Die Zeit heilt alle Wunden

von LMR
GeschichteDrama / P16
John Roxton Marguerite Krux
01.06.2009
01.06.2009
1
2970
 
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Die Zeit heilt alle Wunden

Genre: Drama/Angst/Romantik  
Personen: M/R
Rating: ab 16



Marguerite konnte nun schon die dritte Nacht nicht schlafen. Immer und immer wieder wachte sie auf, schweißgebadet. Immer wieder der selbe Traum, von dem sie bereits dachte, er käme nicht wieder, von dem sie dachte, sie hätte ihn überwunden.
Doch alles begann wieder von neuem.

Marguerite hatte in der letzten Zeit häufig Probleme mit ihrem Kreislauf gehabt, war urplötzlich zusammengeklappt, ohne jeglichen Grund; Und das nicht nur einmal.
Alle im Haus machten sich große Sorgen um sie, vor allem Roxton. Leichtes Fieber begleitete die Erscheinung, das allerdings nach ein paar Stunden von allein wieder ganz verschwand. Da Challenger nichts feststellen konnte, und ihr es danach auch immer richtig gut ging, wollte Marguerite das ganze auf die Hitze schieben, doch ihre vier Freunde ließen nicht locker, bis Marguerite sich am Ende doch breitschlang ließ und mit Veronica ins Zangadorf ging, um sich Rat beim Medizinmann zu holen.
Dieser eröffnete ihr dann schließlich die schreckliche Diagnose. Veronica und den anderen erzählte sie nur, dass es tatsächlich der Kreislauf war, und dass die Kräuter, die sie von dem Medizinmann bekam, dagegen helfen sollten.
Sie waren eigentlich gegen ihre Übelkeit, die sie nun fast schon jeden Tag quälte.
Eigentlich hätte sie es wissen müssen. Die Anzeichen waren die selben wie damals. Unverkennbar. Doch sie wollte es einfach nicht wahrhaben. Genau wie jetzt. Es konnte einfach nicht möglich sein. Nein. Nein, nein nein! Nicht noch einmal! Die ganzen Erinnerungen... das ganze Leid... alles noch einmal zu erleben... oder doch nicht? War es möglich dass....? Nein. Nein, bestimmt nicht. Er würde es genauso verstoßen, wenn...

„Okay, Marguerite das reicht jetzt!“ rief sie plötzlich laut und ließ sich auf ihrem Bett nieder, kurz davor zu weinen.
„Was reicht?“ fragte jemand von der Tür her.
„Was... oh Finn... nichts, vergiss es. Was willst du?“
„Essen ist fertig“ sagte die blonde Frau mit einem Schulterzucken.
„Hab keinen Hunger“ erwiderte Marguerite nur.
„Du hast schon heute Mittag nicht mitgegessen, um zum Frühstück nur einen Apfel. Challenger hat gesagt,...“
„Es ist mir egal, was Challenger sagt“ schnitt Margueite Finn das Wort ab.
„Marguerite....“ Finn versuchte es noch einmal, doch Marguerites Blick war eindeutig. Die junge Frau seufzte kopfschüttelnd und verschwand wieder.
Keine fünf Minuten später stand Roxton in Marguerites Zimmer.
„Keine Vorhaltungen John!“ sagte Marguerite auch nicht freundlicher, als zu Finn vorhin. „Ich bin eben nicht hungrig!“
„Du musst was essen!“ rief er aus. „Was ist nur los mit dir? Ich dachte, der Medizinmann hat gesagt, du hast nur einen schwachen Kreislauf.“
„Ja hat er doch auch“ sagte Marguerite kleinlaut und hoffte, dass man ihr die Lüge nicht an der Nasenspitze ablesen konnte. Doch Roxton war ein kluger Mann. Sicher merkte er, dass sie ihm etwas vormachte.
„Das glaub ich dir nicht“ sagte er, doch seine Stimme war sanft, als er sich neben sie auf das Bett setzte. „Was hat er wirklich gesagt?“
„Dass ich einen schwachen Kreislauf habe!“ rief Marguerite aus, stand auf, schaffte es aber nicht ihn anzusehen. Sie konnte in seiner Gegenwart einfach nicht stark sein. Er hing doch auch mit drin... aber er konnte unmöglich meinen, dass.... Gott was sollte sie denn nur tun!
„Marguerite...“ versuchte es Roxton noch einmal, doch Marguerite blockte erneut ab. Er gab es auf und ging hinaus, Marguerite blieb verzweifelt zurück.

