sie an Deck.



Frachter Maria Narzissa – Pazifischer Ozean, 90 km südwestlich des Panamakanals,  26.06.2007 – 0.28 Uhr

Über ein Enterseil waren sie vom Boot aus direkt aufs obere Deck vorn am Bug geklettert. Geduckt schlichen sie auf dem Vorderdeck an zwei Wachen vorbei und kletterten aufs Ladedeck, zwischen die großen Container. Sie schlängelten sich durch die schmalen Durchgänge bis zu einer Treppe, die hinunter aufs erste Deck führte. Eine Wache saß vor der Tür zum Laderaum und schlief. Leise öffnete Sam die Tür und sie stiegen in den Laderaum, der voll gepackt war mit Kisten. „Sam, sieht so aus als würde Lacerda seinen neu gewonnen Reichtum nutzen. Er bezahlt seine Schulden mit einem Teil der Waffen, die ihm geliefert wurden“ erklärte Will. „Ihr wollt, dass ich noch ein paar Waffenkisten mehr scanne…“ meinte Sam. „Noch besser, befestige Peilsender daran, dann können wir feststellen, für wen sie letztendlich bestimmt sind.“  „O.K.“

Sie gingen durch einen schmalen Spalt in den zweiten Laderaum. Dort stand eine Waffenkiste, wie sie sie schon aus Punta Blanco kannten. Sam nahm einen Peilsender aus der Tasche und befestigte ihn unauffällig an der Kiste. „Gute Arbeit Sam. Das ist die erste Kiste. Haltet die Augen nach weiteren offen“ sagte Will. „In Ordnung.“
„Wir sollten uns aufteilen“ schlug Carrie vor. „Du suchst nach den Frachtpapieren und Lacerda, ich sehe mich in den Fracht und Lagerräumen nach den Kisten um.“ „Gut, wir treffen uns dann am Evakuierungspunkt“ stimmte Sam zu.“ Während Sam weiterging und auf die vor ihm liegende Tür zusteuerte, drehte Carrie um und verließ den Frachtraum auf der anderen Seite. Sam hatte gerade die Leiter erreicht und wollte zur Tür hochsteigen, als sich Will noch einmal meldete. „Sam, wir haben gerade einen Funkspruch von der Maria Narzissa abgefangen. Sie meldet ein Leck im Rumpf und bittet um Geleit.“ „Der Kahn sinkt ?“ fragte Sam. „Nein, aber offenbar sind einige Ladebereiche überflutet. Du musst die Bilgepumpe im  vorderen Maschinenraum aktivieren, um Zugang zu allen Frachträumen zu bekommen.“

Sam sah auf sein Opsat. Um zum Bilgenraum zu gelangen, würde er das halbe Schiff durchqueren müssen. Dann jedoch entdeckte er einen schmalen Lüftungsschacht, der in den Bilgenraum führte. Der Eingang zum Lüftungsschacht lag genau vor ihm, einen Raum weiter. Er öffnete die Tür. Ein Mann von der Besatzung stand an einer Schleifmaschine, direkt neben ihm sah Sam den Lüftungsschacht. Er schaltete das Licht aus. „Hey ! Wer hat das Licht ausgemacht ?“ Sam duckte sich und schlich an dem Mann vorbei, als der zur Tür ging. Schnell zog er sich hoch und kroch in den Schacht. Dieser führte nach links um eine leichte Biegung und endete am Bilgenraum. Sam kletterte hinaus und sah sich um. Zwei  Männer hielten sich dort auf. Mit der SC Pistole störte er das Licht, schwang sich dann über das Geländer und ließ sich nach unten fallen. Sam schlich sich an den Männern vorbei zum Steuerpult und schaltete die Pumpe ein. „Hey, du hast sie ja ans Laufen gekriegt !“ sagte der eine. „Ich hab gar nichts gemacht…“ meinte der andere. Sam ließ sie weiter diskutieren und verließ unbemerkt den Raum. „Gute Arbeit“ meinte Will. „Die überfluteten Bereiche müssten bald leer gepumpt sein. Jetzt kannst du nach dem Frachtbrief suchen, der zu Lacerdas Lieferung gehört.“ „In Ordnung.“

