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From the eyes of a child (Book-Challenge)

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama / P12 / Gen
Dr. Gregory House
25.04.2009
12.05.2009
8
11.458
3
Alle Kapitel
6 Reviews
Dieses Kapitel
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25.04.2009 1.667
 
Titel: The writings on the wall
Autor: Lady Charena (http://ladycharena.livejournal.com/)
Fandom: House, MD
Episode: --
Pairung: Gregory House, Blythe House
Rating: vor-serie, pg-13, gen
Beta: T'Len
Archiv: ja
Anmerkung: --

40. The lettering was not as large as I would have liked, but a small bottle of Liquid Paper won’t go far, even on the compact bonnet of a Clio.

Blythe stellte sich auf die Zehenspitzen, doch sie reichte nicht ganz an die Kaffeebüchse heran, die auf dem obersten Küchenregal stand. Seufzend zog sie sich einen Stuhl herüber. Wieder etwas Neues, an dass sie sich zu gewöhnen hatte. In diesem Haus waren die Wände viel höher – und wer immer es eingerichtet hatte, dachte offenbar nicht daran, dass mal jemand von nicht so riesenhafter Statur hier wohnen mochte - und so lagen die meisten oberen Regalbretter außer ihrer Reichweite. John hatte sie lachend hochgehoben, als sie versuchte, ihren leeren Koffer auf dem Schrank zu verstauen. Wenn doch nur jemand die überflüssige Raumhöhe für einen Dachboden verwendet hätte, auf dem man Koffer und Kisten und Kartons für den nächsten Umzug hätte verstauen können...

Sie seufzte erleichtert, als sich ihre Finger um die leicht verbeulte Kaffeedose schlossen. Blythe kletterte vorsichtig von dem etwas wackeligen Küchenstuhl – nicht, dass sie an Höhenangst litt, und in zwei, drei Wochen würde der kippelige Stuhl kein Grund mehr sein, auch nur einen Gedanken an ihn zu verschwenden, doch noch hatte sie sich nicht an ihn gewöhnt – und setzte sich. Diese Dose begleitete sie seit ihrem vierzehnten Geburtstag, als ihre Großmutter sie ihr schenkte – und sie zunächst enttäuscht war, bis sie sie Zuhause öffnete und den Vierteldollar bemerkte, der sorgfältig mit Heftpflaster an die Innenseite des Deckels geklebt war. Seither hatte sie darin Geld gespart – zuerst von ihrem Taschengeld; dann die paar Cents, die sie als Teenager mit Babysitten verdiente (und waren ein paar Cents damals nicht noch ein kleines Vermögen gewesen; der Vierteldollar ein wahrer Schatz?) und nun, als Ehefrau, legte sie hier und da etwas vom Haushaltsgeld zurück. Es war nicht viel – John’s Sold reichte für ihr gutes Auskommen, aber es ließ sich kaum etwas davon sparen – vor allem nicht mit einem Sechsjährigen im Haus, der wie Unkraut in die Höhe schoss und ständig neue Kleidung benötigte. Glücklicherweise gehörte zu diesem Haus ein kleiner Garten, in dem sie selbst Gemüse ziehen konnte, was eine gewisse Entlastung der Haushaltskasse bedeutete.

Ihr Nadelgeld floss in Gregs Klavierstunden, auch wenn John darüber nicht sonderlich begeistert war. Doch sie hatte bemerkt, dass das bisschen Klimperei, zu dem sie fähig war, nicht ausreichte, um Greg zu unterrichten. Er war wirklich begabt. John hielt Klavierstunden für etwas Überflüssiges, dass man höchstens noch einem Mädchen erlauben sollte. Seinen Sohn hätte er lieber in der Little League gesehen, doch Greg zeigte kein großes Interesse an Baseball und viele Stunden Schlagtraining mit seinem Vater und zwei verpatzte Probetrainings später riet der Trainer John, dass er vielleicht Gregs Interesse für eine andere Sportart wecken sollte. Vor allem, nachdem diese beiden Rowdys Greg umherschubsten, bis er so schlimm stürzte, dass er sich den rechten Oberarm brach. Glücklicherweise ein glatter Bruch, der gut verheilte, doch Greg wollte ihr nicht sagen, wer die beiden Jungs gewesen waren (nur, dass sie älter und viel größer als er wären). John versprach ihr, sich darum zu kümmern und mit dem Trainer zu sprechen, doch als sie ihn später darauf ansprach, sagte er nur, die Sache wäre erledigt. Sie runzelte die Stirn, als sie an die unerfreulichen Ereignisse im vergangenen Herbst dachte. Sie hatte Couch High später beim Einkaufen getroffen und er wirkte sehr überrascht, als sie danach fragte, ob die beiden Jungen aus der Little League ausgeschlossen worden waren, die ihren Sohn verletzt hatten. Vermutlich war es ihm peinlich, dass dies während seiner Aufsicht passiert war, dass er vorgab, nicht zu wissen, von was sie sprach. Als sie John danach fragte, meinte er nur, dass sie sich keine Gedanken darüber machen sollte, es wäre alles in Ordnung. Sie wusste, dass er enttäuscht war, dass sein Sohn so wenig Interesse an Sport hatte, aber er war doch noch so jung. Aber sie schwieg, selbst als sie Gregs teuren Fanghandschuh zerschnitten in der Abfalltonne entdeckte.

Blythe stand auf, um einen Blick aus dem Fenster zu werfen. Greg war eben noch damit beschäftigt gewesen, einen Ball wieder und wieder gegen die Wand eines kleinen Schuppens springen zu lassen, bis sie ihn gebeten hatte, damit aufzuhören, weil ihr das Geräusch Kopfschmerzen bereitete. Sie lächelte, als sie ihn auf dem Boden sitzen sah, und wie vertieft er darin wirkte, für seine Spielzeugautos eine Straße in die weiche Erde zu graben. Das kleine Spielzeugflugzeug, das ihm John mitgebracht hatte, lag vergessen auf der Seite im Gras.

Doch dann erinnerte sie sich an den Grund, weswegen sie die Kaffeedose dieses Mal öffnen musste, und leider nicht, um Geld hinein zu legen. Blythe konnte sich beim besten Willen nicht erklären, warum Greg auf die Idee gekommen war, die hellgrüne Wand des kleinen Arbeitszimmers, das sie zum Nähen nutzte, mit einer Flasche Tipp-Ex zu bemalen. Es war eine Aktion, die man möglicherweise von einem Dreijährigen erwarten konnte. Er schwieg beharrlich, als sie ihn danach fragte – selbst, als sie ihm damit drohte, seinen Vater anzurufen und es ihm zu erzählen. Aber sie brachte es nicht übers Herz, ihre Drohung in die Tat umzusetzen, als sie die Angst in Gregs Gesicht sah.

John würde es sehr ernst nehmen. Er hatte Greg von klein auf eingeschärft, dass die Häuser und Wohnungen, in denen sie lebten, nicht ihr Eigentum waren und er sich stets so zu benehmen hatte, als wäre er nur ein Gast. Kurz nach Gregs viertem Geburtstag verschüttete er ein wenig Milch, als er seine Tasse fallen ließ. Sie war aus Plastik und ging nicht kaputt, aber als sie nach einem Geschirrtuch griff, um die Milch aufzuwischen, schickte John sie aus der Küche und sagte, Greg müsse das erledigen. Sie wusste nicht, was in den zehn Minuten zwischen ihrem Sohn und ihrem Mann vorfiel, bevor John sie zurückrief und sie das Abendessen fortsetzten, als wäre nichts passiert – aber Greg schien geweint zu haben, als er an ihr vorbei lief, nachdem John ihn ohne Abendessen ins Bett schickte. Die Tasse stand im Ausguss und das saubere, trockene Geschirrtuch hing an seinem Haken. Sie wagte nicht, zu fragen, womit Greg die Milch aufgewischt hatte. Zwei Tage später fand sie ganz unten im Wäschekorb Gregs zerknittertes Lieblings-T-Shirt; Bibo aus der Sesamstraße wurde von weißen Flecken verunstaltet.

Greg weigerte sich danach fast zwei Monate lang, seine Milch zu trinken oder Frühstücksflocken damit zu essen – mit der Begründung, sie würde widerlich schmecken. Es gab Streit und laute Worte, dann Schweigen und schließlich erteilte John ihm Hausarrest. Vielleicht war es das, was den Ausschlag bewirkte, denn Greg gab seine Weigerung auf.

Stattdessen stand sie nun in der Küche und würde etwas von dem hart ersparten Geld verwenden um ein wenig Farbe zu kaufen und die Schrift an der Wand zu überstreichen. Sie hatte bereits versucht, sie abzuwaschen, doch mit dem Tipp-Ex löste sich auch die grüne Farbe von der Wand und es blieben verbleicht aussehende Schatten. Bis John in zwei Monaten zurückkam, würde man keinen Unterschied mehr entdecken können.

Blythe stellte die Kaffeedose auf den Küchentisch und ging nach draußen, um sich neben ihren Sohn auf den Boden zu kauern.

Greg hielt inne und sah sie an, unausgesprochene Fragen in den großen, blauen Augen. Sie streckte die Hand aus und streichelte über seine schmutzige Wange – ignorierend, dass er für einen Moment zurückzuckte, bevor er zur Seite blickte und ihre Berührung akzeptierte. Es bedeutete nichts, nur dass aus ihrem Baby langsam ein großer Junge wurde. Bald würde er sich verlegen winden, wenn sie ihn vor den Augen anderer in den Arm nahm und darauf bestehen, dass sie ihn nicht mehr ins Bett brachte oder auf die Wange küsste.

„Das ist eine tolle Straße für deine Autos“, sagte sie und ließ die Hand sinken, um damit die Finger der anderen zu umklammern.

Greg schüttelte den Kopf. „Das ist keine Straße.“ Er platzierte das letzte der Autos in der Rinne, die er in den weichen Boden gegraben hatte. „Ich bringe sie in Sicherheit.“

„Wie meinst du das? Wieso in Sich...“ Blythe brach ab, als er beide Hände benutzte, um wie ein Bagger die vorher heraus gekratzte Erde über die Spielzeugautos zu schieben. „Nicht, Greg. Sie werden ganz schmutzig. So kannst du sie nicht mehr mit in dein Zimmer nehmen. Du machst sie noch kaputt.“ Sie griff nach seinen Händen und wieder war da dieses fast unmerkliche Zurückzucken vor ihrem Griff. Nur für eine Sekunde, dann verharrte er mit gesenktem Kopf, als erwarte er eine Bestrafung. „Was denkst du dir nur bei so was?“, murmelte Blythe hilflos. „Niemand nimmt dir deine Spielsachen weg, Greg. Du musst sie nicht in Sicherheit bringen.“

Sie erhielt keine Antwort von ihm und sie vergaß später den Vorfall fast – bis sie ein paar Tage später auf dem Plattenweg vor dem Haus einen Hammer liegen sah – Johns Hammer, sie konnte die eingebrannten Initialen sehen. Es war Greg strikt verboten, an Johns Werkzeugkiste zu gehen, aber seine Neugier kannte keine Grenzen. Kopfschüttelnd hob sie den Hammer auf – und sah die verbeulten, kaum noch als solche erkennbaren, Spielzeugautos ihres Sohnes, achtlos in den Rinnstein gefegt. Sie wollte gerne glauben, dass jemand anderer die Autos kaputt gemacht hatte – vielleicht ein neidisches Kind aus der Nachbarschaft – doch sie wusste, dass der Schuppen, in dem John das Werkzeug aufbewahrte, abgeschlossen war und der Schlüssel dazu in der Küche an einem Haken hing. Niemand außer Greg konnte den Hammer dort geholt haben.

Sie sammelte sie auf und warf sie weg und als John wieder Zuhause war und danach fragte, gab er sich mit ihrer Erklärung: dass Greg sie in einer Kiste in seinem Zimmer aufbewahrte, damit sie nicht kaputt oder verloren gingen, zufrieden.

Aber Blythe bekam lange das Bild nicht aus dem Kopf: Ihr Sohn, auf dem Gehweg kniend, methodisch mit dem Hammer sein Spielzeug zerstörend. Um es in Sicherheit zu bringen...
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