Lazy Town: "Ihre Bestellung, bitte!"

GeschichteHumor / P6
12.04.2009
12.04.2009
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Senta Senfdazu ging frohgelaunt durch die Stadt. Aber diesmal nicht um einkaufen oder spazieren zu gehen, denn sie hatte von Meinhard einen besonderen Tipp bekommen und nun machte sie sich auf die Suche und blieb vor einem großen Schnellrestaurant stehen. „Das muss es sein“, sagte sie und durchschritt die Tür. „Guten Tag Frau Senfdazu“, begrüßte Stephanie sie an der Theke. Stephanie trug eine Schürze und eine Mütze in Pink und Weiß. Neben ihr stand Pixel der gerade die Kasse überprüfte und in der Küche arbeiteten Meini und Trixie.  Senta sah auf die Tafel mit den Menüvorschlägen die über der Theke hingen und überlegte. „Tja, ich glaube ich nehme einen Fruchtsalat und einen Orangensaft“, entschied sie sich.
„Zum Mitnehmen?“
„Nein, ich esse hier.“
„In Ordnung, setzen Sie sich, ich bringe Ihnen gleich alles“, sagte Stephanie und Senta suchte sich einen schönen Fensterplatz aus. Das ganze Restaurant war sehr einladend und gemütlich: Die Wände waren in einem hellen Orange gestrichen und darauf zierten – von den Kindern selbst an die Wand gemalt – Bilder von appetitlichen Menüs. Es waren nicht nur Power Snacks darauf zu sehen, auch Hamburger und Pommes Frites, die aber bestimmt nicht vor Fett trieften. Dies war ein spezielles Schnellrestaurant, in dem es alles andere als gewöhnliches und ungesundes Junk Food gab! Das fing schon mit den Hamburgern an: Die Brötchen waren nicht aus einem labberigen Weißbrot, sondern aus Vollkornbrot und es befanden sich viel mehr Salat und Tomaten als sonst darauf. Das Fleisch durfte natürlich auch nicht fehlen, nur war es nicht zu stark gewürzt und nicht zu dick und wer es vegetarisch mochte, konnte sich auch Tofu oder Fisch bestellen oder ganz einfach Gemüseburger. Es gab zwar auch normale Hamburger und Fritten, aber das bekam man nur zusammen mit einem gesunden Salat oder Saft seiner Wahl. Junk Food war also nicht gänzlich verboten, nur musste etwas Gesundes dabei sein.
Die Idee hatten allein die Kinder gehabt und Meinhard war davon ganz begeistert gewesen. Zufällig stand dieses Gebäude erst seit Kurzem leer und so hatten sie aus dem alten Schnellrestaurant ein neues gemacht und Meinhard half ihnen so gut er konnte. Es war der Wunsch der Kinder gewesen, das Geschäft für eine Weile selbst zu leiten und diesen Wunsch hatte ihnen der Bürgermeister zum Teil gewährt. Er hatte sich bereit erklärt hin und wieder nach dem Rechten zu sehen, damit die Kinder nicht vollkommen ohne Aufsicht wären, obwohl er regelrecht staunen musste wie professionell sie ihre Arbeit bewerkstelligten. Wenn sich die Idee durchsetzte, dann würden aber neue Angestellte das Geschäft leiten, denn Tag und Nacht hinter der Theke zu stehen um die Kundschaft zu bedienen konnte man den Kindern freilich nicht zumuten und war ohnehin nicht erlaubt. Auch wenn es ihnen ungeheuren Spaß machte. Meinhard war mit ihnen wirklich sehr zufrieden. Zur Zeit warf er prüfende Blicke in alle Räume des Imbisses, besonders wachsam war er in der Küche.

„Ihr macht das großartig!“, sagte er bewundernd. „Und alles immer schön sauber halten, das dürft ihr nie vergessen! Und passt auf Ziggy auf, damit er sich nicht am Herd verbrennt."
„Ich bin doch kein kleines Kind mehr!“, meinte dieser ein wenig verärgert. Er stand nur wenige  Schritte hinter Meinhard und verpackte die fertigen Burger zum Mitnehmen. So wie es sich für diese Arbeit gehörte,  trug er eine saubere Schürze, Gummihandschuhe und ein Haarnetz.
„Denke dran, Ziggy“, mahnte der Bürgermeister nochmals, „dass du auch regelmäßig die Handschuhe wechselst. Und das Händewaschen wird auch nicht vergessen!“ Ziggy sah auf seine Hände. „Sie meinen, ich soll neue Handschuhe anziehen und dann die Hände waschen?“
„Nein! Erst Hände waschen, danndie Handschuhe anziehen. Ziggy, das weißt du doch!“
„Na klar, wollte doch nur sicher gehen, Herr Meintsgut!“
„Und das du dir ja nach jedem Toilettengang besonders gründlich die Hände wäschst!“
„Das müssen Sie mir wirklich nicht sagen, das weiß ich schon lange!“, sagte der Kleine leicht gereizt.
„Ich wollte nur sichergehen. Sei mir nicht böse, Ziggy, aber Sauberkeit ist das A und O, wenn man mit Lebensmitteln arbeitet und das kann man nicht oft genau betonen. Aber bis jetzt bin ich sehr zufrieden. Bei euch könnte man vom blanken Fußboden essen!“
„Ziggy, bist du so nett und bringst Senta ihre Bestellung?“, bat Stephanie. „Ich kann gerade nicht. Der Salat ist alle, ich muss neuen holen.“
„Kein Problem“, sagte Ziggy und trug das Tablett vorsichtig an den Tisch. „Bitte schön, Ihre Bestellung! Wieso sitzen Sie eigentlich am Tisch, wenn Sie auch vom Fußboden essen können?“
„Bitte?“ Senta machte vor Erstaunen große Augen.
„Ich hole Ihnen ein Sitzkissen, wenn Sie möchten. Für Sie ist der Fußboden doch gerade gut genug.“
„Ziggy!“ Meinhard kam aufgeregt hinzu. „Was ich gesagt hatte, war doch nur eine Redensart! „Vom Fußboden essen“ bedeutet nur, dass alles sehr sauber ist. Aber deswegen muss wirklich niemand davon essen.“
Senta lachte auf. „Jetzt verstehe ich! Na dann bin ich ja beruhigt!“
„Ich wollte doch nur höflich sein“, sagte Ziggy kleinlaut, wurde aber gleich wieder froh, als er Sportacus in den Laden laufen sah. „Was möchtest du, ich bring dir alles!“, rief er ganz aufgeregt.
„Einen Orangensaft und einen Gemüseburger. Zum Mitnehmen, bitte“, antwortete sein Freund und schon war Ziggy hinter der Theke verschwunden und rief in die Küche, dass es alle hören konnten: „EINEN ORANGENSAFT UND EINEN GEMÜSEBURGER FÜR SPORTACUS! ALLES ZUM MITNEHMEN! LASST IHN NICHT WARTEN ER HAT GROßEN HUNGER! BEEILT EUCH!!“
„Äh, ich bin nur ein Kunde wie jeder andere auch“, meinte er etwas verlegen, denn er hatte das Gefühl bevorzugt zu werden. „Also müsst ihr nicht gleich wegen mir alles stehen und liegen lassen.“
„Das ist schon okay. Der Kunde ist König und sollte niemals lange warten müssen “, sagte Pixel.
„Und, was sagen Sie zu dieser Idee, Sportacus?“, fragte Meinhard, der sich inzwischen zu Senta gesetzt hatte.
„Einfach großartig!“, gab Sportacus zu. „Das ist etwas, was uns hier wirklich gefehlt hat. Und das ihr eure Freizeit opfert, ist einfach bewundernswert.“
„Uns macht es Spaß!“, sagte Stephanie freudestrahlend.
„Und das Taschengeld ist auch nicht zu verachten“, rief Trixie aus der Küche. Sportacus lachte. „Aber die Hauptsache ist, ihr habt Spaß an der Sache. Und die Leute werden mit gesunden Snacks versorgt.“
„Das werden sie!“, sagte Meinhard mit stolzer Brust, „Diese Idee wird einschlagen wie eine Bombe, da bin ich mir sicher, und dann werden wir in ganz Lazy Town so viele Schnellrestaurants wie möglich aufbauen und wer weiß – vielleicht werden noch mehr Leute daran Interesse zeigen! Uns fehlt nur noch das Namensschild, wie Sie vielleicht draußen gesehen haben. Das habe ich aber bereits in Auftrag gegeben. Wir mussten nicht lange überlegen, obwohl ich den Laden erst „Der Burgermeister“ nennen wollte. „Der Burgermeister“ - Sie verstehen?!“ Meinhard lachte. „Statt Bürgermeister Burgermeister. Aber Stephanie meinte, es würde nicht so ganz passen.“
„Weil es dämlich ist“, spottete  Trixie. Stephanie warf kurz einen bösen Blick Richtung Küche und erklärte: „Dann würden die Leute denken, wir verkaufen nur gewöhnliche Burger. Da unser Essen den Leuten Power verleiht, genau wie deine Powersnacks, haben wir den Laden „Power Food“ genannt.“
„Was sagst du dazu, Sportacus?“, fragte Ziggy stolz.
„Ich finde es genial“, meinte dieser und strahlte über das ganze Gesicht.
„Dein Essen ist gleich fertig!“, rief Meini aus der Küche. „Dauert nicht mehr lange!“
Der Bürgermeister stand vom Tisch auf. „Nun, ich denke, ich kann mich jetzt wieder meiner Arbeit widmen. Ihr kommt alleine zurecht und alle Sicherheitsvorkehrungen sind getroffen. Trotzdem werde ich später noch einmal reinschauen.“
„Ist die Mittagspause schon beendet?“
„Nein liebe Senta, aber ich wollte noch einen kleinen Spaziergang machen, bevor ich meine Arbeit wieder aufnehme. Wir sehen uns dann nachher. Tschüss Kinder! Tschüss Sportacus!“

Die Kinder und Sportacus riefen und winkten zurück. Kurz nachdem Meinhard aus dem Laden gegangen war und zufrieden hinter der nächsten Straßenecke verschwand, tauchte Freddie Faulig auf. Überrascht blickte er auf den neu eröffneten Laden. „Das gibt's doch nicht! Ich dachte, der Imbiss wäre geschlossen worden!“ Er rieb sich  zufrieden die Hände. „Na, wenn das kein Glück  ist! Ich verspüre nämlich großen Hunger. Dann werde ich mir mal ein großzügiges Mittagessen gönnen!“ Gerade als er den Laden betreten wollte, sah er durch die Scheibe wie Sportacus an der Theke stand und seine Bestellung entgegen nahm. Im Hintergrund waren die Kinder und liefen emsig umher. Pixel kassierte, Stephanie eilte in die Küche zurück und Ziggy – man konnte gerade mal sein weißes Haarnetz hinter der Theke sehen – stellte einen großen Becher und eine Papiertüte ab. Freddie drückte seine Nase gegen die Scheibe. Mit großen Augen und runtergeklappten Unterkiefer beobachtete er alles und konnte kaum glauben, was sich da vor ihm abspielte.
Sportacus lief auf den Ausgang zu und der verdutzte Bösewicht sprang zurück. „Guten Tag Freddie! Wie geht es dir? Möchtest du auch etwas bestellen? Das Essen ist gut hier.“ Freddie starrte den Mann in Blau an, als hätte er ihn vorher noch nie zuvor gesehen. Er blickte misstrauisch auf das verpackte Essen, riss es Sportacus aus der Hand und schnüffelte daran. „Das ist Salat!“, lachte dieser und Freddie schleuderte die Tüte von sich, als hätte er eine scharfe Dynamitstange in der Hand. Sportacus fing die Tüte gerade rechtzeitig auf.
„Und was ist in dem Becher?“
„Frischer Orangensaft. Mal kosten?“
„PFUI!“
„Du kannst auch etwas anderes bestellen, wenn du magst. Geh rein und sieh dich um.“
Freddie stand da und versuchte noch immer, sich einen Reim auf das alles zu machen. Plötzlich  ging ein Leuchten über sein Gesicht. „Aaaaaahaaaaaaa, jetzt verstehe ich!“
Sportacus grinste. „Ach ja? Tatsächlich?“
„Du hast verloren, ich habe gewonnen – und du kannst ruhig sagen, wie sehr dich das ins Herz trifft. Aber du würdest es nie zugeben, hab ich recht?“
„Was meinst du damit?“ Der Superheld war sichtlich verwirrt.
„Es ist doch sonnenklar! Die Gören haben's endlich begriffen! Nach Jahren der Mühe habe ich ihnen endlich wieder beigebracht, Junk Food zu schätzen und zu lieben! Und du kannst nichts dagegen tun. Wetten, du hast die Kinder vorhin gebeten, dass sie keine Burger mehr braten sollen und es hat nichts genützt. Nebenbei hast du dir dein Kaninchenfutter bestellt. Aber im Innersten bist du tief gekränkt und wirst Lazy Town bald verlassen. Und zwar für immer! Übrigens ein genialer Einfall von den Bälgern. Das hat sogar zur Folge, dass sie so beschäftigt sind, dass sie nicht herumrennen und Krach machen können. Zur Belohnung werde ich mal eben reingehen und die Karte rauf und runter bestellen und ihnen sogar ein Trinkgeld geben!“ Sportacus unterdrückte einen Lachanfall. Freddie, der das verzerrte Gesicht vollkommen falsch interpretierte, klopfte ihm auf die Schulter.
„Aber, aber, wer wird denn gleich in Tränen ausbrechen wollen? Du hast dein Bestes getan. Da kannst du mal sehen, wie undankbar Kinder sein können. Was soll ich denn sagen? Bevor du ankamst, gab ich ihnen Süßigkeiten und Videospiele bis zum abwinken. Und haben sie sich jemals bei mir dafür bedankt? NEIN! Aber im Grunde meinen sie es nicht so, sie wissen es nur nicht besser. Also reiß dich zusammen. Verschwinde in dein Schiff, esse dein Grünzeug und wein dich mal so richtig aus, dann wird es dir bald besser gehen.“
Sportacus wusste nicht recht, ob er von dieser fast freundschaftlichen Rede gerührt sein sollte oder nicht. Außerdem wuchs die Gefahr eines Lachkrampfes. Er schaffte es gerade noch, sich von Freddie zu verabschieden, eher er – mit hochrotem Gesicht und zusammengekniffenen Lippen – davon rannte. „NIMM ES WIE EIN MANN!“, rief Freddie ihm hinterher. Er stemmte die Arme in die Hüften und schüttelte den Kopf. „Tse, tse, tse, was soll man dazu noch sagen?“ Dann betrat er endlich das Geschäft.

Als Freddie stolz und erhaben auf die Theke zu marschierte, wurde es den Kindern ein wenig bange. Senta war aber in der Nähe und beobachte ihn skeptisch. Stephanie holte tief Luft – der Kunde ist schließlich König – und setzte ein Lächeln auf. „Was darf es sein?“
„Drei Hamburger, zwei große Portionen Fritten und ein großer Becher eiskalte Limonade. Alles zum hier essen.“ Stephanie sah ihn ein bisschen verlegen an. „Was für Burger möchtest du denn?“
„Mir egal, da muss nur ordentlich viel Fleisch drauf sein. Aber ohne das Grünzeug, wenn ich bitten darf.“ Das Mädchen musste wieder Luft holen um ganz ruhig zu bleiben, denn Freddie würde bestimmt gleich einen Wutanfall bekommen. „Lies dir bitte nochmal die Menüvorschläge durch.“
Freddie überflog tatsächlich die Schilder, die groß und deutlich über der Theke hingen und auf denen alles aufgelistet war. Aber ihm schien noch nichts aufzufallen. „Hm, der Hamburger da sieht gut aus. Davon will ich drei, wie schon gesagt.“
„Ich...kann dir davon nur etwas bringen, wenn du dir auch etwas Gesundes bestellst.“
„Na schön, dann lass das Grünzeug drauf, ich entferne es dann selbst.“
„Das ist so“, sagte Meini, der jetzt an die Theke kam. Er erklärte ihm in aller Ruhe die Regeln, nach dem dieses Geschäft lief. „Alles klar? Einen ungesunden Burger und Fritten gibt es nur, wenn du dir dazu zum Beispiel einen gesunden Salat bestellst oder ein gesundes Getränk. Etwas Ungesundes und etwas Gesundes. Etwas Gesundes und...“
„Ja, schon verstanden!“, rief Freddie und  Zornesröte stieg ihm ins Gesicht. „Aber wisst ihr was, ich kann darauf verzichten! Das ist glatter Betrug was ihr hier macht, ich bin Kunde und – ICH WILL MEINE UNGESUNDEN FRITTEN UND BURGER!!!“
„Also bitte! Benimm dich gefälligst!“, rief ihm Senta zu. „Übrigens, dort drüben steht ganz genau, was du bestellen kannst und was nicht. Und zwar groß genug. Von Betrug kann also nicht die Rede sein!“
„Und ob es das ist! Ihr zwingt die Leute gesundes Zeug zu essen obwohl sie es nicht wollen!“
„Du musst es ja nicht essen, wenn du nicht willst“, sagte Meini und Trixie lugte ganz neugierig aus der Küche. „Aber erst bestellen und dann die Hälfte wegwerfen – das ist doch auch nicht Sinn der Sache, oder?“ Freddie drehte sich um und lief zur Tür. „Ich bestelle mir mein Essen woanders! Ihr könnt mich alle mal gern haben!“
„Hab's mir schon gedacht, dass ihm die Idee nicht gefällt“, sagte Pixel. „Man kann es schließlich nicht jedem Recht machen.“ Stephanie atmete erleichtert aus. „Puh! Ehrlich gesagt, ich bin froh, dass er weg ist. Auch wenn wir dadurch weniger Einnahmen haben.“
„Ach lass ihn, auf ihn können wir locker verzichten, Pinkie.“ Plötzlich ertönte ein schriller Piepton. „Trixie, du musst in die Küche zurück! Mein Computer meldet, dass dir sonst das Fleisch anbrennt!“, rief Pixel.
„Ach herrjemine!“ Trixie erschrak und beeilte sich.
„Lasst euch von niemanden entmutigen, Kinder“, sprach Senta. „Der Erfolg wird euch Recht geben. Kann ich bitte etwas von eurem selbstgemachten Erdbeerjoghurt bekommen?“

