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BraveStarr: Abgründe

von MariLuna
GeschichteMystery / P12 Slash
15.05.2009
28.05.2009
15
28.831
3
Alle Kapitel
41 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
15.05.2009 1.646
 
Disclaimer: wie immer nix is meins, alles gehört Filmation und Lou Scheimer und seiner Truppe .... seufz ...

Wie gewohnt werde ich versuchen, das hier so schnell wie möglich online zu stellen, da ich aber noch nicht ganz fertig bin, wird es diesmal wohl ungefähr bei einem Abstand von 2-3 Tagen bleiben pro Kapitel ...
Also, Rose und Sinaida, verzeiht mir und gleich schon mal den *knuddel* vorweg, weil ihr euch das hier wieder antut *gg*
und alle anderen: ihr dürft auch reviewen, sogar anonym ;-)

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Abgründe

Unkraut wächst in zwei Monaten, eine rote Rose braucht dafür ein ganzes Jahr.
(Mevlana Celaleddin Rumi, 30.09.1207 - 17.12.1273)


Erstes Kapitel, wo ein Alptraum der Auftakt eines Abenteuers wird

Eine Höhle.
Türkisschimmerndes Wasser.
Feuchte Gesteinswände, die von rotglitzernden Keriumadern durchzogen sind.
Dunkle Augen mit einem Silberglanz in ihrem Inneren. Eine leise, unglückliche Stimme.

„Mein Sohn … Geliebter, wo ist mein Sohn?“

„In Sicherheit“, hauchte eine männliche Stimme.

Eine sehnige, dunkle Hand, in der es hell aufblitzte, als sich das Messer in den Nacken der Frau bohrte.

„In Sicherheit - vor dir.“

Aufkeuchend fuhr Brave Starr in die Höhe. Für die Dauer einiger Herzschläge saß er nur aufrecht in seinem Bett und starrte blicklos in die Dunkelheit, während er versuchte, sein wild pochendes Herz unter Kontrolle zu bekommen.
Dann spürte er eine warme, kräftige Hand, die nach seiner tastete und diese dann sanft ergriff, um ihn wieder zurück in die Kissen zu ziehen, wo sich ein warmer, geschmeidiger Körper eng an ihn kuschelte.

„Schlecht geträumt?“ flüsterte Tex in sein linkes Ohr, während seine Hand über Brave Starrs Unterarm glitt, über den Oberarm und schließlich auf seiner Brust in der Höhe seines Herzens liegenblieb.

Selbst durch das Shirt hindurch konnte er die Wärme dieser Hand spüren und wie immer vertrieb dieses Gefühl augenblicklich alle Nachwehen des schrecklichen Traumes. Dankbar legte nun Brave Starr seine eigene Hand auf die des anderen und verschränkte ihre Finger miteinander.

„Schlaf weiter.“

„Hm, normalerweise bin ich doch derjenige, der die Alpträume gepachtet hat“, murmelte Tex schlaftrunken und rückte etwas näher.
„Magst du darüber reden?“

Brave Starr zögerte. Einerseits wollte er gerne darüber sprechen, jedenfalls über das Wenige, was ihm noch in Erinnerung geblieben war, andererseits mochte er den anderen nicht damit belasten.

„Hm, ich höre zu“, meinte Tex nur leise, nachdem er einige Sekunden erfolglos auf eine Antwort gewartet hatte.

Brave Starr seufzte tief auf.
Manchmal konnte sein Partner noch hartnäckiger sein als sein Ziehvater Shaman, auf eine ihm eigene, sonderbare Art und Weise.

Tex war wie der Wüstenwind – sehr wechselhaft. Hatte er in der Vergangenheit vor allem seine launenhafte, tückische und gefährliche Seite zur Schau gestellt, zeigte er in der letzten Zeit hauptsächlich diese andere Seite von sich, diese einschmeichelnde, sanfte und vor allem beharrliche Art.
Genau wie der Wüstenwind, der, wenn er nur immer wieder genügend Sand mit sich führte auch den widerstandsfähigsten Felsen glatt schliff, zeigte auch Tex beizeiten eine Geduld, die ihn immer wieder von neuem erstaunte.

Er wusste, daß Tex nötigenfalls die ganze Nacht auf eine Antwort warten würde, hellwach neben ihm liegend, ihn mit seinem eigenen Körper wärmend, ungeachtet der Tatsache, daß niemand zur Zeit wohl mehr Schlaf und Ruhe benötigte als er.

