Ardan Nexus - Der letzte Tag der alten Welt

GeschichteAbenteuer / P12
31.03.2009
31.03.2009
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Prolog:
Es war ein offenes Geheimnis. Genauer gesagt: Jeder, der sich dafür interessierte, wusste es.
Die Andrianer kamen. Mit einer riesigen, waffenstarrenden Flotte waren sie vor drei Tagen in das Sonnensystem gesprungen und hatten nun schon die Saturn-Bahn passiert.
Die Wissenschaftler gaben der Erde, dem offensichtlichen Ziel der Andrianer, bei der derzeitigen Planetenkonstellation, dem gierenden Sonnenwind und der Beschleunigung der Andrianer-Schlachtkreuzer inklusive Bremsmanöver noch eine Woche. Dann standen sie über dem blauen Planeten, nur um aus ihm einen schwarzen zu machen. Schwarz wie zu Asche verbrannt. Nun, vielleicht ergab die globale Einäscherung auch einige Brauntöne, aber es würde danach keine Menschen mehr geben, die das bestätigen konnten, geschweige denn sich dafür interessierten.
Damit waren die Absichten der Außerirdischen klar definiert. Ihnen ging es nicht um Eroberung, nicht um die Ressourcen der Welt. Ihnen ging es nur darum, die Erde und den Genpool, den sie beherbergte, auszuradieren.
Ihr Motiv lag wohl im Dunkeln, oder die Mächtigen der Welt waren geschickt genug gewesen, es zu verbergen… Wenn sie denn überhaupt davon wussten.
Sicher war in diesen Tagen, in dieser letzten Woche der Erde nur eines.
Retten konnte die Menschheit nur ein einziger Mann: Professor Ardan Nexus.

1.
James Ritter war sichtlich nervös, während er im Vorzimmer des Professors wartete. Er war der einzige Diplomat, dem der Zugang zum Freistaat Aheli gewährt worden war. Das war an sich schon ein Akt, der an das Unfassbare grenzte, denn der Professor, defacto Vorsitzender des regierenden Rates des Freistaates und Oberste Exekutive, öffnete sein Land, eine abgeschiedene Inselkette in der Korallensee, zwar jedem interessierten Menschen - zehntausende Gaststudenten schrieben sich jedes Jahr neu in die Unabhängige Universität des Staates ein, um vorbehaltlos und frei von religiösen Zwängen mit Menschen aus aller Welt Wissen und Erfahrung auszutauschen – aber merkwürdigerweise war es dem Professor und seinem Kreis Vertrauter in den letzten zwanzig Jahren, die Aheli schon bestand, immer gelungen, zwei Dinge abzuwehren. Interventionen anderer Staaten, sowohl politisch als auch militärisch. Aheli galt als unangreifbar, selbst für die hochgerüsteten Militärmächte der Amerikaner, der Russen und der Chinesen.
Auch Agenteneinsätze waren unmöglich. Über dreihundert Agenten waren den Geheimdiensten der Welt zurückgegeben worden, nachdem sie enttarnt worden waren.
Zudem hielt der Professor weltweit über achthundert fortschrittliche Patente auf neunzehn verschiedenen Fachgebieten, der Staat und seine Bürger noch einmal das Fünfzigfache, was das Inselarchipel zu einem der reichsten Staaten der Welt machte.

Es war sehr heiß, aber das war nicht der Hauptgrund, warum James Ritter schwitzte. Er würde es sein. Er alleine. Von ihm und den Worten, die er die nächsten Minuten wählen würde, vom Eindruck, den er auf Professor Nexus machen würde, hing das Schicksal der Welt ab. Es hieß, der Professor alleine konnte noch die Welt retten. James war hier, um genau das zu erreichen. Sieben Tage bevor die Andrianer mit ihrem Vernichtungswerk begannen.
„Sie können jetzt reingehen, Mr. Ritter“, sagte die Sekretärin freundlich.
James nickte automatisch und wischte sich den Schweiß von der Glatze. Es ging um das Schicksal der Welt und der Professor mit dem Phantasienamen ließ ihn warten. Hatte der Mann so gute Nerven oder war er sich seines Wertes für die Welt so sehr bewusst? Oder noch schlimmer, kannte er einen Weg, wie sein kleines Reich verschont bleiben würde?
Hastig und ohne anzuklopfen betrat er das Büro des Professors, und lief dabei beinahe eine Gruppe junger Studenten um, die ihrerseits das Büro verlassen wollte.
Irritiert entschuldigte sich der Diplomat, verbeugte sich leicht vor den jungen Leuten und ließ sie an sich vorbei. Danach schloss er die Tür und sah zum Schreibtisch herüber. Gewiss, er kannte Bilder von Nexus. Auch von seinen wichtigsten Mitarbeiten, Radkin Stahl und Doktor Sol Amber. Aber die Wirklichkeit hatte von ihnen nicht eingefangen werden können.