Freddie war so fuchsteufelswild geworden, dass ihm sogar der Appetit vergangen war. Zumindest beinahe – er zog aus seiner Westentasche ein paar saure Gummiwürmer hervor, an denen er wütend kaute. „Mir wäre es lieber, wenn sie den Schnellimbiss schließen und zwar so schnell wie möglich!  Wenn es nur eine Möglichkeit gäbe....“ Freddie schielte auf einen langen sauren Gummiwurm, den er in der Hand hatte und ihm kam eine glänzende Idee. „Ich denke, da lässt sich was machen. Den Bürgern wird der Appetit schon bald vergehen und noch bevor die kleinen Nervensägen Feierabend haben sind sie gefeuert! Hähähähä!“ Er stopfte sich den sauren Wurm in den Mund und lief schnell davon, um sich die passende Verkleidung zu suchen. Es war kaum eine halbe Stunde seit Freddies Besuch vergangen, als ein weiterer Herr das Schnellrestaurant betrat: Er trug einen dunkelroten Anzug mit Hut, einen braunen Vollbart und einen violetten Schlips. Er trat an die Theke, hielt einen Ausweis in die Höhe und posaunte: „Mein Name ist Siegfried Sauber vom Gesundheitsamt!“ Stephanie entfuhr ein lautes „OH!“ und Herr Sauber sprach weiter: „Ich möchte mich in Ihrem neuen Geschäft umsehen. Ich hoffe, Sie haben keine Probleme damit, junges Fräulein?“
„Überhaupt nicht!“, antwortete Stephanie und lächelte ihn an. „Schauen Sie sich nur um!“
„Mal 'ne Frage“, begann der Mann vom Gesundheitsamt. „Ist hier eigentlich eine erwachsene Person anwesend?“
„Mein Onkel, Sportacus und Senta kommen regelmäßig hierher und achten darauf, dass wir alles richtig machen. Sie hätten uns niemals allein gelassen, wenn sie uns nicht vertraut hätten.“
„Außerdem“, begann Pixel, „ist unser Laden - besonders die Küche - auf dem neuesten Stand der Technik. Sobald auch nur ein Mitarbeiter Gefahr läuft, etwas anbrennen zu lassen, meldet sich mein Computer, der zugleich mit der Sprinkleranlage verbunden ist. Sollte doch ein Feuer ausbrechen, wird es sofort gelöscht, bevor es sich ausbreiten kann.“
„Sind das nicht kluge Kinder?“, lobte Senta.
„Jaja, bin ganz von den Socken“, murrte der Mann. „Was die Sicherheit angeht, da kann man wohl nicht meckern. Aber ich bin ja hier, um mich von der Sauberkeit zu überzeugen. Macht mal eure Arbeit weiter, ich sehe mich schon um.“ Meini hatte im Hintergrund alles mitangehört und wurde ganz kribbelig. „Habt ihr das gehört?! Ein Mann vom Gesundheitsamt! Wie sieht es hier aus, kann man es so lassen? Ziggy, da liegt ein Salatblatt auf dem Boden! Heb es auf und werf es weg! Wo ist denn dein Haarnetz?!“
„Darunter hat's mich so gejuckt! Ich habe es aber eben erst abgemacht.“
„Du setzt das Netz auf, das ist Vorschrift! Und Hände waschen, ja? Hände waschen!“
„Das weiß ich doch!“
„Dann tu es!“
„Meini, tief durchatmen!“, beruhigte ihn Trixie. „Herr Meintsgut war doch vorhin hier und hat selbst alles unter die Lupe genommen. Wir müssen uns nicht sorgen.“
„Aber das war vor einer halben Stunde! Da kann viel geschehen und ich sehe jetzt so viele Dinge, die der Mann vom Gesundheitsamt auch sehen wird!“
„Ich glaube du siehst eher Gespenster“, seufzte Trixie.
„Lasst euch nicht stören“, sagte Herr Sauber, als er in die Küche kam und seine Blicke in jede Ecke schweifen ließ. Trixie briet in aller Ruhe das Fleisch und Meini tat es ihr nach, obwohl er ständig einen Seitenblick auf Herrn Sauber werfen musste. Der verschwand soeben im Vorratsraum und ließ sich eine ganze Weile nicht mehr blicken. „Jetzt muss ich aber mal nachsehen“, murmelte Meini und öffnete die Tür. Herr Sauber machte eine hektische Bewegung und sah den Jungen für einen Moment erschrocken an.
„Alles in Ordnung, Herr Sauber?“
„Keineswegs! Die Limonade hier....“
„Was ist damit?“
„Ist das eigentlich normal, dass jede Flasche nur halb voll ist?“ Meini kam näher und riss vor Entsetzen die Augen auf. Tatsächlich musste jemand auf den Gedanken gekommen sein, jede  Flasche zu öffnen und sie halb geleert zurück zu lassen. Bis jetzt war es nur eine ganze Kiste, aber immerhin...
„Darf ich jetzt weiter gucken?“, fragte der Mann und scheuchte Meini zurück in die Küche. Kaum war die Tür zu, ließ Herr Sauber – oder vielmehr Freddie Faulig – einen schrecklich lauten Rülpser vernehmen. Diese Limonade war genau nach seinem Geschmack gewesen. Er verließ den Raum und erblickte die Kühlkammer. Zur gleichen Zeit machte Meini seine Freunde zur Schnecke und besonders Ziggy, den er wegen der Limonade im Verdacht hatte. Plötzlich ertönte ein Piepton, dann eine Warnstimme: „Person in Kühlkammer eingesperrt!“
Sofort eilten die Kinder hinein um Herr Sauber zu befreien. „Ihr denkt wirklich an alles“, bibberte er, „dachte schon ich wäre hier gefangen. Ich hab für einen Moment nicht aufgepasst und die Tür ist zugefallen.“
„Da können Sie mal sehen“, meinte Pixel stolz, „ohne meine Erfindung hätten Sie jetzt Eiszapfen an der Nase.“ Ein erneuter Piepton ließ Trixie und Meini aufhorchen, es wurde Zeit in die Küche zurück zu eilen. „Trixie, wenn du dich noch einmal vom Herd entfernst, bist du entlassen!“
„Und wo warst du gerade, hä?“, raunte sie Meini an.
Der angebliche Gesundheitsbeamte näherte sich Ziggy. Mit einer großen Lupe untersuchte er den Tisch, auf dem der Junge die Hamburger einpackte.

„Können Sie was entdecken?“, fragte Ziggy neugierig.
„Und ob! Auf dem Tisch sind ganz viele Bakterien! Ist ja widerlich! Besonders diese dicken grünen mit den winzigen Punkten!“
„Waaaas? Wo? Kann ich mal gucken?“
Ziggy riss ihm die Lupe aus der Hand und während er ganz angestrengt suchte, krallte sich Freddie heimlich den Lollipop, der hinter ihm auf einem anderen Tisch lag.
„Ich sehe gar nichts“, meinte Ziggy ganz enttäuscht.
„Dann sind sie entwischt. Gib die Lupe her! So, ich muss jetzt noch einen letzten Test machen“, sagte Herr Sauber und kurze Zeit später verlangte er nach einem Mahl und bestellte wirklich fast alles, was es auf der Karte gab. Er stellte für sich zwei Tische zusammen und Stephanie brachte alles der Reihe nach. Freddie ließ es sich schmecken (natürlich aß er vorwiegend von den ungesunden Sachen) und machte seine Notizen. Da er dabei höchst zufrieden aussah, dachten die Kinder nicht im Traum daran, dass etwas schiefgehen könnte. Es fiel schwer sich auf die Arbeit zu konzentrieren, wenn man auf ein Urteil wartete. Herr Sauber sah Senta und die Kinder missmutig an. „Ich kann nicht arbeiten, wenn Sie mir alle dabei zusehen!“
„In Ordnung“, meinte Stephanie und sie ließen ihre Blicke woanders hin schweifen. Das war genau das, was Freddie wollte. Mit einer schnellen Handbewegung hatte er seinen Plan in die Tat umgesetzt. „Was ist das denn?!“, rief Herr Sauber und im Nu waren alle Blicke wieder auf ihn gerichtet. Meini stürzte sogleich aus der Küche. „Sowas habe ich noch nie erlebt!“, rief Herr Sauber wieder,  „Wem gehört das hier?!“ Der Mann hob einen Hamburger in die Höhe und zwischen den Brothälften befand sich – statt des gebratenen Fleisches – ein Lollipop! Mit offenen Mündern starrten alle auf diesen ziemlichen ungewöhnlichen Hamburger. „Ziggy! Komm mal her! SOFORT!!“, brüllte Meini und der Kleine kam sofort angelaufen. Der war überglücklich, seinen verloren geglaubten Lollipop zu sehen und fand außerdem, dass sich sein Lolli zwischen den Brothälften gar nicht mal schlecht machte. „Das sollten wir auf die Karte setzen!“ Meini rollte genervt mit den Augen. Aber damit nicht genug. Herr Sauber fingerte in seinem Erdbeerjoghurt herum und zog – mit einem ekelverzerrtem Gesicht – etwas aus dem Becher, was nach einem Regenwurm oder ähnlichem aussah. Man kann sich bildlich vorstellen, was das auf dem Gesicht aller Anwesenden auslöste...