„Ich erinnere mich an eine Höhle“, gab sich Brave Starr schließlich geschlagen. „Und an eine Frau.“

„Hm, war sie wenigstens hübsch?“

„Ich glaube, sie war meine Mutter.“

Er konnte spüren, wie sich die Mundwinkel des anderen an seiner Schulter zu einem Grinsen verzogen.

„Auch Mütter können hübsch sein. Meine Mutter war sogar mal eine Schönheitskönigin.“

Brave Starr war geneigt, diesen Gedanken weiterzuverfolgen, denn sein Desperado sprach beinahe noch weniger von seiner Familie als er; obwohl das bei ihm selbst eher daran lag, daß er sich an seine Eltern kaum erinnern konnte.
Er versuchte sich zu entsinnen, wie Tex vor zwölf Jahren ausgesehen hatte, noch bevor er durch Stampede verändert und dann von den Feen ein neues Aussehen erhalten hatte, es existierten einige Bilder in seiner Akte, aber es wollte ihm einfach nicht gelingen, daraus Rückschlüsse auf Gestalt und Gesicht seiner Mutter zu ziehen.

„Schönheitskönigin?“ wiederholte er gedankenverloren.

Nun, sicher, sein Desperado, so wie er jetzt in seinen Armen lag, würde auf jeder Katalogseite eine gute Figur machen, aber das war schließlich nachdem ihn die Feen ins Wasser des Lebens getaucht hatten. Zuvor war er – jedenfalls bevor ihn Stampede in die Krallen bekam - eher der 08/15-Typ.

Konnten Schönheitsköniginnen durchschnittlich aussehende Kinder zur Welt bringen?
Und wenn, wie hässlich musste dann erst der Vater ausgesehen haben?

„Miss Pfirsichblüte und das noch mit dreiunddreißig, was genau genommen wirklich ein Wunder war, vor allem mit einem kleinen Balg am Rockzipfel“, erwiderte Tex. „Aber du lenkst vom Thema ab. Also, du hast von deiner Feen-Mutter geträumt?“

„Sie war nur zur Hälfte eine Fee“, berichtigte Brave Starr beinahe automatisch.
Diese Tatsache wusste er erst seit knapp zwei Tagen und er musste sich an diesen Gedanken als solchen erst einmal gewöhnen. An den Gedanken, wohlbemerkt, denn irgendwie im Inneren berühren tat ihn diese Neuigkeit nicht.
Für ihn war sie eine völlig Fremde.

„Okay, du hast also von deiner halben Feen-Mutter geträumt?“ wollte Tex beharrlich wissen.

„Sie war nicht halb, sie war schon in einem Stück“, konterte Brave Starr und erntete dafür sofort einen tiefen Seufzer.

„Also Marshall Besserwisser, du hast also von deiner sich in einem Stück befindlichen, halben Feen-Mutter geträumt?“ Tex’ Stimme senkte sich zu einem Schnurren, während seine Finger auf Brave Starrs Brust einen ungeduldigen Tanz aufführten.

Brave Starr verbiß sich ein Grinsen. Er kannte die Anzeichen und wog die Möglichkeiten und ihre Konsequenzen schnell gegeneinander ab. Doch letztendlich wusste er, daß Tex eigentlich todmüde war und entschied sich daher, es nicht auf eine Rangelei ankommen zu lassen.

„Sie war in einer Höhle“, sprudelte er schnell hervor, während er die vorwitzigen Finger seines Partners rasch einfing, „etwas Furchtbares ist dort passiert, aber den Teil habe ich vergessen. Ich weiß nur, daß ich das Gefühl hatte, daß sie mich sucht.“

„Hast du schon öfter von ihr geträumt?“

„Ja, gelegentlich.“

Tex gähnte und schmiegte sich wieder an ihn.
„Hast du schon mal daran gedacht, das zu überprüfen?“

„Was meinst du damit? Wie bitteschön, überprüft man einen Traum?“

Tex grummelte leise und seufzte dann tief.
„Muß ich dir das wirklich erklären? Bist du bei Shaman in die Lehre gegangen oder ich? Also wirklich …“ er gähnte noch einmal unterdrückt. „Wir suchen die Höhle, ist doch klar.“

„Ach so. Ja, das hab ich schon mal versucht. Ich hab die Höhle sogar gefunden.“

„Und?“

Brave Starr wand sich innerlich, doch er wollte nicht ungerecht sein. Tex konnte ja nichts von den Hoffnungen wissen, die er damals in diese Suche gesteckt hatte und noch viel weniger von seiner unendlichen Enttäuschung, als er einsehen musste, daß er nur seine Zeit verschwendet hatte.

„Es war nur eine Höhle“, erwiderte er so gelassen wie möglich. „Eine sehr hübsche Höhle, sogar mit einem Teich. Wie gesagt, sehr hübsch, aber nicht mehr.“

Dennoch hörte Tex die Bitterkeit aus seinen Worten heraus, denn seine Hand glitt sofort unter Brave Starrs Muscle-Shirt und vollführte kleine, kreisende Bewegungen auf dessen Brust. Brave Starr war immer wieder überrascht, wie sehr ihn diese kleinen, liebevollen Gesten beruhigten.

„Hm“, meinte Tex plötzlich vorsichtig, „gab es da Kerium, in deiner Höhle?“

Brave Starr unterdrückte ein Auflachen.
Oh, du mein Desperado.

„Wieso überrascht mich diese Frage jetzt nicht?“

„Kerium findet man oft in Verbindung mit unterirdischen Wasservorkommen. Ist eine erwiesene Tatsache.“

„Weißt du was?“ schlug Brave Starr amüsiert vor. „Wenn du so viel Wert darauf legst, gehen wir da mal hin und du kannst dir so viel Kerium aus den Wänden kratzen wie du willst.“

„Ich nehme dich beim Wort, mein Marshall.“

Brave Starr brummte nur leise und veränderte seine Position ein wenig, bis er dem anderen bequem durch das dichte, weiße Haar streicheln konnte. Diese gleichmäßige Bewegung hatte auf ihn einen genauso beruhigenden Effekt wie auf seinen Desperado, dessen tiefe, ruhige Atemzüge ihm bald verrieten, daß er wieder eingeschlafen war.
Gut so.
Brave Starr atmete einmal tief ein und zog den anderen noch ein wenig näher an sich heran, so dicht, bis er dessen warmen Atem an seinem Hals und das regelmäßige Pochen seines Herzen spüren konnte. Erst vor drei Tagen war ihnen beiden durch die Feen eine Menge Lebensenergie entzogen worden, Tex wesentlich mehr als ihm, da sie es hauptsächlich auf den Desperado abgesehen hatten, und wenn man bedachte, was er kurz danach über seinen eigenen Tod inklusive Wiederauferstehung vor zehn Jahren erfahren hatte, war es ein Wunder, daß sein Desperado nicht umgehend in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen werden mußte.

Und auch die kurze Phase, in der er sich für alles auf dieser Welt schuldig gefühlt hatte, war ziemlich schnell vergangen, spätestens in jenem Moment, wo der erste Regen fiel und Brave Starr mit ihm auf der Main Street einen flotten Salsa hingelegt hatte, dem sich – erstaunlicherweise – viele Bürger der Stadt schließlich angeschlossen hatten.

Brave Starr lächelte unwillkürlich, als er an diesen einen, ganz besonderen Moment zurückdachte, als sein Desperado plötzlich innegehalten, die Arme ausgebreitet und den Kopf in den Nacken gelegt hatte, während der Regen auf ihn herniederprasselte.
Für einen Augenblick hatte er ganz still dagestanden, erstarrt wie eine Statue, bezaubernder denn je und dann, ja, dann hatte er gelacht.
Dieses fröhliche, rollende Lachen, das ganz tief aus seinem Herzen kam und das Brave Starr so sehr an ihm liebte. Und in dieser Sekunde hatte sein Diamant, sein Leuchtturm wieder sein Licht in die Welt hinausgesandt.

Trotzdem ermüdete sein Desperado schnell und vor allem die Tatsache, daß er bei Handlebar im Saloon oft Überstunden schob, machte es da nicht besser.
Aber Brave Starr hatte schnell begriffen, daß Tex seine Nase hauptsächlich deshalb in die Geschäftsbücher und Bestelllisten steckte, weil der Umgang mit Zahlen ihn schlichtweg beruhigte und ließ ihn daher gewähren.

Trotzdem … die Sache mit der Höhle hatte ihn auf eine Idee gebracht. Ein kleiner Urlaub wäre vielleicht genau das richtige - für sie beide.

***

tbc
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