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Wo die Liebe hinfällt

von Arielen
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P6 / Gen
Abendrot Rotspeer Schnitter
06.04.2009
06.04.2009
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In der relativen Sicherheit des Hages saßen die Wolfsreiter schon einmal am späten Nachmittag auf der kleinen Lichtung und am Bach, denn die Fünffinger, die durch den Wald streiften, hatten diesen verborgenen Ort noch nicht gefunden. Die Wölfe dösten unter schattigen Büschen oder lagen mit ihren Elfenfreunden faul in den Sonnenstrahlen, die durch das Blätterdach drangen, und genossen deren Liebkosungen.

Mondschatten, Bachfischerin und Schwarzbeere fertigten mit großer Konzentration eine Decke aus Lederresten. Wie sicher setzte Langbogens Gefährtin doch ihre Stiche mit der Knochennadel und den Sehnen. Aber sie war auch die beste Gerberin und Kleidermacherin des Stammes.
Ihr Gefährte stand wie so oft im Schatten eines Baumes und beobachtete mit unbewegter Miene, wie unter der Aufsicht von Bärenpratze und Baumstumpf zwei junge Elfen mit Speeren übten: der hellhaarige Schnitter, Sohn und Nachfolger des Häuptlings und die kaum ältere Abendrot. Sie waren von frühster Jugend an Spielgefährten gewesen und viele hofften, dass aus ihnen Liebes- oder gar Lebensgefährten werden würde, denn sie passten gut zusammen.

Heftig atmend, aber noch nicht erschöpft umkreisten sich die beiden, eifrig bemüht, den strengen Lehrmeistern keinen Grund zur Rüge zu geben. Den scharfen Wolfsaugen Bärenpratzes entging jedoch nichts: "Abendrot, deine Schläge sind viel zu schwach. Du musst mehr Kraft dahinter setzen!
Seine Stimme klang bissig, aber wer ihn näher kannte, wusste, dass er sich mehr Sorgen um die Kinder machte, als auf sie zornig zu sein.
Die anderen Beobachter des Kampfes, vier der älteren Elfen,  saßen am Rand und verfolgten die Bewegungen der beiden jungen Elfen aufmerksam. Schnitters Freund schien so amüsiert wie Einauge und Reinwasser, nur Rotspürer der Jäger blickte finster drein. Seine braunen Augen funkelten wütend.

In diesem Augenblick sah Abendrot zu ihm hinüber. Schnitter nutzte dies, um den Speer so zwischen ihre Beine zu stoßen, dass sie das Gleichgewicht verlor und rücklings in das Gras fiel.

"In einem Kampf mit den Fünffingern hätte dich diese Unaufmerksamkeit dein Leben gekostet, du junge Welpe!" blaffte Bärenpratze und stampfte mit einem Fuß auf. Er achtete nicht auf die sanfte Berührung seiner Lebensgefährtin. "Du darfst dich von nichts und niemandem ablenken lassen!"
Abendrot rappelte sich auf, die schmerzenden Pobacken reibend. Sie senkte den hochroten Kopf. "Ich weiß!" murmelte sie verlegen, schluckte heftig und rannte dann davon. Dabei stolperte sie beinahe über Rotspürer und verschwand im Wald.