Inzwischen war Carrie zum Oberdeck geklettert und hatte sich dort etwas umgesehen. Dann hatte sie sich über die Brücke geschlichen und war zum Zwischendeck gekommen. Hier waren die Mannschaftsunterkünfte der höheren Offiziere. Auf dem folgenden Flur blickte sie nach rechts, entdeckte eine weitere Kiste und markierte sie mit einem Peilsender. Dann ging sie die Treppe hinunter aufs nächste Deck. Die Tür führte auf einen weiteren Flur, der an der Messe endete. Zwei Söldner von Lacerda hielten sich dort auf. In dem Lagerraum hinter ihnen konnte sie noch eine Kiste sehen. Carrie schlich zur anderen Seite der Messe und öffnete die Tür. Dann zerschoss sie die Lampe auf dem Flur. „Was war das ? Ich hab was gehört“ sagte einer der Männer. Sie gingen an Carrie vorbei. „Wer lässt denn die Tür sperrangelweit offen ? Und was ist mit dem Licht los ?“ „Ach, das ist normal. Hier auf dieser alten Rostkiste geht andauernd was kaputt“ meinte der andere. „Trotzdem sollten wir mal nachsehen…“ Leise begab sich Carrie zum Lagerraum und befestigte einen Peilsender an der Kiste. Dann schlich sie wieder hinaus. „O.K. Carrie, den Zahlen auf den Kisten nach zu urteilen, war das die Hälfte der Kisten. Versuche auch den Rest zu finden“ sagte Will. „Ich tue mein Bestes“ gab sie zurück.

Sam war zu dem Lagerraum gegangen, der vorher unter Wasser gestanden hatte. Er öffnete die Tür und ging hinein. „Ich wette, dass Lacerdas Container sich irgendwo in diesem Frachtraum befindet“ meinte Grim. Der Frachtbrief müsste an seiner Seite befestigt sein.“
„Ich werde mich mal umsehen.“ Sam warf einen Blick auf die untere Reihe der Container, doch er konnte Lacerdas Fracht nicht finden. Also kletterte er nach oben und suchte die obere Reihe ab. Er gelangte bis zur Mitte. „Hab ihn“ meldete er. „Gute Arbeit Sam. Sieht so aus als würden diejenigen, die die Waffen an Lacerda geliefert haben, über Strohmänner agieren“ sagte Grim.“ „Über wen läuft die ganze Geschichte ?“ fragte Sam. „Mercantil Costa Afuerda Securidat de Panama“ erklärte Grim. „Offshore-Banker ?“ „Ja, die von der Zigarren kauenden Sorte.“ „Großartig, ich liebe Bürokraten“ meinte Sam ironisch. „Du musst immer noch die Frachtbücher finden, damit wir rausbekommen können, mit wem Lacerda sonst noch Geschäfte macht. Versuch`s im Büro des Schiffes, dort müsstest du fündig werden.“
„Bin schon auf dem Weg“ versprach Sam.

Er verließ den Frachtraum und folgte dem Gang, als zwei Söldner ihm entgegenkamen. Schnell versteckte er sich in einer Nische und ließ sie vorbei gehen. Dann eilte er weiter. Als er zur nächsten Tür kam, sagte Grim: „Die Sensoren in deinem Anzug melden eine hohe Gaskonzentration.“ „Ja, ich kann es riechen“ bestätigte Sam. „Muss ein Gasleck sein.“
„Könnte genug sein, um ein erhebliches Explosionsrisiko darzustellen. Du darfst im Maschinenraum auf keinen Fall schießen !“ „Na wunderbar !“ maulte Sam. „Erwarte bitte nicht, dass die Jungs dort clever genug sind, um die Gefahr auch zu bemerken. Gut möglich das sie auf dich schießen, sobald sie dich entdeckt haben.“ „Ich versteh schon. Ich soll dafür sorgen, dass man mich nicht sieht“ sagte Sam. Er schlich an den Maschinen vorbei zur Treppe. Oben angekommen, störte er die Lampe in seiner Nähe mit der SC Pistole und schlich im dunkeln über die Stege zur nächsten Treppe. Hier störte er die zweite Lampe und gelangte so zur Tür und aus dem Maschinenraum hinaus. Sam kam zu einer langen Treppe, die nach oben führte und ging hinauf.

Carrie hatte abgewartet, bis die beiden Männer in die Messe zurückkehrten. Dann folgte sie dem Flur nach draußen und stieg die Treppe ein Deck tiefer. Hier stand unter der Treppe eine weitere Kiste, an der sie auch einen Sender befestigte. „Gute Arbeit Carrie, noch zwei Kisten“ meldete Will. Sie ging wieder ins Innere des Schiffes. Am Ende des Ganges öffnete sie die Tür und befand sich im Schiffsbüro. „Sam, ich habe das Schiffsbüro gefunden. Soll ich nach den Frachtpapieren suchen ?“ „Nein, geh weiter und kümmere dich um die Kisten. Ich bin ganz in deiner Nähe und gleich selbst beim Büro. Ist es besetzt ?“ „Ja, ein Mann ist hier drin.“ „O.K. alles klar. Mach weiter wie abgesprochen.“ „Verstanden.“ Carrie schlich an dem Mann vorbei und hinaus auf den Flur. Da sah sie Sam, der gerade eine Wache ausgeschaltet hatte und den Bewusstlosen in einer dunklen Ecke ablegte. Sam hob grüßend die Hand, schlug Carrie auf die Schulter und ging dann vorbei Richtung Büro. Carrie hingegen stieg die Treppe hinab. Unten angekommen sah sie zwei Türen. Hinter der ersten lag der Maschinenraum, den Sam eben verlassen hatte. Die andere führte zu einem kleinen Lagerraum, den sie noch überprüfen wollte. Carrie öffnete die Tür. Dahinter befanden sich ein Waschraum und eine kleine Kochnische. Sie öffnete die nächste Tür, hier waren die Kojen der einfachen Matrosen. Dahinter lag der Lagerraum und tatsächlich befand sich dort noch eine Kiste. Zufrieden befestigte Carrie den nächsten Peilsender und ging den Weg zurück, den sie gekommen war.

Sam hatte das Schiffsbüro erreicht. Der Mann am Schreibtisch war immer noch in seine Arbeit vertieft. Leise öffnete Sam einen der Aktenschränke und durchsuchte ihn. „Die Frachtbücher sind gefälscht“ stellte Grim fest. „Den Eintragungen zufolge befinden sich in Lacerdas Containern Zuckerrohr und Kokosnüsse von einem malaysischen Händler namens Nakariakov.“ „Nakariakov, der Name kommt mir bekannt vor“ meinte Sam. „Nakariakov ist ein Codename, den philippinische Drogendealer häufig zur Kennzeichnung von Waffenlieferungen verwendet haben.“ „Anstelle von Nüssen aus Malaysia bekam Lacerda also Waffen von einem imaginären Russen“ sagte Sam. „Genau. Versuche bitte heraus zu finden, wo Lacerda abgeblieben ist.“ „Vermutlich weiß der Kapitän, wo er steckt.“ „Gute Idee“ meinte Grim. „Warum gehst du nicht einfach mal auf die Brücke und fragst ihn ?“

Sam verließ das Schiffsbüro und trat nach draußen. Er ging weiter nach oben, da meldete sich noch mal Carrie: „Sam, den Weg zum Kapitän kannst du dir sparen. Als ich vorhin auf dem Oberdeck war, habe ich mich auch im Funkraum umgesehen. Auf dem Computer dort war eine genaue Liste der Kabinen. Lacerda ist in der Kapitänskajüte.“ „Vielen Dank !“sagte Sam. „Immer wieder gern“ gab Carrie zurück. „Lacerda hat sich also in der Kabine des Kapitäns verkrochen“ sagte Lambert. „Und wo ist die ?“ „Deck drei, Backbord. Das Deck lässt sich nur über die beiden Treppenaufgänge im Inneren erreichen.“

Carrie hatte alle Frachträume durchsucht, jedoch nur 5 Kisten gefunden. Die Zeit lief ihr davon. Sam war bereits auf dem Weg zu Lacerda. Also beschloss sie, sich ihren Fluchtweg schon einmal anzusehen. Sie befand sich am Heck des Schiffes und kletterte die erste Leiter hinunter. Unten hielten sich ein paar Söldner auf. Einige Container standen herum. Dann plötzlich entdeckte sie die letzte Kiste. Sie stand zwischen den Containern. Carrie kletterte über die Reling und sprang nach unten. Vorsichtig schlich sie sich an die Kiste heran und platzierte den letzten Peilsender. Unbemerkt von den Söldnern erreichte sie die untere Leiter und kletterte wieder nach oben. „Gut gemacht Carrie, das war die letzte Waffenkiste“ bestätigte Will. „Jetzt werden wir bestimmt bald wissen, mit wem Lacerda alles Verbindungen unterhält.“

