Abgeschnitten

GeschichteDrama / P12
03.05.2009
03.05.2009
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Abgeschnitten
-Der kleine Funken Hoffnung...-

Schreiend und fluchend kämpfte sie gegen die Griffe an, brüllte. Umsonst. Es waren zu viele. Erwachsene Männer, gegen ein Mädchen - das war nicht fair. Verzweifelt suchte ihr Blick ihren Noctis, doch sie fand ihn nicht. Tränen bildeten sich in ihren Augen. Aus Wut und Verzweiflung. Ihr Fuß traf auf einen Widerstand und dann hörte man einen der Männer gepeinigt aufschreien.

Nein, sie wollte das nicht. Sie sollten sie loslassen. Die Tür ging lautlos auf, als sie in einen sterilen Raum traten. Alles weiß... und in der Mitte stand dieses... dieses Ding. Wo steckte Noctis!?

"Noctis!?"

Ihre Stimme klang beinahe hysterisch, als sie ihren Dämon plötzlich erblickte.

In Gestalt einer getigerten Katze wich er geschickt den Dämonen der Männer aus. Überall. Sie waren überall. Plötzlich durchlief sie ein eiskalter Schmerz - einer der Dämonen hatte Noctis erwischt. Torkelnd und wimmernd wechselte er rasant die Formen. Schmetterling, Hund - plötzlich war er ein schwarzer Panther und griff erneut an. Der eine Mann ließ locker und sie schaffte es kurzzeitig den Fängen zu entkommen: "Noctis!", kreischte sie, auf ihren Dämon zu laufend, doch ehe sie ihn erreichen konnte, wurde sie erneut gepackt und brutal zurückgerissen.

Dieses Ding war direkt neben ihr und die Männer bugsierten sie trotz heftigster Gegenwehr hinein. Sie schrie und trat und fluchte und warf sich mit voller Kraft gegen die Gitterstäbe, die Schmerzen und Prellungen nahm sie nicht wahr. Noctis kämpfte noch immer erbittert - zahlreiche Verletzungen zierten ihn und das Mädchen spürte, wie erschöpft er war.

Tränen liefen mittlerweile in Strömen über ihre Wangen. Immer wieder rüttelte sie an den Gitterstäben und schrie, schrie den Namen ihres Dämons, schrie wilde Verfluchungen und dann schrie sie einfach nur. Ein langer, gellender Schrei, der in einem erstickten Schluchzen endete.

Doch plötzlich erstarb in ihr etwas.. es war, als würde man ihr HERZ anfassen. Es berühren mit etwas unreinem. Sie fühlte sich dreckig und benebelt. Die Gegenwehr erstarb vollkommen. Wie, als hätte man sie geschockt, lag sie regungslos dort. Die Augen waren verschleiert... etwas berührte sie an einer Stelle, die man nicht berühren durfte.

Verschwommen sah sie, wie die Männer etwas in dieses Ding trugen. Auf die gegenüberliegende Seite von ihr - ein Gitter trennte die beiden Käfige voneinander. Sie sah es nicht, aber sie wusste mit grausamer Klarheit, was die Männer dort in den Händen hielten. Noctis! Ihren Dämon! Angefasst! Es war ein ungeschriebenes Gesetz: Man DURFTE den Dämon anderer Menschen nicht anfassen.. aber sie TATEN es.

So schnell, wie die Benommenheit gekommen war, hörte sie wieder auf. Fast augenblicklich stürzte sie zu dem Trenngitter, schlug dagegen und schrie: "Noctis! NOCTIS!!!"

Der Dämon rappelte sich mühselig auf und begann nun seinerseits gegen das Gitter zu springen. Sie rüttelte daran, versuchte ihn zu berühren, ihn an sich zu drücken, doch sie schaffte es nicht.. sie hatte so furchtbare Angst.

"Noctis.. bitte... lass mich nicht allein, hörst du!?"

Auf einmal begann von oben eine blaue Linie zu leuchten. Es zischte und sie spürte wie sie regelrecht von dem Trenngitter weggedrückt wurde. Noctis lag immer noch benommen auf der Seite, während das Mädchen verzweifelt versuchte wieder zu ihm zu gelangen - ohne Erfolg. Die blaue Linie breitete sich langsam nach unten aus - wie eine Guillotine bewegte sie sich weiter und weiter, ein elektrisches Feld hinter sich herziehend.

Je weiter es fortschritt, desto mehr erstarb ihre Kraft... die verzweifelten, aussichtslosen Rufe nach ihrem Dämon erstarben. Sie spürte, wie ihr ganz kalt wurde: "Noctis... lass mich nicht allein... bitte!"

"Hab keine Angst.. ich verlass dich niemals", erwiderte der Dämon schwach, seine Stimme war leise, kaum mehr zu vernehmen. Er log. Sie wusste das. Sie spürte es. Die Tränen liefen unaufhaltsam. Heiß und salzig, während sie immer mehr an Wärme verlor. In ihr wurde es eiskalt.

Die blaue Linie war unten angekommen... sie verlor sich in einer endlosen Dunkelheit. Alles war so kalt. Verzweifelt tastete sie neben sich. "Noctis.. wo bist du?", fragte sie verheult, doch keine Stimme antwortete. Niemand war mehr da, der sie beruhigte. Diese abscheuliche Kälte wich nicht.. sie war da und würde nie wieder gehen.

"Noctis... bitte... ich brauch dich.. du hast es doch versprochen... Noctis... komm zurück... du darfst mich nicht allein lassen. Wo bist du?" Blind vor Verzweiflung tastete sie in dieser unendlichen Dunkelheit, Finsternis.. doch keine Wärme war hier. Keine vertraute Stimme, die immer bei ihr gewesen war...

Noctis war fort und sie blieb zurück.
Keiner konnte ihr mehr helfen.
Sie war hier.
Allein.
Seelenlos.
Verloren.

In dieser finsteren, unendlichen Kälte.

-...wird zuletzt sterben.-

__________

Disclaimer: Die Idee mit den Dämonen, dem Abschneiden und das Ganze Drumherum gehört Philip Pullman. Die Charaktere, das Mädchen und ihr Dämon Noctis, sind meiner Fantasie entsprungen.
Kapitel: OneShot :P
Kommentar der Autorin:
Ich weiß nicht auf was ich war, aber vor gut einer Stunde hat ich (weil ich grad mal wieder das Buch "Der goldene Kompass" angefangen hab) voll das Bedürfnis sowas hier zu schreiben. Ich bin noch nicht wieder an der Stelle mit der Maschine und dem Trennen, als verzeiht mir, falls der Raum z.B. nicht weiß gewesen war. xD
Jaaa...was will ich damit sagen? *auchn Dämon haben will*
Music: Evanescence - Whisper
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