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Familie gesucht

von Happy
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Charlotte "Chuck" Charles Emerson Cod Ned Olive Snook
29.03.2009
24.06.2009
7
6.641
1
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29.03.2009 844
 
Etwas Normalität?



Der Mann und die Frau, die an diesem Vormittag - genauer gesagt um elf Uhr und einundzwanzig Minuten - mit einem entzückenden Baby auf dem Arm das Geschäft „Schnulleralarm“ betraten, sahen wie eine ganz normale, glückliche Familie aus und nicht wie ein Kuchenbäcker, der Tote wieder zum Leben erwecken konnte; eine Tote, die wieder zum Leben erweckt wurde und ein Baby, das von irgendwelchen Leuten vor der Tür der beiden abgelegt wurde.

„Kann ich Ihnen helfen?“, fragte Cindy Melon, Verkäuferin in besagtem Babyfachgeschäft und Angestellte des Monats, mit einem freundlichen Lächeln. Die junge Frau mit den kurzen, roten Haaren tätschelte Ned-Junior begeistert im Gesicht herum und wandte sich dann wieder an die beiden Menschen, die sie für die Eltern des Kleinen hielt. „Sie haben einen wirklich niedlichen Sohn! Braucht der Kleine neue Sachen? Wir haben ein neues Sortiment mit bezaubernden Strampelanzügen für ihren Nachwuchs. Wenn Sie mir bitte folgen möchten.“ Und schon verschwand Cindy in den Tiefen der Babywelt, in der sie nun schon seit über 4 Jahren arbeitete.
Ned und Chuck sahen sich fragend an. Sie waren überhaupt nicht dazu gekommen Cindy zu erklären, dass sie eben nicht die Eltern von Ned-Junior waren. „Vielleicht ist es besser so.“, sagte Ned, während er in den Gang einbog, in dem Cindy verschwunden war. „Das ganze Chaos zu erklären würde vermutlich zu lange dauern und sie würde es sowieso nicht verstehen.“
Chuck, die mit Ned-Junior auf dem Arm Mühe hatte dem erwachsenen Ned und der Verkäuferin zu folgen, stimmte ihm zu und gab sich für einen Moment dem Tagtraum hin, der sie glauben ließ der Kleine wäre wirklich Neds und ihr Sohn. Lächelnd drückte sie das Baby an sich, das sabbernd und mit großen Augen die Spielsachen betrachtete, an denen seine momentane Ersatzmutter mit ihm vorbeilief.

Cindy beendete ihren Marathon, als sie ein großes Regal erreicht hatte, in dem unzählige blaue Babysachen hingen. Sie sah sich nach ihren Kunden um, die einen Augenblick später um die Ecke bogen. „Da sind Sie ja! Welche Größe hat denn ihr Sprössling?“, fragte sie, während sie den Kopf schon in das Regal steckte und zwischen den Sachen wühlte. Chuck nutzte diesen Moment, um in den Sachen, die Ned-Junior anhatte, nach der Größe zu suchen. Ned sprang rettend ein, indem er Cindy höflich erklärte, dass sie lieber alleine durch den Laden stöbern würden. „Oh...verstehe.“, gab die zierliche Frau leicht enttäuscht zurück und trat ein paar Schritte zurück. Ned und Chuck lächelten sie entschuldigend an, doch lange hielt die Traurigkeit der jungen Verkäuferin nicht an, denn einen Augenblick später hörte sie wie die Tür aufging und das damit verbundene sanfte Klingeln die Ankunft einer neuen Familie ankündigte. Cindys Stimmung hellte sich augenblicklich wieder auf und sie rannte los, um die Neuankömmlinge in Empfang zu nehmen und ihnen beratend zur Seite stehen zu können.

Geraume Zeit später traten der Kuchenbäcker und Chuck an die Kasse, an der Cindy saß und ein Modemagazin durchblätterte. Als sie die Kundschaft bemerkte, legte sie die Zeitung blitzschnell weg und setzte wieder ihr bezauberndes Lächeln auf. „Haben Sie alles gefunden?“, erkundigte sie sich höflich, woraufhin Chuck freundlich lächelnd nickte und einige Schritte Sicherheitsabstand zwischen sich und Ned brachte, während dieser die ausgesuchten Sachen auf das Band legte. Nachdem er bezahlt hatte, begann er alles in große Einkaufstüten zu packen.
Ned-Junior schien zu spüren, dass für ihn gerade Windeln und diverse andere Sachen gekauft wurden, denn er begann erst leise zu quengeln und dann laut zu weinen. Cindy verzog mitfühlend das Gesicht und zeigte Chuck dann den hauseigenen Wickelraum. Die Ersatzmutter ließ sich von Ned eine Windel geben und verschwand dann mit dem Baby in dem Raum, den Cindy ihr gezeigt hatte.

Kurze Zeit später kam sie mit einem zufriedenen Kind auf dem Arm zurück. Ned, der die Tüten inzwischen im Auto abgeladen hatte, empfing die zwei am Ausgang des Geschäfts. „Seid ihr klargekommen?“, fragte Ned, während er Chuck die Autotür aufhielt. „Anfangs war es komisch, da ich bisher nur ein oder zwei Mal in der Situation war ein Kleinkind wickeln zu müssen, aber wir sind ein gutes Team und haben es schließlich ohne Komplikationen hinbekommen.“
„Das ist schön.“, erwiderte der Kuchenbäcker, und unfreiwilliger Ersatzvater, grinsend und stieg ebenfalls ein.
Kaum waren sie losgefahren, da war Ned-Junior auch schon eingeschlafen. Chuck beobachtete ihn lächelnd und fragte sich, wer so ein niedliches Geschöpf einfach so vor die Tür wildfremder Menschen legen würde. „Was machen wir, wenn wir seine Eltern nicht finden?“, fragte sie flüsternd, woraufhin Ned einen kurzen Blick in den Rückspiegel warf und sie ansah. „Wir müssen sie finden, er braucht seine Mutter.“, erklärte er und fügte einen Moment später hinzu: „Und seinen Vater.“
Der Kuchenbäcker musste augenblicklich an seinen eigenen Vater denken, der ihn im Stich gelassen hatte. Ihm wurde klar, dass Ned-Junior sich in einer ähnlichen Situation befand und er schwor sich alles dafür zu geben, die Eltern des Kleinen ausfindig zu machen. Er würde ihnen dann schon irgendwie klarmachen, dass sie gegenüber ihrem Sohn eine große Verantwortung hatten, vor der sie sich nicht einfach drücken konnten.
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