Senta sprang auf, der Stuhl knallte auf den Boden und die Dame rannte so schnell wie irgend nur möglich davon. Herr Sauber hielt mit spitzen Fingern den Wurm in die Höhe, von dem laufend der Joghurt tropfte und sah mit innerlicher Genugtuung, wie Stephanie das Blut aus dem Gesicht wich und sie vollkommen käsebleich hinter der Theke stand. „Was ist denn los?“, rief jetzt Trixie wieder, die die ganze Zeit in der Küche verbracht hatte und sich von dort eigentlich nicht mehr wegrühren wollte. „Mach den Herd aus und hänge deine Schürze auf“, rief ihr Meini niedergeschlagen zu. „Wir haben geschossen – für immer!“ Niedergeschlagen, deprimiert, am Boden zerstört – diese Worte konnten nicht im Geringsten das widerspiegeln was die Kinder fühlten, als Herr Sauber mit ihnen nach draußen ging und die Tür hinter sich schloss. Dann nahm er das Türschild in die Hände, worauf bis jetzt das Wort „Neueröffnung“ zu lesen war, drehte es herum und schrieb mit roten, dicken Filzstift: „Wegen hygienischer Mängel geschlossen!“ und hängte es wieder auf. Herr Sauber steckte zufrieden seinen Stift ein und ging davon. Ziggy stellte sich auf die Zehenspitzen und versuchte das Schild zu entziffern. „Kann mir einer von euch sagen, was da jetzt genau steht? Ihr wisst doch, dass ich noch nicht richtig lesen kann.“ Pixel las vor und erklärte ihm, was damit gemeint war. Die Kinder lehnten sich an die Hauswand und Meini murmelte: „Diese Schande! Das ertrage ich nicht! Was werden die Leute über uns denken?“
„Vor allem Sportacus und Onkel Meinhard“, seufzte Stephanie und ihr graute vor der Vorstellung, was Senta ihnen schon erzählt haben musste. Meini starrte finster auf das Schild. „Die Leute denken doch, wir hätten Kakerlaken im Salat.“
„Neee, nur Würmer im Joghurt“, korrigierte Trixie gelassen. Meini wollte in dem Moment einen Verdacht loswerden und Trixie für diese Untat beschuldigen, aber er ließ es bleiben. Verdächtigungen brachten keinen weiter. Ihr Traum war gestorben noch bevor er richtig begann. „Seht mal wer da kommt“, rief Pixel und tatsächlich sprang Sportacus auf sie zu. Geistesgegenwärtig riss Stephanie das Schild von der Tür und versteckte es hinter ihrem Rücken. „Mein Kristall hat geleuchtet. Was ist passiert?“ Die Kinder wagten noch nicht einmal ihren besten Freund anzusehen und wussten außerdem gar nicht, was sie sagen sollten. Es herrschte betretenes Schweigen. „Irgendwas muss doch los sein?“, fragte Sportacus weiter. Stephanie druckste herum und sagte schließlich „Ein Kunde hat sich beschwert...und nun...“
„Und jetzt seid ihr etwa alle entmutigt? Das müsst ihr doch nicht. War es etwa Freddie, der sich beschwert hat?“
„Ja“, sagte Stephanie schnell und dachte daran, wie er über das gesunde Essen geschimpft hatte. Gelogen war es also nicht. Nur was sollte sie weiter erzählen?
„Aber ihr wisst doch, dass Freddie immer an allem etwas auszusetzen hat. Oder hat er bei euch Schaden angerichtet? Soll ich den Bürgermeister holen? Ah, da kommt er ja!“ Stephanie und ihre Freunde erstarrten, als sie Herrn Meintsgut ziemlich aufgeregt auf sie zukommen sahen. „Was sind denn das für Geschichten? Senta war bei mir und erzählte...haben Sie es auch gehört Sportacus?“
„Stephanie hat mir von einer Beschwerde erzählt.“
„Ich verstehe das alles nicht“, sagte Meinhard kopfschüttelnd. „Ich habe mich selbst von allem überzeugt, der Laden ist so sauber wie er nur sein kann. Ich bin sicher, man hat euch einen üblen Streich gespielt. Wo ist dieser Mensch vom Gesundheitsamt überhaupt?“
Sportacus zog die Augenbrauen hoch. „Gesundheitsamt?“, wiederholte er.
„Ich dachte, Sie wüssten es. Man hat den Laden geschlossen. Es soll was ziemlich ekliges vorgefallen sein, aber ich bin sicher, dass die Kinder damit nichts zu tun haben.“
Jetzt zog Stephanie das Schild langsam hinter ihrem Rücken hervor, so dass Sportacus es lesen konnte. Sie wusste nicht, ob sie sich jemals in ihrem Leben so geschämt hatte und den anderen erging es genauso.

„Also eins möchte ich sagen“, sprach Trixie entschieden. „Ich habe nichts damit zu tun, das schwöre ich! Nur falls jemand was denken sollte...“
„Ich bin sicher, niemand denkt so etwas von dir“, sagte Sportacus und bemerkte Meini nicht, der gerade so tat, als würde er am Himmel irgendetwas interessantes sehen. „Ich gebe ja zu, dass so ein Streich zu mir passen würde“, redete sie weiter, „aber da ich hier arbeite und mir der Job gefällt - “
„Jetzt arbeitest du nicht mehr hier. Jetzt ist alles aus“, unterbrach sie Pixel und machte ein bekümmertes Gesicht.
„Was Ziggy angeht – der trägt zumindest eine Mitschuld.“ Trixie sah böse zu ihm hinunter. „Also das mit dem Lollipop war ja die Höhe! Was hast du dir dabei gedacht?“
„Und die Limo! Was ist in dich gefahren, dass du die Limo austrinkst?“, bohrte Meini weiter und dem Kleinsten und Jüngsten standen schon fast die Tränen in den Augen. „Das war ich alles nicht! Ich weiß nicht was geschehen ist....“ Sportacus klopfte ihm auf die Schulter und der Bürgermeister sprach ihm Mut zu. „Na na, wir glauben dir doch und das kriegen wir alles wieder hin.“
„Aber was sollen wir jetzt nur tun, Onkel? Können wir denn überhaupt etwas machen?“
„Und ob! Ich rufe auf der Stelle das Gesundheitsamt an und fordere, dass nochmal jemand her kommt, der sich mit mir alles ansieht. Dann haben wir hoffentlich Klarheit.“
Freddie Faulig war noch immer in Verkleidung und ganz in der Nähe. Er hatte sich hinter einer Mauer versteckt und die ganze Szene beobachtet. Der Einfall mit dem Gummiwurm im Joghurt war genial gewesen und er hatte es genossen, wie sich die Kinder vor den Erwachsenen geniert hatten und er hatte eigentlich auf ein großes Donnerwetter gehofft. Das Meinhard der Sache auf den Grund gehen wollte, passte ihm überhaupt nicht. Freddie musste einschreiten. Er stopfte sich schnell einen sauren Gummiwurm in den Mund und sprang - wenn auch ziemlich ungeschickt - über die Mauer.  Er ging auf den Bürgermeister zu und gab ihm die Hand. „Guten Tag! Siegfried Sauber, Gesundheitsamt. Sie sind Herr Meintsgut, wenn ich nicht irre? Sie wissen also Bescheid?“
„Ja und ich bin empört!“
„Ich auch, das können Sie aber glauben! Die Kinder sollten sich in Grund und Boden schämen, einfach widerlich und ekelhaft....oder stehen Sie auf Regenwürmer im Erdbeerjoghurt?!“, wollte Herr Sauber von Sportacus wissen. Der machte ein ziemlich entsetztes Gesicht und Freddie wusste ganz genau, dass er den Kindern damit einen weiteren Stich ins Herz versetzte. „Na sehen Sie. Dann sollten wir die Angelegenheit als erledigt betrachten.“, sprach Herr Sauber. Meinhard ließ nicht locker und versuchte die Kinder zu verteidigen, aber Freddie deutete auf seine Armbanduhr und machte klar, dass er keine Zeit mehr habe. Jetzt trat aber Sportacus auf den Plan und er wurde sehr energisch. „Am besten wir gehen noch einmal hinein und sehen uns alles an“, schlug der Superheld vor.
„Ich fürchte, das bringt überhaupt nichts. Ich habe schon alle Hebel in Bewegung gesetzt, das Gebäude wird gleich abgerissen.“
„Abgerissen?!“, riefen die anderen bestürzt.
„Ach Gottchen, ach Gottchen – aber warum denn? Finden Sie das nicht etwas übertrieben?“
„Überhaupt nicht! Wer weiß, was da noch alles für Ungeziefer lauert! Und Krankheitserreger! Und sonst so eklige Sachen!“
„Das können Sie nicht machen! Ich bin Bürgermann und Hausmeister des Jahres! Will sagen: Bürgermeister und Hausmann des Jahres, ach Gottchen!“
„Was meinen Sie damit?“
„Hausmann des Jahres!“ wiederholte Meintsgut eifrig und nickte. „Ich habe diesen Titel errungen – und das bereits mehrmals in den letzten Jahren – weil ich ein besonders fleißiger und sauberer Hausmann bin. Sehen Sie?“ Meinhard zog blitzschnell eine Zeitschrift hervor, die den Namen „Der Hausmann von heute“ trug und der Bürgermeister zierte darauf tatsächlich das Titelbild. Auf diesem Bild hielt er in der linken Hand einen Staubwedel und über seine rechte trug er einen Ofenhandschuh. Außerdem hatte er sich seine Küchenschürze umgebunden. Meinhard war sehr stolz auf dieses Bild und lächelte jetzt genauso erhaben wie auf dem Foto. „Da können Sie es nachlesen! Also wenn jemand etwas von Sauberkeit versteht, dann wohl ich!“
„Aha, und was hat das mit den Kindern zu tun?“
„Ich achte mit ihnen darauf, dass der Laden sauber ist und das war er bis jetzt.“
„Ja natürlich, das habe ich gesehen! Sie können mir zehnmal erzählen, dass Sie Hausmann des Jahres sind, da war bestimmt Betrug im Spiel und den Titel verdienen Sie bestimmt nicht mal annähernd! Wahrscheinlich hausen Sie wie auf einer Müllhalde!“

Meintsgut hatte während dieser Rede vor Entsetzen Mund und Augen aufgerissen und starrte den Herrn entgeistert an. Freddie erinnerte dieser Anblick irgendwie an einen Kugelfisch. Die Ähnlichkeit wurde sogar noch größer, als der Bürgermeister anfing nach Luft zu schnappen.  Sportacus und die Kinder bekamen es mit der Angst zu tun, weil sie dachten, ihn habe soeben der Schlag getroffen. Zum Glück fing sich der Bürgermeister wieder, dafür kochte jetzt die blanke Wut in ihm und er packte Herrn Sauber am Jackett. „Sie werden jetzt mitkommen, und zwar zu mir nach Hause! Und wenn nur ein Staubkörnchen zu finden ist – NUR EINS! Dann...!“
„HILFE!“, rief Herr Sauber und Sportacus löste Meinhards Hand behutsam vom Jackett. Der Beamte strich sich seinen Anzug glatt. „Sie sollten auf seinen Vorschlag eingehen“, meinte Sportacus zu ihm, „und sich danach wirklich entschuldigen.“
„Wenn ich Zeit hätte, würde ich das tun“, knurrte der Beamte, „aber ich habe keine. Und was diesen skandalösen Imbiss angeht, da ist mein Urteil längst gefallen. Bald ist es nur noch Geschichte.“
„Aber unsere ganzen Essensvorräte sind noch da drin!“, fiel Trixie ein. „Die Küchengeräte, die Möbel! Was wird damit? Soll das alles vom Bulldozer plattgemacht werden?“
„Das kommt alles weg! Das Gebäude wird komplett ausgeräumt und alles wird entsorgt. Die Vorräte werden wahrscheinlich verbrannt werden, wegen der Seuchengefahr.“
„Unglaublich, einfach unglaublich“, fand der Bürgermeister und war ganz außer sich. „Das können Sie nicht machen!“
„Genau“, pflichtete Sportacus bei und wagte einen neuen Versuch. „Ich will jetzt mit eigenen Augen sehen, was Sie uns weiszumachen versuchen.“ Er schritt entschlossen voran, doch Herr Sauber stellte sich jetzt genau zwischen Sportacus und dem Haupteingang. „Das kann ich nicht verantworten! Dann werden Sie krank, und was dann? Außerdem würde ich eine Menge Ärger bekommen.“
„Es ist zwecklos“, seufzte Meini und löste sich als Erster von der Gruppe. „Ich geh nach Hause. Unser Ruf ist doch eh schon ruiniert, was soll's?“
„Genau, hier könnt ihr sowieso nichts mehr tun.“ Siegfried Sauber alias Freddie Faulig schob jetzt Pixel und Stephanie vor sich her, die immer mutloser dreinschauten. Ziggy war auch sehr still geworden, nur Trixie war die Einzige von den Kindern die wild entschlossen war, das Gelände nicht kampflos zu räumen. Sie, Sportacus und Meinhard suchten gedanklich nach einem Ausweg. Zu viel Schweiß und Herzblut hatten die Kinder in dieses Vorhaben gesteckt und jetzt sollte alles dem Erdboden gleich gemacht werden? In diesem Moment wusste aber keiner so recht, was jetzt noch getan werden konnte. Die Gruppe ging langsam Richtung Rathaus. „Eins weiß ich: Das ihr daran nicht schuld seid“, versicherte der Bürgermeister ein weiteres Mal, um die  Kinder zu trösten.
„Aber jetzt ist alles hin und wie sollen wir so schnell neue Möbel und Geräte zusammen bekommen?“, fragte sich Stephanie. „Wir brauchen Geld und das kriegen wir nur, wenn wir was verkaufen. Aber wie sollen wir arbeiten ohne Küchengeräte?“ Meinhard kratzte sich am Kopf.
„Wenn ich könnte, würde ich euch am liebsten aushelfen“, sagte Sportacus. „Ich könnte Bestellungen annehmen, Essen zubereiten und ausliefern und das alles in meinem Luftschiff. Das einzige Problem ist nur, dass ich zwischendurch die Leute retten muss.“
„Das stimmt, aber Sie müssen nicht alles alleine tun. Wir teilen uns die Arbeit!“, sprach Meinhard und wurde immer aufgeregter. „Genau das machen wir!“ Die Kinder sahen abwechselnd Sportacus, dann den Bürgermeister an. „Mein Haus und Ihr Luftschiff ersetzen den Schnellimbiss! Und wenn Sie gerade keine Zeit haben, dann bleibt die Arbeit trotzdem nicht liegen. Wir werden uns schon absprechen. Und durch die Einnahmen bauen wir einen neuen Schnellimbiss.“
„Na, wenn das mal kein Vorschlag ist!“, meinte Sportacus begeistert. „Was ist denn, ihr seht ja immer noch so bedrückt aus?“
„Glaubst du tatsächlich“, fragte jetzt Ziggy, „dass noch irgendjemand bei uns bestellt?“
„Warum denn nicht?“
„Aber Sportacus, wie soll das gehen? Spätestens heute Abend weiß von dem Vorfall die ganze Stadt. Und wenn unsere Burger noch so gesund sind, die Leute ekeln sich bestimmt schon, wenn sie sie nur riechen“, sagte Pixel. Für Trixie war das alles zu viel. Sie fühlte sich wie ein prall gefüllter Luftballon, der kurz vor dem Platzen stand. „Ihr müsstet euch mal selbst zuhören!“, rief sie zornig. „Habt ihr die ganzen letzten Wochen vergessen, wo wir jede freie Minute in unseren Traum gesteckt haben?! Ich nicht! Habt ihr vergessen wie gut alles lief, bevor uns dieser Sauberschnösel dazwischen kam? Ich nicht! Ich werde erst aufgeben, wenn es wirklich keine andere Möglichkeit mehr gibt! Aber daran glaube ich nicht, weil es nämlich immer einen Weg gibt, nicht wahr, Pinkie? Kommt dir dieser Spruch bekannt vor?“ Stephanie nickte ein wenig verschüchtert. Trixie hatte es wieder einmal auf den Punkt gebracht. „Na also! Dann brauche ich wohl nichts weiter zu sagen, oder?“
Nein, das brauchte Trixie wirklich nicht. Sie gingen zu Stephanie nach Hause um neue Pläne für ihr Vorhaben zu schmieden. Der Einzige der nichts davon mitbekam, war Freddie. Er war froh, dass alle Störenfriede außer Reichweite waren, denn jetzt konnte er zurück in den Laden und hatte somit die Vorräte für sich ganz alleine. Er fühlte sich wie im Schlaraffenland...

Am nächsten Tag war alles vorbereitet: Der Bürgermeister hatte wie versprochen seine Küche den Kindern überlassen und vor seinem Haus ein großes hölzernes Schild aufgestellt, das er selbst gebastelt hatte. Das stand zwar ein wenig schief, aber darauf war in roter Farbe gut zu lesen: Power Food – der gesunde Schnellimbiss“, und darunter war ein Pfeil, der auf die Haustür deutete. Dort aber klebte ein DIN – A 4 Blatt, auf dem säuberlich zu lesen war: Möchten Sie bestellen, dann bitte drei Mal schellen! Sie müssen durch den Garten und dann ein bisschen warten. Guten Appetit!
M. Meintsgut

Außen neben dem Küchenfenster war links ein großes Plakat befestigt, worauf die Speisekarte vermerkt war.
Auch Sportacus war nicht untätig gewesen. An seinem Luftschiff flatterte ein Werbebanner mit dem Namen des Imbisses und der Telefonnummer darunter. Mit einem Punkt hatten die Kinder allerdings recht gehabt: Nach diesem angeblichen Lebensmittelskandal wollte so schnell niemand eine Bestellung aufgeben und als Senta Senfdazu das Luftschiff mit dem Banner entdeckte, rief sie empört bei Meinhard an. „Weiß Sportacus eigentlich, für wen er Werbung macht? Und wovon ich meine Bauchschmerzen habe?!“
„Er weiß alles“, versicherte Meinhard, „und er weiß auch, dass die Kinder ohne jede Schuld sind. Wir versuchen gerade alles wieder in Ordnung zu bringen. Und es wäre schön, wenn Sie uns auch helfen würden, Senta.“
„Ich wüsste nicht wie. Wo ich doch mit Sicherheit eine Lebensmittelvergiftung habe!“ Der Bürgermeister versuchte ganz behutsam Senta beizubringen, dass sie sich ihren Zustand nur einbildete, aber da war er an der falschen Adresse. Meinhard legte resigniert auf. Gerade Sentas Hilfe wäre Gold wert gewesen. Sie hätte mit Sicherheit alles richtigstellen und vor allem die Werbetrommel rühren können. Jetzt mussten sie darauf hoffen, dass Sportacus' Hilfe ausreichte. Der einzige Bewohner, der von der ganzen Aktion überhaupt nichts mitbekam, war ausgerechnet Freddie Faulig. Der lag mit fürchterlichen Bauchschmerzen im Sessel, weil er sich nicht hatte beherrschen können und den Vorratsraum der Kinder geplündert hatte. Wie viele Hamburger, wie viel Eiscreme und wie viel Liter Limo er zu sich genommen hatte, wusste er nicht. Er konnte sich nicht einmal mehr genau daran erinnern, wie er es nach Hause geschafft hatte. Er wusste nur eines: Das noch immer eine Menge an Vorräten darauf wartete verspeist zu werden. Aber Freddie hätte nicht einmal mehr einen Krümel zu sich nehmen können. So döste er fiebrig vor sich hin und hoffte, dass die Schmerzen endlich nachlassen würden.

