Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Familie gesucht

von Happy
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Charlotte "Chuck" Charles Emerson Cod Ned Olive Snook
29.03.2009
24.06.2009
7
6.641
1
Alle Kapitel
9 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
29.03.2009 1.072
 
Detektivarbeit



Olive starrte unentwegt auf den Telefonhörer in Emersons Hand, während dieser mit einigen Leuten telefonierte, die ihm - so hoffte er - sagen konnten wo das Baby, dem Chuck und Olive den Namen Ned-Junior gegeben hatten, herkam. Nachdem er einige Male wissend genickt und ab und zu ein ´ja´ oder ´ich verstehe´ von sich gegeben hatte, legte er auf und sah seine „Detektiv-Assistentin“ nachdenklich an. Diese hielt das Schweigen vor Aufregung jedoch kaum noch aus. Sie liebte es an Ermittlungen teilnehmen zu dürfen und nicht nur den ganzen Tag Gäste zu bedienen, auch wenn sie das mit Hingabe und Leidenschaft tat, ein wenig Abwechslung tat jedem ganz gut. „Und?“, fragte sie mit leuchtenden Augen, woraufhin Emerson nur den Kopf schüttelte. „Es wurde kein Kleinkind als vermisst gemeldet, weder hier in der Stadt, noch in der näheren Umgebung.“
„Das ist gut! Nein, eigentlich nicht...oder doch? Ich bin verwirrt.“, erklärte Olive, hielt jedoch an ihrem Lächeln fest. „Für die ganzen Familien und Kinder hier ist es gut, aber für uns und den Winzling ist es eher schlecht, denn so wird es um einiges schwerer die Eltern aufzutreiben.“, erklärte Emerson. Er stand seufzend auf und lief nachdenklich durch sein Büro, wobei er von Olives neugierigen Blicken verfolgt wurde. Plötzlich fiel ihm etwas ein. „Hey, du hast doch gesagt, dass das Kind einfach vor Neds Tür gelegt wurde. Dann könnte es doch sein, dass jemand diesen morgendlichen Vorgang beobachtet hat!“
Olive sprang nickend auf und blieb vor Emerson stehen, wobei sie sich ziemlich verrenken musste, um dem Detektiv überhaupt ins Gesicht sehen zu können. „Du meinst wir sollten die Nachbarn verhören?“, flüsterte sie verschwörerisch. Während Emerson nickte griff Olive schon nach ihrer Jacke und stürzte aus der Tür. „Ich ziehe jedoch den Begriff ´befragen´ vor.“, murmelte der Privatdetektiv und verdrehte die Augen, bevor er seiner übermütigen Assistentin folgte. Im Vorbeigehen nahm er noch seinen Hut vom Schreibtisch.

9 Minuten und 33 Sekunden später hatten die beiden ihr Ziel erreicht: den Flur, in dem an diesem Morgen das Verbrechen - in diesem Fall das Aussetzen eines wehrlosen Kindes - stattgefunden hatte. „Ich versuche diesen Ort als neutralen Ort zu sehen und nicht als das was es wirklich ist: mein zu Hause.“, erklärte Olive entschlossen, während sie auf die erste Tür zusteuerten. Emerson konnte den Drang, Olive zu fragen inwieweit das bei der Suche nützlich war, erfolgreich unterdrücken und gab stattdessen ein desinteressiertes Brummen von sich.