Sam war an der Tür zur Brücke angekommen und schlich sich unbemerkt vom Kapitän zur  Treppe nach unten. Über den Flur ging er an den Mannschaftsunterkünften vorbei, dann lief er anschließend nach rechts und durch die nächste Tür. Jetzt befand er sich direkt vor der Kabine des Kapitäns. Links von ihm war ein Waschraum. Sam schlich weiter nach vorn. Mit der flexiblen Optik überprüfte er den Raum. Lacerda saß dort mit zweien seiner Männer an einem Tisch. Lacerda schimpfte darüber, das er das Schmiergeld hatte zahlen müssen, um ohne Kontrolle durch die Kanalzone zu kommen. Dann nannte er auch den Namen seines Geschäftspartners. Vizepräsident Segundo Rois Demederos. „Sehr gut Sam. Die panamaische Regierung wird sich um Demederos kümmern“ sagte Lambert.

Lacerda ging in den Raum nebenan, um noch etwas zu trinken zu holen. Eine bessere Gelegenheit würde es nicht geben. Sam schlich sich an Lacerda heran, packte ihn von hinten und zerrte ihn raus auf den Flur. „Schhh…mach jetzt keine Szene“ sagte Sam leise. „Madre de Dios“ japste Lacerda. „Oh, falsch geraten, aber wenn du dich beim Beten besser fühlst…“ meinte Sam. „Bitte töten sie mich nicht“ flehte Lacerda. „Bitte lassen sie mich gehen. Ich werde ihnen nicht sagen, dass ich sie gesehen habe.“ „Dir ist nicht klar was hier vorgeht, nicht wahr ? Morgenholt, deine Schläger haben ihn zu Tode gefoltert und ich mache dich dafür verantwortlich.“ „Oh, nein. Das ist nicht meine Schuld.“ „Nur ein Lügner ist noch schlimmer als ein Feigling“ meinte Sam ärgerlich. „Du hast den Befehl gegeben und jetzt wirst du dafür sterben. Aber sag mir zuerst, wer dich mit seiner Entführung beauftragt hat.“  „Ich weiß es nicht, ich schwöre. Ich hatte nie direkten Kontakt. Man hat mich davor gewarnt, Nachforschungen anzustellen. Es tut mir leid, es ist nicht meine Schuld.“ Sam hatte Lacerdas Gejammere satt. Er stieß Lacerda nach vorn und jagte ihm das Messer in den Rücken. Lacerda schrie auf und fiel zu Boden. Sam wandte sich ab und ging hinaus. „Gute Arbeit Sam“ lobte Lambert. „Ich werde den Generalstab darüber informieren, dass Lacerda keine Bedrohung mehr darstellt. Eure Primärziele sind erfüllt. Wir können euch daraus holen, wann immer ihr bereit seid.“ „Carrie ?“ fragte Sam. „Ja ?“ „Wo bist du jetzt ?“ „Am Heck des Schiffes, in der Nähe des Beibootes.“ „Gut, bleib da, ich komme dorthin.“ „Verstanden.“

Wenige Minuten später kam Sam um die Ecke und sie stiegen die Leiter zum Boot hinauf. Sam öffnete die Tür und sie kletterten  hinein. „Bereit ?“ Carrie nickte. Sam zog den Hebel, das Boot löste sich aus der Verankerung, sauste über die Rutsche hinunter und fiel dann ins Wasser. Sam hoffte, dass die Söldner nicht auf das Boot schießen würden. Es war zwar rundum zu, aber Kugeln würde es kaum Widerstand bieten. Doch alles was er hören konnte war lautes Geschimpfe. „Funktioniert denn überhaupt nichts mehr richtig auf diesem Kahn ?“ Jetzt hat sich das Beiboot gelöst.“ Sam öffnete die Luke und sah hinaus, ob die Maria Narzissa stoppte, doch sie fuhr mit gleichem Tempo weiter. Nach nur wenigen Minuten war nichts mehr von ihr zu sehen, als ein kleines Licht an Horizont. Dafür näherte sich ein anderes Licht aus der Gegenrichtung. Jetzt konnten sie ihn auch hören. Es war der Helikopter der Walsh, der auf sie zuflog, um sie wieder aufzunehmen.



CG 80 U.S.S. Walsh, Pazifischer Ozean - 70 km vor Panama,
27.06.2007 – 17.48 Uhr

Das Briefing fand wie gewohnt im Arbeitsraum statt, während sie schon alles zum Abflug bereit machten.

„Fisher, Lacerda hat seine Waffen von jemandem erhalten, der den Kauf zur Tarnung über eine panamaische Bank abgewickelt hat. Ich würde gern einen Blick in ihre Bücher werfen. Doch diese Operation darf nicht wie eine Aktion des US Geheimdienstes aussehen. Daher müsst ihr, um die ganze Geschichte zu verschleiern, den Tresorraum der Bank aufbrechen und einige Inhaberobligationen mitgehen lassen, die Eigentum der französischen Regierung sind“ erklärte Lambert.

„Ich bin letzte Nacht in die Computer der Bank eingedrungen“ berichtete Grim. „Leider habe ich nicht viel herausfinden können Ich vermute, dass die Daten jede Nacht physisch gesichert werden. Vermutlich bewahren sie die Festplatten im Haupttresor auf. Es wird sicher nicht ganz leicht sein, an sie heranzukommen.“

Will nahm einige Pläne zur Hand und legte sie auf den Tisch. „Zuerst die gute Nachricht. Du warst schon einmal in dieser Bank, als Teil einer Einsatztruppe des CIA 1989, auf der Suche nach Noriegas Drogengeldern. Einen Großteil von dem, was wir über die Bank wissen, stammt von deinem damaligen Team. Die schlechte Nachricht ist, die Bank ist gut gesichert. Laser, Bewegungsmelder, Kameras, das ganze Programm. Nichts dabei, was es 1989 schon gab. Wir haben außerdem einen äh…Spezialisten kontaktiert, der dir beim Öffnen des Tresors helfen wird.

„O.K., es wird Zeit. Macht euch auf den Weg“ sagte Lambert.

Sam, Carrie und Will gingen aufs Landedeck zum Hubschrauber und luden die Ausrüstung ein, als Partridge um die Ecke kam. „Hey, hab gehört sie verlassen uns. Geht `s wieder nach Panama ?“ fragte Partridge. „Tut mir leid, dass wir so schnell abhauen“ sagte Sam. „Wir müssen uns da noch um ein paar Sachen kümmern, bevor wir wieder hierher zurückkommen können.“ „Tja, dann seht zu, das ihr zum 4. Juli wieder zurück seid, dann zeig ich euch mal, wie man richtig feiert“ sagte Partridge grinsend. „Das werd ich mir garantiert nicht entgehen lassen“ versprach Sam.


MCAS Banco de Panama – Panama City, Panama, 27.06.07 – 21.45 Uhr

Sie kletterten über die Mauer, die das Grundstück umgab und sahen sich um. „Sei vorsichtig“ flüsterte Sam. „Die haben hier jede Menge Wachpersonal.“ Vorsichtig schlichen sie über den Hof. Zwei Wachposten waren direkt vor ihnen, ein weiterer vor dem Eingang. Sam störte eine der Lampen und sie kamen unbemerkt zur rechten Seite des Hauptgebäudes. Carrie zerschoss eine der Lampen, um an einer Sicherheitskamera vorbei zu kommen, dann kletterten sie an einer Leiter aufs Dach.

„Sam ich habe hier einen Arbeitsauftrag, den die Bank bei ihrer Versicherung eingereicht hat“ meldete Grim. „Darin steht, dass die Kuppelfenster über der Lobby magnetisch verschlossen sind. Suche hier oben nach einem Trennschalter oder Verteilerkasten, mit dem sich die Schlösser aktivieren lassen.“ Sie liefen über das Dach und sahen eine Wellblechhütte. Sam brach das Schloss mit seinem Messer auf und lief hinein. Er fand den Schalter und betätigte ihn. „Gute Arbeit Sam. Die Magnetschlösser an den Fenstern sind deaktiviert…Hey… …warte…eine Spannungsspitze…die Lobby. Sieht so aus als sei gerade ein Lasernetz aktiviert worden.“ „Laser ? Laser sind doch so was von…“ setzte Sam an. „Neunziger
Jahre ?“ ergänzte Grim. „Ich wollte gerade Siebziger sagen. Könntest du bitte damit aufhören, mir das Gefühl zu geben, das ich alt bin ?“  „Mmhh…ich habe schlechte Nachrichten für dich Sam. Du bist alt“ sagte Grim spöttisch.

