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Zu neuen Ufern

Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / MaleSlash
03.06.2009
08.10.2010
20
82.104
66
Alle Kapitel
284 Reviews
Dieses Kapitel
14 Reviews
 
03.06.2009 3.033
 
@Bella-Mietze und tenshi-chan87: ich bin immer noch ganz überwältigt von euren Kommentaren. Vielen lieben Dank! Da macht das Schreiben doch gleich doppelt so viel Spaß. *bighug*

Vielen Dank auch für die vielen Favo-Einträge und noch viiieeelll mehr Abrufe.

Im heutigen Kapitel werdet ihr Carsten und Frederick näher kennen lernen *zubellaschiel*. Zwischen Axel und Manuel tut sich noch nicht wirklich viel, aber Ihr bekommt wieder einen kleinen Einblick in Axels, ein klein wenig durcheinander gebrachte, Gefühlswelt.


~***~


Tags darauf stehen wir nachmittags bereits wieder auf Carstens Matte. Vom Buffet sei noch so viel übrig, hieß es, und wir sollen doch bitte dabei helfen, die Reste zu vernichten. Soll heißen: ich liege anschließend total vollgefressen, wie ein toter Käfer auf dem Sofa und kann mich nicht mehr bewegen.

„Ich Vogelfänger bin bekannt, bei alt und jung im ganzen …“

... trällert uns Papageno schon an der Haustür entgegen und ich wundere mich, dass überhaupt jemand unser Klingeln gehört hat.

„Carsten, dreh doch mal die Musik leiser, man hört sich ja nicht einmal mehr denken!“, schreit Frederick in Richtung Wohnzimmer, bevor er die Tür wieder hinter uns schließt und ich ihm die heute Morgen noch schnell gebackenen Kirschmuffins in die Hand drücke. Okay, das war vielleicht ziemlich unnötig, da ohnehin noch eine Menge Essen übrig ist, aber auf das bisschen kommt es nun wahrlich auch nicht mehr an, und Carsten isst die Dinger einfach für sein Leben gern.

„Hat euch die Party gestern noch nicht gereicht?“, fragt Sandra grinsend und drückt Frederick einen Kuss auf die Wange.

„Je lauter die Musik, desto weniger denkt er darüber nach, dass ein erhoffter Telefonanruf ausgeblieben ist“, erklärt er mit einer hilflosen Geste.

„Andreas und Sabine haben sich also tatsächlich wieder nicht gemeldet?“, fragt Sandra bitter, das Grinsen auf ihrem Gesicht verschwindet augenblicklich.

Die beiden sind Sandras Halbgeschwister und haben es offensichtlich auch dieses Jahr nicht für nötig gehalten, ihrem alten Herrn wenigstens telefonisch zum Geburtstag zu gratulieren. Wie homophob muss man eigentlich sein, dass man den eigenen Vater seit nahezu 15 Jahren meidet, wie die Pest, nur weil dieser nicht mehr ins Schema F passt? Ich kenne Carsten gut genug, um zu wissen, dass ihm das ganz schön an die Nieren geht, und die zwei wissen das garantiert ebenfalls. Sandra ist allerdings der Meinung, dass die Mutter der beiden an der ganzen Misere nicht ganz unschuldig ist. Denn was hat Madame als erstes getan, als sie erfahren hat, dass ihr zukünftiger Ex-Mann eher dem eigenen Geschlecht zugetan ist? Sie hat ihre Brut geschnappt und ist schnurstracks zum nächstbesten Arzt gerannt. Als ob Homosexualität eine Krankheit und obendrein noch vererbbar wäre. So – ein – Schwachsinn!

„Was glaubst Du denn?“, erwidert Frederick leise und er kann einen zynischen Unterton nicht verbergen.