In der Zwischenzeit versuchte Pixel dem Erfolg ein wenig auf die Sprünge zu helfen und druckte Plakate aus, auf denen zu lesen war, dass der Schnellimbiss zu Unrecht geschlossen worden war und Meinhard schlug vor, dass die Bürger sogar Gutscheine für einen kostenlosen kleinen Imbiss bekommen sollten. Denn irgendwie musste man die Kunden anlocken können. „Und danach wird das Geld nur so in die Kasse strömen“, erklärte er seiner zweifelnden Nichte. Mit Pixels Hilfe drehten sie sogar noch einen Werbespot und jetzt hatten sie wirklich alle Register gezogen. Trotz all der Mühe ließ der Erfolg nach fast einer Woche noch immer auf sich warten. „So, jetzt werfe ich aber endgültig den Pfannenwender“, meinte Pixel und das besagte Kochutensil landete klirrend auf dem Küchenboden. Ziggy und Meini taten es ihm gleich und warfen Kochlöffel und Schürze von sich. Nur Stephanie und Trixie wussten noch nicht so recht, zu was sie sich entscheiden wollten. „Ach Gottchen, ach Gottchen, seid ihr noch bei Trost, Kinder? Könntet ihr die Sachen bitte wieder vom Boden aufheben?“
„Entschuldigung Herr Meintsgut“, bat Meini und hob mit einem Seufzer die Sachen auf.
„Guten Tag alle miteinander“, grüßte Senta durch das Küchenfenster. Meinhard sah auf. „Guten Tag liebe Senta, wie geht es Ihnen? Ich habe mir richtig Sorgen gemacht.“
„Es geht mir beinahe gut, ich bin nur auf dem Weg zur Apotheke um mir einen Magentee zu holen. Aber eigentlich habe ich das Schlimmste überstanden.“
„Das freut mich wirklich.“ Senta blickte in die Runde. „Und wie geht es euch, Kinder? Wie läuft das Geschäft?“ Stephanie sah sie ein wenig erstaunt an. Eigentlich hätte sie nicht erwartet, dass ausgerechnet Senta danach fragen würde. „Nun ja, wir haben uns nach Kräften bemüht, aber leider...es ist wirklich schade“, antwortete das Mädchen niederschlagen. Senta nickte zustimmend. Ihr Groll war in den letzten Tagen gewichen, denn sie hatte gründlich über alles nachgedacht. Als sie sich auf den Weg zur Apotheke machte und das Gebäude sah, in dem die Kinder mit Feuereifer ihren Imbiss eröffnet hatten, warf sie einen Blick hinein. Es war ohnehin ein Wunder, dass das Haus noch stand, denn eigentlich hätte es doch sofort verschwinden sollen. Ob die Küchengeräte entfernt worden waren, ließ sich von hier aus nicht prüfen, aber die Theke, die Sitzgelegenheiten und die Dekoration - alles war noch vollzählig. Es machte den Eindruck, als hätten die Kinder das Geschäft nur verlassen, um für heute Feierabend zu machen.

„Es ist wirklich schade um das alles hier“, sagte Senta und bekam Schuldgefühle. „Vielleicht war ich wirklich zu voreilig mit meinem Urteil. Aber wie hätte ich anders reagieren sollen...Der Schreck war einfach zu furchtbar!“ Sie wollte sich gerade abwenden, als sie erschrocken zusammenzuckte: Durch das Bullauge in der Küchentür hatte sie etwas gesehen! Jemand war daran vorbeigegangen, da war sie ganz sicher! Und jetzt hörte man es auch noch deutlich scheppern. Senta war schockiert. „Einbrecher...!“, murmelte sie und als sie jemanden aus der Küche kommen sah, entfernte sie sich schnell vom Schaufenster und verschwand hinter der Häuserecke. Innerhalb von Sekunden schlug ihr Herz höher und sie hoffte inständig, dass der Einbrecher sie nicht entdeckt hatte. Sie nahm ihren Taschenspiegel und hielt ihn so hin, dass sie erkennen konnte, was hinter ihr vor sich ging. Sie hörte das leise Quietschen der Türen und dann sah sie den Gesundheitsinspektor, der zwei Flaschen Limo und einen Hamburger in den Händen hatte. „Hab ich doch tatsächlich noch einen gefunden“, sagte der Mann und grinste den Hamburger an. „Ich frage mich nur, ob der noch gut ist? Aber eigentlich sieht er ganz okay aus. Hätte nicht gedacht, dass ich nach meiner Fressattacke überhaupt noch Junk Food zu mir nehmen könnte. Aber wenn man einen ganzen Vorratsraum plündert, dann ist es nur normal, dass man leichtes Magendrücken verspürt, hähä!“ Er biss herzhaft hinein. „Hmmm, doch, schmeckt ganz gut. Es ist ein Jammer, dass die Kinder nie mehr solche Hamburger braten werden. Aber sie sind selbst schuld daran. Hätten sie nur Junk Food verkauft, dann hätte ich den Laden nicht schließen müssen.“
Senta spürte wie die Wut in ihr immer größer wurde. Stephanie und ihre Freunde waren von Anfang an unschuldig gewesen! Der Gesundheitsinspektor war ein Betrüger! Na, der konnte was erleben! Senta wollte ihn gerade aufhalten und zur Rede stellen, doch dann überkam sie auf einmal Furcht. Was würde passieren, wenn sie ihn ansprach und ihm erzählte, was sie gehört und gesehen hatte? Vielleicht war der Mann gefährlich und zu allem fähig! Aber wenn sie ihn jetzt entwischen ließ... Sie entschloss sich, lieber in Deckung zu gehen und mit ihrem Handy Hilfe herbeizurufen. Sie machte augenblicklich kehrt. Plötzlich knickte sie um. „Aua!“, rief Senta schrill.
„Nanu, wer war das?“, fragte sich Freddie und ging sofort in die Richtung, aus der er den Schrei vernommen hatte. Er blickte Senta in die Augen, der gerade in diesem unglücklichen Moment ein Absatz abgebrochen war. „Was tun Sie hier?“, fuhr Freddie sie an und versteckte den Hamburger schnell hinter seinem Rücken.
„Guten Tag Herr Sauber! Ich....war auf dem Weg zur Apotheke... ich brauche unbedingt etwas für den Magen! Ich fühle mich überhaupt nicht wohl“, entgegnete Senta, und das entsprach der Wahrheit. „Und jetzt dieses Missgeschick! Könnten Sie bitte den Tee für mich holen? Das wäre sehr nett. Die Apotheke ist auch nur um die Ecke.“ Freddie ließ sich erweichen. Vielleicht hatte er Glück und sein Betrug war nicht aufgeflogen. „Also schön, wenn es sein muss. Bin gleich wieder da.“
„Das ist wirklich sehr freundlich von Ihnen“, sagte Senta und als Herr Sauber verschwunden war, trat sie den Rückzug an. „Mir fällt ein, dass ich kein Geld dabei habe“, rief Freddie und kam zurück. Doch bevor er Senta darum bitten konnte, sah er sie unbeholfen auf ihrem kaputten Absatz davonhumpeln. „Also entweder hat die sich wirklich den Magen verdorben und muss mal ganz schnell wohin oder sie weiß Bescheid. Am besten ich hole endlich den Bulldozer - oder meine neue Abrissbirne - und mache das ganze Gebäude platt und zwar so schnell wie möglich. Dann hat sich die Sache endgültig erledigt.“

