Herzensangelegenheiten

von aislingde
GeschichteDrama / P16 Slash
Coreen Fennel Vicki Nelson
25.04.2009
24.05.2009
2
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„Vicki!“
Sie schreckte hoch und sah direkt in Coreens besorgte Miene. Vicki berührte ihr Gesicht, fühlte die Wärme der Haut. Die Hand glitt tiefer und sie spürte den Herzschlag. Kein Dämon in Coreens Körper, also träumte sie auch nicht mehr.
„Du hattest einen Alptraum?“
Vicki nickte nur, rieb sich die Augen und hielt Ausschau nach ihrer Brille. Sie lag auf dem Schreibtisch.
„Warte, ich hol sie dir.“
Einen Augenblick später hielt Coreen ihr die Brille hin.
Dankbar lächelnd nahm Vicki sie an und setzte sie auf. Der Tunnelblick verschwand natürlich nicht, aber sie konnte wenigstens ihre Freundin deutlich sehen, die sich zu ihr auf das Sofa gesetzt hatte und an ihrem Tee nippte.
Auch Vicki griff nach ihrer Tasse, probierte den Tee und süßte ihn mit einem Stück Süßstoff nach.
Das Getränk war heiß und tat gut.
Schon nach wenigen Minuten spürte sie, wie ihre verkrampften Muskeln etwas entspannten.
Vicki wurde bewusst, dass Coreen nicht am anderen Ende der Couch, sondern direkt neben ihr saß. So nah, dass sich ihre Beine berührten.
Der Körperkontakt machte die Realität ein wenig klarer, machte Asteroth zu einem verblassten Schatten, der vielleicht ein wenig Macht über ihre Träume hatte, aber noch lange nicht ihr Leben lenken konnte.
Vicki beobachtete Coreen. Sie wirkte entspannter als noch vor wenigen Minuten. Die Ringe unter den Augen waren noch da, aber ihr ganzer Ausdruck war lebendiger.
Es war recht ruhig in ihrem Büro. Sie konnte die Küchenuhr hören und von draußen drang der Straßenlärm hoch. Vicki lebte schon so lange mit dieser Geräuschkulisse, so dass sie das Getöse kaum noch wahr nahm.
Entspannt lehnte sie sich zurück. Es war angenehm, mit jemandem zusammen zu sein, ohne die Stille mit belanglosen Worten füllen zu müssen.
Dass es ausgerechnet Coreen war, die eigentlich immer redete, überraschte Vicki. Doch nach den Ereignissen der letzten Monate wäre es ein Wunder gewesen, wenn Coreen sich nicht verändert hätte.
Vicki schloss die Augen und spürte, wie der Schlaf sie übermannte.

Sie wachte auf, weil sie die Kälte spürte, dabei war es warm im Raum. Es war die innere Kälte. Vicki war immer noch müde und hätte am liebsten wieder die Augen geschlossen. Sie wusste aber, dass Asteroth am Rande ihrer Wahrnehmung lauerte und über sie herfallen würde, sollte sie jetzt wieder einschlafen.
Vicki war dankbar, dass sie überhaupt ein wenig Ruhe gefunden hatte, ohne von dem Dämon heimgesucht zu werden.
Sie setzte sich auf und in ihrem Nacken knackte es. Sie streckte sich und es knackte erneut, dafür ließen die Schmerzen nach.
Aus dem Zimmer nebenan hörte sie Coreens Stimme. Sie telefonierte wohl, denn Vicki war sich sicher, dass niemand sonst in der Wohnung war.
Sie blickte auf die Uhr und stellte fest, dass sie drei Stunden geschlafen hatte. Auch wenn ihre Gelenke gegen die ungewohnte Haltung protestierten, hatte sie das Gefühl, wieder denken zu können.
Vicki ging kurz ins Bad und als sie zurück kam, hatte Coreen das Gespräch beendet und einen frischen Tee aufgebrüht.
Sie lächelte Vicki an.
„Ich habe uns beim Chinesen etwas zu essen bestellt. Appetit habe ich keinen, aber ich weiß, dass ich etwas essen muss.“
Als Vickis Magen bestätigend knurrte, grinsten sie sich an.
Vicki fand es erstaunlich, wie viel einfacher als noch vor wenigen Stunden ihr das Leben auf einmal erschien. Es war nicht nur die Tatsache, dass sie geschlafen hatte, sondern das Wissen, nicht mehr alleine kämpfen zu müssen.

Kurz darauf kam das Essen.
Während sie sich über die Schachteln hermachten, entwickelten sie einige Ideen, wie sie gegen Asteroth vorgehen sollten.
Da es keine besonderen Vorfälle in die Presse geschafft hatten, würden sie die Orte absuchen, die kein Reporter freiwillig aufsuchte. Der Dämon würde bestimmt versuchen, stärker zu werden. Und die Obdachlosen waren die Opfer, die niemand vermissen würde.
Annie und Francine würden bestimmt Auskunft geben.
Als die Schachteln leer waren, fühlte Vicki, wie die Müdigkeit wieder kam. Nach drei Tagen mit viel zu wenig Schlaf waren einige wenige Stunden noch lange nicht genug.
Auch Coreen gähnte, machte aber keine Anstalten, nach Hause zu gehen.
Vicki war froh. Coreens Gegenwart schien Asteroth immer weiter in die Schatten zu treiben. Vielleicht würde sie es schaffen, eine Nacht durchzuschlafen, wenn Coreen bleiben würde.

„Vicki, kann ich bei dir bleiben? Ich will nicht zurück in eine Wohnung, wo meine Gedanken von einer Katastrophe in die nächste rasen. Hier kann ich planen.“
Erleichterung durchflutete Vicki.
„Sicher doch. Mein Bett ist groß genug für uns beide und ich müsste auch noch irgendwo eine neue Zahnbürste haben. Wie spät ist es eigentlich?“ Vicki kramte ihr Handy aus der Hosentasche. „Fast Mitternacht, dann sollten wir jetzt ins Bett gehen. Wenn wir Annie und Francine an ihren Schlafplätzen treffen wollen, müssen wir früh los.“
Sie standen beide auf.
Während Coreen den Müll wegbrachte, suchte Vicki ein Shirt und die Zahnbürste raus.
Relativ schnell lagen sie in dem Bett.
Obwohl es nur 1,40 Meter breit war, schien es Vicki zu groß, weil Coreen so weit auf ihrer Seite lag, dass sie sich nicht berührten. Doch sie sagte nichts, sie konnte nicht erklären, dass Asteroth umso weiter weg schien, je näher sie Coreen war.
Als sie hörte, dass Coreens Atmung tiefer wurde, streckte Vicki ihre Hand aus, bis sie Coreens Arm berührte. Erst dann konnte sie die Augen schließen und schlafen.

Während der Nacht rutschte Vicki immer mehr in die Mitte des Bettes, auch Coreen kam immer näher, so dass sie eng aneinander kuschelten, als der Wecker losplärrte.
Nach einem energischen Schlag verstummte die Musik und Vicki legte sich zurück ins Bett. Sie hatte eine friedliche Nacht ohne Albträume hinter sich gebracht.
„Guten Morgen“, nuschelte Coreen und kuschelte sich wieder an. Nicht nur das, sie hauchte einen Kuss auf Vickis Schulter und lächelte dabei in einer Art und Weise, dass Vicki warm wurde. Gleichzeitig gingen auch sämtliche Alarmglocken bei ihr an.
„Coreen, nicht. Ich…“
„Du stehst nicht auf Frauen, ich bin nur eine gute Freundin?“ Coreens Stimme war ruhig, fast als ob sie mit der Ablehnung gerechnet hatte.
„Du bist meine beste Freundin, nicht nur eine gute Freundin. Auf dich kann ich mich verlassen, wenn mein sonstiges Leben den Bach runter geht, weil ein Dämon hinter mir her ist. Aber…“ Vicki holte tief Luft und zeigte Coreen ihre Narben am Handgelenk. „Seitdem er mir das hier verpasst habt, habe ich Angst, dass er die Personen, die ich liebe, verletzt. Ich kann das Risiko nicht eingehen.“
Coreen hauchte einen weiteren Kuss auf Vickis Schulter, dann setzte sie sich auf und zog das Shirt aus und deutete auf die große Narbe über ihrer linken Brust.
„Er hat versucht, mir mein Herz zu stehlen, doch du hast es mir zurück gegeben. Was sollte er mir noch antun? Wir haben es damals zusammen angefangen und wir werden es auch zusammen beenden. Falls wir es nicht überleben sollten, will ich die Zeit, die mir noch mit dir bleibt, ausnutzen. Hast du noch einen Grund, der dagegen spricht, dass ich dich jetzt küsse?“
Vicki sah Coreen an und schüttelte den Kopf.
Der Kuss war wild und leidenschaftlich. Coreen war fordernd und Vicki gab willig alles, was sie hatte, inklusive ihres Herzens.

Später lagen sie enganeinandergeschmiegt im Bett.
„Ich habe gestern nicht nur den Chinesen angerufen“, unterbrach Coreen die wohlige Stimmung.
„Wen noch?“ Vicki war zu glücklich erschöpft, um mehr als ein mildes Interesse aufzubringen.
„Mike. Ich habe ihn gebeten, wieder an Bord zu kommen.“
Vicki richtete sich auf und sah auf ihre Geliebte hinab.
„Er wird nicht kommen. Er…“ Sie stockte. Wie sollte sie Mike erklären, dass sie Coreen etwas gab, was er sich so sehr wünschte?
„Noch nicht. Aber wenn Asteroth losschlägt, wird er da sein. Egal was Mike sagt, er fühlt sich für Toronto verantwortlich und wird nicht zulassen, dass hier ein Dämon wütet. Genau so wie Henry. Er ist auch noch da und nicht nach Vancouver gezogen. Er wird da sein, wenn es zur entscheidenden Schlacht kommt. Wir sind nicht allein.“
Coreen hatte das alles organisiert, während sie mit ihrem Schicksal haderte. Doch Vicki war viel zu froh über die Wendung in ihrem Schicksal, als dass sie mehr als pure Erleichterung fühlen konnte.
Als Antwort gab sie Coreen einen Kuss.

Vier Tage war es her, dass Asteroth Coreens Körper besessen und ihr Herz gestohlen hatte, aber er würde es nie wieder tun. Genauso wenig, wie er die Herrschaft über die Erde übernehmen würde.
Zusammen würden sie ihn besiegen.
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