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A Cavaliers Legend

GeschichteAbenteuer / P12 / Gen
Vereinigtes Commonwealth
22.04.2009
26.11.2019
5
33.877
4
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22.04.2009 1.670
 
Sage zwei:
Ein vollkommen frustrierter Major Kenderson verließ die Einzelkabine der ComStar-Vertretung, in der er alle neu eingetroffenen Hyperpulsnachrichten für die Cavaliers abgehört hatte. Leary, der auf ihn gewartet hatte, runzelte die Stirn. „War wohl nicht so erfolgreich?“
Kenderson sah ihn wütend an, bis er sich besann, dass der Mann ein Verbündeter, ja, ein Freund war und entspannte sich wieder. Er seufzte vom tiefsten Grund seiner Seele. „Desaster trifft es eher. Diese verdammten...“
„Die Kurzfassung?“, fragte der ComGuard.
Zorn schnaubte aus, wütend, ärgerlich, frustriert. „Wir haben sieben Planeten vor dem Vicomte und seiner Söldnerbande gewarnt, und sieben Welten haben geantwortet. Aber was sie geantwortet haben, ist... Großer Mist.“ Zorn hielt die Disc mit den Nachrichten hoch, so als könne Kirran Leary die Daten per Augenkontakt abrufen. „Da ist schon mal ein Chairman Ridley aus der Außenweltallianz, der uns vielmals dafür dankt, dass wir ihn gewarnt haben, der uns aber gleichzeitig darauf hinweist, dass die Piloten der Allianz jedwelcher Gefahr gewachsen sind und mit einem Landungsschiff und einem Haufen entrechteter MechKrieger fertig werden dürften, sodass unsere Anwesenheit nicht benötigt wird.“
„Für einen Rauswurf ist das nett formuliert“, sagte Leary.
„Es kommt noch besser. Da ist die Nachricht von einem Tai-sa Schröder aus dem Stab des zuständigen Tai-shu im Draconis Kombinat, der mir unmissverständlich mitgeteilt hat, dass „meine Söldnerbande von Halsabschneidern, Verbrechern und Triebtätern“ gefälligst einen großen Bogen um jede draconische Welt machen soll“. Nett, nicht?“
„Etwas drastisch formuliert vielleicht, aber es sollte klar sein, dass die Dracs nicht gut auf Söldner zu sprechen sind, seit die Dragoner mit ihnen Schlitten gefahren sind“, wandte Leary ein.
„Oh, es kommt noch besser. Da sind noch andere Antworten, zum Beispiel von einem capellanischen Oberst, der sich freut, mich und meine Truppen auf capellanischem Gebiet begrüßen zu dürfen, um Mensch wie Material in den Dienst des Volkswillens der Konföderation Capella stellen zu können.“
„Oha. Zwangsenteignung mit Ansage. Und der Rest?“
„Ja, das sind ausgerechnet Offiziere des Vereinigten Commonwealths. Zwei Offizielle und ein Milizionär. Von „danke, dass Sie uns auf das Problem hingewiesen haben, aber wir kommen alleine klar“ bis „Sie sind derzeit bei niemandem angestellt, weshalb wir Ihren verwahrlosten Haufen als Piraten betrachten und auf Sie Jagd machen, sollten Sie in unser System springen“ ist das ganze Spektrum vertreten.“
„Ach, wie nett. Welches ist die Antwort von Allans World?“
„Die mit der Nichtanstellung und dem Piratenvergleich. Scheint so, als hätte der örtliche Miliz-Chef schon Dollarzeichen in den Augen und sieht sich dabei, entweder den Vicomte umzulegen, oder eine fette Prise für die Auflösung des Depots, das wir auf seiner Welt vermuten, die er sich in die eigene Tasche stecken kann.“
„Aber wir geben die Jagd auf Janard Medice trotzdem nicht auf?“, fragte Leary das Offensichtliche.
„Nun, ich habe natürlich ein Problem damit, auf Menschen zu schießen, die theoretisch meine Verbündeten sein müssten“, sagte Zorn gedehnt. „Aber Colonel Cranston hat mir den einen oder anderen Kontakt hinterlassen. Eventuell können wir den Miliz-Chef von St. Jones genug unter Druck setzen, damit er uns zumindest duldet. Ach, irgendwas wird uns schon einfallen.“
„Es beruhigt mich, dass Sie immer noch beißen wollen, Zorn“, sagte der ehemalige ComGuard schmunzelnd.
„Stand das jemals in Frage?“, erwiderte Zorn Kenderson im gleichen Tonfall.
„Major Kenderson?“, klang hinter ihnen eine Frauenstimme auf.
