Lost Memories, Found Memories

GeschichteDrama / P12 Slash
Edward Elric Roy Mustang Selim Bradley / Pride
02.04.2009
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Lost Memories, Found Memories

Sanft fuhr das Wind durch sein blondes Haar. Ausdruckslos blickten seine goldbraunen Augen über das Tal. Die grünen Wiesen umgaben ihn und der strahlende Sonnenschein tauchte alles in aufgeweckte Farben. Es ließ ihn kalt. Was suchte er auf dieser Welt? Weshalb existierte er und aus welchem Grund erinnerte er sich nicht an sein bisheriges Leben? Jedesmal, wenn er versuchte sich zu erinnern, erschien ein grauer Schleier in seinen Gedanken und Kopfschmerzen überkamen ihn. Langsam wanderte sein Blick zu seinem Schatten. Langsam ging er in die Knie und strich mit den Fingern über das saftig grüne Gras, das in sein dunkleres Abbild gehüllt war.
„Du bist schon wieder so abwesend, Pride!“, drang eine genervte Stimme zu ihm durch. Die Finger des Blonden schlossen sich ruckartig um die Grashalme, und rissen einige heraus. Der Schatten begann sich langsam zu bewegen und weiße, stechende Augen erschienen in den, nun rabenschwarzen, Flächen.
„Ich sagte, ich möchte nicht gestört werden. Ist denn das schon zu viel verlangt, Envy?“, knurrte der Goldäugige leise und richtete sich langsam wieder auf. Er streckte dem Dunkelhaarigen, ihm gegenüber, seine geschlossene Hand entgegen und öffnete sie langsam. Still fielen die Grashalme hinaus und wurden vom Wind davon getragen. Die violetten Augen Envys folgten den kleinen grünen Strichen kurz und wanderten dann zu dem Schatten des Blonden. Die weißen Augen blickten ihn angriffslustig an.
„Du braucht nicht direkt so einen Aufstand zu machen. Ist ja nicht so, als würde ich gerne Babysitter für dich spielen. Vater hat verlangt, dass ich vorerst auf dich acht gebe, da kann ich nichts gegen unternehmen. Also lerne damit zu leben.“
„Manchmal wünschte ich mir, er würde endlich einsehen, dass ich auch gut in der Lage bin, alleine klar zu kommen. Immerhin bin ich keine fünf mehr.“, murmelte der Goldäugige genervt auf die Aussage seines Gegenübers. Es lief ihm gestrichen gegen den Strich, dass Vater einfach nicht einsehen wollte, dass es ihm mittlerweile auf die Nerven ging, wenn immer einer der anderen Homunculus bei ihm war. Als würde er ihm kein Vertrauen mehr schenken würde. Ein Seufzen entfloh den Lippen Envys.
„Sieh das ganze nicht so eng, Kleiner!“, sprach der Dunkelhaarige und fing sich dabei einen finsteren Blick ein. Ein abfälliges Schnauben ging von Pride aus. Wie konnte es dieser Kerl nur wagen ihn als ‚klein‘ zu bezeichnen.
„Verkneif dir deine Ansprachen. Ich habe dafür keinen Bedarf!“ Der Goldäugige verschränkte die Arme vor der Brust und wand sich wieder zu dem Tal um.
„Teile Vater bitte mit, dass ich es satt bin, dass er mich wie ein kleines Kind in Ketten hält. Ich bin alt genug um auch auf eigene Faust zu agieren.“, fügte er schlicht hinzu und setzte sich langsam in Bewegung. Envy wollte ihn aufhalten, jedoch hielten ihn die schwarzen Schatten, von Augen übersät, davon ab.
„Pride, bleib hier!“, rief er dem anderen nach, doch blieb die Reaktion aus.

An diesem Ort hatte alles begonnen. Hier war er einst erwacht und konnte sich nicht mehr erinnern, wer er war, was er getan hatte und weshalb er überhaupt existierte. Der Ort, an dem er scheinbar geboren wurde. Der dunkle Raum war von bläulichen Rohren durchzogen und nichts deutete auf einen Funken Leben hin. Nein, hier lebte niemand mehr. Nicht, seit dem sie von hier weg waren. Nicht, seit sie einfach von diesem Ort abgehauen waren, nachdem er geboren wurde. Suchend ließ Pride seinen Blick umherschweifend. Er suchte nach einem Anhaltspunkt. Nach etwas, was ihm verraten könnte, was davor geschehen war. Etwas, was ihn an seine Vergangenheit erinnern könnte, doch fand er nichts. Nichts rief eine einzige, noch so kleine Erinnerung hervor. Ein Seufzen entfloh den Lippen des Blonden. Was sollte er bloß tun? Ewig leben, ohne zu wissen, wer er eigentlich war? Nein, das wollte und konnte er nicht. Er musste Antworten auf seine Frage bekommen. Doch dann erfassten seine Augen etwas, was seine Aufmerksamkeit erregte. Langsam näherte er sich der am Boden liegenden Gestalt und blieb schließlich daneben stehen. Es handelte sich um eine Person, einen Mann. Das rabenschwarze Haar des Fremden ruhte kraftlos und sein Gesicht war von Schrammen und Kratzern übersät. Eine blaue Uniform hüllte seinen Körper ein. Ein Militärbeamter…
Aber was suchte ein solcher hier unten? Noch dazu in einem solchen Zustand? Langsam ging der Goldäugige in die Hocke und strich seicht mit den Fingern über das Gesicht des Mannes. Die Haut des Schwarzhaarigen strahlte Kälte aus. Langsam wanderten die Finger Prides zur Halsschlagader des Fremden und stockte. Nichts. Kein regelmäßiges Aufschlagen des Pulses. Aus einem ihm unerfindlichen Grunde, füllte Trauer sein Herz und sein Blick trübte sich leicht. Warum ging ihm der Tod dieses Mannes nur so nahe? Hatte er etwa etwas mit seiner Vergangenheit zutun gehabt? Dieses Geheimnis würde nun wohl für immer eines bleiben. Langsam beugte der Blonde sich über den Fremden und stützte sich mit beiden Händen neben dessen Kopf ab. Sein blondes Haar fiel in das Gesicht des Mannes und vorsichtig strich er es beiseite. Je länger er dieses Gesicht betrachtete, desto vertrauter kam es ihm vor.
„Wer bist du nur?“, flüsterte er leise und wartete erfolglos auf eine Antwort. Was erwartete er auch? Das ihm ein Toter eine Antwort gab? War er etwa wirklich schon so verzweifelt? Ein ironisches Lächeln bildete sich auf seinen Lippen und langsam senkte er den Kopf, bis diese schließlich auf die weichen des Schwarzhaarigen trafen. Ein vertrautes Gefühl breitete sich in seinem Körper aus. ‚Welch dumme Frage…‘ dachte er und schloss langsam die Augen.
Plötzlich durchzogen Schmerzen seinen Kopf und er riss diesen ruckartig hinauf. Wo kamen diese Kopfschmerzen nur wieder her? Warum jetzt? Weshalb in einem solchen Moment? Unüberlegt drückte Pride sich eine Hand an die Schläfen und kniff die Augen zusammen. Warum verschwanden sie nicht wieder, wie sonst? Warum blieben sie so lange und wollten einfach nicht weichen?
Erschrocken riss er die Augen auf. Bilder spielten sich vor seinem inneren Auge ab. Erinnerungen, die er zuvor noch nie gesehen hatte. Der Fremde schien darin eine große Rolle zu spielen. Nun fiel ihm auch wieder der Name des Schwarzhaarigen ein. Roy… Roy Mustang, Colonel beim Militär.