Ardan Nexus erhob sich, kam um seinen Schreibtisch herum und reichte dem Mann die Hand. „Willkommen auf Tuala, der Hauptinsel, Mr. Ritter. Ich hoffe, Sie hatten eine angenehme Reise. Selbst mit der Schwebebahn dauert die Fahrt vom Flughafen zur Hauptstadt noch über zwei Stunden. Das kann sehr ermüdend sein.“
„Ich bin nicht müde, Herr Professor“, erwiderte Ritter. „Um genau zu sein denke ich nicht, dass ich die nächsten Tage freiwillig schlafen werde.“
Ein kurzer Schatten huschte über das Gesicht des Mannes. Er war groß, breitschultrig und hatte das kantige Gesicht eines Preisboxers. Aber eben auch die intelligenten Augen eines zweifachen Nobelpreisträgers und Physikprofessors. Und er überragte James Ritter problemlos, nicht nur mit seinen zwei Metern Körpergröße, auch mit seiner Präsenz, seiner beinahe sichtbaren Aura aus Tatkraft und Entschlossenheit.
Wortlos ging der Professor wieder auf seinen Platz zurück und bedeutete Ritter, sich zu setzen. „Ich mag es, wenn Diplomaten geradeheraus sind. Die meisten sind es nicht, deshalb versuche ich sie von Ahela fern zu halten. Sie sind direkt auf das Ziel los geprescht. Mr. Ritter, Sie sind hier, weil Sie den Gerüchten nachgehen wollten, ob ich die Andrianer aufhalten kann.“
Ritter merkte, wie ihm kalter Schweiß den Rücken hinab lief. Er zitterte am ganzen Körper und ihm wurde kalt. Gleich würde es sich entscheiden, ob er noch sechs Tage und neunzehn Stunden oder ein ganzes Leben vor sich hatte.
„Nun, ich kann es.“
Der Diplomat riss die Augen auf. Sein Magen bäumte sich auf, wollte das Mittagessen aus der Bordküche des Magnetzugs wieder von sich geben. Zugleich erfasste ihn große Erleichterung. Es gab Hoffnung! Nein, mit Professor Nexus gab es die Gewissheit, dass die Andrianer aufgehalten wurden, vielleicht sogar vernichtet.
Doch übergangslos begann er wieder zu schwitzen, als er die zweite, nun sehr viel wichtigere Frage stellte: „Herr Professor. Werden Sie die Andrianer aufhalten und die Menschheit retten?“
Die intelligent funkelnden braunen Augen bekamen einen amüsierten Schimmer. Der Mann begann zu schmunzeln. „Nein.“
„Nein? Aber es geht um das gesamte Überleben der Menschheit!“
Beschwichtigend hob Nexus eine Hand. „Nein, wenn Sie nicht zuvor eine… Bedingung erfüllen. Etwas, was mir mit all meiner Technik, mit all meinen Kenntnissen und all meiner Moral nicht möglich ist. Erfüllen Sie diese Bedingung, und ich rette die Welt.“
In Ritters Ohren rauschte das Blut. Sein Blick verschwamm unter einem roten Schleier. Seine Hände krampften sich um die Lehne des Sessels, in dem er saß. Dann hörte er sich fragen: „Was ist das für eine Bedingung, die Sie stellen, Herr Professor.“
Der große Mann zuckte die Achseln. „Es ist simpel und sollte leicht herzustellen sein. Weltfrieden und umfassende Grundversorgung aller Menschen.“

2.
Die Sitzung im Hauptsitz der United Nations war an sich schon ein Ding der Unmöglichkeit. Zweihundertelf Abgeordnete aus ebenso vielen Ländern sprachen jeweils in ihrer Landessprache, während Simultandolmetscher für jeden Abgeordneten direkt in dessen Landessprache übersetzten.
Unter diesen Umständen eine ordentliche Sitzung abzuhalten war… Nun, auch nicht schwieriger als die Andrianer davon abzuhalten, die Erde einzuäschern.
Dennoch verstand jeder den russischen Abgeordneten, als er mit einer Faust auf den Tisch schlug und wütend in seiner Muttersprache brüllte.
Die Übersetzer brauchten nicht tätig zu werden, um jedem Abgeordneten klarzumachen, was Herr Konstantin gerade gesagt hatte: Und das sollen wir ihm glauben?
James Ritter lupfte seinen Kragen. „Genau diese Reaktion hat Professor Nexus erwartet. Er hat deshalb eine Demonstration vorgeschlagen, die mein Land gerade durchführt. Vor einer Stunde haben wir von einem unserer Atom-Unterseeboote eine Interkontinentalrakete abgefeuert. Ihre Zerstörungskraft liegt bei einhundert Hiroshima-Bomben. Das Ziel liegt mitten auf Tuala, der Hauptinsel des autonomen Staates Aheli.“
„Aber das ist Wahnsinn!“, hörte der Diplomat einen der Dolmetscher die hastigen Worte des italienischen Abgeordneten übersetzen.
„Nein, ist es nicht. Denn wenn Professor Nexus nicht mit einer unserer Bomben zurecht kommt, wie soll er uns dann gegen die Andrianer verteidigen?“

Stille antwortete dem Diplomaten. Sie dauerte genau zehn Sekunden, dann schrien alle durcheinander, sodass selbst der beste Simultandolmetscher das Handtuch warf.
Hinter James Ritter erwachte ein großer Bildschirm zum Leben. Er zeigte drei Bilder. Jene der auf der Rakete montierten Kamera, eine Aufnahme, die nur von Tuala selbst stammen konnte und ein Satellitenbild, welches die Waffe sicher erfasst hatte.
„Wie Sie sehen können, erreicht unsere Rakete die Hauptinsel in einer Minute. Danach sind es nur wenige Sekunden bis zur Hauptstadt.“
„Wenn Ihr Professor was zu bieten hat“, sagte ein Dolmetscher stellvertretend für den Ägypter, „dann sollte es bald erfolgen, bevor er die Atombombe nicht mehr abfangen kann.“
Zustimmendes Gemurmel erklang.
Die Rakete schoss auf die Insel zu, die Menschen hielten den Atem an – und sahen dabei zu, wie sie das Land erreichte. Nur wenige Meter über dem Boden raste die Waffe dahin, direkt auf die Hauptstadt zu.
„Das wird nichts!“, rief jemand. Ein anderer Abgeordneter antwortete und kurz darauf war die Luft mit panischen Zwischenrufen erfüllt.
Die Rakete wurde davon nicht beeinträchtigt. Kurz vor der Hauptstadt teilte sie sich in vier separate Sprengköpfe mit geringer eigener Steuermöglichkeit auf, die vier Fragmente drifteten auseinander, um eigene Ziele anzugreifen und… Erstarrten direkt vor der Tuala-Kamera.
Ein großer Mann trat ins Bild der Kameras, genau vor die Raketen und musterte sie. Nachdenklich ging er von Waffe zu Waffe und tätschelte den kalten Stahl.
Währenddessen füllte sich der Platz, auf dem er stand, mit Menschen jedes Alters und der meisten auf der Erde vertretenen Rassen.
Professor Nexus – um niemand anderen konnte es sich handeln – blickte nun direkt in die Kamera. „Mir ist klar“, begann er auf englisch, aber keiner der Abgeordneten schien ihn nicht zu verstehen, „dass dies nur eine unzureichende Demonstration ist. Lassen Sie mich das Ganze, nun, vertiefen. Doktor Amber?“
Eine Frau mittleren Alters, bekleidet mit einem langen weißen Kittel trat nun zu den Raketen und stellte zwischen ihnen eine Apparatur auf. Dann nickte sie und zog sich wieder zurück.
Der Professor sah wieder in die Kamera. „Wir werden die Atombomben nun explodieren lassen. Sehen Sie ruhig in die Kamera, die Linse hat einen speziellen Filter.“
„Wahnsinn“, hauchte jemand, und es war kein Dolmetscher.
Hinter dem Professor explodierten alle vier Raketen. Aber es kam zu keinem großartigen Lichtblitz, auch Druckwelle und Hitzewelle blieben aus. Stattdessen  ballten sich hinter ihm vier ölig wirkende Flammenbälle in der Luft schwebend zusammen. Nach und nach zehrten sich ihre Energien auf, sie wurden kleiner und verschwanden dann ganz.
„Weltfrieden und eine umfassende Grundversorgung aller Menschen“, sagte der Professor und sah streng in die Kamera. „Sie haben sechs Tage und eine Stunde.“
„NORAD bestätigt die Explosionen und die Positionen der Explosionen“, erreichte sie eine Meldung über Lautsprecher.
Nun brach das Chaos richtig los.

3.
Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit musste eine Schlacht geschlagen werden, indem keine Schlachten mehr geschlagen wurden. Zum ersten Mal musste sich die ganze Welt einig sein. Es durfte keine Kriege mehr geben. Es durfte keine Konflikte mehr geben. Es war unmöglich, jeden einzelnen Menschen zu erreichen, angefangen von religiösen Fanatikern, die im Tode sowieso hofften, in das Reich ihres Gottes als Held einzuziehen bis hin zum letzten örtlichen, durch und durch korrumpierten Gewaltherrscher.
Die Aufnahmen waren öffentlich gemacht worden, jedermann kannte sie. Ebenso wie die Nachrichten über die Andrianer, und das sie nun nur noch fünf Tage und neun Stunden entfernt waren.
Die Erde konnte gerettet werden, gerettet von Professor Nexus, wenn sie der Gewalt abschwörten, wenn sie jedem Menschen auf dieser Welt ein würdiges Leben verschafften.
Die Bedrohung war da, sie war real und sie würde nicht wieder gehen, bevor sie alles Leben auf der Welt beendet hatte.
Und dennoch taten sich die Menschen schwer mit ihren Entscheidungen.
„Um die akzeptable Grundversorgung aller Menschen zu gewährleisten, und das in nicht einmal fünf Tagen“, sagte der deutsche Bundeskanzler Werner Scholz, „was wir aber zweifellos tun müssen, sind auf den Schlag zwanzig Milliarden Euro notwendig, weitere sechshundert Milliarden im ersten Jahr sowie ein weltweites Verteilernetz. Aber Professor Nexus hat eindeutige Anweisungen gegeben. Hilfe zur Selbsthilfe, keine Abhängigkeit von ausländischen Nahrungslieferungen.
Um das zu erreichen müssen wir die Armee einsetzen, damit sie eng mit den Hilfsdiensten, die bereits in den verschiedenen Krisenregionen präsent sind, zusammen arbeiten. Außerdem brauchen wir Geld, das wir nicht haben, und wir brauchen es schnell. Deshalb streichen wir sofort sämtliche Aufträge an die Rüstungsindustrie.“
Die Worte des Bundeskanzlers sorgten für Aufregung, vor allem bei den Lobbyisten der Rüstungsindustrie. „Aber die Verteidigungsfähigkeit…“ „Die Konventionalstrafen…“ „Denken Sie doch an die Arbeitsplätze…“
Der Bundeskanzler tat die Einwände mit einer erhobenen Hand ab. „Bedenken Sie alle drei Dinge: Erstens, wenn die Andrianer eintreffen, nützen uns weder die Bundeswehr noch die Waffen, die gerade produziert werden, irgendetwas.
Zweitens: Wenn wir alle Verträge sofort aufheben und die geforderten zwanzig Milliarden investieren, bleibt immer noch genug Geld aus dem Budget übrig, um nicht nur die Konventionalstrafen zu bezahlen, ein paar hundert Prozesse zu finanzieren und die Fabriken stillzulegen. Es reicht auch locker aus, um die arbeitslos gewordenen Arbeiter umzuschulen oder sehr großzügig abzufinden.
Drittens: Dies ist eine Auflage, die uns Professor Nexus gestellt hat. Wir können ihr nur ausweichen, wenn wir komplett vernichtet werden wollen.“
Als der Bundeskanzler geendet hatte, entspann sich eine so genannte wilde Debatte. Befürworter und Gegner des Kanzlers lieferten sich wilde, hitzige Wortgefechte. Und beinahe wäre es zu Handgreiflichkeiten gekommen, wenn nicht jemand die Lautsprecher auf volle Kraft gedreht hätte, was den nächsten Worten des vierthöchsten Mann des Staates entsprechend schnell Gehör verschaffte.
„Habe ich vergessen zu erwähnen, dass diese Maßnahmen bereits beschlossen sind und gerade umgesetzt werden? Ich bin lediglich hier, um Sie zu informieren. Wenn das Ende der Welt in fünf Tagen dräut, ist nämlich keine Gelegenheit mehr, um lange Debatten zu führen.“
Damit ließ er die Bundestagsabgeordneten allein. Sein Land würde seinen Teil dazu beitragen, damit es die Erde auch noch in fünf, sechs und sieben Tagen gab. Leider gab es knapp zweihundert Länder, bei denen es nicht so sicher war…

4.
Der alte Mann schleppte sich an der Schlange der Wartenden vorbei, die am Empfang registriert wurden. Vereinzelt wurden Flüche laut, manche forderten den Alten auf, sich wie alle hinten anzustellen. Dann brach der Alte zusammen und stand nicht wieder auf.
Ein Sanitäter eilte sofort herbei, fühlte den Puls des Mannes und schüttelte traurig den Kopf. „Er ist tot.“
Nun, das sollte in einer Großstadt wie Los Angeles an der Tagesordnung sein und nicht wirklich jemanden treffen. Der Tod kam nun einmal zu den Alten, Schwachen und Kranken. In einer Ellenbogengesellschaft kamen nur die Hungrigen, Rücksichtslosen voran.
Aber es gab die Ellenbogengesellschaft nicht mehr. Es durfte sie nicht mehr geben, weil es keine Gewalt mehr geben durfte. Plötzlich gab es keine wichtigen und unwichtigen Menschen mehr, keine Trennung zwischen arm und reich, Gebildeten und Analphabeten. Plötzlich gab es nur noch eines: Menschen, von denen jeder einzelne dafür verantwortlich war, dass die Forderungen von Professor Nexus nach Weltfrieden erfüllt wurden – und der Grundversorgung aller Menschen. Auch vor Los Angeles und den anderen großen Städten des Landes machte dies nicht Halt.
Tatsächlich hatten viele fähige Männer und Frauen begriffen, worauf es ankam, und beherzt begonnen, nach bestem Wissen und Gewissen Lösungen zu finden. Anfangs halbherzig von der Regierung unterstützt, später durch eine breite Basis eines Volkes, das es gar nicht lustig fand, aufgrund eines Machtpokers in vier Tagen nicht mehr zu existieren.
Am Tod des alten Mannes wurde tatsächlich Anteil genommen. Niemand kannte ihn, keiner hatte ihn zuvor gesehen. Der Sanitäter konnte nicht einmal sein Alter bestimmen. Dennoch weinte er. Wenn der alte Mann nur ein wenig schneller gewesen wäre. Oder er selbst ihn früher bemerkt hätte, vielleicht hätten sie ihn retten können.

„Was ist denn hier los? Das ist immer noch unser Viertel!“, erklang es vom Eingang der Registrierungshalle. Ein Raunen ging durch die Menge, als über zwanzig junge Männer in den Farben der örtlichen Gang herein kamen, automatische Waffen im Anschlag und Wut in den Augen.
Der Sanitäter erhob sich. „Sie registrieren sich. Wir teilen ihnen Wohnungen zu und holen sie damit von der Straße. Wir geben ihnen Essensmarken und schaffen Arbeitsplätze für sie.“
„So eine Kacke habe ich doch schon oft gehört!“, rief der Anführer. „Sozialplan nennt Ihr das. Sonst zieht Ihr das immer kurz vor den Wahlen ab! Viel Trara und Presse, und sobald Ihr habt was Ihr wolltet, sitzen die Menschen wieder im eigenen Dreck. Ich sollte dich abknallen, Kerl.“
Der Sanitäter wunderte sich selbst über das Eiswasser, das nun durch seine Adern zu fließen schien, die Zivilcourage, die ihm selbst nach acht Jahren seinen Job nicht leidig gemacht hatte und ihn noch immer lächeln ließ, wenn er wieder einmal ein Leben gerettet hatte.
Er sah den Ganganführer in die Augen und sagte: „Gut. Tu es, wenn du musst. Aber danach geben du und deine Leute die Waffen ab.“
Erstaunt blinzelte der kleinere Mann, hob seine Sonnenbrille an. „Wir sollen… Wir sollen was?“
„Professor Nexus hat…“
„Dieser Professor Nexus interessiert uns nicht die Bohne! Was tut er für uns? Und die Außerirdischen, was gehen sie uns an?“
„Die Außerirdischen werden die ganze Erde verbrennen! Das schließt auch Los Angeles und damit euer Viertel ein!“, blaffte der Sanitäter außer sich. „Und das bedeutet, dass alle Menschen in dieser Halle in vier Tagen tot sein werden! Sie, Ihr, eure Familien, einfach alle! Es wird keine Menschen mehr geben, keine Städte, keine Sozialpläne, keine Gangs, diese Welt wird ein öder Ort! Wir können das nur verhindern, indem wir Professor Nexus seine Wünsche erfüllen! Wir sind jetzt hier, wir wollen, ja, müssen helfen! Jedem, der an uns herantritt. Wir werden jedem ein menschenwürdiges Leben ermöglichen. Dann, nur dann, wird der Professor die Welt retten.
Gelingt uns das nicht, dann können du und deine Gangmitglieder ihre Waffen ruhig behalten. Sie werden sowieso nur noch vier Tage existieren. Und wenn du das nicht verstehst, wenn das deine Leute nicht verstehen, dann sind wir alle verloren! Es kommt nun auf jeden an, auf jeden einzelnen! Das was einer tut, kann das Schicksal der ganzen Welt entscheiden!“
Die letzten Worte hatte der Sanitäter geschrieen. Lauter Applaus aus der wartenden Schlange belohnte ihn.
Der Anführer sah zu dem jungen Mann auf. „Wir wollen ernst genommen werden. Wir wollen gehört werden. Wir wollen Bildung. Wir wollen richtige Wohnungen, keine Villen, aber es sollte zumindest Toiletten und fließendes Wasser geben. Wir wollen, dass unsere Kinder auf der Straße spielen können, ohne Angst zu haben.“
„Und wir wollen euch all das geben.“
„Damit das geschieht, muss erst eine außerirdische Rasse mit unser aller Vernichtung drohen?“
Der Sanitäter lachte laut. „Ja, so sieht es aus. Also nutzen wir die Gelegenheit und machen das Beste draus.“
Der Anführer sah den Sanitäter ernst an. „Ich traue dir und deinen Leuten nicht eine Sekunde lang über den Weg. Aber es gefällt mir, dass die Vernichtung der Welt von mir und meiner Gang verhindert werden kann.“
„Das ist mehr als die Welt verlangt“, erwiderte der Sanitäter ernst.

5.
Nord-Quin war ein unabhängiges Land. Nun, es war Jahrelang von Moskau, in guten alten kommunistischen Zeiten ferngesteuert worden. Später hatten es die Chinesen getan. Und zur Zeit, ohne Geldgeber und Ideologie-Geber von außen, lag die Macht im Land beim Staatschef.
Es waren noch zwei Tage bis zum Angriff der Andrianer, weltweit zeigten sich die Hilfsdienste und an manchen Orten diverse militärische Einheiten in Höchstform, wenn es darum ging, Menschen zu helfen und Armeen zu stoppen, sogar zu entwaffnen.
Ein Wunder geschah, und das in nicht einmal vier Tagen.
In Afrika wurden Bürgerkriege abgebrochen, in Asien gaben Guerillas die Waffen ab. Korrupte Regierungen übergaben ihre Amtsgeschäfte an die Oppositionen, die wiederum an ihren Taten gemessen werden mussten. Kleine dezente Hinweise auf die Vernichtung der Welt waren dabei ebenso hilfreich wie das Versprechen der bestausgerüsteten Armeen der Welt, ab dem Stichtag keine Waffen mehr einzusetzen – aber bis dahin damit keine Probleme zu haben, um den Frieden auf die harte Tour durchzusetzen.
Dem schlossen sich auch weniger berühmte und weniger gut ausgerüstete Armeen an.
Man hätte beinahe sagen können, die Welt wurde plötzlich von Realisten regiert.
Dabei waren es nur Menschen, die einfach nicht sterben wollten und nun alles dafür taten, damit dieser Fall nicht eintrat.
Nord-Quin und sein Herrscher, Taekwe Quin, waren in diesem Punkt nicht gerade gesegnet. Quin hatte das Amt von seinem Vater übernommen und war all die Jahre mit dem Glauben gefüttert worden, dass niemand sein Land angreifen würde, solange es über die Atombombe verfügte und die Armee die Feinde außerhalb und innerhalb des Landes wirksam unterdrückte.
Schlimmer noch, Taekwe Quin sah mit Interesse, dass der verhasste südliche Nachbar, Süd-Quin unter seinem demokratischen Präsidenten die Armee aufrief, in die Kasernen zurückzukehren. Dazu gehörten auch die Grenzläufer, und das eröffnete dem Herrscher des Nordens eine sehr interessante Möglichkeit. Alle Welt hielt sich an den Frieden, und sein ärgster Feind bot ihm die blanke Kehle an.

„Wir greifen an“, sagte Taekwe Quin auf der strategischen Sitzung des Landesverteidigungsrats. „Diese Gelegenheit kriegen wir nie wieder.“
„Aber Herr Präsident, die Andrianer! Sie sind in zwei Tagen hier, und äschern die Erde ein. Professor Nexus wird uns nur verteidigen, wenn wir die Ruhe bewahren!“
„Propaganda!“
„Die anderen Staaten! Sie werden es nicht dulden, dass wir zu den Waffen greifen!“
„Sie werden nicht in zwei Tagen eingreifen können! Dies ist unsere Gelegenheit! Wir holen uns, was uns zusteht! Mobilisiert die Armee! Die Luftwaffe soll Überraschungsschläge führen. Und bereitet unser Atomwaffenarsenal vor, als Warnung an die Welt!“
Die Generäle senkten die Köpfe. Viele der alten Schule waren unter ihnen, aber auch einige, die im mittlerweile liberalen Ausland ehemals eng befreundeter Staaten studiert hatten. Menschen, denen man jenseits der Propaganda das denken beigebracht hatte. Diese Männer wollten aufbegehren, auch gegen die alten Männer, die den Stab dominierten. Auch wenn es ihren Tod bedeutete.
So erhoben sich einige von ihnen und widersprachen.
„Ihr wagt es? Ich lasse euch erschießen!“
„Werden Sie nicht, Herr Präsident“, sagte der Chef des Generalstabs und schoss aus nächster Nähe auf den Mann. Blutend und sterbend brach er ein, fiel hart auf den Boden.
„Gibt es noch jemanden, der die Gelegenheit für einen Angriff nutzen will?“
Niemand antwortete.
Der Chef des Generalstabs sah zu einem der Jüngeren herüber. „Yan, kommen Sie her. Ich habe gerade den Präsidenten erschossen. Rufen Sie die Wachen und lassen Sie mich auf den Hof schaffen. Dort soll ich erschossen werden. Danach übernehmen Sie kommissarisch die Regierungsgeschäfte.“
„Aber General, ich…“
„Hören Sie, junger Dummkopf! Wenn ich die Macht an mich reiße, dann werden die alten Generäle rebellieren, wir riskieren eine Revolte von Teilen der Armee. Wenn Sie sich aber als Mann der Stunde erweisen, den Attentäter hinrichten lassen, dann haben Sie die Chance, dass dies alles mit einem Staatsbegräbnis endet, und nicht mit einer Welt, welche die Andrianer verbrennen!“
Die beiden Männer sahen sich lange in die Augen.
Dann nahm Generalmajor Yan die Waffe des Chef des Generalstabs an sich und winkte die Wachen herbei. Der Mann begleitete sie widerspruchslos.
Yan sah in die Runde. „Möchte noch jemand die Vernichtung der ganzen Welt, einschließlich unseres geliebten Heimatlandes, provozieren?“

6.
„Es ist kaum zu glauben, Professor Nexus, aber wir haben es geschafft. Auf der Welt gibt es nicht einen einzigen ernstzunehmenden Konflikt mehr. Und an den nicht so ernsten Konflikten arbeiten wir gerade. Die Versorgung der Menschheit hat fast hundert Prozent erreicht und die meisten Armeen der Welt haben für unbegrenzte Zeit die Waffen abgelegt.“ James Ritter sah den Mann hoffnungsvoll an. „Wir haben unseren Teil erfüllt. Erfüllen Sie nun Ihren Teil!“
Der Professor lächelte dünn. „Es tut mir leid, aber ich kann ihn nicht erfüllen.“
„Was? Aber ich dachte, Sie… Die Vorführung mit den Atombomben! Die Macht in Ihrem Inselstaat! Die ganzen Agenten, die Sie immer so schnell aufdeckten! Ich dachte, Sie können uns alle retten!“
Traurig sah der Professor den Diplomaten an. „Sicher. Aheli besteht aus den hellsten Köpfen der Menschheit. Hier können sie, befreit von konventionellem Denken und interdisziplinär arbeiten, sich gegenseitig ohne Druck austauschen und gemeinsam erreichen, was sie alleine nie geschafft hätten. Nur hier kommt man auf den Gedanken, für ein Problem im Metallbau einen Biologen zu Rate zu ziehen. Das Ergebnis einer dieser ungewöhnlichen Arbeiten sind die Fesselfelder und die Absorber, mit denen wir die Atombomben gestoppt und vernichtet haben.“
„Aber reicht das denn nicht? Ich meine, können Sie nicht die Waffen der Andrianer aufhalten?“
„Sie verstehen immer noch nicht, was die Stunde geschlagen hat, was, mein lieber Ritter?“ Der Professor seufzte schwer. „Ich nehme an, dass Sie darüber informiert sind, warum die Andrianer kommen. Man verrät es der Bevölkerung nicht, aber Sie sind sicherlich darüber informiert.“
James Ritter sah zu Boden. „Sie haben uns vor zwei Jahren mit der absoluten Vernichtung gedroht, wenn wir es nicht schaffen, entweder unser Weltraumprogramm oder unsere internen Konflikte zu beenden. Sie sagen, da draußen gibt es eine starke, aber friedliche Gemeinschaft freier Völker, die schon zu oft von jungen Völkern wie unserem mit Krieg überzogen wurden.“ Der Diplomat sah auf. „Niemand hat das ernst genommen! Niemand!“
„Ich schon“, gestand Professor Nexus. „Aber niemand hat auf mich gehört.“
Betreten nickte der Diplomat.
„Sehen Sie, mein lieber Ritter. Unser Problem sind nicht die Bomben und Raketen, mit denen die Andrianer uns vernichten wollen. Ich meine, wir könnten unsere Absorber weltweit installieren. Wir könnten sie in die Massenproduktion geben. Und wir könnten sie so stark machen, dass selbst die gigantischen andrianischen Planetenzerstörerbomben aufgehalten werden. Aber was dann? Wollen Sie sich mit einer ganzen Galaxis anlegen? Wie oft sollen sie kommen? Zweimal? Dreimal? So lange, bis die Erde doch vernichtet ist? Sehen Sie es doch ein, dieser Weg ist nicht die Lösung.“
Langsam sah James Ritter wieder auf. „Haben Sie denn eine Lösung?“
Nexus lächelte. „Die Lösung haben Sie selbst geschaffen. Sie haben die internen Konflikte beendet. Genau wie die Andrianer es gefordert haben. Nun erfüllen Sie eine letzte Forderung von mir und vertrauen Sie darauf, dass die Erde nicht vernichtet wird.“
„Eine letzte Forderung? Aber…“
„Es ist nichts Schlimmes und auch nicht weiter schwierig. Sie haben achtzehn Stunden für die Vorbereitungen. Feiern Sie in allen großen Städten der Welt große Partys!“
„Was, bitte?“ Ungläubig starrte der Diplomat den Bildschirm an, auf dem der Professor abgebildet war.
„Sie haben mich schon verstanden. Und wenn die Andrianer kommen, dann lassen Sie die Menschen die Fremden freundlich begrüßen.“
„Aber… Aber das ist Wahnsinn!“
„Unsinn. Ich garantiere dafür, dass die Erde dann auch in zwanzig Stunden noch existieren wird.“
„Ich hoffe, das ist es wert.“ Zweifel stand in den Augen des Diplomaten.
„War nicht alles, was Sie in dieser Woche erreicht haben… es wert?“, konterte der Professor, bevor er die Verbindung deaktivierte.
James sah den geheimnisvollen Mann zwinkern.
Konnte es wirklich funktionieren? Würden die Andrianer ihnen glauben oder sie doch vernichten? Die Antwort würden sie in achtzehn Stunden erhalten. Nein, in siebzehn Stunden und fünfundfünfzig Minuten.

7.
Partys haben eine gewisse Eigendynamik. Waren sie erst einmal im Gange, konnte man sie nur schwer wieder aufhalten. Vor allem Partys mit einem gewissen Gemeinsinn wiesen diese Dynamik auf. Der Gemeinsinn der weltweiten Partys lautete: Bitte, bitte, vernichtet uns nicht – oder wartet zumindest, bis die Getränke alle sind.