Freddie machte sich aus dem Staub und während Senta durch die Gegend stakste, rief sie schnell bei Meinhard an und bat Stephanie ans Telefon. Meinhard berichtete, dass sie und ihre Freunde auf dem Weg wären um Sportacus einen Brief zu schicken. Sie wollten ihm mitteilen, dass sie ihr Geschäft aufgeben wollten. „Schnell, laufen Sie den Kindern hinterher und sagen Sie, noch ist nichts verloren! Ich komme gleich nach, ich habe nämlich Neuigkeiten. Ich muss nur schnell neue Schuhe anziehen. Aber eines sage ich Ihnen sofort, Meinhard: Das war das erste und letzte Mal, dass ich mich für ein günstiges Paar Schuhe entschieden habe. Diese minderwertige Billigware gehört sofort auf den Müll!“
Der Bürgermeister legte auf und lief sofort zu der Stelle, wo die Postkapseln in die Luft geschossen wurden und kam gerade in dem Augenblick, als Sportacus zu den Kindern stieß. „Vergessen Sie alles, was in diesem Brief steht!“, japste Meinhard, „Senta kommt gleich und hat Neuigkeiten für uns!“
Stephanie zog verwundert die Augenbrauen hoch. „Was ist denn geschehen?“
„Hat sie irgendwas angedeutet?“, fragte Meini.
„Das Einzige was sie mir noch gesagt hat, war, dass sie sich eben neue Schuhe anzieht. Ach ja, und sie meinte, sie hätte das erste und letzte Mal billige Schuhe gekauft. Billigware gehört auf den Müll!“
„Eine weise Entscheidung“, musste Meini zugeben. „Obwohl man sagen muss, dass auch teure Artikel in der Herstellung wenig kosten können. Meistens ist es der Name und...“
Trixie verdrehte die Augen. „Bitte keinen Vortrag, Meini! Nicht hier und nicht heute!“
„Vielleicht ist Senta eine neue Geschäftsidee gekommen“, überlegte Pixel weiter, „und sie möchte uns dafür begeistern.“
„Kann sein“, stimmte Trixie zu. „Ich befürchte nur, dass wir dann in Zukunft ein Damenbekleidungsgeschäft führen werden.“
„Das will ich aber nicht. Ich kenne mich überhaupt nicht damit aus“, quengelte Meini. Der Bürgermeister wurde ungeduldig. „Wo bleibt Senta nur? Es kann doch nicht so lange dauern, sich neue Schuhe auszusuchen.“
„Das wohl nicht, nur wenn sie eine andere Farbe haben, gibt’s Probleme“, warf Meini ein, „denn ich fürchte, in diesem Punkt ist sie genau wie meine Mutter. Ein anderes Paar Schuhe bedeutet für sie, dass sie sich komplett umziehen und neu schminken muss. Das ist besonders nervend wenn mein Vater mit ihr ausgehen will. Bis sie sich entschieden hat, braucht sie Stunden und mein Vater rauft sich jedesmal die Haare!“
„Und du willst dich nicht auskennen“, lachte Trixie.
„Ach Gottchen, dann stehen wir ja bis morgen früh hier!“, stöhnte Meinhard und raufte sich jetzt selbst die Haare. Ziggy hatte die ganze Zeit zugehört und an seinem neuen Lollipop geleckt. „Also mir wäre ja ein Geschäft voller Süßigkeiten lieber.“
„Kann ich mir denken“, sagte  Stephanie. „Aber das ist eigentlich genau das Gegenteil von dem, was wir erreichen wollten. Wir wollten doch gesunde Sachen unter die Leute bringen.“
„Außerdem hätten wir schon nach einem Tag schließen müssen“, meinte Pixel und tippte auf seinem kleinen Computer herum, den er am Handgelenk trug und kam zu einem Ergebnis. „Um es ganz genau zu sagen: Nach sieben Stunden, 42 Minuten und 53 Sekunden hätten wir einen leeren Laden und einen vor Bauchschmerzen weinenden Ziggy.“
„Sieben Stunden und 42 Minuten“, wiederholte Meini. „Ich hätte auf weniger getippt.“
„Ich habe die Vorräte im Lagerraum dazugezählt“, erklärte Pixel. „Und die Pausen, die Ziggy dazwischen einhalten müsste, weil auch er nicht unendlich Platz in seinem Magen hat.“
„Ahso, dann könnte es stimmen.“ Sportacus hatte über die lebhafte Unterhaltung der Kinder lächeln müssen, aber auch er wartete sehr gespannt auf die Neuigkeiten.

In der Zwischenzeit war Senta auf dem Weg zum Treffpunkt - sie hatte wegen der Notlage darauf verzichtet, sich ein neues Outfit herauszusuchen - als sie von Weitem etwas sah, was ihr einen kalten Schauer über den Rücken laufen ließ: Freddie hatte sich für die Abrissbirne entschieden. Zwar war diese Maschine nicht so groß und gewaltig wie die üblichen Abrissbirnen, man konnte beinahe sagen, es war eine Abrissbirne im Miniformat, aber sie reichte vollkommen aus um einem kleineren Gebäude erheblichen Schaden zuzufügen. Und das wollte Freddie um jeden Preis. Danach würde er mit dem Bulldozer die traurigen Trümmer beseitigen. „DAS WERDEN SIE NICHT TUN!“, schrie Senta den vermeintlichen Gesundheitsbeamten an und lief neben ihm her. „SIE WERDEN AUF DER STELLE AUSSTEIGEN!“
„Ich steige aus, sobald ich meine Arbeit getan habe!“
Sportacus' Kristall leuchtete hell auf. „Da hat jemand ein Problem“, sprach er und lief los.
Stephanie wurde besorgt. „Hoffentlich ist es nicht Senta“, sagte sie und jetzt hielt es niemand mehr auf dem Treffpunkt aus. Sie alle wollten sehen, was passiert war und als sie Sportacus folgten, blieb ihnen vor Schreck die Spucke weg. Stephanie hatte richtig gelegen. Sportacus sprang gerade neben Senta Senfdazu, die sich vor dem geschlossenen Imbissladen postiert hatte. Sie sah zitternd, aber dennoch mutig der Gefahr ins Auge. „Jetzt machen Sie schon, dass Sie weg kommen“, rief Freddie ihr auf seiner Abrissbirne zu.
„Da müssen Sie schon an mir vorbei!“, rief Senta zurück aber Freddie war sich sicher, dass sie aufgab, sobald er nah genug herangekommen war.
„Sie sollten gehen, ich werde mich selbst darum kümmern“, sprach Sportacus zu ihr, aber sie schüttelte nur energisch den Kopf.
„UM GOTTES WILLEN SENTA, WAS TUN SIE DA?!“, rief Meinhard erschrocken und mit aller Kraft.
„Keine Sorge, es wird nichts passieren. So verrückt ist er bestimmt nicht“, rief sie zurück und eigentlich hatte sie damit recht. Freddie hätte auf jeden Fall gestoppt, wenn er ihr zu nahe gekommen wäre. Das Problem war nur, dass ihm gerade beinahe die Sinne schwanden. „Irgendwie ist mir gar nicht gut...“, murmelte er und wischte sich den Schweiß aus dem Gesicht. „Mir wird  heiß und kalt...was ist denn nur los mit mir...“ Freddie blinzelte und alles was er sah, verschwamm vor seinen Augen. In Schlangenlinien fuhr er auf die beiden zu. „SENTA, LAUFEN SIE!“, schrie Meinhard, doch seine Freundin blieb vor Schreck wie angewurzelt stehen. Sportacus erkannte die Situation und trug sie auf seinen Armen davon und brachte sie so in Sicherheit. Er setzte sie bei der kleinen Gruppe ab, die weit genug von Schauplatz weg stand, um alles gefahrlos beobachten zu können. Sportacus musste aber wieder in die Gefahrenzone zurück um seinen Job zu erledigen.
„Halten Sie sofort an!“, rief er. Sie sollen die Maschine stoppen!“
„Erst wenn ich....dieses Gebäude zerstört habe...möchte mal wissen, warum da auf einmal zwei Häuser vor mir stehen?“
Sportacus stutzte und bemerkte, wie dem Mann der Schweiß vom Gesicht perlte. Der Superheld musste die Maschine selbst stoppen und sprang auf das Trittbrett. Er riss das Steuer herum und bog rechts ab. Freddie sammelte seine Kräfte und versuchte wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Er atmete ein paar Mal tief durch, bevor er drohte: „Lassen Sie das! Oder ich muss Gewalt anwenden! Ich warne Sie!“ Aber Sportacus achtete nicht darauf. Er hielt weiterhin mit der rechten Hand das Steuer, während er sich mit der linken an der Fahrerkabine festklammerte. „Sie haben es nicht anders gewollt!“, rief Freddie. Er drehte sich blitzschnell zur Seite und zog mit beiden Händen kräftig an Sportacus' Bart. „AUA! Nicht doch!“ Wenn es eine empfindliche Stelle gab, dann war es sein Spitzbart. Zur Not hätte er sich zwar davon getrennt, aber es tat wirklich sehr weh. Er sprang ab und überlegte einige Sekunden lang, eher er in die entgegengesetzte Richtung davonlief. Freddie übernahm wieder das Steuer und lenkte Richtung Gebäude.
„Wo will Sportacus denn hin?!“ rief Trixie fast panisch und sie und ihre Freunde sahen dem Helden hinterher. „Nicht mehr lange und dann ist alles Schutt!“ Die Abrissbirne kam näher und schwang bedrohlich hin und her. Freddie spürte, wie schwach er schon wieder wurde. Aber es würde nicht mehr lange dauern, bis....