„Lass mich das machen.“, sagte er nur knapp und drückte dann auf die Klingel, die neben der Tür angebracht und mit einer bunten Blume umrahmt worden war. Es vergingen 20 Sekunden in denen nichts geschah, was Emerson dazu veranlasste die Klingel ein zweites Mal zu betätigen. „Du bist zu ungeduldig.“, stellte Olive fest und lächelte dann wieder freundlich die geschlossene Tür an vor der sie standen. Emerson musterte Olive mit einem schrägen Blick von der Seite, sagte jedoch nichts. Stattdessen wartete er geduldig bis eine ganze Minute verstrichen war und fragte dann übertrieben freundlich: „War das jetzt geduldig genug?“
„Nein.“
„Ich denke schon! Wir warten jetzt schon eine halbe Ewigkeit. Hier ist niemand zu Hause, also lass uns zur nächsten Wohnung gehen.“ Mit diesen Worten wandte sich Emerson ab, doch in dem Augenblick hörte er, wie hinter ihm eine Tür geöffnet wurde. Das darf doch wohl nicht wahr sein, dachte er verzweifelt und drehte sich, mit einem falschen Lächeln auf den Lippen, wieder um. In Gedanken rechnete er schon die Zeit aus, die sie in diesem Haus verbringen würden, wenn alle Menschen hier so lange brauchten, um die Tür zu öffnen.
„Guten Tag! Entschuldigen Sie bitte die Störung, wir haben ein kleines Problem, bei dem Sie uns vielleicht helfen können.“, begann Olive das Gespräch, wobei sie extra laut sprach, da ihr Gegenüber eine alte Frau war, die, wie sie wusste, Probleme mit dem Gehör hatte. „Tut mir Leid, ich kaufe keine Zeitschriften an der Haustür.“, sagte die Frau mit schriller Stimme und machte sich daran die Tür zu schließen, doch in dem Moment schien sie Olive zu erkennen. „Wohnen Sie nicht auch hier, junge Frau?“
Olive nickte sofort und erklärte ihr, dass sie und Emerson keinesfalls Zeitschriften oder ähnliches verkauften. „Wir wollen Ihnen nur eine winzige Frage stellen.“, rief Emerson ungeduldig, woraufhin er sich einen tadelnden Blick seiner Assistentin einfing. „Was wollen Sie denn wissen?“, fragte die ältere Dame irritiert, während sie sich an den Türrahmen lehnte. Olive schilderte ihr, ohne dabei zu sehr ins Detail zu gehen, was sich heute morgen hier abgespielt hatte und fragte sie dann, ob sie irgendetwas auffälliges beobachtet oder eine fremde Person auf dem Gang, bzw. vor dem Haus, gesehen hatte.
„Ich sehe hier immer viele Leute vorbeilaufen, wissen Sie. Das heißt jedoch nicht, dass ich jeden ständig beobachte, ich werfe nur öfter als andere Menschen einen Blick durch das kleine Guckloch in der Tür. Ich bin eben ein vorsichtiger Mensch, das sollte man in meinem Alter auch sein.“
„Haben Sie heute morgen auch ´zufällig´ durch Ihre Tür geguckt?“, fragte Emerson neugierig, woraufhin die Dame anfing zu überlegen.
Nachdem einige Zeit verstrichen war und die alte Frau immer noch nachdachte, wollte Emerson eine Bemerkung von sich geben, um sie wieder daran zu erinnern, dass ihr eine Frage gestellt worden war, doch Olive machte ihm einen Strich durch die Rechnung indem sie ihn ansah und energisch den Kopf schüttelte. Also klappte Emerson seinen Mund wieder zu und übte sich erneut im Warten.
„Heute war ein komischer Tag, wissen Sie. Ich wollte nach dem Frühstück nach draußen gehen, um die Zeitung zu holen, aber aus irgendeinem Grund konnte ich meine Brille nicht finden. Ohne meine Brille sehe ich alles nur verschwommen, verstehen Sie. Ich habe sie überall gesucht, aber ich konnte sie beim besten Willen nicht finden. Deshalb bin ich dann ohne Brille nach draußen gegangen.“
„Ist Ihnen da jemand aufgefallen, der nicht hier wohnt?“, fragte Olive vorsichtig, um die Frau nicht zu überfordern. „Ja, da war in der Tat jemand, aber ohne meine Brille konnte ich ja nichts erkennen. Ich habe nur einen verschwommenen Schatten vorbeihuschen sehen. Als ich dann aber wieder in meiner Wohnung war hab ich meine Brille doch noch gefunden. Ich hatte sie im Badezimmer abgelegt, weil ich sie sauber machen wollte...ach, was für ein komischer Tag.“ Sie lachte und sah Olive erwartungsvoll an. Diese bedankte sich für die Informationen und entschuldigte sich erneut für die Störung. „Kein Problem, Kindchen.“, sagte die Frau lächelnd und verschwand wieder in ihren vier Wänden.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast