Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Würfelspiele

von Arielen
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P6 / Gen
07.05.2009
07.05.2009
1
1.932
 
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
 
07.05.2009 1.932
 
Anmerkund: Diese Geschichte ist Angang der 1990ger Jahre entstanden und bezieht sich bei den Namen der Figuren noch auf die Bastei-Ausgabe von 1984/87. Daher bitte nicht wundern, wenn einige Namen nicht so ganz zu stimmen scheinen.

-------------

Frohblatt lächelte entschuldigend, als sie den Schatten ihres Lebensgefährten zwischen den Büschen verschwinden sah. "Eine seltsame Unruhe treibt ihn an", meinte sie dann zu Reinwasser, "Und selbst ich kann ihn nicht davon ablenken. Die Fünffinger wagen sich schon lange nicht mehr in unsere Reichweite und er scheint nun nach anderen gefährlichen Abenteuern zu suchen."
"Ich weiß!" mischte sich Baumstumpf ein. "Ich erinnere mich, daß er etwas von seltsamen Büschen murmelte. Du erinnerst dich doch, daß er schon ein paar Mal im letzten Mondwechsel fort war, Schwester?"
"Ja, aber was hat das damit zu tun? Ich nahm an, daß er mit Schwarzfell auf der Jagd sei, und nur die Gewißheit daß er lebt, in meiner Seele zu spüren, ließ mich sicher sein, daß ihm nichts geschah. Was hat er dir denn erzählt?"
"Nicht viel. Nur daß er ein Geheimnis lüften will, daß ihn schon mehrere Wechsel der Jahreszeiten beschäftigt. Jemand stiehlt ihm seine geliebten Traumbeeren!"
"Und wenn er die nicht bekommt, dann ist er unleidlich. Ich weiß. Nun, dann will ich ihn nicht hindern, dieses Geheimnis zu lösen!" seufzte Frohblatt.


Eine Hand im nachtschwarzen Fell seines Wolfes vergraben und die Augen gebannt auf den Busch mit den rotvioletten Beeren gerichtet, wartete Bärenpratze geduldig darauf, das etwas geschah. Längere Zeit hatte er beobachten können, daß die Früchte in regelmäßigen Abständen verschwanden und es waren keine Tiere die sie sich holten. Der Geruch war anders, er hatte nie vergleichbares gewittert, und er kam aus dem Boden.
Unter den Büschen hatte er ein Loch entdeckt, und daraus geschlossen, daß das Wesen unter der Erde leben mußte. Seinen Überlegungen zufolge konnte es nicht mehr lange auf sich warten lassen.
Plötzlich bewegten sich die Ohren seines Wolfes. Auch das feine Gehör des Elfen vernahm die schlurfenden Schritte und das kehlige Gebrummel, das aus dem Loch zu ihnen klang. Sie witterten beide modrigen Verwesungsgeruch.
Bärenpratze lächelte.
'Na, endlich! Seine Geduld hatte sich gelohnt! Das würde ein Spaß werden, den frechen Dieb endlich zu stellen Ha!'
Und so pirschte er sich leise an den Busch heran und sah, wie sich ein Arm aus dem Loch streckte. Bärenpratze verzog das Gesicht. War der auch grün und warzig, so besaß er doch Ähnlichkeit mit seinem eigenen. Zumindest was die Anzahl der Finger betraf! Bei den Hohen! Das war mehr als interessant!
Er spannte seine Muskeln an. In dem Moment in dem er zupackte und das Wesen ein Stück hochzog, ging das Gekreische los. Dazu noch in Lauten, die er verstehen konnte - in der Sprache der Elfen!
"Laß mich los! Erdverschmierte Warzen! Trollkacke! Laß mich los!"
Doch genau das machte den Elf nur noch entschlossener. Er zog die Gestalt, die etwa seine Größe besaß, aber doppelt so breit war aus dem Loch. Das Gezeter verstummte, als die einen Arm vor das Gesicht hielt. Ein Lumpensack aus grobem Tierfell - nein das war ein anderes, unbekanntes Material - bedeckte den unförmigen Leib. Bärenpratze berührte das rauhe Gewebe, obwohl ihm von dem Geruch übel wurde. An den Ausbeulungen erkannte er, daß er ein Weibchen vor sich haben mußte.
"Wer bist du?" frachte er heiser und betrachtete den Arm und die Hand, die er immer noch fest umklammert hielt. Sie hatte tatsächlich nur vier Finger und keinen fünften abgeschnitten, . "Oder besser: Was bist du?"
"Das geht dich gar nichts an!" Der Kopf wurde sichtbar. Eine Kapuze verdeckte den größten Teil, nur ein häßliches, zerfurchtes und knollennasiges grünes Gesicht war zu erkennen. Große Augen musterten ihn in einer Mischung aus Angst und Zorn.
"Ich bin die Alte Made, du häßlicher kleiner Wolfsdreck!" keckerte sie und zuckte zusammen, als Bärenpratzes Wolf knurrte und mit gesträubtem Fell näher kam. "Halt die Bestie fern!"
"Bist du allein? Oder gibt es noch andere von deiner Art?"
"Glaubst du, das verrate ich dir?" zischte Bärenpratzes Gefangene, aber sie begann zu zittern, als der Wolf noch näher heranrückte und bedrohlich die Zähne fletschte. Als Schwarzfell knurrend nach ihr schnappte, stieß sie hervor. "Ja, ich sag's dir schon, nur nimm die Bestie weg!"
"Du hast also Angst vor Schwarzfell?" entgegnete der Wolfsreiter-Häuptling und zeigte seinerseits die Zähne. "Also gut, dann ... hm, dann wird er dich zerreißen, wenn du mich nicht zu den anderen deines Stammes führst und mir erzählt, wer und was du bist. Ich will es wissen!" grollte er gefährlich und sein Wolfsfreund stimmte in die Drohung mit ein.
"Ja,ja!" gab die Alte Made schließlich zähneknirschend nach.


Das war also der unterirdische Hag der Trolle, wie sich der Stamm der alten Made nannte. 'Erdgräber paßt besser!' dachte Bärenpratze bei sich und beobachtete alles wachsam, denn sie hatten einen Tunnel benutzt, der immer tiefer in die Erde führte, und das war er nicht gewohnt. Es war etwas anderes in einen Bau zu kriechen, denn da hatte er immer gewußt, was ihn erwartete, hier nicht.
Er beäugte mißtrauisch die männlichen Mitglieder dieses Volkes. Sie waren kräftig und wirkten langsam, aber das konnte täuschen - das waren bestimmt Krieger, die er nicht unterschätzen durfte, wie ihm die tückisch funkelnden Augen verrieten. Weibchen hatte er keine weiteren gesehen, vielleicht gab es auch außer der Alten Made keine anderen mehr.
In den Gängen und Höhlen hing ein widerlicher Gestank von Verwesung, Rauch, Feuer und Dingen, die er nicht deuten konnte. Seine Nase brannte, aber Bärenpratze unterdrückte den Schmerz. Er achtete auch nicht auf den ohrenbetäubenden Lärm, als sie an Steinbecken mit rotglühenden Steinen vorübergingen, an denen Trolle auf graue und silberfarbene Stangen einschlugen.
Der Elf konnte aber auch beobachten wie ein anderer mit einem Messer aus dem silbergrauen Metall einen Kadaver aufschlitzte und die Sehnen durchtrennte.
'Solche Waffen können wir auch gebrauchen. Die würden uns viel Arbeit ersparen!' dachte der Häuptling bei sich. 'Bei der Arbeit, der Jagd - und im Kampf gegen die Finffinger!'
Wie konnte er nur an solche Waffen und Werkzeuge gelangen? Um sie zu stehlen war alles zu gut bewacht, und bisher hatte er schon mehr Trollkrieger gezählt als sein Stamm köpfe zählte, die Welpen eingeschlossen.
Er klammerte sich fester an Schwarzfell und erwiderte die mißtrauischen blicke dieser Trolle grimmig. Hier in diesem unterirdischen Revier dieses Volkes mußte er sehr wachsam sein...


Sie erreichten eine Halle.
Bärenpratzes Aufmerksamkeit wurde auf eine gruppe lärmender Trolle gelenkt, die am Boden saßen und mit eckigen Steinen spielten. Warfen sie sich diese nur zu? Dann fingen sie aber schlecht. Nein, ihre Begeisterung mußte mit den Zeichen darauf zu tun haben. Einer goß roten Saft, der verdächtig nach Traumbeeren duftete aus einem Ledersack in seinen Mund.
"Da ist unser König Graumung!" sagte die Alte Made nun. "Erweise ihm Respekt!"
Die Frau deutete auf einen graubärtigen Troll, der auf einem Steinsitz lümmelte und einem mit gelbem Metall behängten Trollmädchen das warzige Kinn kraulte. Als er dem Elfen sah, stellte er diese Liebkosung ein und schob seine Gespielin beiseite.
"Was willst du hier Wolfsbrut?" fragte er grollend.
Bärenpratze merkte, daß einige der Anwesenden nach ihren Waffen griffen. Er verzog das Gesicht. Auf der Erdoberfläche hätte er keine Scheu gehabt, diesen dreckigen Erdwürmern Respekt beizubringen, aber das hier war ihr Reich, da galt es etwas besonnener zu handeln.
So sprang der Häuptling von seinem Wolf und stellte sich breitbeinig hin. Dann grinste er breit, denn er hatte plötzlich einen guten Einfall. "Ich bin gekommen, um dir einen Handel anzubieten, Troll!" Das letzte Wort betonte er ebenso verächtlich wie der Troll auf dem Thron das "Wolfsbrut".
Bärenpratze sah sich um. "Ich stelle fest, daß es euch hier an einigem fehlt. Frischem Fleisch, um nur eines zu nennen. Die Kadaver, die ihr den Aasfressern entreißt sind doch nur verwesende Reste." Er lachte herausfordernd. "Wir Wolfsreiter haben das im Überfluß, und so können wir euch anbieten zu tauschen ... gegen das da!" Er deutete auf ein graues Messer, das ihm besonders gut gefiel. "Ich will für jeden aus meinem Stamm eine solche Waffe, Speer- und Pfeilspitzen aus diesem Material. Überlege es dir Troll, denn dieses Angebot mache ich nur einmal."
Bärenpratze lauschte zufrieden dem Gemurmel und bemerkte die gierigen Blicke. Graumung musterte ihn lange. Dabei stützte er das Kinn auf die Hand. "Ich werde mir dein Angebot überlegen. Sei so lange mein Gast!" Dann tuschelte er mit anderen Trollen und zog sich mit dem Mädchen zurück.
"Ich bin einverstanden!" rief Bärenpratze dem Trollkönig noch nach und sah sich dann interessiert um. Er blickte verlangend auf den Ledersack mit dem Getränk und gesellte sich zu der spielenden Trollgruppe. Die sahen ihn neugierig an. "Willst du nicht mitspielen?" meinte einer mit einer besonders dicken Warze auf der Nase. "Wir würfeln und setzen Dinge. Der Gewinner kriegt sie alle. Die Regeln sind einfach. Die versteht sogar ein Elf! Der, der die höchste Anzahl an Markierungen würfelt gewinnt."
Bärenpratzes Augen wurden schmal. Doch er nahm die Herausforderung an. Ihm war ein besonders schönes Messer aufgefallen, das wie die Sichel von Mutter Mond gebogen war und hell im Licht der Fackeln schimmerte. Das mußte er unbedingt haben!
"Wenn du verlierst, erjagst du uns einen fetten Bock!" erklärte einer der Trolle und drückte ihm die Steine, die Würfel, in die Hand.
"Einverstanden!" Bärenpratze ertastete die Markierungen, schnüffelte an den Steinen und warf dann. Die Trolle grollten, denn zwei der Steine zeigten die höchste Anzahl an Markierungen.
"Das war bloß Zufall!" murrte einer. "Hier, versuchs noch mal. Ich setze den Goldreif dagegen!"
'Der gefällt sicher meiner Frohblatt!' dachte sich Bärenpratze und beobachtete die Würfe der Trolle. Einer hielt Bärenpratze den Schlauch entgegen. "Hier probier das mal! Wetten, daß du den vergorenen Traumbeerensaft nicht verträgst!" Das ließ sich der Wolfsreiter nicht zweimal sagen. Er nahm zuerst einen vorsichtigen Schluck, dann aber konnte er  nicht mehr aufhören zu trinken So gut hatte der Traumbeerensaft noch nie geschmeckt - genausowenig war er bisher so schnell zu Kopf gestiegen. Aber das gefiel ihm. Grinsend nahm er die Würfel wieder zur Hand und setzte sich zu den Trollen. Mal sehen, um was er diese häßlichen Gestalten noch alles erleichtern konnte...


Als Bärenpratze schließlich die Trollhöhlen verließ, war er um einige goldene Armreife, einen Halsschmuck und das Schwert, aber auch das Einverständnis Graumungs reicher. Der Häuptling grinste zufrieden. Sein Kopf summte zwar immer noch von dem vergorenen Traumbeerensaft, aber die Trolle hatten ihn nicht betrunken machen können oder gar übers Ohr hauen können. Für letzteres hatte schon Schwarzfell gesorgt und die häßlichen Erdgräber auf Abstand gehalten, wenn sie nach seinen Gewinnen grabschen wollten.
Der Elf wog das Schwert in den Händen und streckte es dann den beiden Monden entgegen. Er würde mit reicher Beute nach Hause zurückkehren und seine Liebsten reich beschenken. Nur das Schwert und einen der Halsreife wollte er behalten.
Die Waffe funkelte im Licht. Er verglich sie mit den Gestirnen am Himmel und lächelte.
"Ich werde dich Mondsichel nennen, und du sollst von nun an das Schwert der Häuptlinge sein!" bestimmte er und machte sich dann auf den Weg nach Hause. Er hatte seinem Stamm viel zu erzählen.

-------
Inspiriert von "Fun and Games" aus "A Wolfrider's Reflections"
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast