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Megami Kouhosei: Missing Files. #1 - Tage auf G.O.A.

von D-Rogue
GeschichteAllgemein / P16
Hiead Zero
29.04.2009
20.05.2010
7
9.964
 
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29.04.2009 1.329
 
Kapitel 01: Flammen


Die Piloten kehrten zurück. Wieder war ein Angriff der Victims auf Zion verhindert worden. Sowohl die Göttinnen als auch die Pro-Ings hatten ganze Arbeit geleistet.
Kizna und Ikhny liefen in den Hangar und erwarteten ihre Partner jede mit einem Handtuch.
„Großartig gekämpft!“, rief Kizna, als Zero aus der Maschine stieg, und hielt eine Hand hoch, damit er einschlagen konnte. Die beiden verstanden sich mit jedem Einsatz besser.
Das konnte man von Ikhny und Hiead dagegen nicht behaupten. Der Pilotenanwärter mit den kalten roten Augen schenkte seiner Lotsin gerade so viel Beachtung wie nötig, obwohl diese sich ins Zeug legte, was ihre gemeinsame Arbeit betraf, und darüber hinaus hatte sie nie aufgehört, freundlich zu sein, obwohl er ihre Gesten nicht ein Mal erwiderte.
Auch jetzt lächelte die Brünette ihn an, als sie ihm das Handtuch reichte. „Du hast dich schon wieder verbessert, Hiead.“
Als Antwort bekam sie stures Schweigen. Der Anwärter mit der Nummer 87 lief direkt auf den Ausgang zu, seine Lotsin folgte einen halben Schritt hinter ihm. Im Hintergrund hatten Zero und Kizna schon wieder angefangen, sich zu streiten.
„Hiead, ich wollte dich etwas fragen“, begann Ikhny leise. Sie erwartete weder Antwort noch einen Laut der Zustimmung, deswegen redete sie gleich weiter: „Würdest du... nunja, würdest du meine Optimierungsprogramme für die Pro-Ings testen?“ Sie hatte lange mit sich gerungen, ihn das zu fragen. Kizna hatte sich schließlich überzeugt, obwohl sie gar nicht genau wusste, worum es Ikhny eigentlich ging. „Wenn sie funktionieren, hast du einen deutlichen Vorteil gegenüber den anderen Anwärtern.“
Sie hatten jetzt den Aufzug erreicht. Wie immer würde Hiead verschwinden, während Ikhny die Reparaturarbeiten in Angriff nahm. Als die Aufzugtür sich öffnete, erwartete das Mädchen bereits keine Antwort mehr und wandte sich ab.
„Gut, ich teste sie.“
Bevor Ikhny ihm einen erstaunten Blick zuwerfen konnte, war Hiead bereits im Aufzug und die Türen hinter ihm geschlossen.

Vier Stunden später betrat Ikhny die Kantine. Sie war bereits voll von Anwärtern und Lotsen. Auch Hiead saß – wie immer allein – an einem Tisch. Sie ging zu ihm und legte eine Mappe neben sein Tablett.
„Eine Statistik des letzten Kampfes und eine Beschreibung des Programms“, erklärte sie kurz. „Die Feinabstimmung kann ich erst nach den Tests machen.“
Er sah sie nicht einmal an. Sie wusste zwar, dass er zuhörte, fühlte sich aber trotzdem ignoriert. Wird sich das jemals ändern?
Sie wandte sich bereits um, als er mit ihr sprach: „In 20 Minuten im Hangar.“
Toll, gerade genug Zeit zum Essen, dachte die junge Lotsin mürrisch, sagte aber nur: „Gut.“
Das Mädchen stellte sich an das Ende der Schlange. Das kann ewig dauern...
Einen Wimpernschlag später schlangen sich zwei starke Arme von hinten um ihren Körper und sie wurde hoch gehoben. Im gleichen Moment traf sie ein energetischer Kuss auf die Wange.
Ikhny kicherte. „Kizna, lass das.“ Sie bekam wieder Boden unter den Füßen zu spüren. „Wo nimmst du nur immer die Energie her? Zero ist doch eigentlich ziemlich anstrengend.“
„Du glaubst doch nicht, dass ich mich von dieser Dumpfbacke auspowern lasse? Da muss er schon noch um einiges nerviger werden“, zwinkerte Lotsin #88 ihrer Freundin zu. „Wie lief es mit Hiead? Hast du ihn gefragt?“
„Ja, hab ich. Er will sich in 20 Minuten mit mir im Hangar treffen.“
„Das ist toll! Gratuliere!“ Aus Kizna's Stimme sprach Stolz und ihr Lächeln war aufrichtig erfreut. „Meinst du, er taut langsam auf?“
Ikhny schüttelte den Kopf. „Nein, glaube ich nicht. Da müsste schon ein Wunder geschehen.“

