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Familie gesucht

von Happy
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Charlotte "Chuck" Charles Emerson Cod Ned Olive Snook
29.03.2009
24.06.2009
7
6.641
1
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Dieses Kapitel
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29.03.2009 1.029
 
Eine heiße Spur



Währenddessen hatten Emerson und Olive weitere Hausbewohner befragt, wobei sich jedoch herausstellte, dass das Baby anscheinend unbemerkt vor der Tür des Kuchenbäckers abgelegt worden war. „Irgendjemandem muss doch was aufgefallen sein.“, sagte Olive, während sie zur nächsten Tür gingen. „Man kann doch nicht aus dem Nichts auftauchen, ein Baby vor einer Tür ablegen und dann wieder spurlos verschwinden.“
„Ich weiß es nicht, denn ich wohne hier nicht...im Gegensatz zu dir! Ist dir denn nichts aufgefallen?“, fragte Emerson neugierig, während Olive ihn mit großen Augen ansah. „Ich? Ich hab nichts mitbekommen! Zu besagtem Zeitpunkt habe ich in meiner Küche gesessen und ein Toastbrot mit Erdbeermarmelade gegessen und dazu ein Glas kalte Milch getrunken.“, rechtfertigte sich die junge Frau. „Gibt es dafür Zeugen?“, fragte der Detektiv schmunzelnd, woraufhin er sich von Olive einen kleinen Ellenbogen-Seiten-Stoß einfing.

Eine viertel Stunde und zwei Türen später stand fest, dass es ziemlich aussichtslos war jemanden zu finden, der die Person identifizieren konnte, die das Baby hinterlassen hatte. „Ok, es bleibt nur noch eine Wohnung übrig, die schaffst du doch auch alleine. Ich warte unten im Wagen.“, erklärte Emerson und zog missmutig davon. Olive sah ihm nachdenklich und zugleich enttäuscht hinterher, bevor sie sich umdrehte und auf die Klingel drückte.


Privatdetektiv Emerson Cod traf auf dem Weg zu seinem Auto ein kleines, an einem Lolly leckendes, blondes Mädchen, das abrupt stehen blieb als es den fremden Mann sah. „Hey Kleine.“, brummte Emerson und versuchte zu lächeln, was ihm redlich misslang. „Sie machen mir Angst, weil Sie so groß sind.“, stellte das Mädchen fest und hörte für einen Moment auf an dem Lolly zu lutschen. „Du brauchst keine Angst zu haben, später wirst du auch mal so groß.“, erklärte Emerson beruhigend. Die Kleine verzog das Gesicht, als würde sie jeden Moment anfangen wollen zu weinen. „So etwas gemeines hat noch nie jemand zu mir gesagt!“, jammerte sie, woraufhin der Privatdetektiv sie fragend ansah und grübelnd nach dem Grund für ihre Verstimmtheit suchte.
Das Mädchen fing sich jedoch schnell wieder und musterte den großen Mann von oben bis unten. „Sie wohnen hier nicht.“, stellte sie nach einer Weile fest. „In letzter Zeit sind hier öfter Männer unterwegs, die hier nicht wohnen. Genau wie heute morgen.“
Der Ermittler wurde hellhörig. Hatte das Mädchen etwa den gesuchten Unbekannten beobachtet? Er hockte sich auf den Boden und hörte der Kleinen aufmerksam zu.


Als Olive Snook das Haus verließ, sah sie nicht gerade glücklich aus. Emerson hingegen, der lässig an seinem Wagen lehnte, grinste zufrieden. „Ich habe eine ziemlich genaue Beschreibung von unserem Phantom.“, erzählte er Olive, als diese bei ihm ankam. Ihre Stimmung schlug schlagartig um und sie strahlte den Privatdetektiv bis über beide Ohren an. Nachdem Emerson ihr detailliert berichten musste, wie er an diese Informationen gekommen war, holte er schließlich den kleinen Notizzettel heraus, auf dem er sich das Aussehen, des von dem Mädchen beschriebenen Mannes, notiert hatte. Olive, von Natur aus neugierig, schielte auf das Stück Papier. Während des Lesens entwichen ihre Gesichtszüge immer weiter bis sie schließlich erschrocken und überrascht zugleich zu Emerson aufsah. „Ich kenne diesen Mann!“, rief sie aus und begann sogleich aufgebracht auf dem Bürgersteig auf und ab zu laufen, während sie unaufhörlich mit dem Kopf schüttelte. „Das kann doch nicht sein...das kann einfach nicht sein...er schien ein so netter Kerl zu sein.“
Emerson beobachtete das aufgeregte Hin und Herlaufen, bis ihm schließlich schwindelig wurde und er kurzerhand den Arm ausstreckte, um Olive zum Anhalten zu bewegen. „Wir gehen jetzt erstmal rein und dann erklärst du mir in Ruhe woher du unser Phantom, das ja jetzt kein Phantom mehr ist, kennst.“
Olive nickte abwesend. Sie war noch ganz durcheinander, weshalb sie zunächst auch in die falsche Richtung lief. Nachdem Emerson sie zurückgeholt und zum Eingang des Pie Hole´s dirigiert hatte, schloss Olive auf und die beiden ließen sich am Tresen nieder. „Ich mag es nicht, wenn das Pie Hole leer ist und die Öfen kalt sind.“, stellte Olive, mit einem traurig-schweifenden Blick durch den Raum, fest. Emerson erinnerte sie daran, dass sie nur den Fall lösen mussten, um dafür zu sorgen, dass bald wieder Leben in das „Kuchenhaus“ kehrte. „Also, ich bin ganz Ohr.“
So begann Olive von dem nicht-mehr-Phantom zu erzählen, von dem sie nur den Vornamen kannte: Robin.

Robin, der vor 23 Tagen 32 Jahre alt geworden war, kam seit 8 Monaten regelmäßig von Montag bis Freitag um jeweils 8 Uhr ins Pie Hole. Er setzte sich meist an einen Tisch am Fenster, von wo aus er die vorbeilaufenden Menschen beobachtete. Wenn es regnete zog er jedoch einen Tisch vor, der eine zentralere Raumlage hatte. Seine Bestellung sah immer wie folgt aus: eine Tasse Kaffee mit genau einem Stück Zucker und ein mittelgroßes Stück Kuchen mit einem Klecks Sahne. Er favorisierte Kirschkuchen, fand jedoch auch alle anderen Kuchenvariationen schmackhaft.
Er hatte ein sympathisches Lächeln, war an jedem Morgen gut gekleidet und legte eine freundliche und offene Art an den Tag. Sein Verhalten war nie auffällig oder unhöflich gewesen und er wechselte stets ein paar nette Worte mit Olive, wobei die Themen sich meist auf das Wetter, die Gesundheit oder das neueste Stadtgeschehen bezogen. So hatte Olive auch erfahren, dass Robin in einem kleinen Fischereibetrieb am Hafen arbeitete. Mehr wusste sie jedoch nicht über den jungen Mann.

Während Olive von Robin sprach wanderte ihr Blick automatisch zu dem Tisch, an dem er zuletzt gesessen hatte. „Und du meinst wirklich, dass er was mit dem Aussetzen von Ned-Junior zu tun hat?“, fragte sie schließlich an Emerson gewandt, der sich zu der Beschreibung Robins noch einige Notizen machte. „Ich weiß es nicht. Das Mädchen hat ihn heute morgen durch den Flur schleichen sehen und er soll etwas blaues in der Hand gehalten haben. Ich finde, dass ihn das schon ziemlich belastet.“
Olive seufzte. Für sie war es unvorstellbar, dass dieser Mann zu so etwas fähig sein sollte. „Ich werde erstmal diesen Fischereibetrieb ausfindig machen, in dem er angeblich arbeitet und dann statten wir ihm morgen einen Besuch ab.“, erklärte Emerson entschlossen und machte sich dann auf den Weg in sein Büro. Olive blieb mit ihren, sich überschlagenden Gedanken allein zurück.
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