Als er schlief

GeschichteRomanze / P12 Slash
Anthony Benjamin Barker
01.05.2009
01.05.2009
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Als er schlief


[b]Erklärung:
Kleine Momentaufnahme, die mir so für zwischendurch gekommen ist, damit ich mich nach langer Zeit wieder ans Schreiben gewöhne. Reine Entspannungsübung, kein Literarisches Meisterstück![/b]


Er hatte es leicht im Leben gehabt. Das wusste er selbst. Ein Vater war Schmied gewesen, seine Mutter Schneiderin, und auch wenn sie arm gewesen waren, hatte er zumindest niemals hungern müssen. Seine Eltern liebten ihn, und jedes Mal, wenn er wieder nach Plymouth kam,  blieb er zumindest für einen Tag, immer darauf bedacht, keine Aufträge voreilig anzunehmen. Selbst als er zur See fahren wollte, hatten sie ihn unterstützt und ihn sicher auf einem anständigen Schiff untergebracht.
Wenn er ihnen nur von der Welt erzählte. Und dann war er in London gewesen. In Indien, in der neuen Welt und Peru. In Spanien, Portugal, Frankreich und China, das gerade begann, von den Engländern entdeckt zu werden.
Doch jetzt hatte Antony  jemanden gefunden, der bis jetzt kaum angenehmes erlebt haben konnte.
Halb ertrunken, erschöpft, ausgetrocknet und abgemagert hatte er ihn auf den Wellen treiben sehen. Seine Haut schien fahl, fast grau zu sein, ebenso wie seine Haare, die stellenweise schon fast weiß waren. Dennoch wirkte der Mann, den die Crew gerade eben geborgen hatte, nicht alt. Nicht so alt jedenfalls. Er konnte höchstens vierzig Jahre zählen.
Er klammerte sich immer noch an das Brett, mit dem er auf dem Meer getrieben war, als wäre es alles was er habe, kostbares gut, sozusagen.
„Was machen wir jetzt mit ihm?“, wollte Chester wissen, der gerade zu ihm herangetreten war, nachdem er sich die Hände notdürftig getrocknet und das nasse Hemd über den Kopf gezogen hatte.
„Wir müssen ihn pflegen!“, meinte Antony. „Es sind noch zehn Tage bis London! Dort werden wir ihn lassen!“
Er wusste nicht, dass ihm diese Worte noch zum Verhängnis werden würden- schließlich blieben sie fast folgenlos.
Sogar der Kapitän musste einsehen, dass es unangemessen war, die christliche Nächstenliebe so zu verkennen und den Schiffbrüchigen wieder den Fluten zu überlassen oder an einen zu überführen, von dem man nicht wusste, dass er ihm gut tun würde.
Und so wurde das "Fundstück", wie ihn die anderen bald nannten in ihren Kajüten einquartiert und neugierig beobachtet.
Jede einzelne Regung des Bewusstlosen wurde quittiert und brühwarm weitergegeben, und der Finder, Antony selbst, weigerte sich in den ersten Stunden von dessen Seite zu weichen.
Er sorgte sich einfach zu sehr, dass noch etwas passieren könnte- oder einfach nur, dass er das Aufwachen des Patienten verpassen könnte- seine Kollegen waren davon eher weniger begeistert, vor allem, da er in diesen Stunden nicht einmal die einfachsten ihm aufgetragenen Aufgaben verrichtete und einfach nur bewegungslos starrend dort verharrte, wo er sich hingesetzt hatte.
Der Fremde faszinierte ihn.
Und er fragte sich, ob er die Geschichte, die hinter den tiefen Furchen auf dessen Gesicht und seinen früh ergrauten Haaren jemals erfahren würde.
Er wollte sie hören, oh Ja!
Wie er dort so lag fand Antony ihn eigentümlich schön. Nicht so, wie er eine Frau schön oder anziehend gefunden hätte, sondern viel eindrucksvoller.
Er wollte wissen, ob sich seine Haut genauso anfühlte, wie sie aussah. Doch er traute sich nicht, die Hand auszustrecken.
Nur ihr gleichmäßiges Atmen er füllte die kleine Kajüte, in der sich niemand anders außer ihnen befand- die anderen arbeiteten alle noch, denn sie befanden sich so gut wie am Ende ihrer langen Reise und jeder der Männer freute sich, endlich nach Hause zu kommen- zu Müttern und Vätern und Verlobten, Kindern, Hunden wartenden Familienangelegenheiten, Erbsummen oder den Trümmern einer Existenz, die sie in den vergangenen Monaten fast vergessen hatten.
Jeder von ihnen hatte dort an Land ein anderes Leben.
Antony wusste nicht, was er tun würde, wenn er wieder in Plymouth ankommen würde- vermutlich auf dem nächsten Schiff anheuern und hoffen, noch weiter durch die Welt zu kommen.
Er trank einen Schluck Wasser.
Dann kam ihm eine Idee. Vorsichtig befeuchtete er seine Fingerspitzen und befeuchtete damit die Lippen des Bewusstlosen vor ihm. Er wusste nicht, ob er mehr  Wasser würde schlucken können.
Sie waren spröde, aber Antony zweifelte nicht daran, dass sie sich unglaublich gut anfühlen konnten. Vorsichtig fuhr er die Kurve der Unterlippe mit dem Zeigefinger nach und zuckte zurück, als sich der Mann leicht bewegte.
Die Lippen, die er gerade eben noch berührt hatte, begannen zu Beben und Antony fühlte, wie er immer aufgeregter wurde, bis er schließlich seine Hände zittern sehen konnte. Vor ihm kam Leben in das Gesicht des Schlafenden, seine Augenbrauen zogen sich zusammen und er rümpfte die Nase, bis er schließlich blinzelte und die Augen halb öffnete.
Es dauerte noch zwei weitere Augenblicke, bis er vollkommen wach war.
„Wo bin ich?“, fragte  der Schiffbrüchige und seine Stimme klang tief klar, ganz anders als man es bei so einem Gesicht erwartet hätte. Aber Antony war sich sicher, dass sich sein Leben jetzt verändern würde.
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