*Merkst du nicht, dass sie verliebt ist?* klärte Frohblatt derweil ihrem Gefährten auf. * Sie ist schließlich noch sehr jung und besitzt nicht die Gelassenheit des Alters, ja sie weiß nicht einmal, was ihre Gefühle so durcheinanderbringt.*
*Dennoch sollte sie besser aufpassen und sich nicht ablenken lassen!* grummelte Bärenpratze. *Du weißt, wie schnell unsereins hier sterben kann - und da ist es egal, ob sie verliebt ist, oder nicht! Die Fünffinger nehmen darauf keine Rücksicht, oder hast du Shale und Eyes High schon vergessen?*
*Nein, das habe ich nicht. Aber ich bin mir ganz sicher, dass Abendrot in einem wirklichen Kampf konzentriert und sicher sein wird. Sie ist die geborene Kämpferin. Mehr als jede andere Elfe hier im Stamm.*
*Da hast du sehr viel Vertrauen in die Welpe ... und außerdem in wen soll die Kleine verliebt sein? Mit unserem Sohn verbindet sie doch nur die Freundschaft zwischen Welpen.*
Frohblatt spürte Bärenpratzes Neugier und lächelte. *Hm, hast du das nicht gesehen? Abendrot und Rotspürer mögen sich sehr, aber sie können es sich noch nicht richtig eingestehen. Es wird Zeit, dass sie das erkennen.* Bei diesen Gedanken nickte sie Rotspürer zu, der immer wieder unsicher zum Waldrand blickte.
*Was?* Verdutzt sah Bärenpratze seine Gefährtin an. *Wie soll denn das zusammenpassen? Unsere wilde Kriegerin und der sanfte Späher? Timmorns Blut!*
*Nun Liebster, auch wir sind grundverschieden voneinander, und würde da einer behaupten, daß wir nicht zusammenpassen? Die Hohen haben da anders entschieden, und nicht ohne Grund!* Liebevoll blickte sie dabei auf ihren Sohn, der sich gerade angeregt mit Himmelweis unterhielt und Rotspürer nach, der von der Lichtung verschwunden war.

Abendrot kletterte auf einen hohen Baum und beobachtete dort den Sonnenuntergang. Sie bedrückte weniger der große Fehler, den sie während des Kampfes begangen hatte als der traurige Blick, den ihr Rotspürer zugeworfen hatte. Warum das? Was rührte sie an seinen sehnsuchtsvollen Augen so an? Sie mochte ihn zwar, aber sie hatte sich nie mit ihm so verbunden gefühlt wie an diesem Tag. Warum?
Bisher war Schnitter ihr ein und alles gewesen. Sie waren miteinander aufgewachsen, verstanden einander, waren gleichrangig und ergänzten einander fast so gut wie der Häuptling und seine Gefährtin.
Und nun?
In der letzten Zeit war sie oft mit Rotspürer in einer Jagdgruppe gewesen, und obwohl sie kaum Worte miteinander gewechselt hatten, fühlte sie sich in der Anwesenheit des rothaarigen Elfen einfach wohl.

Etwas knackte unter ihr. Abendrot schreckte hoch und entspannte sich gleich wieder. Es war kein Fünffinger wie sie befürchtet hatte. Ein anderer Elf tauchte auf und setzte sich dann neben sie auf den Ast.
"Entschuldige dass ich dich störe. Ich bin ja eigentlich schuld an deinem Missgeschick..."
"Ach was. Ich hätte besser aufpassen müssen, es geschieht mir nur recht!"
"Nein ..." Rotspürer schüttelte energisch den Kopf. "Ich war eifersüchtig auf Schnitter und habe dich deshalb so wütend angestarrt, weil du wieder nur mit ihm zusammen warst. Aber ich kann dich schon verstehen. Er passt viel besser zu dir. Was bin ich denn? Ein mittelmäßiger Späher und Jäger!"
"Zweispeers Wahnsinn! Das ist doch Unsinn! Du bist unser bester Fährtenleser, du bist geschickt, wendig und Regen sagt, dass in dir die Kräfte deiner Großmutter schlummern. Er spürt es!" entgegnete Abendrot energisch.
"Aber warum sind sie dann noch nicht erwacht?"
"Das braucht seine Zeit. Schau dir Regen an. Auch er hat lange warten müssen, bis seine Heilerkräfte hervortraten, und ich bin mir ganz sicher, dass sie bei dir auch eines Tages auftauchen werden!" Abendrot schlang impulsiv ihre Arme um Rotspürer. "Und außerdem ... außerdem kann ich dich gut verstehen." Sie holte tief Luft. Jetzt, wo sie ihm so nahe war, wurde es ganz einfach, die Wahrheit auszusprechen. "Wir kennen uns noch so wenig, aber jetzt wird mir eines klar. Seit ich dich zum ersten Mal nicht mehr mit den Augen eines Welpen betrachtet habe, liebe ich dich. Wir sind vielleicht verschieden, aber gerade das macht es aus. Ich brauche jemanden, bei dem ich mich geborgen fühlen kann. Und du bist genau dieses Wesen!" Jetzt war die bisher unausgesprochene, unbewusste Wahrheit endlich heraus.
Sie klang beruhigend.