„Ich liebe meine Geschwister wirklich, aber für das, was sie Papa antun, könnte ich sie an die Wand klatschen!“ Sandra hebt seufzend die Augenbrauen und meint dann: „Hallo erstmal. Seid Ihr zwei heute Nacht noch einigermaßen unbeschadet nach Hause gekommen? Paps hatte ja ganz schön geladen.“

„Glücklicherweise war er gegen Ende bis zum Umfallen müde, so dass ich keine große Mühe mehr hatte, ihn ins Auto zu verfrachten, nachdem wir das ganze übrige Essen eingepackt hatten.“

Inzwischen sind wir im Wohnzimmer angekommen und Frederick dreht den CD-Player leiser. Natürlich hatte Carsten ihn nicht gehört, wie denn auch, wenn Papageno mit gefühlten 100 dB aus den Lautsprechern schmettert. Gott sei es gedankt, dass die beiden in einem freistehenden Haus am Ende einer Sackgasse wohnen und der nächste Nachbar etwa 150 Meter entfernt ist.

Sandra beugt sich über ihren Vater und haucht auch ihm einen kurzen Kuss auf die Wange. „Hallo Papa.“

„Hallo ihr zwei, schön, dass ihr da seid“, Carsten drückt freundschaftlich meine Hand und streichelt mit der anderen über Sandras Wange.

„Möchtet ihr etwas trinken?“, kommt es von Frederick.

„Wenn ihr da habt, würde ich ein Bier nehmen“, erwidere ich und nehme gegenüber Sandras Vater am Esstisch Platz.

„Für mich nur ein Wasser, bitte“, sagt sie und geht hinter Frederick her.

„Es bedeutet mir sehr viel, dass ihr beide gestern ins Boots gekommen seid“, sagt Carsten plötzlich völlig unvermittelt.

„Jede Menge Freibier? Essen bis der Arzt kommt? So etwas lassen wir uns doch nicht entgehen!“, zwinkere ich ihm fröhlich zu.

„Nein, ich meine es ernst, Axel. Ich habe drei Kinder, und nur eines gibt mir nicht das Gefühl, ein widerliches Insekt zu sein. Die beiden anderen haben es noch nicht einmal für nötig gehalten mir eine Karte zu schicken, geschweige denn vielleicht kurz anzurufen“, erwidert er bitter.

„Carsten, ich …“

„Schon gut“, unterbricht er mich „ich bin nur einfach unglaublich enttäuscht. Offensichtlich kommen sie nach all den Jahren immer noch nicht damit klar. Wie konnte ich auch erwarten, dass sich das ausgerechnet an meinem 60. Geburtstag ändert. Umso glücklicher hat mich euer Erscheinen gemacht“, ein warmes Lächeln umspielt seine Mundwinkel. „Ich hoffe, für Dich war es nicht ganz so schlimm, zwischen all den Schwestern gestern?“, fragt er vorsichtig.

„Keine Sorge. Es war zwar eine ganz neue Erfahrung für mich, aber letztendlich war es doch spaßig. Und die Travestieshow war wirklich klasse“, grinse ich ihn an „auch wenn ich zugegebenermaßen mit dem Stripper nicht ganz soviel anfangen konnte, wie der Rest der Gäste, die allerdings scheinen ihre helle Freude an ihm gehabt zu haben“, meine ich immer noch lachend.

„Und ich erst“, zwinkert er mir vielsagend zu, „der Kleine war ganz meine Kragenweite, nur schade, dass er mich nicht ranlassen wollte“, er zieht bedeutungsvoll seine Augenbrauen hoch.

„Ich glaube, so genau möchte ich es gar nicht wissen“, antworte ich gelassen, ich habe mir schon vor Monaten abgewöhnt, bei derartigen Aussagen verlegen zu werden.

„Was möchtest Du nicht wissen?“, fragt Sandra, die just in diesem Augenblick neben mir auftaucht, sich auf meinem Schoß niederlässt und mir eine Flasche Bier in die Hand drückt.

„Was Dein Papa gerne mit dem Stripper gemacht hätte“, antworte ich amüsiert und lege meine freie Hand auf ihre Taille.