Tränen sammelten sich in den Augen Prides. Wie hatte er diesen Mann nur vergessen können? Wie hatte er seinen Vorgesetzten nur einfach aus seinem Kopf verbannen können? Alle Erinnerungen an diesen auszublenden. Roy, der mehr war, als nur sein Vorgesetzter und auch mehr als ein Freund war. Verzweifelt griff der Goldäugige sich ins Haar, verkrallte sich darin. Langsam bahnten sich die Tränen ihren Weg über sein Gesicht. Seiner Erinnerungen waren nun wieder da. Alle. Er konnte sich an alles erinnern und auch an die letzten Minuten vor seinem eigenen Tod. Roy hatte sich geopfert um ihn zu retten, ebenso wie es sein kleiner Bruder getan hatte. Wie zur Hölle hatte er sie da einfach so vergessen können?
Bitter hallte das Schluchzen des Blonden an den Wänden des Raumes wieder. Er krallte seine Finger tief in die Uniform seines ehemaligen Vorgesetzten und vergrub das Gesicht ebenfalls darin. Warum war es nur soweit gekommen? Weshalb hatte er sich nur geopfert? Es war einfach nicht fair.
„Verzeiht mir. Ich bitte euch, verzeiht mir…“, schluchzte er leise und verstärkte den Druck seiner Finger. Was sollte er nun nur tun?

„Edward?!“, erklang entfernt eine Frauenstimme, doch der Blonde reagierte nicht darauf. Plötzlich wurde er an den Schultern gepackt und zurück gezogen. Erschrocken zuckte er zusammen, doch lockerte er seinen Griff nicht.
„Lass mich!“, schluchzte er verzweifelt und versuchte sich wieder in dem weichen Stoff zu vergraben, doch hielt ein fester Griff ihn davon ab. Sein Widerstand wurde schnell unterbunden und er ergab sich. Weiter perlten die Tränen über sein Gesicht, während er langsam die Augen öffnete und in zwei rötlichbraune Augen blickte, die ihn besorgt anfunkelten. Er bemerkte ein kurzes Nicken ihrerseits und er wurde frei gegeben. Mit den Händen stützte Pride sich vom Boden ab und blickte auf die Erde. Er bemerkte, wie die salzigen Tropfen hinab fielen und auf die kühlen Fliesen landeten, den Boden anfeuchteten.
„Das ist meine Schuld… Sie wollten… Ich weiß doch auch nicht, wie…“, murmelte er leise und bemerkte selbst nicht, dass seine Worte keinen Sinn ergaben. Für ihn sagten sie alles aus, was man wissen musste.
„Havoc, sie benachrichtigen das Hauptquartier. Sagen sie bescheid, dass wir ihn gefunden haben.“, vernahm er dumpf die Stimme der jungen Frau und er spürte, wie ihm eine Jacke um die Schultern gelegt wurde. Kurz blickte er die Blondine neben ihm an. Ein von Sorge geprägtes Lächeln umspielte ihre Lippen, doch der Goldäugige sah es gar nicht wirklich. Er sah wieder zu der Leiche seines Vorgesetzten, die von einem braunhaarigen Mann mit einem weißen Tuch bedeckt wurde. Langsam streckte er die Hand nach dem Älteren aus, doch wurde sie sanft zurück gezogen. Verwundert wand Pride den Blick wieder zu der Beamtin neben ihm. Sie schüttelte leicht den Kopf und übte kurz einen seichten Druck auf seine Hand aus. Dann erhob sie sich langsam und blickte zur Türe im Raum.
„Der Tod gehört Leider zum Leben, auch wenn du es nicht wahr haben möchtest. Egal wie sehr man sich wünscht, er würde einen verschonen…“ Sie hatte doch keine Ahnung. Sie wusste doch gar nicht, wie er sich fühlte. Er war daran schuld. Er war unvorsichtig gewesen und auch war er derjenige, der geschützt wurde, obwohl es keinen Grund dafür gab…
Sie verstand gar nichts. Seine Hand ballte sich langsam zu einer Faust und sein Schatten schwang leicht hin und her. Niemals würde er mehr zulassen, dass jemand wegen ihm verletzt werden würde. Die Umrisse seines schwarzen Abbildes weiteten sich, hüllten den gesamten Raum ein und verschluckten schließlich alles, was sich darin befand. Das wilde Rufen von Befehlen drang an sein Ohr, bis alles in die ewige Finsternis getaucht wurde. Pride zog die Beine an den Körper und umschlang sie mit den Armen. Nie wieder würde er die Dunkelheit verlassen. Nein, nie wieder würde jemand wegen ihm verletzt werden müssen. So war es besser. So sollte es sein…
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