Rotspürer blickte Abendrot mit großen Augen an und verlor seine Scheu. Er erwiderte ihre Umarmung. "Ich habe dich immer bewundert. Du bist noch so jung und doch sehr stark."
"Bitternüsse! Das bin ich nicht! Aber ich weiß jetzt, wer wirklich zu mir passt!" Abendrot schmiegte sich an Rotspürer. "Schnitter ist nur ein sehr guter Freund."

Schnitter saß auf einem Baumstumpf und wartete auf Abendrot. Eigentlich hatten sie heute zusammen jagen wollen, aber nun war es schon dunkel, und die Elfe war immer noch nicht zurück. Hatte sie die Niederlage so betroffen?
Er seufzte. Morgen war das schon wieder vergessen.
Das Jetzt des Wolfdenkens war Bärenpratze zu eigen, und er würde über einen Fehler nicht länger nachdenken, wenn der sich nicht wiederholte.
Eigentlich müsste Abendrot das doch bewusst sein und...

Dann fiel er fast von dem Baumstamm, auf den er sich niedergelassen hatte und riss Augen und Mund auf. Rotspürer und Abendrot wanderten Hand in Hand über die Lichtung und lächelten sich verliebt an. Sie schienen ihn nicht einmal zu bemerken.
Schnitter ließ sich nach hinten fallen, und starrte in den Himmel. Er konnte es nicht fassen. Abendrot und dieser unscheinbare Jäger? Wie konnte das sein? Er schloss die Augen. Was fand die Elfe nur an dem? Sie war doch nicht so ruhig wie der? Sie war genauso wild und frech wie er und würde sich doch auf Dauer mit dem nur langweilen!

"Wirklich?"
Schnitter öffnete die Augen und sah geradewegs in das grinsende Gesicht seines Freundes Himmelweis, der dann den beiden Elfen nachblickte.
"Sieh an, wo die Liebe hinfällt...!" Seine Augen verrieten, dass er an seine eigene Liebesgefährtin Fuchspelz dachte.
Dann setzte sich der Häuptlingssohn auf und grinste. Er überwand die Überraschung schnell. "Lass sie doch!" meinte er dann. "Ich fühle mich ohnehin noch zu jung, um mich jetzt zu binden, außerdem habe ich letztens von jemandem geträumt, der viel besser zu mir passt!" zog er seinen Freund mit einer kleinen Lüge auf.
"So?" Himmelweis neugieriger Blick entschädigte Schnitter für alles. Der hellhaarige Elfenjunge grinste.
"Oh ja, aber glaube nicht, dass ich dir davon erzähle. Du musst nicht alles wissen!"
"Aber ich bin dein bester Freund ... Sag schon, wer ist es denn. Von wem hast du geträumt. Etwa Tauglanz? Die ist doch noch viel zu klein für dich, außerdem versteht sie sich viel besser mit Späher!"
"Nein, Tauglanz ist es nicht, und auch keine andere aus unserem Stamm!"
"Wer denn dann?"
"Sie war wie das Feuer. Ihre Haare wie Flammen, und...."
Schnitter zwinkerte Himmelweis zu und rannte dann davon.
"Viel zu stolz für dich!"
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