Sam öffnete eins der Kuppelfenster und ließ ein Seil herunter. Dann kletterten er und Carrie nach unten. Sam deaktivierte das Lasernetz. „Fisher, hier ist unser Berater für Fachfragen“ sagte Lambert. Er wird mit dir die einzelnen Schritte durchgehen, die zum Öffnen des Tresors nötig sind. Habe ein wenig Geduld mit ihm…“ „Oh er ist einer von diesen….“ „Richtig“ antwortete Turtle. „Hallo ? Ist dieses Ding überhaupt an ?“ „Es ist an, ich bin hier“ sagte Sam genervt. „Wurden sie über alles informiert ?“ „Wen interessiert `s“ sagte Turtle gelassen. „Hören sie zu, das ist ein Mason Wels 88. Jeder von ihnen ist einzigartig. Als erstes müssen sie die Autorisierung für das Öffnen des Tresors erlangen.“ „Und wie mache ich das ?“ Der Bankdirektor und der Schatzmeister werden jeder ein Autorisierungsschloss in ihrem Büro haben. Ein weiteres wird sich im Sicherheitsbüro befinden. Sie müssen alle drei deaktivieren.“ „Okay“ erwiderte Sam.

„Was möchtest du, Erdgeschoss oder 1. Stock“ fragte er Carrie. „Eigentlich egal, aber… ich nehme den 1. Stock“ antwortete sie. Während Carrie nach links ging, wandte sich Sam dem rechten Flur zu. „Warte Sam, gehe zuerst in die Eingangshalle und hacke dich dort in den Computer“ befahl Lambert. „Verstanden.“ Sam lief nach vorn und sah vorsichtig um die Ecke. Ein Mann saß am Empfangsschalter. Sam schoss zwei Lampen aus und wartete. Der Wachmann kam rüber um nachzusehen. Schnell lief Sam zum Computer. „Sehr gut. Unser Installer scheint mit ihrem Betriebssystem kompatibel zu sein“ meldete Lambert. „Das ist alles ? Einfach Plug and Play ?“ wunderte sich Sam. „So war das auch gedacht“ meinte Lambert. „Ladet alle acht gefälschten E-Mails hoch.“ „Der Einbruch soll aussehen, wie der Job eines Insiders“ erwiderte Sam. „Genau.“ Sam lief wieder längs die Kassenschalter und zur Tür zum rechten Flur. Der Wachmann, der diesen Bereich eigentlich überwachen sollte, saß auf einem Stuhl und schlief. Sam hackte das Schloss und betrat den Flur.

Während dessen hatte Carrie den linken Flügel betreten. Vor ihr befand sich der Kontrollraum der Überwachungskameras. Sie schoss die Deckenlampe im Flur aus und öffnete die Tür zum Waschraum. Dann schaltete sie auch dort das Licht aus und ging zurück zum Kontrollraum. Sie schlug einmal leicht gegen die Tür und versteckte sich in einer Ecke. Die beiden Wachleute kamen aus dem Raum. „Ich bin sicher, das ich was gehört habe“ meinte der eine. „Warum ist das Licht aus ?“ fragte der andere. Carrie schlich heran und bevor die Tür ins Schloss fiel, stellte sie ihren Fuß dazwischen. Die beiden Männer gingen zum Waschraum. Schnell schlüpfte sie in den Raum und begab sich zum Computer. Dann lud sie die E-Mail hoch. „Gut Carrie, das war Nr. 2. Mach jetzt in der oberen Etage weiter“ befahl Lambert. „Verstanden.“

Sam war über den Flur geschlichen und hatte das Büro des Schatzmeisters gefunden. Er hackte das Schloss und betrat den Raum. Er sah sich um und ihm fiel sofort der Schalter an der Wand auf. Sam drückte ihn. „Das ist die Autorisation des Schatzmeisters, noch zwei übrig“ sagte Turtle. Sam lud eine weitere E-Mail hoch, dann nahm er sich den Aktenschrank vor.  „Oh nein…Zherkezhi“ stöhnte Lambert. „Das ist genau das was ich nicht sehen wollte !“
„Zherkezhi…ist das so eine Art Trockenfleisch ?“ fragte Sam ironisch. „Er ist vermutlich der beste Informatiker der Welt. Er hat mit Morgenholt am Projekt Watson gearbeitet. Man sagt, dass er ein klein wenig durchgedreht ist.“ „Klingt als hätte er das Zeug zum Kriminellen“ stellte Sam fest. „Wenn Morgenholt und Zherkezhi beide in diese Sache verwickelt sind...“ fügte Carrie hinzu…“…dann haben wir ein großes Problem“ bestätigte Lambert. „Egal, kümmert euch jetzt nicht darum. Führt euren Auftrag zu Ende. Wir werden versuchen Zherkezhi aufzuspüren.“

