Am Meer

GeschichteSchmerz/Trost / P6
Benjamin Barker Mrs. Lovett
31.05.2009
31.05.2009
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Sie standen beide da und blickten aufs weite, blaue Meer hinaus. Die Sonne ließ es glitzern und in einem kräftigen Blau leuchten. Der Anblick entlockte Mrs Lovett ein glückliches Lächeln. Ach, wie sehr hatte sie sich doch diesen Moment immer ausgemalt!
Verstohlen schaute sie zu Mr T. an ihrer Seite. Dieser starrte nur gedankenverloren auf das wunderschöne Gewässer. Es weckte schlimme Erinnerungen in ihm, die er wohl nie vergessen würde und doch… Zum ersten Mal seit so langer Zeit war da kein düsteres, graues London, sondern einfach nur das weite, blaue Meer - Farbe.
Er wagte einen Blick zu Mrs Lovett neben sich, die vor Glück strahlte. Ein verbittertes Lächeln umspielte seinen Mund. Wenn diese Frau nicht gewesen wäre, stünde er jetzt zusammen mit Lucy und Johanna hier und würde das Meer betrachten. Doch das tat Sweeney nicht. Er stand zusammen mit der Frau hier, die ihm verschwiegen hatte, dass seine Lucy noch am Leben gewesen war und …Weiter konnte er nicht denken, Hass und eine Welle aus Trauer und Leere schlugen ihm entgegen. Unwillkürlich ballte er die Hand zur Faust.
Trotzdem es war die Frau, die alles für ihn tat und die die Gefahr in Kauf nahm, von ihm umgebracht zu werden, nur um in seiner Nähe sein zu können. Sie war es, die unermüdlich versuchte Farbe in sein karges, trostloses Leben zu bringen und sie war es auch, mit der er sich auf der Flucht befand. Sie, Mrs Lovett, und nicht Lucy. Seine Lucy, die die Qual nicht länger ertragen und sich deswegen vergiftet hatte…
„Manchmal“, brummte Sweeney auf einmal, auf das Gelände gestützt und den Blick, ins Leere starrend, zu Boden gerichtet, „da träume ich von ihr…“ Neugierig beobachtete Mrs Lovett Mr T. von der Seite. Noch nie hatte er so von sich aus gesprochen! Ungehindert fuhr dieser fort: „Da ist Lucy und neben ihr steht Johanna. Sie sind umgeben von solch reinem, hellem Licht. Beide winken mir lächelnd zu, doch es ist mir verwehrt, zu ihnen zu gehen. Johanna wirkt so glücklich und sie sieht ihrer Mutter so ähnlich… Lucy strahlt, wie ich es von ihr kannte. Es scheint ihr gut zu gehen. Sie muss glücklich sein da, wo sie jetzt ist…“
Weiter wollte Sweeney nicht sprechen. Mrs Lovett wusste, woran er dachte. Nie würde er dorthin kommen, wo seine geliebte Frau jetzt war, dafür waren seine Taten zu schrecklich.
Sweeney verstummte und regte sich nicht mehr. Zu schlimme Erinnerungen und Gedanken hielten ihn in seinem Innern gefangen. Einem Instinkt folgend, konnte Mrs Lovett nicht anders. Vorsichtig legte sie ihre Hand auf seinen Arm. Sweeneys Blick wanderte kurz zu ihr, sie schenkte ihm ein unsicheres Lächeln, dann senkte er ihn wieder zu Boden. Er ließ die Berührung geschehen.

~*~

Ich hoffe, manchen hat der OS gefallen, auch wenn er schon ziemlich alt ist.
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