„Ich kann es mir lebhaft vorstellen“, kichert sie, „der war aber auch niedlich!“

Frederick rollt mit den Augen und begibt sich abfällig schnaubend in die Küchenecke. „Ich hätte langsam mal Hunger, soll ich schon mal anfangen das Essen warm zu machen?“, meint er merklich kühl.

Ich wechsle einen wissenden Blick mit Sandra. Ganz so kalt, wie Frederick es uns immer glauben machen möchte, scheinen ihn Carstens Eskapaden wohl doch nicht zu lassen.

„Brauchst Du Hilfe?“, fragt Sandra, doch Frederick winkt ab.

„Nein, später könnte vielleicht einer von euch den Tisch decken.“

„Habe ich mich eigentlich schon für Euer wundervolles Geschenk bedankt?“, kommt es von Carsten.

Sandra und ich hatten lange überlegt, womit wir Carsten eine Freude machen könnten. Was schenkt man denn jemandem, der schon alles hat? Ein entscheidender Hinweis kam dann letztendlich von einer Arbeitskollegin, die kürzlich in Dresden gewesen ist und über alle Maßen begeistert war. Also haben wir nicht lange gefackelt und ihm und Frederick ein verlängertes Wochenende in einem exklusiven Hotel direkt am Elbufer gebucht, und ihnen obendrein einen Besuch in der Semperoper spendiert. Wie der Zufall es will, wird genau an dem Wochenende, welches wir ausgesucht haben, Mozarts Zauberflöte aufgeführt, was wohl auch mit ein Grund dafür sein dürfte, dass die Königin der Nacht uns aus den Lautsprecherboxen gerade recht eindrucksvoll schildert, was sie gedenkt mit ihrem werten Fräulein Tochter zu tun, falls diese sich weigern sollte, einen gewissen Sarastro abzumurksen.

„Ja Paps, gestern im Boots“, antwortet Sandra und greift nach Carstens Hand, die er ihr liebevoll über den Tisch hinweg entgegenstreckt.

„Ich weiß gar nicht, wie ich mich angemessen dafür bedanken soll. Ich – wir – freuen uns sehr darüber!“, gerührt sieht er abwechselnd zu Sandra und mir.

„Dann ist die Mission doch erfüllt, oder?“, schmunzle ich und zwinkere ihm kurz zu.

Bevor Carsten darauf etwas erwidern kann, klingelt es an der Tür.

„Ich geh schon“, sagt Sandra und springt mit einem Satz von meinem Schoß auf.

Einige Momente später kehrt sie vor Freude strahlend zurück und meint: „Seht mal, wen ich vor der Tür gefunden habe.“

Hinter ihr tritt Manuel ins Wohnzimmer und mein Herz macht tatsächlich einen winzigen Satz, was mich offen gestanden ziemlich verwirrt. Okay, es wird daran liegen, dass wir uns gestern gut verstanden haben, und durch die Verbindung zwischen Carsten und Frederick sind wir ja auch irgendwie verwandt, hat er schließlich selbst gesagt, oder?

Manuel beginnt seine Begrüßungsrunde bei seinem Bruder, dem er einen kurzen Kuss auf die Wange haucht und ihn in eine Umarmung zieht. Zu Anfang fand ich diese ganze Knutscherei etwas befremdlich, von meiner Familie kenne ich das nicht wirklich, da gab es zur Begrüßung, wenn überhaupt, vielleicht mal einen Klaps auf die Schulter. Inzwischen habe ich mich aber weitestgehend daran gewöhnt.

Nachdem Manuel die Prozedur bei Sandras Vater wiederholt hat, kommt er auf mich zu. Ich stehe auf und strecke ihm meine Hand entgegen, die er auch prompt ergreift und freundschaftlich drückt.

„Isst Du auch mit?“, fragt Frederick seinen Bruder.

„Gerne. Ist eigentlich von dem ganzen Süßzeugs noch was über?“, möchte er wissen und ich kann mir ein Schmunzeln nicht verkneifen.