**

Die gesamte nächste Woche war Marguerite nicht aus dem Bett zu bewegen. Ihr war furchtbar übel, der Schwindel kam und ging, genau wie das leichte Fieber ab und an. Die Kräuter des Medizinmannes halfen ein wenig, doch Marguerite fühlte sich immer noch elend.
Diese Zeit würde vorbeigehen, das wusste Marguerite, die Sympthome würden abklingen. Aber die Erinnerungen würden nie verblassen.

Eines Abends war Marguerite mit Roxton allein. Die anderen drei Bewohner waren hinausgegangen, um Schwefel zu holen, da dieser Rohstoff bereits knapp wurde.
Marguerite schob bereits Panik. Sie ging Roxton in letzter Zeit so gut es ging aus dem Weg, doch heute würde ihr das nicht so gut gelingen. Er machte sich mehr als nur Sorgen, das sah Marguerite, aber sie konnte es ihm nicht erzählen... noch nicht. Und vor allem nicht wenn sie  war, wie sie jetzt war. Verletzt, hoffnungslos, verzweifelt.

Roxton kam auch wenig später wie erwartet in Marguerites Zimmer, ein Tablett auf seinen Händen balancierend. Marguerite hatte es aufgegeben, sich gegen das Essen zu wehren, vorher würde er sie nicht in Ruhe lassen. Also pickte sie auf ihrem Teller herum, aß ein paar Bissen, bis sie die Übelkeit wieder in sich aufsteigen spürte. Wie lange sollte denn das noch anhalten?
Roxton, der wieder draußen war, um noch ein Glas Wasser für Marguerite zu holen, bemerkte besorgt, wie sie ins Badezimmer flizte, und sich dort übergab.
Als sie wieder nach draußen kam, weiß wie die Wand und total neben sich, nahm Roxton Marguerite am Arm und führte sie hinaus auf den Balkon, wo eine angenehme Briese wehte. Als Marguerite dann noch das Wasser getrunken hatte, war der ganze Spuk auch schon wieder vorbei. Doch Roxton dachte nicht im Traum daran, Marguerite wieder gehen zu lassen.

„Ich möchte jetzt endlich wissen, was mit dir los ist!“ sagte er fest. „Nur eine Kreislauf-Sache kann das unmöglich sein. Und keine Ausflüchte!“ sagte er schnell, als Marguerite bereits ihren Mund aufgemacht hatte, um zu protestieren.
„Ich mache mir Sorgen Marguerite“ fuhr Roxton fort. „Bitte versteh mich doch. Du bist so blass... und dauernd dieses Fieber. Bitte sag mir doch was du hast. Wir werden das gemeinsam durchstehen, wie alles, seit wir hier sind. Du kannst es mir doch sagen? Was hast du? Ist es etwas schlimmes?“
Als Marguertie schließlich leicht nickte, gefror Roxton das Blut in den Adern. „Du... wie schlimm?“ brachte er heraus. „Wirst du... wirst du sterben?“
„Was?“ fragte Marguerite überrascht. Mit dieser Frage hatte sie nicht gerechnet. Machte er sich wirklich solche Gedanken? Aber wenn man es genau überlegte, wenn sie sich in Roxton hineinversetzte, machte es Sinn. Marguerite sah ein, dass sie es ihm sagen musste... Gott hoffentlich überlebte sie das Ganze!  