Carrie war inzwischen ins Treppenhaus gelangt und erreichte den ersten Stock. „Vor dir scheinen weitere Laser zu sein, das ganze Gebäude wimmelt nur so von Photonen“ meldete Grim. „Hier ist eine Wache die hier ohne Probleme herum spaziert“ antwortete Carrie. „Möglicherweise trägt er irgendeine Art von Signalgeber bei sich. Gehe nahe an ihn heran, vielleicht kannst du in seinem elektronischen Schatten bleiben.“ Carrie aktivierte das EEV, hackte sich in den Computer auf dem Schreibtisch und lud die E-Mail hoch. Dann folgte sie dem Wachmann bis hinter die Laser und drückte sich in die Ecke, bis er zurück kam und an ihr vorbei ging. Sie folgte dem Flur.

Vor ihr waren weitere Laser und ein zweiter Wachmann. Wieder schlich Carrie nahe an ihn heran und folgte ihm. Als er wieder umdrehte, ging sie weiter und rechts um die Ecke. Vor ihr lag das Sicherheitsbüro. Ein Wachmann betrat gerade den Raum. Schnell eilte Carrie zur Tür und schlüpfte mit hinein. Der Wachmann setzte sich zu seinem Kollegen an den Schreibtisch. Carrie drückte den Schalter neben der Tür. „Das ist die Sicherheitsautorisierung. Fehlt nur noch eine“ sagte Turtle. Carrie ging zum Computer und platzierte eine weitere E-Mail. Außerdem hatte sie Zugriff auf die Kamerasysteme und Kameraarchive. Sie schaltete sämtliche Kameras ab und löschte die Archive. „Gute Idee Carrie“ meinte Lambert. „Selbst wenn ihr ins Visier ihrer Kameras geraten sein solltet, werden sie euch nicht mehr identifizieren können.“

Carrie verließ das Sicherheitsbüro und ging weiter zum Büro des Bankdirektors. Sie hackte das Türschloss und betrat das Vorzimmer. Mit einem Dietrich öffnete sie die Tür des Hauptbüros. Sie ging zum Computer und lud auch dort eine E-Mail hoch. Dann ging sie zum letzten Schalter und aktivierte ihn. „Gut, die Autorisierung wäre geschafft. Der äußere Käfig zum Tresor sollte sich in diesem Moment öffnen. Unmittelbar in diesem Käfig befindet sich ein kleiner Tresorraum mit Schließfächern. Ihr Freund hat für sie in einem davon ein paar nützliche Dinge platziert.“ Carrie trat zum Fenster, kletterte über das Geländer und ließ sich in den kleinen Hof unter ihr hinunter. Sie schlich an der Wache vorbei und gelangte über einen Lüftungsschacht zurück ins Gebäude. Der Schacht endete im Büro des Schatzmeisters.


Sam war in das Hauptbüro der Wachmannschaft eingedrungen und hatte eine weitere E-Mail hochgeladen. Als er das Büro wieder verließ, hörte er, dass Carrie den Käfig geöffnet hatte. „Bestätigt. Äußerer Käfig ist offen. Ich melde mich wenn ich im kleinen Tresorraum bin.“ Er lief den Flur runter und um die Ecke. Sam ging zum Computer und kopierte die Verwaltungsakten des Panamakanals auf sein Opsat. „Will ? Turtle sagte, das sich hier in einem dieser Schließfächer Ausrüstung befindet ?“  „Brusthöhe, rechte Seite, Nr. 1024“ antwortete Will. Sam fand das Fach und öffnete es.