„Nicht mehr viel, ich glaube, nur noch etwas Tiramisu. Aber Axel hat Kirschmuffins mitgebracht, lass aber bitte für Carsten noch etwas davon über, die isst er nämlich sehr gerne“, erklärt Frederick.

„Kirschmuffins? Von Axel? Wo?“

Frederick deutet mit dem Daumen auf die Küchentheke hinter sich, sieht jedoch seinen Bruder warnend an: „Einen, hast Du gehört?“

Manuel schiebt sich an Frederick vorbei und greift sich einen der Muffins von der Kuchenplatte. Amüsiert und erwartungsvoll beobachte ich ihn dabei. Ich weiß auch nicht warum, aber sein Urteil ist mir wichtig. Sehr wichtig sogar. Ich weiß, dass die Dinger nicht schlecht schmecken, trotzdem halte ich unwillkürlich die Luft an, als Manuel herzhaft zubeißt.

„Hmm“, genüsslich schließt er die Augen „sind die gut!“ Er hebt seine Lider wieder und sieht mir geradewegs in die Augen. „Jetzt freue ich mich erstrecht auf nächsten Sonntag“, erklärt er und mir läuft ein Schauer über den Rücken.

„Was ist da?“, möchte Frederick wissen.

„Kaffeeklatsch bei Sandra, und ich habe mich freiwillig gemeldet für das leibliche Wohl zu sorgen“, grinse ich.

„Mutig“, entgegnet Frederick lachend „aber ich warne Dich, pass bloß auf, dass der Dir nicht die Haare vom Kopf frisst. Sieh mich an!“ Er fährt sich mit einer Hand über die kahle Stelle auf seinem Kopf.

„Sooo verfressen bin ich nun auch wieder nicht“, Manuel sieht seinen Bruder gespielt beleidigt an und bewegt seine Hand erneut langsam auf die Platte zu.

„Lässt Du wohl die Finger davon“, sagt Frederick lachend und wirft ein Geschirrtuch in Manuels Richtung.

Ich kann nicht anders, ich verfolge fasziniert die Balgerei zwischen den Brüdern. Ich hatte nie Geschwister und bin fast ein wenig neidisch auf diese offensichtliche Zuneigung der beiden zueinander. Eigentlich war ich stets zufrieden mit meiner Rolle als Einzelkind, doch wenn ich die beiden nun so betrachte, wünsche ich mir doch insgeheim, dass ich einen Bruder oder eine Schwester gehabt hätte. Meine Mutter hat zwar irgendwann wieder geheiratet, nachdem mein Vater uns hat einfach sitzen lassen, aber ein Kind hat sie keines mehr bekommen. Keine Ahnung warum, ich habe mir aber auch nie Gedanken darüber gemacht. Bis heute.

„Axel, nehmt ihr später bitte noch von den Resten mit? Das Essen wird und wird nicht alle“, unterbricht mich Frederick bei meinen Überlegungen.

„Aber bitte nicht mehr so eine Riesenportion wie an Weihnachten. Von den Resten, die Du uns von der Gans mitgegeben hattest, hätten wir noch mindestens eine Woche lang Sandras komplette Straße ernähren können“, necke ich ihn.

„Daran ist Carsten Schuld, es musste ja unbedingt ein 5-Kilo-Monster sein. Das Vieh hat kaum in den Backofen gepasst“, erklärt Frederick und erntet dafür eine Grimasse von Carsten. „Mag einer von euch Hübschen schnell den Tisch decken? Ich bin gleich fertig hier“, wirft er in die Runde.

Sandra möchte schon aufspringen, wird jedoch von Manuel zurück gehalten. „Bleib sitzen, ich mach schon“, wehrt er ab und trottet zum Geschirrschrank.

Es dauert nicht lange, bis jeder versorgt ist und die sprichwörtliche gefräßige Stille eintritt. Verstohlen werfe ich einen Blick zu Manuel hinüber, der neben Carsten und somit mir schräg gegenüber sitzt. Ich bin so in diesen Anblick versunken, dass ich erschreckt zusammen zucke, als es an der Haustür klingelt. Erst als Frederick irgendwas von Taubenschlag murmelt und sich erhebt, bemerke ich, dass Manuel mich über seine Gabel hinweg ebenfalls intensiv mustert und ich blicke ertappt auf meinen Teller.