So bekamen die Feiernden – endlich mal eine politische Anordnung, die Sinn und Spaß machte – nicht mit, wie die riesigen Schlachtschiffe der Andrianer im Orbit um die Erde einschwenkten.
Von den gigantischen Schiffen lösten sich winzige Beiboote. Diese Boote, hundert an der Zahl, flogen die hundert größten Städte der Welt an. Sie landeten bei den Feiernden und die Außerirdischen verließen ihre Raumboote.
Anfangs waren die Menschen erschrocken über die in ihren Augen unförmigen Körper der Andrianer, aber da die Fremden erstens mächtig und zweitens friedlich waren, hatte man die Wahl zwischen ignorieren und einladen.

Im Hauptsitz der UN aber trat ein Andrianer vor die Mikrofone und sprach zu den Abgeordneten jedes einzelnen Landes der Erde.
„Wir Andrianer kamen mit einem klaren Befehl auf diese Welt“, sagte er ernst in fast fehlerloser menschlicher Sprache. Die Simultanübersetzer überschlugen sich fast, um ihren Aufgaben nachzukommen.
„Die Menschen sollten laut unserer Informationen verroht, unzivilisiert und machthungrig sein. Dazu auf dem Sprung zu interstellaren Reisen.
Ein Volk, unreif, Machtbesessen und jenseits jeder Moral bringt aber nur Leid und Verwüstung über die reifen Völker der Milchstraße.
Ihr alle solltet vernichtet werden, um solch eine Tragödie, wie sie bereits viel zu oft geschah, zu verhindern. Wir wollten Milliarden opfern um Billiarden zu retten.
Nun aber sehen wir, dass die Menschen lernen können. Wir sehen ihren Willen, sich zu verändern, zu verbessern. Und wir setzen die Befehle, die wir erhalten haben, aus. Dennoch beobachten wir die Erde weiterhin. Menschheit, bleibe auf deinem jetzigen Kurs, und die Galaxis wird dich mit offenen Armen empfangen.“
Damit war die Vernichtung der Menschheit aufgeschoben.
Für wie lange würden die Menschen selbst entscheiden.
Aber dennoch war es ein beachtlicher Schub für die weltweiten Parties.

Epilog:
Ardan Nexus lehnte sich gegen den blanken, hoch verdichteten Stahl der PARACELSUS. In der Hand hielt er ein Sektglas, an dem er immer wieder nippte. Captain Strater, der Kommandant des Schlachtkreuzers, winkte ihm zu, um zu zeigen, dass er und seine hundertzwanzig Mann Besatzung noch immer wachsam und bereit waren, um jederzeit mit den anderen elf Schiffen des Geschwaders aufzubrechen, um die Andrianer vernichtend zu schlagen – falls sie sich doch noch als feindlich erwiesen.
„Woher hast du das gewusst, Ardan?“, fragte Doktor Sol Amber und stieß mit ihrem Sektglas beim Professor an. „Woher hast du gewusst, dass die Andrianer die Vernichtung der Erde abblasen, wenn die Menschen sich nicht mehr bekriegen?“
Nexus lachte rau auf. „Ich habe es nicht gewusst. Ich habe es nicht einmal gehofft. Die Feiern überall auf der Erde sollten die Andrianer ablenken, den Leuten die Angst nehmen und vielleicht unsere Siegesfeiern werden. Dass die Andrianer doch so reagieren würden hätte ich nie gedacht.“
Radkin Stahl, persönlicher Vertrauter des Professors und sein schärfster Kritiker, trat hinzu und legte den beiden die Hände auf die Schultern. „Wie dem auch sei, es ist gut ausgegangen. Und ich zweifle nicht daran, dass es so bleibt. Letztendlich müssen wir die Andrianer nicht mit unserer überlegenen Technologie vernichten, sondern können sie endlich für den friedlichen Fortschritt nutzen. So, wie wir es geplant hatten, lange bevor wir die PARACELSUS, die NAUTILUS, die ATLANTIS und die anderen Schiffe gebaut haben.“
Der Professor lachte rau auf.
„Was ist, Ardan?“
„Ich schäme mich gerade vor mir selbst. Eine ganze Welt, sechs Milliarden Menschen, glaubt plötzlich an einen friedlichen Traum, an eine Erde ohne Konflikte. Nur ich war bereit, einen interstellaren Krieg zu beginnen.“
„Man lernt eben nicht aus, Ardan“, sagte Radkin ernst. „Und solange das der Fall ist, leben wir und verbessern uns.“ Er schlug dem Freund sehr kräftig auf die Schulter. „Ist es nicht schön, wenn selbst du entdeckst, dass du noch Spielraum für Entwicklungen hast? Vordenker steht dir sowieso besser als Feldherr.“
„Ich muss mich wohl wirklich noch entwickeln. Die Rolle als charismatischer Krieger gefiel mir plötzlich“, gestand der Professor leise.
„Wir alle haben jetzt Gelegenheit bekommen, um uns zu entwickeln“, sagte Doktor Amber und prostete den Männern zu.