„Schön vorsichtig damit“ warnte ihn Turtle. „Was ist das für ein Zeug ?“ fragte Sam. „Die Sprengladungen sind für den Tresor und das andere Ding ist ein telemetrischer Dietrich.“ „Ein telemetrischer Dietrich ?“ fragte Sam. Er lief hinunter zum Tresor. Jeweils links und rechts der großen Stahltür befand seich ein Schloss. „In Ordnung. Als nächstes müssen sie diese beiden Schlösser gleichzeitig knacken“ erklärte Turtle. „Und dafür ist der telemetrische Dietrich da“ begriff Sam. „Ganz genau. Er liest ihre Bewegungen in dem einen Schloss aus und spiegelt sie in dem anderen wieder, in Echtzeit.“ „Ihr Jungs benutzt ein paar coole Spielzeuge“ meinte Sam. „Sie müssen eine Sekunde warten, bevor der telemetrische Dietrich synchronisiert ist. Sobald es piept, können sie den Stift auslösen und zum nächsten übergehen.“ In wenigen Sekunden hatte Sam es geschafft. „Gut. Jetzt platzieren sie die Sprengladungen über den Primärstiften. Sobald alle befestigt sind…nun…ich glaube das wissen sie selbst“ meinte Turtle.

Sam lief in Deckung, da lief Carrie die Treppe hinunter und kam auf ihn zu. „Du kommst gerade richtig“ sagte Sam und löste die Zündung aus. „Mit einem dumpfen „Wumm“ explodierten die Sprengladungen.  „Und…Sesam öffne dich“ sagte Turtle. Die Tresortür schwang auf und eine Leiter fuhr aus. „Lambert, wir sind drin“ sagte Sam. „Gute Arbeit Sam. Such jetzt nach diesen Festplatten.“ Sie liefen in den Tresor. Am hinteren Ende suchte Sam nach den Inhaberobligationen, während Carrie sich am Computer an die letzte E-Mail machte. „Ich habe hier Fragmente einer Nachricht von jemandem namens  Dworak. Echelon besitzt keine Akte über ihn“ meldete Grim. „Wartet…das ist seltsam. Die gelöschten Nachrichten. Sie sind 10-24 verschlüsselt. 10-24 Bit habe ich das letzte Mal bei Phillip Masse gesehen.“ „Ich habe Masse vor Severomorsk getötet“ meinte Sam. „Ich erinnere mich und sein Tod wurde bestätigt“ stimmte Grim zu. „Wir haben es hier also mit jemandem zu tun, der Zugang zu ein paar äußerst vertraulichen Informationen hat.“ „Zherkezhi ?“ fragte Sam. „Ein wirklich besorgniserregender Gedanke“ meinte Grim.

Inzwischen hatte Sam die Obligationen gefunden und nahm sie aus dem Tresor.  „Gute Arbeit Sam. Jetzt sieht die ganze Aktion wie ein gewöhnlicher Bankraub aus. Sie werden niemals erfahren, warum wir hier waren.“ „Lambert, jetzt wo ich 50 Millionen Dollar in der Hand halte,  bin ich der Meinung das wir noch mal über die Gehaltserhöhung reden sollten.“ „Hm…25 Cent die Stunde und nicht einen Penny mehr.“ „Okay, abgemacht“ stimmte Sam zu. Carrie war mit der E-Mail fertig. „Gute Arbeit Fisher. Jetzt wird man bei der Untersuchung des Raubes ausschließlich Spuren finden, die wieder auf die Ermittler zurück weisen“ erklärte Lambert. „Also wird letztendlich nur ein unschuldiger Bankangestellter im Gefängnis landen ?“ fragte Sam. „Naja ich weiß nicht, ob ich Leute die mit ihren Fingern in illegalen Waffengeschäften stecken,  unbedingt als unschuldig bezeichnen würde“ meinte Lambert. Sie verließen den Tresor und liefen nach oben ins Erdgeschoss. „Okay Sam. Wir werden euch so wieder raus holen, wie ihr da rein gekommen seid“ sagte Lambert. „Über die Mauer im vorderen Hof ?“ fragte Sam. „Genau. Redding wird in der Nähe auf euch warten.“
„Wir sind schon unterwegs.“ Sie liefen durch den Flur und verließen das Gebäude durch eine Seitentür auf der rechten Seite. Sam störte eine Lampe mit der SC Pistole und sie kletterten an einer Regenrinne bis zu einem Kabel, das vom Hauptgebäude bis zur Außenmauer führte. So rutschten sie unbemerkt über die Wachen hinweg bis zur Mauer. Dann liefen sie zu der Stelle, wo das Seil hing und kletterten hinüber. Am Ende der Straße stand der Transporter. Will blendete die Scheinwerfer dreimal auf. Sie liefen auf ihn zu und stiegen ein. Dann warf er den Motor an und fuhr langsam davon.
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