Ich verstehe die Welt im Augenblick nicht mehr, was ist denn nur los? Warum fühle ich mich von diesem Kerl derart angezogen? Vielleicht waren die letzten beiden Tage einfach ein wenig zu viel. Diese geballte Ladung an Homosexualität, dann die kurze Eskapade auf der Toilette, und dann noch Manuels irritierende Anziehungskraft. Ich glaube, ich brauche einfach mal wieder ordentlichen Sex - mit Sandra. Und diesen Vorsatz gedenke ich auch heute Abend noch in die Tat umzusetzen. In Gedanken male ich mir bereits eine nette Verführungsszene aus und meine Laune bessert sich augenblicklich. Als jedoch die Tür aufgeht, vergeht mir jegliche Lust auf schweißtreibende, horizontale Aktivitäten, denn mein wahr gewordener Alptraum erscheint hinter Frederick im Türrahmen. Rob. Der hat mir gerade noch gefehlt. Ich wage einen kurzen Blick zu Manuel, dieser grinst mich aber nur leicht spöttisch an, als ob er ganz genau wüsste, was gerade in mir vorgeht.

Heute trägt Rob zu seiner wohl obligatorischen schwarzen Lederhose ein ebenso schwarzes Netzshirt. Ich kann aus dem Stehgreif nicht sagen, welches Outfit ich schlimmer finde, das von gestern, oder das von heute. Er scheint geradezu mit dem Klischee zu spielen, zumindest, was seine Garderobe anbelangt.

„Hallo“, wirft er in die Runde, bleibt jedoch unschlüssig in der Tür stehen, als er Sandra und mich erblickt, „ich komme wohl etwas ungelegen, was?“, fragt er vorsichtig und seine Blicke huschen zu Manuel.

„Wir haben gerade angefangen zu essen“, bestätigt Carsten das Offensichtliche. „Es wäre noch genügend da, möchtest Du mitessen?“

Rob tritt etwas nervös von einem Fuß auf den anderen. „Nein, macht euch keine Mühe, ich ... Manuel, hast Du einen Augenblick Zeit?“

„Klar“, antwortet Manuel, legt seine Gabel beiseite, erhebt sich und verschwindet zusammen mit Rob im Flur. Er zieht sogar die Tür hinter sich zu und so sehr ich auch die Ohren spitze, bekomme ich noch nicht einmal den kleinsten Wortfetzen mit.

Was zum Geier kann denn so wichtig sein, dass Rob sogar hierher kommt, um mit Manuel zu reden? Was haben die beiden überhaupt miteinander zu schaffen? Auf der Feier gestern sah es zumindest nicht so aus, als seien sie ein Paar. Na okay, das hat vielleicht nicht allzu viel zu sagen, Treue scheint unter schwulen Pärchen eher nicht so verbreitet zu sein. Zumindest wenn man mal Carsten als Maßstab nimmt ... und einen anderen habe ich ja nicht.

Immer wieder gleitet mein Blick auf die geschlossene Tür und ich werde mit jeder verstrichenen Minute unruhiger. Nach einer gefühlten Ewigkeit erscheinen beide wieder im Türrahmen.

„Dann mal sorry für die Störung. Guten Appetit und noch einen schönen Abend“, wirft Rob in die Runde, drückt Manuel einen Kuss auf die Wange, haucht ihm ein „Danke“ zu und verschwindet.

Ich weiß nicht warum, aber plötzlich habe ich ein ganz komisches Gefühl in der Magengegend. Meine Blicke huschen zu Manuel und ich räuspere mich kurz. „Ich wusste gar nicht, dass Du was mit Rob hast“, rutscht es mir heraus, ohne dass ich auch nur eine Sekunde darüber nachgedacht habe.

