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My little black rose

GeschichteDrama / P12 / Gen
17.05.2009
07.08.2009
8
32.902
 
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17.05.2009 777
 
My little black rose


von Tir na nOg


Rating: P12

Genre: Liebesgeschichte/ Drama/ Historischer Roman



Erster Teil




"Wer will schon König eines zerstörten Landes sein?"



Prolog: Lebenslinien





London, 15.2. 1950

„Es ist ein Mädchen, Frau Doktor. Wollen Sie die Kleine sehen?“
Die bleiche, erschöpfte Frau nickte und strich sich mit der Hand müde übers Gesicht.
„Ist sie gesund?“
„Ja, das ist sie. Ein wenig klein und leicht, aber gesund.“
„Warum schreit sie dann nicht?“
Die Hebamme legte ihr das kleine, in eine einfache weiße Decke geschlagene Kind in den Arm.
„Es gibt Kinder, die fühlen sich sofort in unserer Welt willkommen und müssen sich nicht groß ankündigen.“

Die Mutter strich sanft über die kleine Faust, die unter der Decke herausragte.
„Du bleibst meine Kleine, du wirst bei mir bleiben.“
Sie küsste die weiche, rosige Haut.
„Dich wird mir niemand nehmen, du sollst dein Leben so leben, wie du es willst.“
Die Hebamme berührte sie vorsichtig an der Schulter.
„Ihr Mann wartet vor der Tür. Soll er hereinkommen?“
„Wenn er will.“

***

„Es ist also wieder ein Mädchen.“ Henry Mansfield strich seiner Frau sanft über die Wange.
„Eine wunderschöne kleine Prinzessin.“ Sie sah ihn an. „Du weißt, welchen Namen wir ausgesucht hatten?“
Er verzog sein Gesicht.
„Muss das denn sein? Ich finde diesen Namen furchtbar, und das weißt du. Er ist altmodisch.“
„Wir hatten doch die moderne Schreibweise.“
Er holte tief Luft und ließ dann die Schultern fallen.
„Es ist ein Name für Versager. Du weißt, was ich davon halte. Sie wird gezeichnet sein für ihr Leben.“
Seine Frau drückte den Rücken durch und küsste sanft den Kopf des Kindes.
„Ich will es so. Sie wird ein großartiges Leben leben.“

***

Belfast, 6. 2. 1952

„Meine Damen und Herren, liebe Kollegen, liebes Pflegepersonal, ich freue mich, und es ist mir zugleich eine große Ehre, Ihnen den neuen Chefarzt unserer tumorchirurgischen Abteilung vorzustellen. Ich denke, Prof. Henry George Mansfield wird selbst noch einige Worte an Sie wenden.“

Henry Mansfield lächelte seiner Frau zu, als er die Treppen zum Podest hinauf stieg. Sie lächelte sanft zurück und flüsterte ihrer kleinsten Tochter, die unruhig auf ihrem Schoss herum turnte, ein paar leise Worte ins Ohr. Die beiden älteren Kinder saßen still auf ihren Plätzen, als er mit dem Zeigefinger auf das Mikrofon tippte.

„Meine Damen und Herren, ich möchte Sie nicht lange von der Arbeit abhalten, keine Sorge.“ Lautes Lachen im Saal quittierte diese Bemerkung. Der Professor räusperte sich und lächelte seiner Frau noch einmal zu. Sie lächelte zurück.
Er ist ganz anders, wenn er arbeitet, dachte sie. In seiner eigenen geordneten Welt. Wenn ich ihn nicht dort kennen gelernt hätte, ich hätte ihn niemals lieben können. Er strahlt nur an seinem eigenen Firmament.

„Ich kann gar nicht oft genug betonen, wie sehr ich mich freue, Leiter einer derart hervorragenden Abteilung zu sein. Ich kann den Beginn der Arbeit mit Ihnen allen gar nicht erwarten.“ Er ließ mit einem breiten, sonnigen Lächeln den Blick durch den Saal schweifen.
„Ich bin mir sicher, wir alle zusammen werden Großartiges vollbringen in der Heilung des Krebses. Wir werden ihn besiegen, wenn wir nur daran glauben. Wir alle sind dazu auserkoren, die Welt zu erhellen, und wir können es schaffen, wenn wir daran glauben. Wir werden gewinnen, wenn wir an den Sieg glauben!“

Ohrenbetäubendes Klatschen schloss diese kurze Rede ab. Nach einigen huldvollen Kopfnicken stieg Henry Mansfield von der Bühne und setzte sich wieder neben seine Frau, um den Rest der Feier strahlend lächelnd über sich ergehen zu lassen.

***

Professor Mansfield saß in seinem Arbeitszimmer und rauchte eine Zigarre. Gelassen und leicht belustigt beobachtete er den blauen Qualm, der kerzengerade zur Decke stieg. Das Rauchen war sein Ruhepunkt, seine persönliche Oase; niemand durfte den blauen Qualm in Wallung bringen und ihn in seiner Meditation stören.
Die graublaue Wand war so dicht, dass nicht einmal das Öffnen der Tür sie durchdringen konnte.

„Henry, ich verlasse dich. Ich lasse mich scheiden.“

Er stieß eine Wolke aus, die den stehenden Qualm wie ein Pfeil durch schnitt; seine Stimme jedoch war ruhig und leise, kein Hauch bewegte den Nebel:

„Die Kinder bleiben bei mir.“

***

Belfast, 16. März 1952

„Du hast Spuren in dieser Welt und in den Herzen der Menschen, die dir begegneten hinterlassen. Auch wenn dein Leben für dich noch so schwer war, so hast du es doch auf deine ganz eigene Art bis zum Ende gelebt.

Herr, dir empfehlen wir die unsterbliche Seele von Ursula Emily Mansfield, liebende Ehefrau und Mutter. Sei ihrer Seele gnädig und geleite sie sicher durch die Ewigkeit.“

Schwer ruhte die Hand ihres Vaters auf ihrer Schulter.

„Hör auf zu weinen, Emily. Ab heute bist du erwachsen. Benimm dich dementsprechend. “
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