„HEEE!“ Es gab einen heftigen Ruck und das Gefährt kam zum Stillstand. Das hieß, nicht ganz: Die Räder rotierten, aber sie kamen keinen Zentimeter mehr voran. Freddie Faulig drückte auf's Gas bis es qualmte, aber es nützte nichts. Dafür hatte Sportacus gesorgt. Seine Zuschauer waren begeistert! Sie hatten gesehen, wie der Superheld ein kräftiges Seil mit einem Enterhaken aus dem Luftschiff geholt und diesen mit einem geschickten Wurf an der Stoßstange befestigt hatte. Das andere Ende hielt er in seinen starken Händen und Sportacus gab nicht eine Sekunde nach. Die Abrissbirne schwang nur wenige Zentimeter an der großen Fensterscheibe vorbei. „Geben Sie endlich auf!“, rief Pixel dem Gesundheitsbeamten zu.
„Niemals! Ich habe ein Recht dazu!“, rief Herr Sauber zurück. „Ihr dürft mich überhaupt nicht zurückhalten, was fällt euch ein?!“
„Sie sind ein Betrüger!“, rief Senta und ihre Stimme überschlug sich beinahe. „Ich habe gesehen, wie Sie aus diesem Laden gekommen sind und ich habe gehört was Sie gesagt haben! Sie haben das Geschäft schließen lassen, weil....“ Freddie ließ den Motor aufheulen.
„Bitte, was? Ich höre Sie ja gar nicht!“
„ICH SAH WIE SIE.....“
„ICH HÖRE ÜBERHAUPT NICHTS UND MIR IST ES AUCH GLEICH!“, brüllte Freddie zurück und gab Vollgas, so dass er beinahe Sportacus mit sich zog. Der sportliche Superheld von Lazy Town musste einen Großteil seiner Kraft aufbieten um die Maschine zurückhalten zu können. Es qualmte und quietschte fürchterlich und die Räder nutzten bereits ihr Profil ab. Plötzlich gab es einen lauten Knall und das Gefährt kam zum Erliegen. Freddie kreischte vor Schreck und sprang aus dem Führerhäuschen. Sportacus hatte wie immer schnell reagiert und ließ den Mann in seine Arme fallen. Meinhard, Senta und die Kinder wagten sich näher heran und Herr Sauber sah ärgerlich auf die kaputte Abrissbirne. „Den Schaden werdet ihr mir ersetzen!“, rief er wütend.
„Von wegen! Und jetzt werde ich erzählen, was ich gesehen habe!“, rief Senta erbost.
„Ganz gleich was Sie gesehen haben, Sie haben keine Beweise! Das sind bloß Lügen! Und ich werde augenblicklich...aber zuerst will ich runter, sofort!“ Sportacus folgte dem Befehl und setzte Herrn Sauber ab, doch dann musste er ihn sogleich stützen. „Geht es Ihnen nicht gut?“ Freddie wischte sich mit einem Ärmel den Schweiß ab und erklärte, das sei nicht schlimm und käme nur durch die ganze Aufregung. Aber in Wirklichkeit war ihm hundeelend und seine Gesichtsfarbe wechselte von einer leichten Blässe zu kalkweiß.

Jetzt wurde er von allen Leuten besorgt umringt. „Kein Wunder, dass ihm so schlecht ist. Das kommt bestimmt von diesem Hamburger, den er gegessen hat“, erklärte Senta.
„Das ist aber unmöglich“, warf Stephanie ein. „Er war doch schon vor fast einer Woche bei uns im Laden.“
„Nein, dass war vorhin. Das wollte ich euch doch die ganze Zeit sagen!“, sprach Senta und jetzt berichtete sie. Ihre Freunde waren sprachlos. „Ich finde, es beweist nur eines“, sagte Herr Sauber mit großer Anstrengung. „Das man sich an diesem Essen vergiftet! Der Laden wird also geschlossen bleiben.“
„Pah, wer isst denn schon einen Hamburger, der fast eine Woche alt ist!“, sagte Pixel. „Da dreht sich mir schon bei dem bloßen Gedanken der Magen um!“ Sportacus holte ein großes blaues Taschentuch unter seiner Weste hervor und tupfte dem Mann den Schweiß ab. „Wir werden Sie sofort zu einem Arzt bringen müssen, Herr Sauber.“
„Arzt?! Bloß nicht!“ Freddie zuckte erschrocken zusammen. Er riss Sportacus das Taschentuch aus der Hand, wischte sich damit gründlich das Gesicht ab und gab es dem Helden zurück. „Ich gehe jetzt nach Hause und kuriere meinen Magen aus! Und dann komme ich zurück – mit einer größeren Abrissbirne!“ Die Kinder sahen ihn erstaunt an, aber davon merkte Freddie noch gar nichts. „Mein Gott, jetzt wird mir aber ganz heiß“, stöhnte er und nahm seinen Hut ab um sich Luft zuzufächeln. Und spätestens jetzt waren alle Zweifel endgültig ausgeräumt. „Freddie Faulig!“, hörte man es von allen Seiten und Sportacus holte den Bart aus dem Taschentuch hervor und hielt ihn Freddie vor die Nase. „Tja, Bärte machen eben Leute“, kommentierte er.  „Bärte und Hüte!“ Freddie drückte sich den Hut auf den Kopf. „Ich kann es nicht glauben! Jetzt ist mein Plan endgültig im Eimer!“, jammerte er. „Und das nach all der Mühe...Apropos Eimer....ich glaub ich brauche ganz dringend einen!“ Er schlug sich beide Hände vor den Mund und es sah beinahe so aus, als würde er sich übergeben müssen. „Erspare uns bitte diesen Anblick, Freddie!“, bat Trixie. Gott sei Dank konnte sich Freddie tatsächlich zurückhalten.
„Alles klar, geht wieder. Falscher Alarm.“
„Hier in der Nähe befindet sich ein Arzt“, riet Sportacus. „Du solltest ihn sofort aufsuchen. Wahrscheinlich hast du dir nur den Magen verdorben, es kann aber auch eine Lebensmittelvergiftung sein. In diesem Fall brauchst du sofort Hilfe!“
„Ich will aber nicht zum Arzt!“, sagte Freddie trotzig. Er hatte jedoch selbst arge Bedenken was seine Gesundheit anging, denn sein verkorkster Magen wollte sich einfach nicht beruhigen und fing auch noch an, laut zu rumoren. „Komm, ich begleite dich“, bot Sportacus an aber Freddie sträubte sich entschieden. „Das schaffe ich auch alleine!“, motzte er und ging auf etwas wackeligen Beinen zur nächsten Arztpraxis. „Ich werde mal heimlich hinterher gehen“, sagte Sportacus zu den Kindern. „Sicher ist sicher. Vielleicht braucht er unterwegs Hilfe. In der Zwischenzeit könnt ihr überlegen, wann der Imbiss wieder eröffnet wird. Es wird Zeit, dass wir die Leute wieder mit gesundem Power Food versorgen!“ Sportacus strahlte die Kinder an und verschwand. „Er hat ja recht!“, rief Stephanie überrascht aus. „Unser Imbiss ist gerettet! Wir müssen uns sofort an die Arbeit machen und als Erstes gründlich putzen.“
„Putzen! Putzen! Putzen!“, maulte Trixie. „Ich höre immer nur putzen!“ Als die Kinder und die Erwachsenen den Imbiss betraten, waren sie angenehm überrascht, dass die Küchengeräte noch immer an ihrem Platz standen. Als sie jedoch die Vorratsräume begutachteten, ahnten sie natürlich schlimmes. „Puh, das mieft aber!“
„Ist das ein Wunder?“, fragte Pixel. „Ich musste schließlich die Kühlung abstellen und die Lebensmittel durften wir nicht einmal mitnehmen.“
„Das schöne Obst und Gemüse“, bedauerte Stephanie.
„Aber einiges fehlt“, stellte Meini fest. „Freddie hat einen Teil unserer Vorräte vertilgt“,
„Und das, was er nicht essen wollte, gammelt hier rum“, stellte Trixie fest.
„Umso weniger müssen wir wegwerfen. Das ist das einzig Gute“, sagte Pixel. „Das wird trotzdem ein hartes Stück Arbeit werden.“
„Hm“, machte Meini. „Das ist unser kleinstes Problem. Wie bekommen wir nur endlich unseren guten Ruf wieder?“
„Nun, was das angeht“, sprach Senta, „da werde ich mein Möglichstes tun um alles wieder gerade zu biegen. Ihr habt mein Wort darauf, Kinder. Schließlich habe auch ich einiges gutzumachen, weil ich den Glauben an euch verloren hatte – zu Unrecht.“ Meinhard Meintsgut stand neben ihr und lächelte versonnen. Als die Aufräumarbeiten erledigt waren, kaufte Senta den Kindern sogar einen neuen Vorrat an Lebensmitteln ein, damit sie wieder voll ins Geschäft einsteigen konnten.

Schon nach zwei Tagen war Neueröffnung und der Bürgermeister hatte sogar noch eine Überraschung parat. „Das Schild ist endlich fertig! Ich lasse es gleich anbringen, jetzt ist alles bereit!“ Die Kinder jubelten. Jetzt hatten sie alles, was sie brauchten. Stephanie und Sportacus tanzten zu dem „Bing Bang“ Lied und als sie geendet hatten, strömte schon die Kundschaft herbei. „Los, alle auf eure Plätze!“, rief Stephanie. Sie und ihre Freunde liefen in den Laden, schnappten sich ihre Arbeitskleidung und machten sich für die Kundschaft bereit. Zur selben Zeit lag Freddie Faulig auf seinem kuscheligen Sessel und kurierte seinen Magen aus und das zum zweiten Mal innerhalb einer Woche. „In meinem ganzen Leben werde ich nichts mehr essen! Keinen Krümel werde ich anrühren“, jammerte er. Er griff nach seiner Teetasse, nippte daran und schaltete den Fernseher an. „Power Food!“ dröhnte es aus den Lautsprechern. „So heißt der Imbiss in Lazy Town, der seit heute wieder geöffnet hat! Wie herauskam, wurde der Laden irrtümlich geschlossen, weil Freddie Faulig wieder einmal seine Finger im Spiel hatte und Rufmord betrieben hat! Jetzt können die Leute von Lazy Town wieder genussvoll in ihr gesundes Power Food beißen....“ In Freddies Magen grummelte es. Der Bösewicht sprang auf und eilte dorthin, wo er den letzten Rest seines Mageninhaltes entleeren konnte, während er im Hintergrund die Werbung vernahm: „Gesund und lecker! Hmmmmm!“

ENDE

Lazy Town © by Magnus Scheving
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