„Woher um Himmels Willen kennst Du denn Rob?“, fragt mich Frederick entgeistert.

„Ich kenne ihn eigentlich gar nicht“, erwidere ich und mache eine abwehrende Handbewegung, „als ich gestern im Boots auf der Toilette war, hat er wohl falsche Schlüsse gezogen und mir …“

Der war das?“, unterbricht mich Sandra, „okay, eigentlich hätte ich mir das ja gleich denken können. Rob kennt da nichts. Wäre der eine Frau, wäre der Begriff ‚Schlampe’ wohl genau der richtige Terminus“, erklärt sie mir und ihre zusammengekniffenen Augenbrauen unterstreichen noch, dass Rob nicht gerade zu ihren Freunden zählt.

„Sooo schlimm ist er nun auch nicht und im Bett ist er wirklich 'ne …“, versucht Carsten ihn zu verteidigen, hält aber sofort inne, als er Fredericks düstere Miene bemerkt. „Wie auch immer, was hat er denn nun angestellt?“

„Er hat Axel an den Hintern gefasst“, erklärt Manuel, „sexy Hintern übrigens“, sagt er gut gelaunt und mir wird plötzlich ziemlich heiß im Gesicht. Meine vorherige Frage Rob betreffend, ignoriert er einfach und ich weiß nicht, ob ich mir darüber Sorgen machen oder doch eher erleichtert sein soll.

„Und wieso weißt Du das und wir nicht?“, fragt Carsten recht überrascht, über meinen Hintern verliert er zum Glück kein weiteres Wort.

„Weil ich zur selben Zeit auf der Toilette war“, antwortet Manuel und erzählt die ganze Geschichte.

Hätte mich Manuels Äußerung, meine Kehrseite betreffend, und obendrein auch noch der Gedanke an ihn und Rob als Paar nicht ziemlich aus dem Takt gebracht, wäre es mir sicherlich nicht schwer gefallen in das einsetzende Gelächter mit einzustimmen, denn im Grunde kann ich mittlerweile wirklich darüber lachen. So jedoch blicke ich merklich unbehaglich auf meinen Teller.

„Hey, das muss Dir nicht peinlich sein, Du hast doch gut reagiert. Und noch mal fasst er Dich garantiert nicht an“, meint Sandra beschwichtigend, beugt sich über mich und küsst mich kurz auf den Mund.

Und das erste mal in meinem Leben, bin ich wirklich mehr als erleichtert darüber, so gründlich missverstanden worden zu sein.

*


Rezept für Axels Kirschmuffins:

Zutaten für 12 Stück

200 g Mehl (Type 405)
2 TL Backpulver
1 Teelöffel Natron
4 EL Kakaopulver
1 Glas Schattenmorellen (360 g Abtropfgewicht)
1 Ei
160 g brauner Zucker (früher habe ich immer etwas weniger Zucker genommen, da von den Kirschen ja ebenfalls Süße kommt. Seit ich allerdings so ein gewisses schwarzhaariges Schleckermäulchen kenne, nehme ich die volle, im Rezept vorgegebene, Zuckermenge) ;-)
100 ml neutrales Öl (z. B. Sonnenblumenöl)
300 g Buttermilch

Zubereitungszeit: ca. 20 Minuten
Backzeit: 20-25 Minuten

Backofen auf 180° vorheizen. Backförmchen aus Papier in ein Muffinsbackblech einsetzen.

Mehl sieben, mit Backpulver, Natron und Kakaopulver vermischen, die gut abgetropften Kirschen unterheben.

Ei mit Zucker, Öl und Buttermilch gut vermischen.

Die Mehl-Kirschmischung vorsichtig unterheben und in die Förmchen verteilen. Kleiner Tipp: die Förmchen nicht randvoll machen, die gehen noch auf.

Bei 160° (Umluft) auf mittlerer Schiene 20-25 Minuten backen.

Geht schnell – schmeckt lecker. Bon Appétit! ;-)

~***~



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