„Ich... ich werde nicht sterben“ begann Marguerite wieder, als sie ihre Fassung zurück hatte.
„Sicher?“ fragte Roxton immer noch besorgt, hielt ihre kalte Hand fest in seiner warmen.
„Sicher. Hör mal, ich... Es tut mir leid, okay? Ich habe euch angeschwindelt. Der Medizinmann hat nicht gesagt, es wäre etwas mit dem Kreislauf.“
„Das dachte ich mir schon“ meine Roxton nun doch etwas säuerlich.
„Ich sagte doch es tut mir leid“ widersprach sie.
„Schon gut. Du wirst nicht sterben, aber es ist etwas schlimmes? Was ist es? Du weißt...“
„Ich bin schwanger, John“ rutschte es Marguerite plötzlich heraus. Sie sah in sein überraschtes und auch etwas fassungsloses Gesicht.
„Siehst du, es war keine gute Idee“ sagte sie, und wollte schon aufstehen, doch er hielt sie fest.
„Du glaubst doch nicht allen ernstes, dass das etwas schlimmes ist oder?“ fragte er geschockt. „Marguerite?“
„Ich... es geht nicht! Schau dich doch nur mal um hier! Es laufen jede Menge wilder Tiere hier herum und...“
„Marguerite es ist auch mein Kind....oder?“
„Natürlich ist es von dir!“ Nun weinte sie doch. Sie hatte versucht, es zu vermeiden, doch es ging nicht.
„Hey schon gut“ sagte er leise, nahm sie in die Arme und wiegte sie leicht hin und her. „Es tut mir leid, bitte. Wir kriegen das hin. Es wird wundervoll werden. Unsere kleine Familie...“
„Nein John“ widersprach sie prompt und machte sich von ihm los. „Nein.“
„Marguerite!“ rief er aus und langte wieder nach ihrer Hand, die sie wegzog. Doch er war schneller. Sein Griff war hart, auf seinem Gesicht Verwirrtheit.
„Was, wenn es ein Mädchen wird?“ flüsterte Marguerite kaum hörbar.
„Was hast du gesagt?“ wollte Roxton wissen, sein Griff wurde fester.
„Du tust mir weh!“ rief sie aus und sein Griff wurde sofort lockerer. „Was ist wenn es ein Mädchen wird!“ rief sie nun aus, so laut sie konnte.
„Was soll das heißen Marguerite?“ fragte Roxton verwirrt.
„Genau das. Du brauchst einen Jungen. Du willst sicher einen Jungen. Die Gesellschaft will einen Jungen. Ich kann dir vielleicht keinen Jungen schenken...“
„Marguerite was redest du denn da!“ rief Roxton aus, nun komplett verwirrt. „Mich schert die Gesellschaft einen feuchten Kehricht. Warum sollte ich je ein Teil von dir, von uns beiden – ob Junge oder Mädchen – verstoßen? Wie kommst du darauf?“
„Ich...“ Marguerite weinte wieder. Und wieder kam der Schwindel. Alles drehte sich und sie bekam nur noch mit, wie Roxton sie auffing, damit sie nicht hart auf den Boden fiel.

**

Wenig später erwachte Marguerite wieder. John saß neben dem Sofa, auf das er sie gelegt hatte, und kühlte ihre Stirn mit feuchten Tüchern. Das Fieber war wieder da. Sie spürte es an ihren glühenden Wangen und ihrem Unwohlsein.
„Marguerite?“ fragte Roxton sanft und rüttelte sie leicht an der Schulter.
„Es geht schon wieder“ behauptete sie und wollte bereits wieder aufstehen, doch Roxton hielt sie zurück.
„Du wirst einen Teufel tun“ schalt er sie. „Du bleibst schön hier liegen!“
Margueite seufzte, tat aber was er von ihr wollte. Sie schloss die Augen und atmete tief durch. Nein, jetzt nur nicht weinen! Keine Schwäche zeigen!
„Es geht mir wirklich schon besser“ sagte sie wieder, doch Roxton schüttelte nur den Kopf.  „Das ist ganz normal. Diese Phase wird bald vorbeigehen. Es ist nur anfangs so.“
„Woher willst du das wissen? Bist du ein Arzt?“ fragte Roxton besserwisserisch, doch Marguerite schloss nur die Augen und drehte den Kopf weg.
„Ich weiß es eben“ sagte sie ausweichend. „Ich möchte ein wenig schlafen, wenn du nichts dagegen hast.“
„Ja, ja sicher“ sagte er, schon wieder verwirrt. „Komm ich bring dich in dein Zimmer.“