Hinter ihm stand Adeptin Walters. „Ja, bitte?“
„Es ist noch eine Botschaft für Sie eingetroffen. Direkt von New Avalon. Wollen Sie sie gleich ansehen, oder nehmen Sie sich die Datei für später mit?“
Zorn wankte in seiner Entschlossenheit für einen Moment. Eigentlich hatte er für einen Tag genug versteckte und offene Drohungen hingenommen, und da er nicht masochistisch veranlagt war, reichte es wirklich. Andererseits war New Avalon eine der beiden Hauptwelten des Vereinigten Commonwealths, und vielleicht erfuhr er etwas, was ihnen zumindest weiterhelfen konnte, wenn ausgerechnet jemand, irgendjemand von der Hauptwelt mit ihm reden wollte. Zorn seufzte. „Ich schaue es mir gleich an. Wer ist denn der Absender?“
„Prinz Hanse.“
Irritiert blieb er stehen. „Entschuldigen Sie, Annie, aber für einen Moment glaubte ich, Sie hätten gesagt, der Prinz der Vereinigten Sonnen hätte mir eine Botschaft geschickt.“
„Dann haben Sie mich vollkommen richtig verstanden, Zorn.“ Sie lächelte verschmitzt. „Wieder Kabine eins?“
„Ich bitte darum“, sagte Zorn, bis auf die Grundfesten seiner Seele erschüttert. Prinz Hanse, DER Prinz Hanse, Ehemann der zukünftigen Archontin Melissa Steiner-Davion und Vater von Victor Ian Steiner-Davion, der der erste Archon-Prinz werden und damit beide Reiche zu einem vereinigen würde. Einer der wichtigsten Männer der Inneren Sphäre, vielleicht sogar der wichtigste überhaupt. Und er sandte ihm, dem Anführer eines halb zerstörten Haufens Söldner, eine Videobotschaft? Mehr mechanisch betrat er Kabine eins wieder. „Kommen Sie, Leary. Einer muss mich auffangen, falls ich in Ohnmacht falle.“
„Das wird aber eng werden“, schmunzelte der ComGuard.

Ein Signalton informierte Zorn darüber, dass das Video, welches per Hyperpulsgenerator von New Avalon direkt nach St. Jones gesandt worden war – überlichtschnell, wohlgemerkt – geladen worden war und nun angeschaut werden konnte. Die beiden Männer setzten sich in der engen Kabine und mit sehr gemischten Gefühlen drückte Zorn die Wiedergabetaste.
Der schwarze Bildschirm erhellte sich und zeigte das Logo des Vereinigten Commonwealth, die rotgelbe Sonnenscheide mit dem Steiner-Breitschwert. Abrupt wechselte das Bild und zeigte einen hünenhaften Mann mit langen, roten Haaren in der Ausgehuniform der Davion Heavy Guards – Hanse Davion persönlich. Sein offizieller Herrscher und oberster Anführer.
Hanse lächelte freundlich in die Kamera, aber es war auch ein trauriger Zug in seiner Miene.
„Guten Tag, Major Kenderson.“
Zorn fühlte sich erschrocken und gleichzeitig erhoben. Hanse sprach ihn mit Namen an! Ihn!
„Zuerst einmal möchte ich mein Bedauern darüber äußern, wie sehr Ihre Einheit unter dem Verrat von Janard Medice gelitten hat. Ihre Verluste tun mir leid. Umso erstaunlicher ist es, dass es Ihnen gelungen ist, das Blatt zu wenden und stattdessen diesem menschenverachtenden Bastard kräftig in den Arsch zu treten, Zorn!“ Bei diesen Worten hatten sich die Hände des Prinzen zu Fäusten geballt, und tiefe Genugtuung lag in seinen Zügen. „Dann möchte ich mich entschuldigen, weil ich mich erst jetzt melde. Wie Sie sich denken können, hat der Archon-Prinz sehr viel zu tun, und es ist eine riesige Verwaltung vorgeschaltet, die entscheidet, ob und was überhaupt auf meinem oder Melissas Schreibtisch landen darf. Es ist kein perfekter Prozess und manchmal auch langwierig, aber einen besseren haben wir nicht. Deshalb ist das Geschehen auf St. Jones erst jetzt bis zu mir durchgedrungen. Das, und auch einige Kommentare von örtlichen Kommandeuren.“
Die Hände des Prinzen entkrampften sich. „In einem Punkt hat der regionale Kommandeur Recht – Sie sind gerade nicht unter Vertrag. Andererseits wird niemand mit etwas Verstand und Wohlwollen für das, was Sie und Ihre Einheit durchmachen mussten, verlangen, dass Sie die Jagd abbrechen, Zorn.“
Hanse beugte sich ein wenig vor und füllte fast den ganzen Bildschirm aus. „Deshalb nehme ich Kendersons Cavaliers unter Vertrag, wenn Sie es gestatten, Zorn. Und zwar einzig und allein für einen Auftrag. Janard Medice geht frohlockend über Leichen, um seine Ziele zu erreichen. Er ist einer jener Menschen, die zu bekämpfen ich mir zur Lebensaufgabe gemacht habe. Ich will nicht länger vom gleichen Licht der Sterne beschienen werden wie er, darum... Löschen Sie ihn aus und machen Sie aus seiner Einheit eine böse, verblassende Erinnerung. Wenn Sie zustimmen, ist das Ihr Auftrag, und er wird erst einmal ein Standardjahr gültig sein. Schaffen Sie es in dieser Zeit nicht, werden wir uns zusammensetzen und nachverhandeln, Zorn, aber an meinem Willen ändert das nichts. Janard Medice muss vernichtet werden.“
Nun lehnte sich Hanse wieder leicht zurück. „Standardkontrakt mit einer Ausnahme. Beutegut aus ehemaligen Sternenbunddepots, die Sie und Ihre Leute aufbringen sollten, werden fünfzig fünfzig mit dem Streitkräften des Vereinigten Commonwealths geteilt. Ebenso Versorgungsgüter und dergleichen. Einrichtungen gehen ganz an die Streitkräfte. Da gibt es keinen Verhandlungsspielraum. Im Gegenzug statte ich Sie mit vier entrechteten MechKriegern und einer Lanze voll bestückter und bemannter leichter Mechs aus. Mehr konnte ich in der kurzen Zeit für Sie nicht zusammenkratzen. Es ist zwar anzunehmen, dass Medice sich nicht verstärken konnte, aber auszuschließen ist es auch nicht, also seien Sie vorsichtig. Wenn Sie all das annehmen, sind Sie fortan in meinem persönlichen Auftrag unterwegs, und das ist fast so gut, als wären Sie ein Offizier der Davion Light Guards.“
Hanse legte die Fingerspitzen aneinander und lächelte. „Der alte Cranston war ein alter Freund von mir, und wenn sich die Gelegenheit erbot, haben wir uns ausgetauscht. Über unsere Erinnerungen an Mallory's World, aber auch über seine eigene Einheit. Er hat Sie mir gegenüber stets im besten Licht beschrieben, und ich weiß, der alte Wolf wusste sehr genau, was er sagte. Deshalb räume ich Ihnen diese Sonderrechte ein. Auch, nein, vor allem, weil es Ihnen gelungen ist, dem Vicomte bereits mehrfach in die Suppe zu spucken. Wenn es einer schafft, und zwar nicht durch Glück, sondern durch harte Arbeit, diesen Halunken aufzuspüren, dann sind Sie das, Zorn. Nehmen Sie an und jagen Sie diesen Bastard. Hanse Davion Ende.“
Das Bild fror ein und zeigte Hanse mit seinem so typischen Lächeln, kurz bevor wieder das Logo des Vereinigten Commonwealths eingeblendet wurde. Ein kurzer Dateiname unter dem Bild informierte ihn über zusätzliche Informationen, die zusammen mit dem Video angekommen waren und die zweifellos Zeit und Treffpunkt mit den zusätzlichen MechKriegern enthielten, die Prinz Hanse ihnen besorgt hatte, aber Zorn war nicht wirklich bei der Sache. Er war zu sehr... Erhöht? Aufgewühlt? Ermutigt? Alles zugleich? Hanse Davion hatte ihm einen Blanco-Check ausgestellt! Ihm! Also, wenn dieses Gefühl einem guten Orgasmus nicht nahe kam, was dann?
„Einen Schnaps, oder doch lieber eine Zigarette?“, fragte Leary.
„Beides“, murmelte Zorn, langsam begreifend, dass der miserable Tag gerade gerettet worden war. Als er Kirran Leary ansah, zeigte er das burschikoseste Grinsen, das er zustande brachte. „Teufel auch, der Prinz hat uns wieder ins Rennen gebracht! Der Prinz!“
„Erst, wenn wir geantwortet haben“, mahnte der ComGuard.
„Und das werden wir sofort tun!“, rief Kenderson enthusiastisch. Er aktivierte die Aufnahmefunktion der Kabine. Wie, zum Henker, antwortete man einem Prinzen? Er hatte nicht viel Zeit, um das heraus zu finden...
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