Ikhny stand atemlos im Aufzug. Sie hatte ewig in der Schlange gestanden und obwohl sie das Essen regelrecht hinuntergestürzt hatte, war sie nun zu spät. Was kümmert es mich überhaupt, ob ich Hiead verärgere? Schlimmer als es jetzt ist, kann es nicht mehr werden.
Hiead lehnte am Geländer neben seinem Pro-Ing. Als er Ikhny näher kommen sag, musterte er sie kühl von oben bis unten. Dann wandte er sich ab und stieg in die Maschine mit der Nummer 87.
Alle scheinen der Meinung zu sein, Hiead mochte seine Partnerin nicht (so wie er alle anderen auch nicht mochte), dabei fand er, dass sie perfekt zu ihm passte. Sie war still, schüchtern und immer höflich. Somit ließ sie ihm seinen Frieden und er brauchte keine Angst zu haben, dass sie ihm hinterher- oder in seiner Vergangenheit herumschnüffeln würde. Außerdem tat sie immer ihr Bestes und befolgte seine Befehle ohne Diskussion und Zögern. Besser hätte er es nicht treffen können.
Ikhny trat an das Operationspult für den Pro-Ing. Sie fuhr die Systeme hoch und forderte den Hauptcomputer von G.O.A. auf, eine Schleuse zu öffnen. „Alles startklar. Bist du bereit?“
Hiead nickte. „Los!“
Die Maschine wurde Sekunden später ins All geschleudert. Sofort begann der Pilotenanwärter den Kampf gegen einen unsichtbaren Gegner. Mit einem Grinsen stellte er fest, dass der Pro-Ing viel präziser als zuvor auf seine Bewegungen reagierte. Sie hat wirklich ganze Arbeit geleistet...
Plötzlich ertönte der Alarm auf G.O.A. >> Zwei Victims sind in Zone 14 eingedrungen.
Augenblicklich gab Ikhny diese Information an ihren Partner weiter. „Sie sind vom Typ M“, fügte sie noch hinzu.
„Welche Richtung?“
„Von sieben Uhr. Du willst doch nicht etwa...?“
Doch Hiead hatte seine Maschine bereits gewendet und steuerte auf die Kreaturen zu. Die Lotsin ballte die Hand zur Faust. Solch eigenmächtiges Verhalten verstieß gegen die Vorschriften. Aber sie konnte ihrem Piloten jetzt auch nicht einfach die Hilfe verweigern, das konnte seinen Tod bedeuten.
Das Mädchen riss sich zusammen. „In Schussweite in 3... 2... 1... Jetzt!“
Hiead feuerte, aber sein Angriff hatte nur zur Folge, dass der Victim einen Gegenangriff startete. Der Pilot zog schnell einen Schild hervor.
„Hinter dir!“, schrie Ikhny erschrocken.
Hiead konnte nicht schnell genug reagieren. Er sah die Attacke auf sich zu schnellen. Urplötzlich versperrte Metall sein Sichtfeld und etwas traf seine Maschine so, dass er weg geschleudert wurde.
„Rechts!“
Diesmal reagierte Hiead schneller auf den Ruf seiner Lotsin. Er riss das Schild hoch und fing die Attacke damit ab. Dann holte er sofort zum Gegenschlag aus. Der Victim wurde mit einem schrillen Ton zerfetzt.
Der Junge orientierte sich neu. Der zweite Victim war an ihm vorbei gerauscht und hielt auf Zion zu. Links von ihm trieben Teile eines anderen Pro-Ings.
„Was zum..-“, fluchte er leise.
Sofort empfing er einen Funkspruch aus der anderen Maschine. „Lieber ich als du“, sagte eine Frauenstimme. „Und jetzt mach schon, dass du weg kommst. Der Victim darf Zion nicht erreichen!“ Ein Knistern und Rauschen, dann Stille. Die Verbindung war unterbrochen.

Vor Hiead's innerem Augen zogen Bilder vorbei. Genau diese Worte hatte er schon einmal gehört, vor fast acht Jahren. Damals hatten zehn Männer ihre Gewehre auf ihn, den kleinen Dieb, abgeschossen. Doch nicht er war durchbohrt worden, sondern seine beste Freundin, die sich schützend vor ihn gestellt hatte. Als er damals sein EX einsetzte, war sie bereits tödlich getroffen. „Lieber ich als du“, hatte sie gesagt. „Und nun mach, dass du weg kommst.“ Dank seiner Fähigkeit, die Zeit anzuhalten, hatte er entkommen können, aber er hatte sich nie vergeben. Sie war die einzige gewesen, die er jemals geliebt hatte und die ihn als den akzeptieren konnte, der er war. Nach ihrem Tod hatte er sich in den kalten, unnahbaren Hiead verwandelt, den seine Anwärterkameraden kannten.

„Hiead!“, drang Ikhny's Stimme in sein Bewusstsein. Seine Gedanken schnappten zurück in die Gegenwart. Er riss seinen Pro-Ing herum und jagte dem Victim nach.
„Energiezufuhr 100%! Beeil dich, Hiead!“
Mit diesem Powerschub war es ein Kinderspiel. Der Anwärter hieb das Ungeheuer im Vorbeizischen mit dem Schwert entzwei. In diesem Moment tauchten auch die Ingrids auf.
„Gute Arbeit, #87“, lobte Erts.
„Was hattest du eigentlich hier draußen zu suchen?“, fragte Galew.
Doch Hiead schenkte ihnen keine Beachtung. Er wandte sich um und suchte nach dem anderen Pro-Ing. Als er nah genug war, um ihn zu sehen, ertönte ein ohrenbetäubender Knall und die Maschine explodierte. Mit weit aufgerissenen Augen starrte der junge Pilot in die Flammen.
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