Marguerite ließ es zu, dass er sie auf seine Arme nahm und in ihr Zimmer trug. Als er sie sanft absetzte, sie behutsam zudeckte und zum Schluss noch liebevoll auf die Stirn küsste, konnte sie ihre Tränen nicht zurückhalten. Roxton schaute sie besorgt an, doch noch bevor er etwas sagen konnte, brach es aus ihr heraus.
„Ich weiß es, weil ich schon einmal schwanger war“ sagte sie unter Tränen.
„Was...“ Roxton konnte es nicht glauben. „Was ist passiert?“
Marguerites Lippen begannen zu zittern, Tränen liefen ihre Wangen hinab. Roxtons Herz brach in dem Moment, als er sie so zerbrechlich daliegen sah, so ängstlich, so hoffnungslos. Was um alles in der Welt war ihr nur zugestoßen, dass sie das ganze so aus der Fassung brachte?
Ganz langsam zog er sie wieder hoch, damit sie aufrecht saß und er sie in seine Arme nehmen konnte. Einen Moment später, als Marguerite ruhiger wurde, wagte Roxton seine Frage zu wiederholen.
„Was ist passiert?“ fragte er noch einmal und drückte Marguerite fest an sich, als sich ihr Körper wieder versteifte.

**

Marguerite war noch keine zwanzig Jahre alt, als sie das erste Mal heiratete. Einen reichen Immobilienmakler, fast doppelt so alt wie sie selbst, aber sehr charmant. Jedenfalls anfangs.
Er schenkte ihr von einem Strauß Blumen über jede Menge Kleider bis hin zum teuersten Schmuck der Stadt alles nur Erdenkliche. Marguerite fühlte sich zum ersten Mal in ihrem Leben richtig geliebt und beachtet. Ihre Adoptivfamilie – an die sie sich so gut wie nicht mehr erinnern konnte – und das Klosterinternat, in das sie schon so früh abgeschoben wurde hinterließen bleibende Narben auf ihrer Seele. Doch Nathan war warmherzig und großzügig. Marguerite bildete sich sogar für eine kurze Zeit ein, ihn zu lieben.
Die Hochzeit war pompös und teuer, die Zeit danach war wunderschön – bis Marguerite schwanger wurde. Anfangs freute sich Nathan sehr – endlich einen Erben für sein Imperium! Doch als die beiden einen Ausflug zu einem Jahrmarkt machten und sich aus Spaß von einer Wahrsagerin die Zukunft vorhersagen ließen, sagte diese voraus, dass Marguerite eine Tochter gebären würde.
Nathan sagte den ganzen Nachhauseweg über nichts mehr. Marguerite hatte ihn nie zuvor so gesehen. Er schien verbittert und wütend zu sein – nur warum?
Zuhause angekommen verbarrikadierte er Marguerite ohne ein weiteres Wort in ihrem gemeinsamen Schlafzimmer, bis er schließlich mitten in der Nacht wiederkam und sie aufs übelste beschimpfte und begann, sie zu schlagen. Marguerite war schon im sechsten Monat. Ihr Bauch war schon recht groß, und obwohl sie verzweifelt versuchte, ihre Arme schützend davor zu halten, trafen mehrere heftige Schläge auf den Bauch, bis Marguerite vor Schmerzen zu Boden ging.
Blut floss auf den edlen Teppichboden und Marguerites Schmerzensschreie hallten durch das verlassene Haus, als sie ganz allein ihr Baby zur Welt bringen musste. Es war bereits tot, als es geboren war. Und es war tatsächlich ein Mädchen.

**

Marguerite war eine ganze Weile nicht zu beruhigen. Sie weine, schluchzte und klammerte sich verzweifelt an Roxtons Hemd.
Roxton selbst konnte einfach nicht fassen, was er da eben gehört hatte. Wie konnte man so etwas nur überstehen, ohne verrückt zu werden? Nun verstand er einiges.
„Shhhh, alles wird gut, hey ich bin da“ redete er mit beruhigender Stimme auf sie ein, obwohl in ihm selbst ein Hurricane der Gefühle wütete. Blinder Hass auf Marguerites Exmann, großes Mitgefühl für Marguerite, tiefe Trauer um das kleine Mädchen, das nie hatte auch nur eine Minute leben dürfen, und zuletzt auch noch Verzweiflung, weil er nichts dagegen tun konnte.
Nach fast einer ganzen Stunde hatte sich Marguerite wieder einigermaßen im Griff. Ihr war ihr Ausbruch nun etwas peinlich, doch Johns sanfte Augen, seine Gesten und sein mitfühlender Blick sagten ihr, dass das nicht nötig war.

„Es tut mir leid, ich hätte es dir gleich sagen sollen... euch allen!“ sagte Marguerite und sah  kurz weg. „Aber das alles hat mich so an früher erinnert. Gott, ich hatte sie kaum in meinen Armen, da kam er herein und hat sie weggerissen. Er hat nur gesagt, er geht runter, in der Mülltonne ist noch ein bisschen Platz...“
„Marguerite nein!“ rief Roxton aus, doch es half nichts. Sie weinte wieder, sackte an seine Brust, und zitterte am ganzen Körper.
„Marguerte, ich schwöre dir, ich werde diesen Kerl umbringen! Das hat er nicht umsonst getan!“
„Nein John“ widersprach sie prompt und sah ihn aus verweinten Augen an. „Das ist doch nicht die Lösung. Ich bin ja selbst Schuld. Später im Krankenhaus hat mich der Arzt gefragt, wie das passieren konnte. Herrgott ich hatte solche Angst vor ihm, ich habe einfach das gesagt, was er mir eingetrichtert hat. Dass ich auf der Straße überfallen wurde. Und dass ich mein Kind liegen ließ, wo ich war... ich konnte nicht anders, als das zu tun was er wollte!“
„Hey dir macht niemand einen Vorwurf. Wirklich nicht.“
„Ja... ich weiß. Weißt du, eigentlich hatten mir die Ärzte damals gesagt, dass es möglich ist, dass ich keine Kinder mehr bekommen kann. Er hatte zuviel kaputt gemacht. Darum war es ein noch größerer Schock, als mir der Medizinmann sagte, ich wäre schwanger. Ich hatte nicht damit gerechnet...“ Marguerites Blick driftete ein wenig ab.
„Es wird euch an nichts fehlen“ sagte Roxton auf einmal und Marguerite sah ihn erstaunt an. „Ich werde immer für euch da sein, was kommt!“
„Aber die Gesellschaft... du brauchst einen Sohn, John!“
„Jetzt fang doch nicht schon wieder damit an!“ schalt Roxton sie. „Ich brauche nichts weiter als dich. Und unser Kind wird meine ganze Liebe bekommen, egalb ob Mädchen oder Junge.“
„Und deine Familie, ich meine deine Mutter würde sich doch wünschen...“
„Marguerite, meine Mutter wünschte sich schon immer ein Mädchen“ widersprach er. „Sie hatte leider nicht das bekommen was sie wollte, sondern nur zwei flegelhafte Jungen, die den ganzen Tag nur Unsinn im Kopf hatten.“
Marguerite musste nun doch etwas schmunzeln.
„Ich liebe dich“ sagte er sanft und küsste sie leicht. „Und ich bewundere dich für deinen Mut. Das hätte nicht jeder so verkraftet.“
„Ich schwor mir damals, dass mich niemand mehr verletzten würde.“ Marguerite nickte nun auch leicht. „Ich ging weg, ließ mich scheiden, und ging nach Paris. Adrienne brachte mich dazu, Edelsteine zu stehlen, und ich versuchte seitdem, die Leere in mir mit Diamanten auszufüllen. Nur deswegen bin ich so geworden, John. Ich heiratete nur noch, um wohlhabend zu werden oder weil ich es für England im Krieg tun musste, um den Feind auszuspionieren.“
Roxton zog sie wieder in seine Arme. „Du bist die tapferste Frau, die mir je begegnet ist“ behauptete er.
„Ich tat das nur, um mich davon abzulenken.“
Roxton nickte und legte sich mit ihr auf ihr Bett hinab. Zärtlich hielt er sie eine ganze Zeit lang in den Armen, bevor er plötzlich sagte: „Finn wird ganz schön sauer sein, wenn sie erfährt, dass sie nicht mehr das Küken hier ist und sich alle um sie kümmern.“
Marguerite war eigentlich nicht danach zumute, doch sie konnte nicht anders, als laut loszulachen.
„Aber ich denke doch, sie wird drüber wegkommen“ fügte Roxton noch grinsend hinzu.
„Ja“ murmelte Marguerite müde und legte ihren Kopf wieder auf Roxtons Brust.
„Ich liebe dich Marguerite“ sagte Roxton leise und streichelte zärtlich ihr Haar. „Und unserem Baby wird es an nichts fehlen, das verspreche ich dir!“
„Ich liebe dich auch“ murmelte Marguerite und konnte seit langer Zeit endlich wieder einmal einschlafen. Und seit sie denken konnte war das die erste Nacht, in der sie keinen Alptraum hatte.

ENDE